Hedge Funds und sonstige Kapitalanlagen

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  • Ulrich Baum
    Ulrich Baum
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    Die deutsche Angst
    Um die Investmentkultur in Deutschland ist es nicht gut bestellt. Das betrifft nicht nur große Teile der Bevölkerung sondern auch institutionelle Investoren. Zwei Faktoren einen diese beiden Gruppen: Ein ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis und die Angst vor Fehltritten.

    Die Deutschen und die Geldanlagen: Desinteresse, Unkenntnis und Angst charakterisieren den mehrheitlichen Umgang der Bürger mit dem Thema Geld. Als Konsequenz stellt sich dann in den meisten Fällen "Schweigen - Delegieren - Abhaken" ein.

    Gefangen in latenten Verlustängsten drücken sie sich vor der Verantwortung, ihre eigenen Finanzen in die Hand zu nehmen und dafür auch das Risiko zu tragen. Sicherheit geht vor Rendite.......

    Einer Studie von Roland Berger und der Fondsgesellschaft Union Invest zufolge bedarf es "dringend" der Verbesserung des Risikobewusstseins in diesem unseren Lande zur Stärkung der Investmentkultur.

    Und damit war bestimmt nicht gemeint, dass wir nun zu Hasardeuren werden sollen. Risiken per se sind ja auch nicht zwingend "schlecht". Es geht auch nicht um vollständige Vermeidung von Risiken, sondern vielmehr um deren Kenntnis und Steuerung.

    Aber Risikobereitschaft scheint auch nicht eine typisch deutsche Tugend zu sein. Ca. 70% der Befragten genannter Studie sind "im Alltag nicht risikobereit". Vielleicht beschäftigen sich ja auch deshalb fast 50% der Deutschen nur "selten" oder "überhaupt nicht" mit Geldanlagen. Und 16% tun dies nur einmal im Monat.

    Bei diesem geringen Zeitaufwand muss das Wissen um Geldanlagen zwangsläufig unterentwickelt bleiben, doch:

    Mangelndes Wissen erhöht Verlustängste, verringert generell die Motivation, sich mit Geldanlagen zu beschäftigen. Wie gesagt, meistens wird delegiert (Steuerberater, Rechtsanwalt, Familie, Freunde, Kanarienvogel); im schlimmsten Fall passiert dann gar nichts.

    Ulrich Baum
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  • Ulrich Baum
    Ulrich Baum
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    Re^2: Die deutsche Angst
    Hallo Merva,

    natürlich gibt es in diesem wie in vielen anderen Branchen schwarze Schafe. Hier vielleicht mehr als da.

    Ich glaube auch nicht, dass alle mit "Null Risiko" argumentieren. Ich bespreche mit meinen Kunden/Interessenten als erstes die Risiken, denn sind diese nicht vollständig abgehakt, gibt's kein Geschäft. Aber noch mal: es geht sich nicht darum, eine Risikoabstinenz zu entwickeln, sondern Risikobewusstsein!

    Vielleicht können wir Finanzplaner/-berater ja tatsächlich eine Änderung bewirken, indem wir die Zusammenhänge von Geldanlagen leichter verständlich machen.

    Gruß

    Ulrich Baum
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    Re^4: Die deutsche Angst
    Hallo Merva,

    alles richtig, und das mit der Freude sehr wichtig.

    Stellt sich aber doch gleich die Frage: Sind wir Deutschen nicht viel mehr behaftet von "Angst vor" als "Freude auf"?

    Liebe Grüße

    Uli
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  • Ulrich Baum
    Ulrich Baum
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    Re^7: Die deutsche Angst
    Guten Morgen Merva,

    mit dem Kollektiv ist das so eine Sache und hat - so meine ich - nicht allzu viel damit zu tun, wie die Deutschen über Geldanlagen denken. Auch finde ich nicht, dass man hier von genug gebeutelt reden kann. Das ist eher im Zusammenhang mit staatlichen Abgaben zu sehen.

    Aber hier geht es doch eigentlich darum, dass hierzulande kaum jemand sich auseinandersetzt mit seinem "Vermögen". Billionen von Euros liegen auf Sparbüchern rum - eine reine Kapitalvernichtung des Einzelnen zugunsten unserer "tollen Banken".

    Bietest Du heute jemandem ein Invest mit einer Ausschüttung von z.B. 8% p.a. an, so übersteigt das meist den Horizont der deutschen Anleger, weil sie einfach nicht glauben, dass so etwas - unter dem Aspekt Risikobewusstsein - möglich ist. Der Deutsche ist in seiner Lethargie gefangen und jammert gleichzeitig auf hohem Niveau. Er ist einfach nicht bereit, die Verantwortung für mögliche Verluste bei einer Geldanlage selbst zu übernehmen. Deshalb trifft er keine eigene Entscheidung sondern fragt immer andere um Rat. Dies geschieht mangels Wissen darum, und dies wiederum hängt mit dem geringen Zeitaufwand zusammen, den die Deutschen für ihr Geld ansetzen. Und dann schliesst sich eben wieder der Kreis: Mangelndes Wissen erhöht Verlustängste und verringert die Motivation, sich damit zu beschäftigen. In der besagten Studie kam auch heraus, dass fast 70% der 30 - 49-jährigen lieber auf die Familie als den Bankangestellten hören.........

    Mein Fazit lautet: Würden sich die Leute mehr Wissen aneignen, wären sie selbstverständlich viel autarker, könnten Verantwortung für ihr Handeln übernehmen, bräuchten sich nicht von Steuerberatern, Anwälten oder Familienmitgliedern (die ja alle so sehr viel mehr über Geldanlagen wissen) ihre Entscheidungen abnehmen zu lassen und hätten logischer Weise viel mehr Chancen, einen deutlich höheren Ertrag zu erzielen.

    Ein schönes Wochenende

    der Uli
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  • Ulrich Baum
    Ulrich Baum
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    Re^9: Deutsches Denken?
    Hallo Merva,

    Du hast natürlich Recht mit Deiner Einschätzung bezüglich des Bankkunden und "seinem Banker". Und genau das ist das Dilemma in diesem Land. Eine hohe Investmentkultur würde unzweifelhaft zu "positiven wirtschaftspolitischen und auch gesellschaftspolitischen Effekten" führen.

    Gerade vor dem Hintergrund der schon seit Jahren währenden Rentendiskussion, der künftigen demografischen Entwicklung ist offensichtlich der Leidensdruck noch nicht groß genug, das Thema Geldanlage und Altersvorsorge auch AKTIV in die eigenen Hände zu nehmen.

    DIE DEUTSCHEN BAUEN FÜR DEN NOTFALL IMMER NOCH HAUPTSÄCHLICH AUF DIE SOZIALEN SICHERUNGSSYSTEME!

    Was willst Du denn auch mit sicheren 4% heute anfangen? Zieh mal den persönlichen Steuersatz ab, bleiben Dir noch 3 %. Nun kommt noch eine Inflation von derzeit 2,5 % und Du hast gerade mal ein halbes Prozent gewonnen. Glückwunsch, wer damit seinen Lebensstandard im Alter halten kann......

    Selbstverständlich stimme ich Dir zu, dass man mit einer ordentlichen Rendite alleine niemanden überzeugen kann; aber es ging mir ja auch ursprünglich genau um das, was Du eben angesprochen hast: Sicherheit vor Rendite.

    Nur können wir im Zuge der Globalisierung nicht mehr nur noch auf unsere "deutschen Tugenden" bauen; entweder wir gestalten mit oder wir werden gestaltet.

    Wohl denen, die in ihren Überlegungen eine überschaubare Risikostruktur miteinbeziehen. Ansonsten gibt's halt kein Wachstum. Die anderen machen es uns vor.

    Liebe Grüße

    der Uli
    This post was modified on 26 Nov 2005 at 02:34 pm.