Führung -  Wissen aus Studium und Erfahrung

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  • Udo Lindner
    Udo Lindner    Premium Member   Group moderator
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    Christliche Führung
    Liebe Netzwerkkollegen,

    aus meiner Sicht würde es uns gut tun, in der Führung wieder mehr christliche Werte in den Vordergrund zu stellen.

    Was heißt das nun konkret, wenn Führungskräfte sich an christlichen Werten orientieren? Welche Konsequenzen hat das für das konkrete Führungshandeln? Wie geht es Menschen, die sich als Führungskraft zum Christentum bekennen?

    Meine eigene Geschichte ist von vielen Ambivalenzen im Umgang mit meinem eigenen Glauben geprägt. Den letzten Ausschlag gaben die Ereignisse um den 11.September, in deren Folge ich selbst wieder in die Kirche eingetreten bin.

    Es ist mir wichtig, hier keine Diskussion um irgendwelche Dogmen anzuzetteln. Vor allem wünsche ich mir einen toleranten und konstruktiven Umgang mit dem Thema und freue mich auf Ihre Beteiligung.

    Mit freundlichen Grüßen
    Udo Lindner
  • Stefan Kaus
    Stefan Kaus    Premium Member   Group moderator
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    Opium für das Volk
    Sehr geehrter Herr Lindner,

    vielen Dank für diesen Beitrag. Leider möchte ich Ihnen hier widersprechen! Führung hat meines Erachtens nichts mit christlichen Werten zu tun!

    aber…

    Sehr wohl mit Werten. Dabei ist mir es vollkommen egal ob als Basis für diese Werte, die Bibel, der Talmud, der Koran oder die Philosophie von Epiktet oder einem anderen ethischen Denker benutzt wird. Reduziert auf die wesentlichen Aussagen all dieser geistigen Wertesysteme bleibt das Ergebnis gleich (dies trifft sogar – in weiten Teilen – (meines Erachtens – habe diese jedoch noch nicht gelesen, nur vom Hören und Sagen) auf die Basisschriften der Kommunisten zu).

    Was heißt das für den Alltag? Bleibe Fair, verdiene Geld und lass andere auch ein bisschen verdienen (muss ja nicht von deinem Kuchen sein :-)).

    Wie im gesamten Leben, heißt das für mich - reduziert formuliert: Was du nicht willst,…

    In Ihrer Entstehungszeit hatten alle aktuellen Religionen der Vorteil, dass sie gerade in der Gründungszeit mit den gerade aktuellen Wertesystemen, in Konkurrenz traten und sich durch die unbeschwerte Leichtigkeit und das "Anders sein" gegenüber des jeweiligen aktuellen geistigen Mainstream hervortaten.

    Gerade das Christentum hatte vor allem Erfolg, weil es sich geistig gegen die Dekadenz der herrschenden (meist römischen) Kaste richtete und gewisse – damals - sicher kommunistisch wirkende Einstellungen vertrat! Gleichheit, Brüderlichkeit und andere revolutionäre Thesen lassen sich aus den Geschichten des Jesus von Nazareth sehr wohl herleiten.

    Mich würde noch Interessieren, wie der 11. September, an dem einige vom Weg abgekommene, irregeleitete Menschen mit muslimischen Glauben versuchten die Welt zu verändern, Sie wieder zum christlichen Glauben gebracht hat? Ich bin kein Schriftgelehrter und kein Koranspezialist, konnte aber beim Lesen des Korans nicht wirklich eine Stelle finden, die diesen Extremisten einen Auftrag oder eine Legitimation gab oder gibt. Bei vielen Gesprächen mit gläubigen Muslimen konnte ich nicht feststellen, dass diese dieses Handeln als richtigen Umgang mit ihren Glaubensgrundsätzen verstehen. Nachdem auch wir Christen heute die Legitimation der Kreuzzüge in Fragestellen, müssen wir wahrscheinlich nur ein paar hundert Jahre warten bis alle Rechtgläubigen sich von dieser Tat distanzieren.

    Mit besten Grüßen

    Stefan Kaus
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  • Udo Lindner
    Udo Lindner    Premium Member   Group moderator
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    Re^2: Christliche Führung
    Liebe Diskussionsfreunde,

    nun ist ein Jahr vergangen und ich melde mich doch mal wieder zu Wort.
    Wir leben in einem Kulturkreis, der auf christlichen Werten basiert - ob wir wollen oder nicht. Jeder hat natürlich das Recht, sich seine eigenen Werte zu basteln. Und natürlich stimmen viele moralische Handlungen mit christlichen Werten überein (wie auch mit den Werten anderer Religionen und Philosopien). Dass die Werte missbraucht wurden, sollten wir nicht den Werten vorwerfen.
    Also: Christ sein ist nicht per se schädlich.
    Um das Rätsel "11. September und Kircheneintritt" zu lösen: Ich habe an dem Tag im Lufthansa-Trainingszentrum eine Veranstaltung mit 150 Teilnehmern geleitet und die einstürzenden Türme auf der Großleinwand gesehen. Ich war tief erschüttert. In der Folge gab es viele Diskussionenn unter anderem mit Kollegen aus der eigenen Firma. Noch an dem Abend saß ich mit Moslems, Juden, Christen und anderen zusammen. Ich bin sehr dankbar für diese Begegnung.
    Am Sonntag danach war ich in der Kirche und der Pfarrer, mit dem ich inzwischen befreundet bin, fand die richtigen Worte...
    Scholl-Latour meinte, aus Sicht der Moslems seien wir ja nicht einmal mehr Christen...auf dem Niveau von Tieren...
    Viel Nachdenken. Was tun...? Eine Idee von vielen: lasst uns gemeinsam die Plattform wiederbeleben, die uns Halt und Hoffnung geben kann und die neben der Nächstenliebe die viel revolutionärere Idee der Feindesliebe in die Welt gebracht hat.
    Es kann sich jeder gerne seine Werte selber aussuchen. Für ein Gemeinschaftsgefühl finde ich gemeinsame Werte viel praktischer. In meiner Gemeinde finde ich viele davon. Daher bin ich froh, wieder "richtig" dabei zu sein und auf kleiner Flamme Beiträge für eine liebevolle Gesellschaft leisten zu können. Ich freue mich über alle, die daran mitwirken, egal unter welcher Flagge sie segeln. Flagge bekennen ist allerdings auch eine wichtige Tradition.

    Viele Grüße

    Udo Lindner