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Württembergische Philharmonie - Hommage an Zarah Leander
Bei Karin Pagmar stimmt vom Kleid bis hin zur dunklen Stimme alles.
Resolute Dame sucht kleinen Gardeoffizier
VON MARION SCHRADE
REUTLINGEN. »Wunderrrrrrbar!« Keine rollte das R so schön wie Zarah Leander. Doch Karin Pagmar ist ihr dicht auf den Fersen. Die schwedische Sängerin und Schauspielerin kultiviert den Stil ihrer berühmten Landsmännin bis zur Perfektion - ohne dabei als billige Kopie dazustehen. Das achte Werkkonzert der Württembergischen Philharmonie am Donnerstag in der Listhalle war eine gelungene Hommage an Zarah Leander.
»Mein Gefühl schwankt zwischen Dur und Moll«
Der Zauber der großen Diven der 1930er- und 1940er-Jahre hat bis heute nichts von seinem Glanz eingebüßt. Das mag zum einen an der faszinierenden, halbseidenen Aura liegen, die die Damen umgab: Sie waren elegant und zugleich verwegen, unverschämt weiblich in ihrer Erscheinung, verblüffend burschikos im dunklen Timbre ihrer Stimmen. Zum anderen ist es schlicht und ergreifend so, dass auch die größten Diven irgendwann vergessen worden wären - wäre da nicht ihre Musik. Hinter den glamourösen Damen standen talentierte Komponisten, deren Namen heute kaum noch jemand kennt, deren Stücke aber maßgeblich zum Erfolg von Zarah, Marlene und Co. beitrugen. Einer von ihnen ist Theo Mackeben, der einen dieser großen Hits geschrieben hat: »Nur nicht aus Liebe weinen«. Karin Pagmar und die Württembergische Philharmonie unter der Leitung Heinz Walter Florin kosten das Spiel mit dem Rhythmus genüsslich aus, verschleppen Takte beharrlich und beschleunigen plötzlich wie von der Tarantel gestochen.
Überhaupt hat sich die Philharmonie in den Proben mit Dirigent Heinz Walter Florin offenbar das richtige Feeling für den Herzschmerz der Ufa-Liebesdramen draufgeschafft. In großzügiger Besetzung - eine große Stimme braucht nun mal ein großes Orchester - schwelgen und schmachten die Musiker nicht nur in den Diven-Liedern, sondern auch in bittersüßen Instrumentalstücken jener Zeit.
Diese Intermezzi sind durchaus praktisch gedacht: Sie verschaffen Karin Pagmar ein paar Minuten Umkleide-Pause. Vier Kleider - ein weißer Schneeprinzessinnen-Traum, ein schwarzer Schwan, das elegante Grüne und ein kokettes Rotes - wollen ja auch irgendwann gewechselt werden. Musikalisch ergibt sich Karin Pagmar ganz der exzentrischen Launenhaftigkeit der Diven. »Mein Gefühl schwankt zwischen Dur und Moll«, heißt es im Lied »Es ist nur die Liebe« von Franz Grothe. Das trifft den Nagel auf den Kopf. Karin Pagmar schwelgt Leander-like in Walzerseligkeiten, baggert verwegen imaginäre Männer an, verabschiedet den berühmten kleinen Gardeoffizier und träumt - natürlich! - von der Liebe: »Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen«.
Wenn es ums ganz große Gefühl geht, muss nicht jeder Ton schön sein. Eine echte Diva schimpft auch mal nach Noten - vor allem dann, wenn die Sache mit der Liebe schiefgegangen ist (»Davon geht die Welt nicht unter«). Einer der berühmtesten Diven-Liebhaber ist zweifellos der ominöse Waldemar (der mit dem schwarzen Haar). Auch Karin Pagmar schmettert den witzigen Schlager mit dem herben Charme einer resoluten Dame - und wird vom Publikum in der Listhalle mit Applaus und mächtigen Blumensträußen überhäuft. Die Diven-Rolle spielt sie bis zur letzten Sekunde auf der Bühne formvollendet: Sie zupft eine rote Rose aus ihrem Strauß und überreicht sie mit kokettem Lächeln dem Konzertmeister - ihrem Fabian »Waldemar« Wettstein. (GEA)
http://www.gea.de/nachrichten/kultur/resolute+dame+sucht+kle...
- 10 Jul 2011, 11:23 am
