Hörbücher & Hörspiele
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Peter Eckhart Reichel Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Gespräch mit René Wagner / HÖROTHEK
Die HÖROTHEK ist vielleicht das größte und sicher auch bekannteste Hörbuchportal im deutschsprachigen Raum und dürfte vielen Clubmitgliedern hier im Forum längst ein vertrauter Begriff sein. Die Hörothek versorgt ihre Leser und auch Hörer regelmäßig mit vielen aktuellen Hintergrundberichten aus der Hörspiel- und Hörbuchbranche und ist eine wahre Fundgrube des Hörbuchwissens. Der Moderator dieses XING-Hörbuch/Hörspiel-Forums hat sich mit dem Hörbuchexperten, Herausgeber und Chefredakteur dieses Online-Forums, RENÉ WAGNER, über seine Arbeit und seine liebste Freizeitbeschäftigung unterhalten.
PER: Herr Wagner, es ist fast schon zur Gewohnheit geworden, diese kleine Gesprächsreihe mit einem Blick auf ein XING-Profil zu beginnen:
http://www.xing.com/profile/Rene_Wagner5 Sie gelten als einer der wenigen unabhängigen Experten in der Branche und veröffentlichen regelmäßig Artikel in der Fachpresse zum Thema Hörbuch/Hörspiel. Haben Sie Ihr Hobby zum Beruf gemacht?
RW: Ja, diesen Wunsch hatte ich bereits direkt nach dem Start der Hörothek, aber ein bisschen gedauert hat das dann natürlich schon noch. Meine Frau und ich haben in den letzten zehn Jahren gut 5000 Hörbücher gehört, und damit meine ich alle Gattungen wie Lesungen, Hörspiele, Features usw. Ich selbst habe im Rundfunk gelernt und arbeite als freier Journalist z.B. für den WDR und Lokalsender in Nordrhein-Westfalen. An der Uni Düsseldorf habe ich Geschichte und Medienwissenschaften studiert. Aber bevor ich mich aufs Hörbuch spezialisiert habe, habe ich lange Jahre über IT-Themen geschrieben. Das hat sich in der letzten Zeit komplett gewandelt, denn das Medium Hörbuch mit allen seinen Facetten ist für mich wirklich zum berühmten Steckenpferd geworden.
PER: Wann wurde die Hörothek gegründet und mit welchem Ziel sind Sie damals angetreten?
RW: Appetit zu machen auf ein faszinierendes Medium! Kassettenkinder waren meine Frau und ich schon immer, aber so um das Jahr 2000 herum wurden wir vom klassischen Hörbuch regelrecht infiziert – unser erstes war die Lesung „Die Säulen der Erde“, und auch das Hörspiel ist ja bombastisch. Wir selbst hatten viele Fragen an das Medium, z.B. wie ist seine Geschichte, wie wird es produziert, welche Bestseller gibt es usw. Und die Antworten waren so interessant, dass wir uns gedacht haben, dass das auch andere Hörbuch-Fans interessieren könnte. Im März 2001 ging unsere Webseite an den Start. Viele Informationen rund um Lesungen, Hörspiele, Features & Co. finden sich tatsächlich nur hier. Die Hörothek soll allen Hörbuchfreunden als locker-informatives Sprungbrett in die bunte Welt der Hörbücher dienen. Außerdem lade ich alle MP3-Fans ein, sich mal auf
http://www.hoerbuch-downloads.de umzuschauen – das ist das Downloadportal der Hörothek.
PER: Sie sind Mitglied im DJV (Deutscher Journalisten-Verband). Für welche Zeitungen oder Zeitschriften arbeiten Sie?
RW: Für ganz unterschiedliche – von der Pferdezeitschrift bis zum Küchenmagazin, ebenso für Online-Portale wie Akademie.de oder auch die Hauszeitschrift des Westdeutschen Rundfunks. Aber hauptsächlich sind es natürlich Hörbuch-Medien, z.B. das Fachhandelsmagazin „BuchMarkt“, das WebTV-Portal
http://www.buch.tv und das österreichische Magazin „Buchkultur“. Für die Zeitschrift „hörBücher“ arbeite ich als CvD und betreue die Schlussredaktion.
PER: Hörbücher für Erwachsene erfreuen sich bei Journalisten anscheinend zunehmender Beliebtheit. Anders sieht es dagegen (aus meiner Sicht) beim Thema Kinderhörbuch aus. In der Tagespresse scheint dieses wichtige Thema nur wenig Beachtung zu finden, wenn man bedenkt, dass junge Hörer doch auch zukünftige Hörbuchnutzer werden könnten. Gibt es darauf eine plausible Erklärung?
RW: Plausibel wird wohl keine sein, denn immerhin hat der Bereich Kinder und Jugend einen Marktanteil von gut einem Drittel aller Hörbücher erobert, und auch sonst legt das Genre im Verkauf zu – daher mutet das (nicht nur gefühlte) Defizit in der Berichterstattung schon etwas seltsam an. Ich befürchte, dass Kinderhörbücher immer noch von vielen Medien, aber auch in der Gesellschaft allgemein belächelt werden, da man automatisch an „Benjamin Blümchen“ & Co. erinnert wird – obwohl selbst diese Hörspiele gut gemacht sind. Leider kommt noch hinzu, dass Hörbuchrezensionen generell sehr wenig Platz beschieden ist und dass, wenn überhaupt berichtet wird, man sich wohl eher für bekanntere Belletristik entscheidet. Dabei legen die meisten Produzenten von Kinder- und Jugendhörbüchern – ob es nun fantasievolle Hörspiele, Roman-Lesungen oder Wissens-Features sind – die Messlatte bei der Qualität besonders hoch.
PER: Hätten Sie nicht auch Interesse, eventuell einmal eine Rundfunksendung oder gar TV-Sendung zum Thema Hörbücher zu moderieren? Ich denke da zum Beispiel an einen Spartenkanal, vergleichbar dem ZDF-Theaterkanal.
RW: Sehr gern! Planungen in der einen oder anderen Richtung schwelen auch längst im Hinterkopf. *g* Allerdings gab es schon anderweitig Versuche, Literatur-Spartenkanäle zu etablieren – jedoch ohne Erfolg. Deshalb verweise ich immer gern auf eine richtig gute Alternative: BuchTV im Internet (
http://www.buch.tv) versammelt zu allen möglichen Buch-Themen professionelle Fernsehbeiträge, die man sich im Browser anschauen kann. Über die Bandbreite entscheidet man selbst, denn es gibt zahlreiche „Channels“ wie Interviews, Autoren, Krimis – und natürlich Hörbücher.
PER: Interessant wäre es ganz sicher herauszufinden, wie viele Menschen in Deutschland jährlich welchen Betrag für Theaterbesuche ausgeben und wie viele Menschen wieviel Geld für Hörbücher. Gibt es eine Statistik, worin man diese Angaben nachlesen könnte?
RW: Bei solchen Anfragen hilft normalerweise das Statistik-Portal
http://www.statista.de, das Daten aus 500 anerkannten Quellen aufbereitet. Da heißt es: 2 Prozent aller Deutschen gehen laut Ifak-Institut regelmäßig ins Theater, 12 Prozent gelegentlich. Nur dummerweise finde ich keine Infos zu den Ausgaben! Besser sieht es beim Hörbuch aus – da hat sich bei mir in Sachen Statistiken eine wahre Sammelleidenschaft entwickelt. IfD Allensbach sagt, dass immerhin 15 Prozent aller Deutschen in den letzten 12 Monaten ein oder mehrere Hörbücher gekauft haben. Nach der letzten GfK-Untersuchung soll der Durchschnittspreis pro verkauftem Hörbuch bei 12,38 Euro gelegen haben. Bei Statista.de kann man sich das aber auch in unterschiedliche Preiskategorien aufdröseln lassen. Bemerkenswert finde ich, dass schon 7 Prozent aller Deutschen ab 14 Jahren, so TNS Infratest, bereits Hörbücher auf ihr Handy (!) heruntergeladen haben.
PER: Ich kann mir lebhaft vorstellen, dass der E-Mail-Briefkasten der Hörothek täglich reichlich vor Anfragen und Informationen überquillt. Wie schaffen Sie es, alle Informationen oder Anfragen zu bearbeiten?
RW: Indem man den ganzen Tag vor dem Bildschirm sitzt und ständig „Delete“ drückt. Nein, Spaß beiseite, natürlich müssen Anfragen und Meldungen gefiltert werden, aber da bleibt schon eine ganze Menge übrig, das seinen Weg nicht nur in die Hörothek findet, sondern meist auch in andere „Kanäle“, z.B. den BuchMarkt, hörBücher usw. Im wahrsten Sinne „übergequollen“ war unser Postfach nur einmal, als wir vor Jahren unseren monatlichen Hörothek-Newsletter verschickten und durch einen Fehler des AOL-Servers zu jeder AOL-Mail-Adresse im Newsletter einen Rückläufer bekamen – das waren innerhalb einer Stunde über 2200 Stück...
PER: Sie erhalten sicher auch sehr viele Anfragen von Nachwuchssprechern und -sprecherinnen, die gern einmal an einer Hörbuchproduktion mitwirken möchten. Was raten Sie denen als Fachmann?
RW: Nicht nur Anfragen, sondern irritierenderweise mehrmals im Monat auch Bewerbungen! Deshalb habe ich irgendwann, quasi aus „Notwehr“, eine Art Sprecherbörse in der Hörothek installiert, in die man sich eintragen kann:
http://www.hoerothek.de/index-sprecherboerse.htm – dort sind über 250 Sprechertalente verzeichnet, und zwar von Amateuren bis zu Profi-Sprechern. Generell sind absolvierte Sprechtrainings und Radio- oder Moderationserfahrung keine schlechte Ausbildung. Handfeste Tipps gibt das Buch „Das Sprecherhandbuch“, dessen Autor Uwe Herzog für die Hörothek das Geheimnis einer starken Hörbuchstimme lüftet. Das Interview kann auf
http://www.hoerothek.de/index-herzog.htm nachgelesen werden.
PER: Wie viele Hörbuchverlage existieren zurzeit in Deutschland und wie viele Titel werden momentan angeboten?
RW: Man geht von ungefähr 20.000 bis 25.000 lieferbaren Titeln insgesamt sowie gut 2000 Neuerscheinungen pro Jahr aus, die im deutschen Sprachraum von 500 bis 600 Verlagen angeboten werden – wobei hier alle Verlagsgrößen mitgerechnet werden, auch Kleinst-Label mit nur einer oder zwei Erstproduktionen. Immerhin etwa 60 Prozent des gesamten Hörbuchmarktes werden allein von der Top 20 der Hörbuchverlage gestemmt.
PER: Gibt es einen Tipp, den Sie einem Hörbuchverlagsneugründer mit auf den Weg geben würden?
RW: Nicht entmutigen lassen – und sich so viele Informationen wie möglich besorgen! Der AK Hörbuch steht mit Rat und Tat zur Seite (
http://www.hoerbuchverband.de), das offizielle Hörbuch-Lexikon der Branche gibt wertvolle Tipps (
http://www.hoerbuch-lexikon.de), beide großen Buchmessen haben immer wieder Fachveranstaltungen, die Branchenpresse berichtet regelmäßig, und bundesweit sind auch meine Kollegin Anne Künstler und ich mit passenden Seminaren unterwegs (
http://www.hoerbuchseminare.de). Nicht zu vergessen diese Gruppe hier bei XING: Nur Mut, fragen Sie Ihre Kontakte! Eine Frage, die uns oft gestellt wird, kann ich hier direkt beantworten: ob man Hörbücher neben CDs auch als Download verkaufen sollte, wo doch dieser Markt noch so klein ist? Auf jeden Fall, denn er wächst langsam, aber stetig – und im Vergleich zum „echten“ Vertrieb ist der Aufwand gering.
PER: Jetzt noch meine obligatorische Frage: Besitzen Sie noch einen Fernseher?
RW: Leider ja! Nach dem Bau unseres Hauses vor drei Jahren wollten wir ihn eigentlich aus dem Wohnzimmer verbannen, aber irgendwie lernt man ihn zumindest für Nachrichten, Dokumentationen und gelegentlich einen schönen Film doch schätzen. Denn zum „Abschalten“ muss man erst mal einschalten – das gilt auch für den Hörbuch-Player...
PER: Ich danke Ihnen für dieses kurze Gespräch. Wer mehr über die HÖROTHEK erfahren möchte, kann dies tun bei: René Wagner,
http://www.hoerothek.de
- 01 Aug 2009, 7:22 pm
