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  • Bürgerreporter vs. Freie Mitarbeiter - Ergänzung oder Substitution? 05 Nov 2009, 8:34 pm

    Nicht erst seit der Wirtschaftkrise denken die Medienunternehmen an ihr Geld. Doch besonders in den letzten Jahren wird immer mehr versucht, in allen Bereichen zu sparen. Den Beginn macht das sog. "Outsourcing", bei dem man redaktionelle und technische Dienstleistungen an "Freie" abgegeben hat. Dies waren in der Regel noch professionelle, ausgebildete Mitarbeiter. Im Fernsehbereich etabliert sich Mitte der 2000er der Videojournalist, der neben Kamera und Ton auch gleich noch das Interview führt.

    Der Printbereich hat - Vorreiter ist hier die Bild-Zeitung - einen ähnlichen neuen "Berufszweig" erhalten. Der sog. Bürgerreporter filmt bzw. dokumentiert Ereignisse und sendet seine Informationen an die Redaktion. Im Total Buy-out-Verfahren gehen anschließend alle Rechte über und die Verwertung wird von der Redaktion bzw. Zeitung/Zeitschrift übernommen.

    Neben demnicht befriedigenden Verwertungsverfahren bleibt jedoch die Frage, welche Folgen diese Entwicklung für die vielen freien Journalisten hat. Werden sie von den Bürgerreportern verdrängt? Was darf ein guter Beitrag kosten? Wie viel Qualität will man sich leisten? Oder können beide Formen nebeneinander existieren? Uns interessiert Ihre Meinung.

    Bereits 2 x hat sich das Medienmagazin "Zapp" in diesem Jahr mit der Situation der freien Mitarbeiter beschäftigt. Hier finden Sie die Links:

    http://www3.ndr.de/sendungen/zapp/archiv/printmedien/journal...
    und
    http://www3.ndr.de/sendungen/zapp/archiv/printmedien/verlage...
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  • Re: Bürgerreporter vs. Freie Mitarbeiter - Ergänzung oder Substitution? 15 Nov 2009, 09:54 am

    Ich denke das bei der hier diskutierten Frage im Wesentlichen drei Aspekte zum tragen kommen.

    Erstens: Mit dem Internet haben die Printmedien ihr Veröffentlichungsmonopol verloren. D.h. im Gegensatz zu früher, besteht heute für jeden die Möglichkeit Texte zu veröffentlichen ohne vorher Rücksprache mit einer Redaktion halten zu müssen.

    Zweitens: Im Rahmen der Akademisierung weiter Teile der Gesellschaft hat sich ein hinreichend großes Potential an durchaus kompetenten Personen aufgebaut, die ein gewisses Interesse haben relevante Informationen zu kommunizieren und zu diskutiereren

    Drittens: Völlig zu Recht wurde hier darauf hingewiesen, das die Informationsmenge in den letzten Jahren expoldiert ist. Der Markt an frei verfügbarem Wissen ist extrem gewachsen und trägt unter anderem dem in Punkt zwei erwähnten Phänomen damit Rechnung. Allerdings hat sich die mit der Konsumierung dieser Information zu Verfügung stehende Zeit nicht im gleichen Umfang erhöht. Beinahe zwangsläufig ist damit der Wettbewerb um die besten "Sendeplätze" und "Sendezeiten" gewachsen.

    Bei aller Kritik dieser Entwicklung muss man sich meines Erachtens davor hüten in einen "Kulturpessimismus" zu verfallen. Richtig ist: Es ist schwieriger für Journalisten (ohne Festanstellung) geworden ihre Brötchen zu verdienen. Richtig ist auch, das Internet übernimmt grundsätzlich weder eine Garantie für die formale noch für die inhaltliche Qualität der bereitgestellten Informationen. Richt ist aber auch: Das Internet wird weiterbestehen und die Bedeutung des etablierten Journalismus wird sich weiter relativieren. Die Frage wie sich die Zukunft des Journalismus vor diesem Hintergrund gestaltet, ist dabei sicherlich nicht mit dem Rückzug auf traditionelle publizistische Standarts zu beantworten. Pressefreiheit, öffentliche Kontrolle der politischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Institutionen, Meinungspluralismus sind und bleiben wichtige Argumente, liefern aber leider keine Antwort auf die gestellte Frage. Abgesehen von seinem traditionell niedrigen Ansehen in der Gesellschaft unterliegt der Beruf des Journalisten einem Bedeutungswandel, der sich nicht zuletzt aus dem veränderten Informationsbedürfnis der Gesellschaft ergibt.

    Der Verleger, als restriktiver Geschäftsmann (der er im Übrigen schon immer war, erwähnt sei hier nur das Stichwort "Zeilengeld"), reagiert hierauf mit den Werkzeugen der Kostenkontrolle, der Rationalisierung, dem Absenken der Produktqualität oder durch Ignorieren des Mediums Internet. Letzteres wirkt, wie am Beispiel von Murdochs angekündigtem Rückzug aus dem Internet zu beobachten, eher resignativ und kommt einer Publikumsbeschimpfung gleich. All das sind aber leider nur eine kurzfristige Lösungen. Langfristig gehört allein der qualitativ hochwertigen Information, die einen bestimmten, zahlungswilligen Kundenkreis anspricht, die Zukunft. Bis dahin ist, so befürchte ich "gesundschrumpfen" und für viele freie Mitarbeiter die berufliche Neuorientierung angesagt
    This article was modified on 15 Nov 2009 at 10:03 am.
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