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  • Carsten Hennig
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    Kroatiens Fremdenverkehr will langfristig wachsen
    Weiter hohe Investitionen notwendig / Großprojekt "Croatian Dream" für 1,5 Mrd. Euro in Süddalmatien geplant / Von Torsten Pauly/gtai

    Zagreb - Kroatiens Tourismussektor hat in den ersten zehn Monaten 2010 wieder 3,3% mehr Gäste begrüßen können als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Damit ist es der Branche gelungen, die Rückgänge von 2009, als es 1,4% weniger Buchungen gab, mehr als zu kompensieren. Um in den nächsten Jahren weiter zuzulegen, sind jedoch kontinuierliche Investitionen in die Einrichtungen nötig. Hiervon können deutsche Unternehmen profitieren. Ein Großprojekt ist die Anlage "Croatian Dream" bei Dubrovnik.

    Bis 2015 will das Unternehmen Profectus grupa d.d. zunächst 1,5 Mrd. Euro in eine neue Anlage im sogenannten Gebiet der drei Schwestern (zona tri sestrice) investieren. Dieses befindet sich im Süden der Halbinsel Peljesac und ist etwa 25 km von der Altstadt Dubrovnik, die zum Unesco-Weltkulturerbe zählt, entfernt. Hierfür stehen Profectus zufolge bereits 2.000 ha Land zur Verfügung und auch ein urbanistischer Plan liegt vor. Allerdings ist die Finanzierung noch nicht gesichert, weswegen großes Interesse an Investoren besteht. Insgesamt soll das Projekt "Croatian Dream" einmal auf 5.000 ha unter anderem 13 Hotels, weitere Luxusunterkünfte, medizinische, Kongress- und Golfanlagen, Jachthäfen und einen Flugplatz umfassen, was alles in allem nochmals bis zu 3,5 Mrd. Euro kosten könnte.

    Auch die kroatische Regierung zählt laut einer im Herbst 2010 vorgestellten Liste fünf Fremdenverkehrsprojekte zu Investitionen, die neben Energie-, Umwelt- und Verkehrsplänen aus Sicht des Kabinetts in den kommenden Jahren vorrangig zu realisieren sind. Auch diese Tourismuspläne für zusammen 1,4 Mrd. Euro sind jedoch noch nicht vollständig finanziert. Bei den Vorhaben handelt es sich zum einen um den Ausbau der sogenannten Brijuni-Riviera. Diese soll in Istrien vor einem exklusiven Archipel entstehen, das derzeit noch größtenteils der Staatsführung vorbehalten ist. Das Investitionsvolumen für diverse neue Hotels und andere Einrichtungen beziffert die Regierung auf 895 Mio. Euro.

    Als weitere Investitionspriorität sieht das Kabinett die Anlage Prukljan an, die sich in Dalmatien unweit des Krka-Nationalparks und der Altstadt von Sibenik befindet. Dort sollen für 300 Mio. Euro nicht nur neue Übernachtungskapazitäten für 4.000 Gäste, sondern unter anderem auch Golfanlagen und Liegeplätze für Jachten entstehen. In der nordadriatischen Metropole Rijeka unterstützt die Regierung das Kongress- und Wellnesshotel Preluk, für das Kosten von 130 Mio. Euro im Raum stehen. Bei den beiden weiteren von Zagreb hervorgehobenen Tourismusplänen handelt es sich um den kroatischen Ski-Olympiastützpunkt Bjelolasica, in den 50 Mio. Euro fließen sollen, und um das Sport- und Freizeitzentrum Bijela Kosa, wo 25 Mio. Euro eingeplant sind.

    Die schlechte Saison 2009 hat im Verein mit der generellen Investitions- und Finanzkrise zunächst zu weniger neuen Tourismusprojekten in Kroatien geführt, auch hier ist jedoch in letzter Zeit wieder ein Anstieg erkennbar. Die Fläche aller im Land neu bewilligten Hotels ist 2009 um 63% zurückgegangen, in den ersten zehn Monaten 2010 aber wieder um 39% gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum gestiegen.

    Die große gesamtwirtschaftliche Bedeutung des Tourismussektors im Adrialand zeigt die Leistungsbilanz. Die dort ausgewiesenen ausländischen Zuflüsse aus dem Reiseverkehr sind 2009 zwar um 14,5% auf 6,4 Mrd. Euro zurückgegangen, haben aber immer noch 83% der Erlöse aus dem Warenexport und 14% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entsprochen. Unter Berücksichtigung der inländischen Urlauber trägt der Fremdenverkehr in einer guten Saison ein Fünftel zur gesamten kroatischen Wirtschaftsleistung bei. Umso wichtiger ist es, dass 2010 wieder mehr Gäste den Weg ins Adrialand gefunden haben. Allerdings verlief die Entwicklung in den einzelnen Regionen und Segmenten unterschiedlich.

    Zum einen standen einem guten Wachstum an der südlichen Küste leichte Rückgänge an der Nordadria gegenüber: Durchweg deutlich mehr Übernachtungen als im gleichen Vorjahreszeitraum gab es in den ersten zehn Monaten in den Gespanschaften Sibenik-Knin (+9,3%), Dubrovnik-Neretva (+7,5%), Zadar (+7,3%), Lika-Senj (+6,5%) und Split-Dalmatien (+6,2%), während Primorje-Gorski Kotar (-0,4%) und Istrien (-1,0%) weniger Buchungen zu verzeichnen hatten. Dennoch fanden auch in den ersten zehn Monaten über die Hälfte aller Übernachtungen (51%) in den nordadriatischen Regionen Istrien und Primorje-Gorski Kotar statt, wo die touristische Infrastruktur traditionell am weitesten entwickelt ist.

    Innerhalb der einzelnen Unterkünfte war in den ersten zehn Monaten 2010 zu beobachten, dass die tendenziell höherwertigen Hotels das größte Plus bei den Übernachtungen verbuchen konnten (+5,0%). Es folgten die Privatunterkünfte (+3,2%), wobei nicht außer Acht gelassen werden sollte, dass in Kroatien auch die statistische Erfassung der Urlauber in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht hat. Eine Stagnation gab es auf den Campingplätzen sowie Resorts (-0,4%). Vor allem Bäder und Kureinrichtungen (-7,1%) waren zwischen Januar und Oktober 2010 weniger frequentiert als im gleichen Zeitraum 2009.

    Auch Heilbäder haben im Landesinnern eine große Bedeutung. Viele Quellen werden seit der Antike genutzt und kroatische Kurorte hatten zu österreichisch-ungarischen und zu jugoslawischen Zeiten großes Renommee. Vielerorts gab es jedoch in den letzten Jahren einen Investitionsstau, weswegen der Investitionsbedarf in allen kroatischen Bädern 2008 auf insgesamt 325 Mio. Euro beziffert wurde. Maßnahmen im Wert von insgesamt 110 Mio. Euro laufen derzeit im Bad Stubicke Toplice nördlich von Zagreb.

    Insgesamt haben eher einfache Unterkünfte immer noch die größte Bedeutung in Kroatiens Fremdenverkehr. Auch in den ersten zehn Monaten 2010 fanden die meisten Übernachtungen in Privatunterkünften statt (35%), gefolgt von Hotels (26%) und Campingplätzen (25%). Auf Resorts entfiel nur ein Anteil von 5%. Auch bei den registrierten Kapazitäten haben sich die mit Abstand meisten Unterkünfte 2009 bei Privatvermietern (45%) und auf Campingplätzen (24%) befunden, während Hotels nur 13% auf sich verbuchen konnten. In der Kategorie mit mindestens vier Sternen waren es sogar nur 5%.

    Eine Folge der meist einfachen Kapazitäten ist die im internationalen Vergleich kurze Saison und eine nur geringe Auslastung. So waren die kroatischen Unterkünfte 2009 im Schnitt auch im Juli (56%) und August (62%) nicht voll ausgelastet, in allen Monaten außer Juni (26%), September (22%) und Mai (13,0%) sogar zu weniger als 10%. Lediglich Hotels erreichten das ganze Jahr über im Mittel Belegungsraten zu mindestens 10%, zwischen April und Oktober stets zu deutlich über 25%.

    Zahlen/Statistiken: https://www.gtai.de/DE/Content/__SharedDocs/Links-Einzeldoku...