Grosse "Waldfreundschaft" mit Finnland ist um ein weiteres Jahr, vielleicht auch sogar bis 2011 verlängert worden.

Beim jüngsten, dem bereits dritten "Holzgipfel" in Sankt Petersburg sagte Russlands Premier Wladimir Putin zu seinem finnischen Amtskollegen Matti Vanhanen, er verlängere das Moratorium für die Anhebung des Exportzolls für russisches Rohholz (Rundholz) bis 2010. Möglicherweise werde es sogar noch 2011 beibehalten. Vanhanen versprach darauf, dass sich die finnische Regierung schon am 5. November positiv zur Verlegung von Nord Stream in den finnischen Gewässern äußern werde. Dieses Versprechen wirkt ermunternd, doch kann nicht gesagt werden, dass es die finnische ausschließliche Wirtschaftszone in der Ostsee der Gasrohrverlegung sofort öffnet. Es bedeutet nicht, dass der Bau der Gaspipeline auf dem Ostseeboden, unter Umgehung des unberechenbaren Transitlandes Ukraine, unverzüglich beginnen kann. Erst müssen noch die entsprechenden finnischen Umweltbehörden auf Regierungsebene ihre Zustimmung zum Gas-Bauvorhaben des Jahrhunderts in der Ostsee geben.

Vanhanen drückte die Hoffnung aus, dass dies bis Ende 2009 geschehen werde. Früher hatten die Finnen gesagt, dass alle Genehmigungen im Sommer, dann im September 2009 erteilt würden. Bis heute haben Deutschland, Russland und Dänemark ihre Genehmigungen gegeben, Schweden und Estland noch nicht. Die "Holzfrage" zerfrisst in letzter Zeit die russisch-finnischen Beziehungen so brutal, dass in den Strudel der Meinungsdifferenzen bereits nicht nur Nord Stream, sondern auch Russlands WTO-Mitgliedschaft geraten ist. Noch riecht es im russischen Wald nicht nach einem Handelskrieg, doch sind die sich entwickelnden Ereignisse nicht sehr weit davon entfernt. Auf jeden Fall fordern die finnischen Holzindustriellen und -unternehmer schon seit langem ihre Regierung auf, die gesamte Macht der zivilisierten finnischen Holzverarbeitung vorzuführen und Russlands Hinterlist bei den Rohstofflieferungen eine Abfuhr zu erteilen. Sonst werde sein Eintritt in die Welthandelsorganisation für alle Zeiten abgeblockt.

Es geht darum, dass Russland 2006 die Absicht bekannt gab, seine Zölle für den Rundholzexport allmählich anzuheben. Die Wirkung dieses Prozesses zeigte sich ab 2007, als die Exportzölle von 6,5 auf 20 Prozent des Zollwertes stiegen. Heute haben sie bereits 25 Prozent (mindestens 15 Euro je Kubikmeter) erreicht. Geplant war, ab 2009 die Zölle auf 50 Euro je Kubikmeter, das heißt beinahe auf 50 Prozent, und 2011 auf 80 Prozent des Zollwertes zu erhöhen.

Die Finnen, die ihren Bedarf an Roh- beziehungsweise Rundholz zu 80 Prozent mit russischen Lieferungen decken, horchten natürlich besorgt auf. Jede Erhöhung der Exportzölle in Russland treibt auch die Preise für Finnlands Endproduktion in die Höhe. Aber die Finnen verstehen sich darauf, sich dem anzupassen. Im vorigen Jahr gründeten sie sogar den weltgrößten Forschungskonzern "Holzindustrie". Dort wird nach Verarbeitungs- und Produktionsmethoden gesucht, die bei steigenen Rohstoffpreisen eine konkurrenzfähige Qualität der Erzeugnisse sichern könnten.

Der Jahreshaushalt des Konzerns ist mit 400 Millionen Euro festgelegt worden. Die 50-prozentigen Sperrzölle würden in Finnland zur Schließung sehr vieler Holzverarbeitungs-, Zellstoff- und Papierbetriebe sowie Möbelfabriken führen. Die Finnen suchen uns klar zu machen: Wenn in Ostfinnland Holzverarbeitungskombinate zu schließen beginnen, werde davon der ganze Nordwesten Russlands arg mitgenommen werden, denn dieser Forstkomplex ist beinahe ausschließlich auf Finnland eingestellt. Es sei auch nicht ganz korrekt, den Holzpreis als strategische Waffe zu benutzen.

Letztendlich könnten Zeiten kommen, da Russland für sein Rohholz keinen Absatzmarkt mehr finden werde, weil sein Übergang vom Status eines Produzenten zu dem eines holzverarbeitenden Landes recht viel Zeit in Anspruch nehmen werde. Im Großen und Ganzen stimmt alles, was Putin beim jüngsten Gipfeltreffen sagte: Russland muss tatsächlich seine eigene Holzverarbeitung und Zellstoff- und Papierindustrie entwickeln. Die überhöhten Exportzölle hätten im Grunde die russischen Holzindustriellen eben zur Entwicklung der Holzverarbeitung motivieren sollen, damit sie nicht einfach nur Holz fällen und an den Westen verkaufen. Oder an den Osten.

China kauft bei Russland nämlich weit mehr Holz als Finnland und Schweden zusammen. Und ist, im Unterschied zu den Finnen und Schweden, bereit, im russischen Fernen Osten schon jetzt die Holzverarbeitung, die Zellstoff- und Papierproduktion sowie den Möbelbau gemeinsam zu entwickeln und darüber hinaus die dortigen Fertigerzeugnisse zu exportieren.

Unsere skandinavischen Freunde sind dazu noch nicht bereit, weil einfach außerstande, mit dem chinesischen Tempo der industriellen Entwicklung Schritt zu halten.

Das Problem ist, dass wir uns selber zu einem "Holzanhängsel" gemacht und die Nachbarn daran gewöhnt haben, dass das Holz komplett für den Export gefällt wird. Kaum jemand weiß, dass an Russlands Export selbst in den Sowjetzeiten Rundholz 22 Prozent, Schnittholz aber 59 Prozent ausmachte. Seit Ende der 80er und besonders Anfang der 90er Jahre sind große Veränderungen eingetreten, und um 2000 umfasste das Rundholz bereits 72 Prozent des gesamten Holzexports. Russland hat tatsächlich die größten Wälder der Welt (das Prädikat trifft auch auf Wasser, Gas, Erdöl, Störe u. a. m. zu). Russland verfügt über fast 720 Millionen Hektar Waldfläche. Doch ein Großteil dieser Wälder eignet sich schlecht für eine vorteilhafte kommerzielle Nutzung: Bald fehlt die Infrastruktur, bald sind die Wälder in den gebirgigen Regionen Sibiriens gelegen, bald ist schließlich die Produktivität des Waldes selbst (die Holzqualität) unter jeder Kritik.

Übrigens wird nach Finnland und Schweden gerade unser Holz von nicht höchster Qualität ausgeführt. Ebendeshalb verdient Russland, das, in Kubikmetern gemessen, beinahe dreimal soviel Holz erzeugt wie etwa die USA, an seinem Verkauf genau ein Drittel der Gewinne der Amerikaner, nur 40 Prozent der von Malaysia und 50 Prozent eines so wenig bewaldeten Landes wie Frankreich. Unsere Wälder gehören sämtlich dem Staat. Ebenso übrigens wie auch in den USA. Nur dass unsere Geschäftsleute Hektarflächen zum Einschlagen zu märchenhaft niedrigen Preisen bekommen, Holz dagegen zu Weltpreisen verkaufen. Zudem werden 15 bis 17 Millionen Kubikmeter Holz (laut einigen Angaben sogar 20 bis 25 Millionen) ins Ausland geschmuggelt, das heißt gestohlen.

Dabei sind das keine so kleinen Dinge wie Schuhe, Streichhölzer, Edelsteine, Goldringe oder Kaviardosen. Das Holz wird mit Bahnzügen und Holzfrachtern befördert, auf denen die Güter nicht zu verbergen sind. Holz ist ein so stark korrumpierter Dschungel, in den sich heute selbst sehr vermögende Geschäftsleute nicht hineinwagen, um sich nicht den Hals zu brechen. Putin fordert, dass sich Russlands Geschäftsleute schon jetzt umstellen, nämlich Geld in russische Holzverarbeitungszweige investieren, da die Zölle sowieso eingeführt werden sollen.

Es gilt also, Ende 2010 oder Anfang 2011 abzuwarten, um zu sehen, ob wir es bis dahin schaffen, bei uns eine eigene Holzverarbeitung in Gang zu bringen, Kombinate zu bauen (Bauzeit: mindestens fünf Jahre), einen zivilisierten Markt im Lande und den Export von Fertigerzeugnissen zu organisieren, die "Waldkorruption" zu besiegen usw. usf. Wie viele Menschen könnten wohl an solche "Waldwunder" glauben? (Quelle: Andrej Fedjaschin, RIA Novosti - Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen)



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