Handball
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Axel Sierau Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Vor der Handball-WM - Heillos überfordert
Hallo zusammen,
ich fand folgenden Artikel in der Frankfurter Rundschau.
Vor der Handball-WM
Heillos überfordert
Gut sechs Wochen vor Beginn der Handball-WM raufen sich Vermarktungsexperten die Haare wegen des Weltverbands.
VON ERIK EGGERS
Das Urteil fällt vernichtend aus. "Manche Bezirksmeisterschaft ist besser organisiert", sagt Eberhard Klaehr. Der Marketingleiter von Intersport Deutschland meint damit die Vermarktung der XX. Handball-Weltmeisterschaft, die in 45 Tagen beginnt: Am 19. Januar 2007 trifft Gastgeber Deutschland in Berlin im Eröffnungsspiel auf Panamerikameister Brasilien. Klaehr muss wissen, wovon er spricht, hat doch sein Arbeitgeber kürzlich einen bis 2013 laufenden Vertrag mit der Internationalen Handball-Föderation (IHF) abgeschlossen, um den es viel Ärger gibt. Obwohl nämlich die IHF der Heilbronner Genossenschaft Exklusivität gewährte, verkündete der Deutsche Handball-Bund (DHB) Ende Oktober eine Kooperation mit dem Intersport-Konkurrenten Karstadt. Wer in den WM-Hallen etwas unter welchem Namen verkaufen darf, darüber gibt es deshalb Zoff zwischen IHF und DHB, der Weltverband drohte dem DHB gar öffentlich mit juristischen Schritten. Selbst ein eigens anberaumter Krisengipfel in der Baseler IHF-Zentrale, an dem DHB-Präsident Ulrich Strombach und IHF-Präsident Hassan Mustafa neben den Firmenvertretern teilnahmen, sorgte nicht für Ruhe. Noch immer "sind viele Dinge nicht abschließend geklärt", klagt Klaehr.
Schwierige Sponsorensuche
Für das amateurhafte Umfeld hat der Marketingmann noch andere Beispiele parat. "Eine Anfrage hat ergeben, dass das WM-Logo international nicht geschützt ist, keiner weiß, wer die Rechte hat", wundert sich Klaehr. Und als ihm kürzlich eine Agentur angeboten hat, während der Finaltage in einem Sponsorenzelt vor der Kölnarena Sportartikel zu verkaufen, ist ihm erstmals aufgegangen, dass die IHF eine Bannmeile vor den WM-Hallen nicht vorgesehen hat. Jedenfalls ist, ahnt Klaehr, der gezielte Angriff von Konkurrenzunternehmen gegen Lizenznehmer programmiert.
Laut Branchenkennern liegt die Ursache aller Konflikte beim Rechteinhaber in der Zentrale des Weltverbands. Denn die IHF zeigte sich bislang mit der Vermarktung, die sie in Eigenregie betreibt, heillos überfordert. Allein die Tatsache, dass die IHF die WM-Sponsoren immer noch nicht vorgestellt hat, obwohl diese Präsentation für August (und dann für Oktober) angekündigt worden war, spricht für sich. Neben den drei langjährigen IHF-Partnern Adidas, Select und Molto ist lediglich kürzlich die Lufthansa als Kooperationspartner vorgestellt worden. Auch sind nach FR-Informationen Verträge mit der Eurohypo, dem dänischen Konzern Grundfoss, der Hamburg-Mannheimer und mit Intersport unterschrieben. Mit Eon, VW und Henkel aber wird offenbar weiterverhandelt - Spötter behaupten, womöglich sogar bis nach der WM. Der koreanische Konzern Samsung ist mittlerweile abgesprungen und engagiert sich nun bei der Europäischen Handball-Föderation (EHF) - in der Champions League. Die DHB-Vertreter sind einigermaßen resigniert. "Wir haben immer gesagt, geht raus mit den Sponsoren, dann haben wir auf diesem Feld Ruhe", sagt Horst Bredemeier, der DHB-Vizepräsident. Frank Birkefeld, der zuständige IHF-Geschäftsführer, war trotz mehrmaliger Anfrage nicht zu erreichen.
Überhaupt sind die Verantwortlichen in der IHF-Zentrale auch wegen eines anderen Nebenkriegsschauplatzes sichtlich nervös. Denn die Funktionäre der EHF, die Erzfeinde aus Europa, haben für den nächsten IHF-Kongress im April 2007 in Madrid einen Vierjahresturnus für die Weltmeisterschaften vorgeschlagen - damit würden der IHF, die derzeit alle zwei Jahre einen Weltmeister ausspielen lässt, wichtige Erlöse wegfallen.
Die Grabenkämpfe und Unzulänglichkeiten in der Vermarktung schmälert die Vorfreude der deutschen Handballfans indes nicht. Mittlerweile sind 80 Prozent der Tickets (rund 240 000) verkauft. "Das wird eine großartige Weltmeisterschaft", ist sich Bredemeier sicher.
Ein interessanter Bericht. Nun stellt sich erneut die Frage, ob es wirklich nur der Weltverband ist oder ob der DHB hier ebenfalls die eine oder andere Situation falsch eingeschätz hat und damit ein große Entwicklungschance für den Handball in Deutschland verpaßt.
In dem einen oder anderen Gespräch kommt es mir so vor, als ob alle involvierten langsam sehr froh wären, wenn es doch endlich vorbei wäre, damit man sich anschließend einfach wieder seinem Tagesgeschäft (Aufgaben im Verein, Aufgaben im Verband) zuwenden kann und nicht dieser ganze Stress auf einen niederprasselt.
Wieso gibt es 5 Wochen vor dem gorßen Ereignis eigentlich immer noch Karten für Spiele der Deutschen Mannschaft zu kaufen? Geschweige denn für Spiele anderer Teams. Bleiben da etwa Plätze frei??? Oder werden wieder Schulklassen und Jugend-Mannschaften mit kostenfreien Karten bedacht, um die Hallen voll zu bekommen?!?
Alles sehr schade. Ich hoffe, dass es doch noch anders kommt.
Viele Grüße aus einem der Hauptaustragungsorte der WM (Köln),
Axel Sierau.
- 06 Dec 2006, 6:51 pm
