Hörbücher & Hörspiele
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Peter Eckhart Reichel Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Ich erlaube mir mal an dieser Stelle eine Polemik zum Thema einzufügen und bin gespannt auf andere Meinungen.05 Apr 2008, 3:08 pmDas „hässliche Wort“ Zweitverwertung
Der Buchhandel entdeckt mit dem Medium Hörbuch neue Zielgruppen, die (Buch-)Verlage eine attraktive Zweitvermarktung ihrer aktuellen Veröffentlichungen, die Rundfunkanstalten sehen neue Kooperationspartner - und umgekehrt: Für die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten erhält die Koproduktion mit Hörbuchverlagen einen zunehmend wichtiger werdenden Stellenwert. Für aufwändige Produktionen (etwa mit mehreren Sprechern oder Hörspiele) sind die kleineren Hörbuchverlage pekuniär meistens nicht eingerichtet. Die marktführenden Hörbuchverlage dagegen schon, aber sie scheuen sich vor solchen teuren (und damit auch wirtschaftlich riskanten) Eigenproduktionen, es sei denn, ein bestseller-taugliches Exemplar bietet sich zur Vertonung an. So entstand zum Beispiel 1999 die Hörspielproduktion „Der Zauberberg“ von Thomas Mann, eine der aufwendigsten und erfolgreichsten Produktionen der deutschen Rundfunkgeschichte. Tausend Seiten Weltliteratur waren immerhin keine Kleinigkeit. Schon gar nicht, wenn aus einem so vielschichtigen Werk wie „Der Zauberberg“ ein Hörspiel geschneidert werden sollte. 35 Sprecherrollen waren zu besetzen, darunter natürlich zahlreiche prominente (also auch teure) Schauspieler und Sprecher, die Produktionsdauer dürfte einige Wochen, wenn nicht sogar Monate in Anspruch genommen haben und die Produktionskosten des Senders sollen die Höhe des damals jährlich bewilligten und zur Verfügung stehenden Gesamtbudgets für Hörspielproduktionen überstiegen haben. Schätzungen gehen von mehreren Hunderttausend Euro aus. So bot es sich an, dass man sich die Kosten einfach teilte. Das radiophone Mammutwerk nämlich ist in enger Kooperation mit dem Münchner Hörbuchmarktführer entstanden, der sich zum einen an den Vermarktungskosten beteiligte, zum zweiten aber bei einem ursprünglichen Ladenpreis von 99 Euro dem die gesamten Produktionskosten tragenden Sender nicht unwesentliche Rückflüsse garantiert haben dürfte.
Da durch diese eine Großproduktion aber das komplette Budget für weitere Hörspielrealisationen des Senders ausgeschöpft war, sahen alle Rundfunkautoren, Regisseure, Sprecher, usw., die nicht mit an der Herstellung dieses einen Mammutwerkes beteiligt sein durften, alldieweil ein Jahr lang ziemlich alt aus. Victor Klemperer hätte für dieses Mega-Event (neudeutsch) sicher einen ganz prägnanten Satz gewählt: Der Fluch des Superlatives.
Die Geschichte erinnert mich an eine reale Begebenheit aus „Absurdistan“, als 1971 eine kleine Nomenklatura beschloss, ein 7,10 Meter großes, völlig überdimensioniertes Götzenbild aus Bronze gießen zu lassen. Um dieses Vorhaben in Zeiten akuter Mangelwirtschaft überhaupt verwirklichen zu können, entzog man damals ganz einfach allen kleinen Gießereien des Landes das ganze Jahreskontingent an Bronze und steckte alles in das eine protzige Götzenbildnis. Die Folge davon war: Die Bildhauer „Absurdistans“ konnten ein ganzes Jahr lang keine einzige Arbeit realisieren, viele kleinere Kunstgießereien drehten ein Jahr lang Däumchen. Diese Kunstgattung stand still, wie sie nur stillstehen kann in einem inzwischen untergegangenem Land, welches „Absurdistan“ genannt wurde.
Seither hat sich der Trend für solcherlei Großprojekte in den Hörspielredaktionsstuben (die nicht gerade über ein üppig ausgestattetes Budget verfügen) herumgesprochen und es wurde sogar weiterentwickelt. Es gibt bereits etliche Bündnisse zwischen großen Hörbuchverlagen und öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. In wieweit sich diese Verhältnisse auf die Programmgestaltung der Sender auswirken, kann nur vermutet werden. Tatsache ist: Die heutigen Autorenverträge für Radiohörspiele werden gleich so von den Sendern formuliert, dass die produzierenden Sender volle Weitervermarktungsrechte erhalten, was die Hörbuch- Verwertung natürlich viel einfacher macht. Autoren sprechen manchmal sogar von Knebelverträgen.
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk verfügt nach wie vor über gut bestückte Archive voller grandioser Hörspiele und legendärer historischer Autorenlesungen. Diese Schätze zu verwerten, ist aber alleinige Sache der großen Hörbuchverlage geworden, und diese Verlage, die sich davor scheuen, die Risiken einer aufwendigen Eigenproduktionen selbst einzugehen, greifen viel lieber auf die von uns allen gebührenmitfinanzierten Rundfunkproduktionen zurück und profitieren so von der Kooperation mit den Sendern enorm. Kleine Hörbuchverlage können von solch einer Kooperation nur träumen und auch fast alle Autoren.
Beim deutschen Marktführer rangiert alldieweil der Eigenwert des Hörbuchs so hoch, dass man es lieber künstlich verklärt und nicht mehr als Zweitverwertung bezeichnen mag. Dieses „hässliche Wort“, sagt die Programmleiterin, „verwenden wir nicht mehr“.
Was ist es aber dann? Eine verlagseigene kreative Schöpfung ist es jedenfalls kaum, sieht man mal vom graphischen Artwork der Verpackung ab. - Und was passiert eigentlich in dem Augenblick, wenn alle öffentlich-rechtlichen Rundfunkarchive eines Tages kommerziell ausgeschlachtet – sprich: wenn alle dort gelagerten audiophonen Schätze gehoben, d. h. „zweit“verwertet - wurden?
Peter Eckhart Reichel
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Dr. Sven Scherz-Schade Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Eine ARD-Anstalt ist schlau, wenn sie ihre Hörspiel-Produktionspalette (von lockerer Unterhaltung bis experimenteller Literatur) im Sinne des Rundfunk-Wettbewerbs zur Schau trägt. Die Marketing-Abteilungen tun das aber nur bei den ganz großen Fischen. Sie geben zwar extra Mittel frei, um für Hörspiel-Produktionen zu werben. Meistens handelt es sich dann aber nicht um Produktionen einzelner Sendehäuser, sondern immer gleich um einen ganzen Verbund. Wie etwa beim erwähnten Zauberberg, oder jetzt beim ARD-Tatort-Hörspiel.06 Apr 2008, 4:15 pmRe: Das „hässliche Wort“ Zweitverwertung
Nun sind solche Mega-Produktionen (die in vielen anderen nicht-föderalen Ländern wohl schier unmöglich wären) zu schade, dass sie nur einmal gesendet und dann ins Archiv gestellt werden. Also muss sich jemand darum kümmern, dass er die Verwertungsrechte für diese Produktionen erhält. Prinzipiell haben ja alle daran Interesse, dass das Hörspiel nochmals bzw. auch in Zukunft verwertet wird. Voraussetzung dafür ist, dass vorab die Urheberrechteinhaber diesen Verwertungsweg freigeben.
Deshalb verstehe ich den Unmut über das Wort Zweitverwertung nicht. Alle sprechen doch immer von Wertschöpfungskette; ist doch gut, wenn ein literarisches Kunstwerk mehrfach Karriere macht. Oder ist der Wettbewerb zwischen den Verlagen ungerecht, wenn es um die Vergabe der Verwertungsrechte geht? Würde mich interessieren, ob das so ist, und wenn das so ist, würde mich interessieren, was denn der Börsenverein dazu sagt?
Wichtig ist, dass die Hörspielredaktionen in den jeweiligen ARD-Anstalten gestärkt werden.
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Peter Eckhart Reichel Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Eine finanzielle Stärkung der noch im ARD-Verbund existierenden Hörspielredaktionen wünscht sich wohl jeder Hörspielautor, aber leider sieht die Realität viel trauriger aus, als man es auf den ersten Blick glauben mag. Kleinere Sender wie etwa rrb, RB oder SR verfügen kaum noch über die Möglichkeit, wenigstens eine Hörspielproduktion pro Monat produzieren zu können. Die Budgets sind in den vergangenen Jahren mehr und mehr zusammengestrichen worden. Kein Wunder also, wenn dann die Rundfunkmacher auf etwaige Zweitvermarktungschancen im Hörbuchbereich spekulieren und ihr Programm so gestalten, dass man es wenigstens noch kommerziell verwerten kann. So entsteht Mainstream!08 Jul 2008, 5:07 pmRe^2: Das „hässliche Wort“ Zweitverwertung
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Herbert FrohnThe company name is only visible to registered members.Da die Produktionen der Hörfunkanstalten gebührenfinanziert entstanden sind, bin ich der Meinung, dass sie nach der Ausstrahlung dauerhaft kostenlos zum Download bereitstehen müssten.02 Jun 2009, 08:32 amRe^4: Das „hässliche Wort“ Zweitverwertung
Man kann als Radioanstalt nicht Gebühren haben wollen und sich dann trotzdem noch auf dem "Zweitverwertungsmakt" refinanzieren.
LG
Hef
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