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  • Carsten Hennig
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    Mexiko strebt nach Spitzenposition im Tourismus
    Private Hoteliers planen hohe Investitionen / Neue Zielgruppen im Visier / Von Peter Buerstedde
    Mexiko-Stadt (gtai) - Während die mit der Bekämpfung des Drogenhandels einhergehende Gewalt das Image des Landes als Zielland ausländischer Touristen zusehends untergräbt, will die mexikanische Regierung bis 2018 mindestens den fünften Rang als Zielland im internationalen Tourismus erreichen. Dafür hat sie einen Maßnahmenkatalog erstellt, allerdings ohne einen Investitionsbedarf zu beziffern. Der nationale Tourismusverband hat für die kommenden fünf Jahre 20 Mrd. US$ an Hotelinvestitionen in Aussicht gestellt.

    Die mexikanische Regierung hat sich trotz der nur langsamen Erholung des Sektors ehrgeizige Ziele gesetzt. Bis 2018 soll das Land unter den wichtigsten Zielländern für ausländische Touristen weltweit mindestens den fünften Rang einnehmen und dann etwa jährlich 50 Mio. Besucher anziehen. Mexiko lag 2009 mit 21,5 Mio. ausländischen Touristen an zehnter Stelle. Die Zielvorgabe der Regierung impliziert etwa eine jährliche Steigerung von 13% bis 15%. Die Tourismuseinnahmen sollen von 11,9 Mrd. US$ (2010) auf 40 Mrd. US$ ansteigen.

    Um diese Ziele zu erreichen, will die Regierung mehr asiatische, europäische und lateinamerikanische Touristen anlocken. Derzeit kommen etwa 70% der ausländischen Besucher aus den USA und Kanada. Der Markt in diesen Ländern gilt jedoch als gesättigt. Nach Aussagen der Tourismusministerin Gloria Guevara Manzo sollen sich die Besucherzahlen künftig zu 50% auf Nordamerika und zu 50% auf Asien, Europa und Lateinamerika verteilen. Das große Wachstum im internationalen Tourismus kommt vor allem aus aufstrebenden Schwellenländern wie der VR China, Brasilien, Russland und Indien.

    Die ehrgeizigen Zielvorgaben kommen zu einem Zeitpunkt, wo sich der mexikanische Tourismussektor noch nicht vollständig von der tiefen Krise 2009 erholt hat. Neben dem mit der Wirtschaftskrise einhergehenden Konsumrückgang hatten die Schweinegrippe, Hurrikane und die sich verschärfende Gewalt durch die Bekämpfung des Drogenhandels die ausländischen Touristen abgeschreckt. Vor der Krise waren 2008 noch 22,6 Mio. Besucher gezählt worden. Auch 2010 konnte das Land mit 22,4 Mio. ausländischen Touristen das Vorkrisen-Niveau noch nicht wieder erreichen.

    Obwohl Mexiko im internationalen Tourismus weiterhin als wettbewerbsfähig gilt, steht das angestrebte Wachstum in Zweifel. Anfang März 2011 hatte das Word Economic Forum (WEF) seinen alle zwei Jahre erscheinenden Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Tourismus vorgestellt. In der Rangliste, die auf Erhebungen im Jahr 2010 beruht, erreichte Mexiko den Rang 43 nach Rang 51 in der vorangegangenen Erhebung 2008. Im amerikanischen Vergleich lag Mexiko demnach nach den USA, Kanada und Barbados auf dem vierten Rang. Allerdings wurden vor allem Mängel bei der Sicherheit und Hygiene herausgestellt.

    Der Tourismusverband CNET teilt die hoffnungsfrohen Prognosen der Regierung nicht. CNET geht davon aus, dass die Zahl der ausländischen Touristen 2011 um nur 1% wachsen wird. Hierbei spielt neben der Sicherheitslage die schleppende Erholung der US-Wirtschaft eine wichtige Rolle.

    Potenzial herrscht weiterhin im Kongresstourismus und im Bau von Ferienhäusern sowie von Alterswohnungen für die Generation der US-amerikanischen Baby-Boomer, die sich in den kommenden zehn Jahren aus dem aktiven Arbeitsleben verabschieden werden. Karibik-Kreuzfahrten haben zuletzt starke Zuwächse verzeichnet und auch verstärkt in Mexiko angedockt. Einige US-amerikanische Reiseveranstalter haben mexikanische Pazifikhäfen jedoch aufgrund von Sicherheitsbedenken aus dem Programm genommen.

    Die mittelfristigen Wachstumsziele der Regierung klingen optimistisch. Doch auch Zahlen des mexikanischen Tourismusministeriums sprechen dafür, dass sich die Investitionen erholen werden, nachdem die Hotelgruppen ihre Investitionspläne infolge der Wirtschaftskrise zum Teil auf Eis gelegt hatten.

    Die mexikanischen Badeorte zogen 2009 rund 2,25 Mrd. US$ Investitionen an und damit 37% weniger als 2008. Im 1. Halbjahr 2010 lagen die privaten Investitionen im Tourismussektor insgesamt noch um 43% unter den Ergebnissen des Vorjahres. Im Bundesstaat Baja California etwa standen Mitte 2010 zwei Großprojekte (Cabo San Cristóbal, Vista Serena) mit mehreren Hotels mit einem Volumen von je mehr als 1 Mrd. US$ still.
    Seither haben sich die Investitionen allerdings beschleunigt. Das Tourismusministerium meldet mit 3,53 Mrd. US$ für 2010 insgesamt eine Steigerung der Privatinvestitionen von 19%. CNET hat für die kommenden fünf Jahre Hotelinvestitionen von 20 Mrd. US$ prognostiziert. Der Präsident des Hotelverbands (Asociación Mexicana de Hoteles y Moteles), Armando Uribe, erwartet 2011 Investitionen von 4,3 Mrd. US$ in die Hotelinfrastruktur des Landes und damit etwa 10% mehr als 2009.

    Grupo Posadas ist mit 112 Hotels und fast 20.000 Zimmern der größte inländische Hotelbetreiber und zugleich die größte Hotelgruppe Lateinamerikas. Das Unternehmen plant in den kommenden drei Jahren die Eröffnung von 38 Häusern mit 5.127 Betten - davon 35 in Mexiko und drei in Lateinamerika, wo das Unternehmen vor allem in Brasilien (Marken Cesar Park und Cesar Business) stark präsent ist. Schon 2011 sollen 13 Hotels die Pforten öffnen, wobei 11 in Mexiko angesiedelt sind.

    Camino Real will aufgrund finanzieller Engpässe zunächst vor allem in die Sanierung bestehender Hotels investieren. Stark präsent sind außerdem die internationalen Ketten Intercontinental Hotel Group (IHG), Hyatt und Sheraton. IHG hatte Anfang Februar 2011 für die kommenden drei Jahre den Bau von 47 Hotels mit 5.000 Zimmern in Mexiko für eine Investitionssumme von etwa 500 Mio. US$ angekündigt.

    Auch der Staat will 2011 wieder aktiver im Ausbau des Tourismus mitmischen. Die staatliche Tourismus-Entwicklungsagentur Fonatur will 2011 für etwa 180 Mio. US$ Grundstücke verkaufen und damit 40% mehr als 2010. Fonatur hatte in den 1970er Jahren begonnen, systematisch neue Standorte für den Strandurlaub in Mexiko zu entwickeln. Diese aktive Entwicklungspolitik gilt weiterhin weltweit als einzigartig.

    Zwei der fünf Centros Integralmente Planeados (CIP), Cancun und Los Cabos, gelten als besonders großer Erfolg. Hier hatte Fonatur Grundstücke vergünstigt bereitgestellt, die Infrastruktur aufgebaut und Kredite vergeben. Fonatur wird diesen aktiven Entwicklungsansatz 2011 mit dem Start einer neuen Region am Pazifik bei Teacapan fortsetzen, obwohl hier nicht mehr die gleichen Vergünstigungen geboten werden. Zunächst wird der Staat 50 Mio. US in den Aufbau der Infrastruktur investieren.

    Außerdem soll das CIP Loreto im Bundestaat Baja California 2011 neu lanciert und für Investoren schmackhaft gemacht werden. Zusätzliche Impulse dürften mittelfristig vom Bau eines neuen Flughafens in der Nähe von Tul
    um im Bundesstaat Quintana Roo an der Karibikküste kommen. Die Konzession soll noch im April 2011 vergeben werden.

    Internetadressen:
    Ministerium für Tourismus (Secretaría de Turismo): http://www.sectur.gob.mx
    Tourismus-Entwicklungsagentur Fonatur (Fondo Nacional de Fomento al Turismo): http://www.fonatur.gob.mx
    Tourismusverband CNET (Consejo Nacional Empresarial Turístico): http://www.cnet.org.mx