Hedge Funds und sonstige Kapitalanlagen
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Ulrich BaumThe company name is only visible to registered members.Re^2: Die deutsche Angst
Hallo Frau Schrödl,
wenn es denn so ist, wie Sie sagen, muss man Ihnen zustimmen. Aber ist es denn so? Ich glaube nicht, dass alle Berater nur von der ungewissen Zukunft sprechen und Angst säen. Es gibt ja durchaus Anlagen, die Spaß machen und an denen man Freude hat, wenn man beobachtet, wie sie sich entwickeln.
Im Übrigen sehe ich die Zukunft nicht als ungewiss an - im Gegenteil. Bei unserer demografischen Entwicklung und dem derzeitigen Bildungsstand bin ich mir ganz sicher, wie die Zukunft aussehen wird.
Und es führt nunmal kein Weg daran vorbei, dass jeder für sich selbst vorsorgen muss. Die Verlässlichkeit der sozialen Sicherungssysteme ist passeé, und wer das noch immer nicht begriffen hat wird am Ende nicht mehr viel zu lachen haben.
Ich bleibe bei meiner Behauptung, dass "die deutsche Angst" einfach da ist, weil sich die Deutschen mit ihren Geldanlagen nicht auseinandersetzen wollen. Sie haben schlichtweg kein Interesse, sich damit zu befassen. Das hat etwas mit Investitionskultur zu tun.
Die Angst resultiert aus dem Desinteresse und der Unkenntnis, nicht aus den "bösen Beratern", die nur auf ihr Geld aus sind. Sie sind gefangen in ihren permanenten Verlustängsten und drücken sich vor der Verantwortung, ihre eigenen Finanzen in die Hand zu nehmen und dafür auch das Risiko zu tragen.
Übrigens: Die Erfolgreichen und Vermögenden in dieser unserer Republik übernehmen durchweg die Verantwortung für ihr eigenes Handeln.
Freundliche Grüße
Ulrich Baum
- 29 Nov 2005, 2:41 pm
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Ulrich BaumThe company name is only visible to registered members.Re^4: Die deutsche Angst
Liebe Frau Schrödl,
Der Gegenpol zur Angst ist Vertrauen.
hier geht es nicht um den einzelnen Anleger, dessen Vertrauen man sich in jedem Fall erarbeiten muss; nein, hier geht es um eine ganze Gesellschaft, die gar nicht bereit ist, Vertrauen aufzubauen. Denn um Vertrauen zu jemand anders zu haben/aufzubauen, muss ich erst einmal mir selbst vertrauen können.
Genau das ist aber der Punkt, den ich hier angesprochen habe: Die Deutschen sind nicht bereit, das Verlustrisiko für eigenes Handeln zu übernehmen, weil sie kein Risikobewusstsein haben. Sie wollen alle Sicherheit und Rendite ohne Risiko. Und solange sich hier in der Investitionskultur nichts ändert, wird sich auch die Angst nicht ändern!
Eine hohe Investitionskultur führt unweigerlich zu positiven wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Effekten. Sind diese gegeben, verschwindet automatisch die Angst. Es ist genauso wie beim Autofahren: je mehr ich mich damit beschäftige, umso sicherer werde ich, ohne einen Unfall jemals ausschliessen zu können. Aber das Risiko wird immer kleiner.
Wir Berater tragen eine große Verantwortung, das wird immer und überall betont. Kein Mensch aber spricht über die Eigenverantwortung und dem damit verbundenen tatsächlichen Handeln.
Wer handelt übernimmt Verantwortung. Jeder will die Früchte ernten, aber kaum jemand ist bereit, das Verlustrisiko zu übernehmen. Das wird in den meisten Fällen schön wegdelegiert.
Mangelndes Wissen erhöht Verlustängste - in allen Bereichen des Lebens. Und damit eben auch in Geldfragen, was wiederum die Motivation verringert, sich damit zu beschäftigen.
Gruß
Ulrich Baum
- 29 Nov 2005, 3:43 pm
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Hans Radtke Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^5: Die deutsche Angst
...also, meine ganz naive Sicht der Dinge ist die folgende:
Y = C + S ... wie der Volkswirt (bin keiner) sagt.
Y = Einkommen
C = Konsum
S = Sparen
Mit den intuitiven Rahmenbedingungen
1. C = 0 -> Hungertod heute
2. S = 0 -> Hungertod spaeter
Solange man sich aber in der Gewichtung von C und S auf beiden Seiten in einem sinnvollen Bereich > 0 bewegt, ist Angst eigentlich fehl am Platze. Und klar: Die Finanzindustrie versucht natuerlich im gleichen Masse das S zu betonen, wie die - zum Beispiel - Automobilindustrie am C interessiert ist.
Nur: Waehrend die Automobilindustrie in der Regel die "Freude am Fahren" (etc.) herausstellt, reden Finanzvermittler gerne einmal vor der drohenden Altersarmut. Und das - finde ich - ist legitim. Aber unschoen.
Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Werbung der Citibank in UK: Auf einem Plakat mit einem Foto eines Brautpaares steht "...ever thought about saving for a sunny day?". Es geht doch eigentlich nicht um die Furcht vor der Altersarmut, sondern um die Freude auf spaetere Finanzkraft. Unter Inkaufnahme einer Einschraenkung des heutigen Konsums. Oder umgekehrt. Jeder, wie er's mag.
Und uebrigens: Auf der anderen Seite kann man in der perversen Freude, mit der Automobilhersteller Bilder von Crash-Tests ihrer preisgekroenten Vehikel zeigen (Lies: Gnade Dir der Himmel, wenn Du eine andere Schuessel faehrst) auch die umgekehrte Perspektive auf der Konsumfront beobachten. Allerdings ist die Nachricht dort geschickter verpackt.
In diesem Sinne
Hans Radtke
- 06 Dec 2005, 9:19 pm
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Ulrich BaumThe company name is only visible to registered members.Re^6: Die deutsche Angst
Sehr schöne Perspektive, die Sie da aufzeigen, Herr Radtke. Ich musste zugegebenermaßen zweimal lesen, bevor ich alles verstanden habe.
Im Grunde genommen unterstreichen Sie ja meine These und zeigen einen sehr schönen Ansatz, wie man die "deutsche Angst" in Freude umkehren kann. Ich werde mich dieser Ansicht nähern und ein Konstrukt aufbauen, wie man den Menschen die "Freude auf" statt die "Angst vor" vermitteln kann.
In diesem Sinne bedanke ich mich recht herzlich für die Anregung. Wenn Sie schon immer so arbeiten, müssen Sie immens erfolgreich sein!
Jedenfalls haben Sie mich zum Nachdenken gebracht und eine neue "Sicht über den Tellerrand hinaus" eingebracht. Wenn's so besser klappt, werden Sie von mir hören.
Bis bald und weiterhin alles Gute
Ulrich Baum
- 14 Dec 2005, 6:51 pm
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