Kochen, Gastrosophie & Weine
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Andreas Nagel Premium MemberThe company name is only visible to registered members.Weinfex probt.
Begonnen wurde mit einer Magnum 1988 Bollinger RD.
Nun bin ich ja wirklich nicht der "Sprudelschlucker",
verzichte wegen der "dicken Birne" am nächsten Morgen
sogar in den meisten aller Fälle auf meine Brausedosis,
in dem Fall war ich aber zu langsam und hatte das Glas
schon in der Hand bevor den Mund auf. Also tapfer
Nase eingetaucht. Nach Lehrbuch und gängiger Meinung kann man ja
Säure nicht riechen. Ich kann das! :D Dann war da
noch ziemlich viel trockener Karton. Diese zwei Komponenten
prickelten dann auch durch meinen Mund, na ihr seht schon,
die grosse Liebe sieht anders aus :roll: . Um den Champus
ein wenig zu entlasten, vielleicht war er ja zu jung, oder zu alt,
oder eine schlechte Flsche, oder irgendwie alles zusammen... :oops:
Zum geräucherten Lachs/Zander/Forelle dann Ygrec. 1985 und 1988.
1985 gleicht in der Stilistik einer ausgereiften deutschen Auslese,
und wenn ich nicht gewusst hätte, was auf dem Etikett stand, hätte
ich Stein und Bein geschworen, dass es auch eine ist.
1988 ist stilistisch ein kompletter Wein. Während der ältere eher einem
Zwitter zwischen Edelsüss und Trocken gleicht, ist der Jüngere
komplett edelfäulefrei und komplett durchgegoren. Die Strukur wird
gegeben von einem massiven, aber bestens eingebundenen Holzeinsatz.
Zum Räucherfisch, und nicht nur dazu, einfach eine Offenbarung.
Es wurde Rot. 2er Flights. (Fast) Doppelt blind. Wir wussten lediglich,
beide Weine kommen immer aus dem selben Jahrgang.
tbc
- 23 Nov 2010, 10:53 am
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Andreas Nagel Premium MemberThe company name is only visible to registered members.Re: Weinfex probt.
Das im ersten Flight niemand auf die Weine kam, obwohl sie praktische jeder am Tisch
mit Sicherheit schon öfters im Glas hatte, na ja, vielleicht war es zuvor der
Räucherfisch, oder der Ygrec :oops: , es wurde über den Abend auch nicht viel besser,
wobei mir da keine wirkliche Ausrede einfällt, auser das vielleicht der Mond falsch
stand, oder so. Alle sin allem aber auch nicht wichtig, schliesslich hatten wir alle
unseren Spass mit grossen Weinen, tollem Essen und wunderbaren Menschen.
Also wie gesagt, 1997 Ch. Haut Brion und 1997 Ch. Margaux blieben "unerkannt",
wobei beide sich eigentlich nicht "so untypisch" präsentierten. Ersterer ist voll
trinkreif, wobei da trotzdem keinerlei Eile geboten ist, Zweiterer hat noch ein
"gewisses" Entwicklungspotential, kann aber natürlich, am besten mit ordentlich Luft,
fraglos gekappt werden.
Als Memme wie mich etwas zu Süss und zuviel Bu..., 2001 Backus Vineyards Phelps,
objektiver gesehen, aber ein Kalifornier wie er im Buche steht und genau das
erfüllt, was man gemeinhin von diesen Weinen so erwartet. Keinerlei Alterstöne, aber
natürlich bestens entwickelt und trinkreif. 92P.
"Voll bei der Musik" war für mich der Flightpartner 1991 Howell Mountain von Dunn.
Stilistisch eine Mischung aus Latour und Haut Brion (vielleicht nicht ganz so intensiv
herausgearbeitet). Immer noch sehr jung und unentwickelt, kühl, nichts was sich auf
den ersten oder zweiten Schluck erschliesst, dann aber eine wunderbare 'Struktur
offenbart und wie aus einem Guss wirkt. Warten! 94+P.
Zum Glück war ich bei diesem Flight weder ins Dekantieren, noch beim Einschenken
involviert. Denn wenn bei den Weinen 1996 Duhart Milon und 1996 Comtesse
u.a. auf dem Probenzettel etwas von "etwas fehlende Länge" und "endlose Länge"
steht, ist die Verteilung eigentlich klar. Eigentlich! Wenn nichts vertauscht wurde,
und das ist immer mal möglich, in diesem Fall waren aber sogar die Karaffen
"bezeichnet", war es aber in diesem Fall aber gerade nichts so. Selbst "die
Comtesse Instanz" am Tisch war in diesem Fall ratlos, was ich glaube ich
noch nie bei Ihr erlebt habe. Wie auch immer, einer dieser beiden Weine war
im lockeren 96/97P. Bereich und ganz egal wer auch immer da aus dem Glas kam,
war grandioser Saft....
tbc
- 24 Nov 2010, 11:32 am
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Andreas Nagel Premium MemberThe company name is only visible to registered members.Re^2: Weinfex probt.
JKL wird sich einmal mehr bestätigt sehen, wenn ich
schreibe 91/94/96 Unico Reserva ist komplett komponentig,
dass passt hinten und vorne nicht zusammen, zumindest
noch nicht. In 10 - 15 Jahren könnte man mal an die nächste
Flasche...
Auch der 93 Behringer Reserve überzeugte mich nicht, aber
im Gegensatz zum Flightpartner könnte hier der Zenit überschritten sein.
Rousseau zählt ja nun nicht wirklich zu den Modernisten im Burgund.
Trotzdem empfand ich den 2002 Charmes Chambertin für meinen
Geschmack etwas zu "konventionell". Der 2002 Clos des Lambrays dagegen
steht dagegen wie "ein Fels" in der Tradition. Mehr Spannung, deutlicher
definiert, fordernder...
Mir ist schon bewusst, dass diese Meinung polarisieren muss, und so ist
es auch gedacht, aber für mich sollten Weine auf diesem Niveau
"Gesprächspartner" sein, für Monologe muss man nicht soviel Geld investieren...
tbc
- 25 Nov 2010, 4:08 pm
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Andreas Nagel Premium MemberThe company name is only visible to registered members.Re^3: Weinfex probt.
Es folgte der 1982 Jahrgangsflight. 8 Stunden jeweils dekantiert.
Dem Figeac hat diese Prozedur minimal "geschadet", wobei ich
mich nicht beschweren will :roll: , sondern lediglich darauf hinweisen,
auch sein Leben endlich ist :D. Leichte Malzanklänge und etwas grüne
Paprikaaromatik haben ihn marginal aus der Balance gebracht,
denn über die Grösse dieses Weines gibt es nichts zu kritteln,
die ist unbestritten nach wie vor vorhanden und ein Erlebnis ihn
im Glas zu haben.
Leoville La Cases ist nach wie vor in Kinderschuhen. Aber, er
scheint dem embryonalen Stadium entwachsen. Diese Jugend
dürfte einen weiteren Zeitraum in Anspruch nehmen, der
dem bei uns Menschen gleicht. Im Unterschied aber zu uns,
lässt sich mit Sicherheit schon heute sagen, er wird perfekt.
Hier ist alles am richtigen Fleck, es ist von allem genügend, aber
von nichts zuwenig oder zuviel da. Flüssige Perfektion. 100P.
Der nächste Flight sprengte dann in einem der beiden Fälle
meine "Relationen". Wir hatten einen in der Farbe 3-5 jährigen
und einen 20-25 jährigen Wein im Glas. Aus wohlgemerkt dem
gleichen Jahrgang :lol: . Beide Weine waren aus 1990. Rhone
war auch ziemlich klar. Das es aber einmal nördlich und einmal
südlich war, überforderte mich in diesem Fall kolossal, mich
beschäftigte extrem dieser farbliche Unterschied, was
aber keine Ausrede sein soll...
tbc
- 29 Nov 2010, 3:58 pm
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Andreas Nagel Premium MemberThe company name is only visible to registered members.Re^4: Weinfex probt.
Aus dem Süden kam die reife Farbe, 1990 Cuvee Laurence
von Pegau. Nachdem ich mir nicht sicher bin,
ob der 89er jemals seine Balance findet, ist
90 im Gleichgewicht und trinkreif auf den Punkt.
Die Aufmerksamkeit war aber zugegebenermassen
auf das zweite Glas "betoniert". Ein Wein der aller
Wahrscheinlichkeit praktisch "unsterblich" sein wird.
Die letzte Flasche, anlässlich der grossen La Chapelle
Verkostung in Wiesbaden war ebenfalls sehr gut, aber
mit dieser Flasche nicht zu vergleichen. Es war
1990 Hermitage La Chapelle von Jaboulet-Aine.
Dieses Exemplar sprengte für mich sämtliche Dimensionen.
Immer noch unentwickelt, wie schon weiter oben geschrieben,
aber die Proportionen sind so perfekt und genial aufeinander
abgestimmt, dass das Ergebnis bei Reife für mich in
keinster Weise in Frage steht. Das ist magisch und mit das
Grösste was ich jemals im Glas haben durfte! Ein Überwein und
zukünftige Legende.
Es mag inkonsequent sein, aber um ihn zu bewerten reicht mein 100P.
System nicht aus. Natürlich könnte man dann sein persönliches Punkteschema
neu justieren, nur würde es dann für mich im gesamten Kontext nicht
mehr stimmen. Im übrigen weiss ich inzwischen, dass einem so oft im Leben
solche Flaschen nicht über den Weg laufen :D , deshalb sehe ich
ihm die "Sprengung" nach...
tbc
- 30 Nov 2010, 3:35 pm
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Andreas Nagel Premium MemberThe company name is only visible to registered members.Re^5: Weinfex probt.
Danach gab es einen "Einzelflight".
Dieses Mal "leider nur" 100Punkte ;-) .
Zumindest mit "Objektivfilter". Subjektiv ist er "genug
bepunktet", wenn ich ihn für mich nicht im Keller haben
muss. :D . 2007 Da Capo von Pegau ist fraglos
ein kompletter, grandioser Erfolg dieses Jahrganges
an der südlichen Rhone. Unglaublich konzentriert, ich
meine so etwas wie 16,7% stand auf dem Etikett, und trotzdem
eine in der Relation tolle Frische zeigend. Tolle Harmonie ohne
jegliche Überstände, nur der Alkohol lässt sich halt, spätestens
beim zweiten Schluck, nicht verleugnen. Egal wie gut er ins Ganze
eingebunden ist, den drückt es trotzdem immer irgendwie
wieder an die "Oberfläche".
Eine Ehre in einmal im Glas gehabt zu dürfen, aber im Zweifel halte
ich mit dann doch lieber an den 90er La Chapelle...
tbc
- 01 Dec 2010, 12:56 pm
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Andreas Nagel Premium MemberThe company name is only visible to registered members.Re^6: Weinfex probt.
Im vorletzten Flight, ein nicht "sauberer" 1985 Ch. Margaux,
was, wie immer in einem solchen Fall, da aber besonders,
wirklich ärgerlich ist, denn da brennt so langsam aber sicher
"Feuer im Ofen". Während sich eine Vielzahl von Weinen
schon verabschiedet haben, bzw. auf dem besten Weg dazu
sind, geht es hier gerade mal erst los, richtig interessant
zu werden. Aber in dem Fall, brannte da eben mal gar nichts
an. Im anderen Glas 1985 Ch. Haut Brion. Wieder eine
"jüngere" Flasche, die mal eben so in den Puschen steht,
aber noch mächtig Potential ausstrahlt. Das ist einfach nur
gut, bzw. was noch nicht da auf dem besten Weg dazu (95+P.)...
Beim letzten Flight war ich physisch noch anwesend, nur
notiert habe ich mir leider nichts mehr. Auch die Erinnerung
ist etwas "getrübt". Was angesichts von Weinen wie
86 Ch. Cheval Blanc und 86 Ch. Cos d'Estournel wirklich jammerschade ist,
aber irgendwann ist dann auch gut (ja ich weiss, Perlen vor die...)
Vielen Dank an den lieben Gastgeber und die wie immer
tolle Truppe...
This post was modified on 02 Dec 2010 at 12:49 pm.- 02 Dec 2010, 12:48 pm
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Andreas Nagel Premium MemberThe company name is only visible to registered members.Re^7: Weinfex probt.
Einige Notizen aus einer Geburtstagsprobe bei
einem lieben Freund, der mich netterweise als
"einschenkenden Moderator" gebucht hat... ;)
Im ersten Flight standen sich ein sehr druckvoller
und intensiver 1998 Ch. La Tour Figeac (92P.), welcher
sich sehr klar definiert mit herrlicher Frische präsentierte,
und ein noch etwas "babyspeckiger" 2001 Ch. La Conseillante (93+P.)
gegenüber. Er ist sicher auf Dauer auch der "Grössere"
von beiden Weinen, im Moment sicher nicht ganz
so hedonistisch, dafür viel eleganter und edler. Es ist
keines Falls so, dass er verschlossen wäre, nur sehe ich
da noch deutliches Entwicklungspotential, insbesondere
was Komplexität angeht.
Über den 1997 Ch. Poujeaux ist ja schon eigentlich alles
geschrieben worden, dass ist im Jahrgangskontext einfach
nur genial. Und genau so präsentierte sich auch diese
Flasche. Herrliche Trinkreife, toll gemacht und einfach
nur eine Wucht fürs Geld. Natürlich war es nicht ganz fair 8-) ,
ihn zusammen mit dem 1997 Sassicaia in einen Flight zu stecken.
Er war (zu seinem Glück) aber wenigstens 12 Stunden doppelt dekantiert,
sodass er sich im Glas wenigstens etwas "freischwimmen" konnte, was
er ausgiebig nutzte. Fraglos ist er von beiden Weinen auch mit weitaus
mehr Tiefgang und Potential gesegnet, nur in Sachen Spassfaktor
war er gegen den Moulis weitaus unterlegen...
tbc
- 03 Dec 2010, 2:00 pm
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Andreas Nagel Premium MemberThe company name is only visible to registered members.Re^8: Weinfex probt.
Leider, und ausgerechnet darauf hatte ich mich mal
wieder zu früh vorgefreut, hatte der 1996 Ch. Pontet Canet Kork.
1996 Ch. Cos d'Estournel (ebenfalls einen halben Tag doppeldekantiert)
stand dafür richtig gut im Saft, natürlich wäre es übertrieben von
wirklicher Reife zu sprechen, war aber dem Trinkgenuss in keinster
Weise abträglich. Sehr tiefe, weiche Frucht, in Verbindung mit
Cos liest man ja immer wieder mal das Wort "Exotik", dass traf
hier perfekt zu. Säure toll eingebunden, alles sehr gut balanciert
und ausgewogen, in keinster Weise dem Konzentrationswahn folgend,
wie es wahrscheinlich im Jahrgang 1994 der Fall war und dem Wein
seine Seele geraubt hat. 94P.
tbc
- 06 Dec 2010, 1:37 pm
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Andreas Nagel Premium MemberThe company name is only visible to registered members.Re^9: Weinfex probt.
Dazwischengestreut wurde ein 2000 Ch. Belair St. Emilion.
Erstaunlicher Wein, für das, was man sonst hier so als
in anderen Jahrgängen fabriziert hat. Nicht mal hier
hat man es also geschafft, in diesem Jahrgang einen
schlechten Wein in die Flasche zu bekommen. Für Belair
fast schon mit einer hedonistischen Frucht gesegnet,
okay ist ein wenig übertrieben. Die Kalknote sehr gut
in die Struktur eingebettet, nicht wie sonst in den ersten
15 Jahren strukturgebend, sodass man danach immer hoffen
musste, dass er diese Phase überlebt und nicht schon vorher
austrocknet. Auch die Säure passt ins Ganze, sodass zur
"Fruchtwärme" auch kühlende Frische mitgeliefert wird.
Man könnte das grosse Terroir fast erahnen. Wenn man dann
allerdings die aktuellen Jahrgänge 08 und 09 im Geiste dagegen hält,
läuft das aber dann immer noch unter "harmlos"... ;)
Im Jahrgangskontext ebenfalls alles andere als ein "Burner"
1990 Ch. Talbot. Da dürften die Erträg dann doch "etwas" zu
hoch gewesen sein, zumindest lässt der etwas "dünne" Körper
einen solchen Rückschluss nicht ganz von der Hand zu weisen.
1991 Ch. Montrose gehört ausgetrunken, am besten schon vor ein paar Jahren ;) .
Trank er sich in seiner Jugend wirklich schön, verliert er inzwischen
sein Gleichgewicht "quasi nach hinten"...
Wunderbar auf den Punkt schliesslich zum Abschluss der 1983. Dom de Chevalier.
Die Jahrgänge 1986 und 1989 trinken sich wunderschön und gehören bei
mir in die Kategorie Lieblingsweine. Den Jahrgang 1983 hatte ich schon seit
Ewigkeiten nicht mehr im Glas und ich war mir seines Entwicklungsstandes nicht
sicher, aber das es so perfekt aus der Flasche kam, war dann doch etwas
überraschend. Reif wie ein gut abgehangenes Stück Fleisch, keinerlei Überstände,
sozusagen Vollakkord Harmonie, feinste Pessac Nase, tolle Fruchtsüsse
und langer Abgang. Richtiger Wein zum richtigen Zeitpunkt!
- 09 Dec 2010, 1:27 pm
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