Impro-Theater

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  • Axel Tüting
    Axel Tüting    Premium Member
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    Re^9: Was sind die Improbasics???
    Das nun verstehe ich nicht ;))
    Was sind denn "Basics"? Unter anderem die "Rolle"

    ZITAT
    "vorzugsweise "er" oder "sie" Geschichten anstelle von "ich" (scheinbar faellt es einem dann leichter sich was auszudenken) "


    Und Deine Antwort dadrauf, besser "Ich", statt eine Rolle - also "er" oder "sie"


    Auf das "ich" und das "er" und "sie" habe ich Bezug genommen ;)



    Axel
  • Manuel Wolff
    Manuel Wolff    Group moderator
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    Re^10: Was sind die Improbasics???
    wir drehen uns im Kreis. Ich habe nie gesagt "besser ich als eine Rolle".

    Beim szenischen Geschichten improvisieren auf der Bühne spricht man von seiner Rolle aus, also "ich" und nicht über andere, "er".

    Um es einfach zu machen, ein Beispiel:

    Nicht: "Peter hat einen Kuchen gebacken und er wird in herbringen."
    sonder. "Hier, probier mal meinen Kuchen!"

    Sonst geschehen keine Szenen, sondern es wird nur gelabert.
  • Antje Kania
    Antje Kania
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    Re^11: Was sind die Improbasics???
    ich darf mich mal an dieser stelle einmischen: was tina meinte mit "vorzugsweise "er" oder "sie" Geschichten anstelle von "ich"" betrifft das erzählen von geschichten (ein-wort-geschichte etc.) da hat sie natürlich recht, das geht besser mit er oder sie.
    beim spielen von geschichten muss es um mich und meine mitspieler gehen, da gebe ich manuel recht, alles andere ist uninteressant.
    was mich ein bisschen irritiert, axel, sind deine aussagen über rollen und die eigene persönlchkeit. klar schlüpfe ich in eine rolle und bin zu diesem zeitpunkt nicht ich selbst, aber die rolle muss immer mit mir persönlich zu tun haben. alle meine eigenen erfahrungen lege ich da rein, selbst erlebte gefühle. wie will ich sonst wahrhaftig sein? wenn wir auf die bühne gehen - und es ist hier egal, ob wir episches oder improvisiertes theater spielen - dann müssen wir echt sein. unsere tränen und unser lachen, bestürzung oder überaschung muss aus unserem innern kommen, wir müssen das fühlen. wer keine lust hat, sich auszuziehen, braucht die bühne gar nicht erst betreten.
    wo wir wieder bei den basics sind: das, was wir darstellen müssen wir sein, nicht spielen. es gibt leider zu viele leute, die ins rampenlicht treten, und mit großer distanz zu sich selbst das publikum mit gags zum lachen bringen. ein bisschen schlagfertigkeit, eine gute körperbeherrschung eine gekonnt eingesetzte mimik und sie lieben uns... mensch, war das ein lustiger abend. kann ja sein, dass die meisten spieler nur das wollen: tosenden applaus und lachende gesichter. gegen reines unterhaltungstheater hat ja keiner was. aber wir sind gut, wenn wir es geschafft haben, die leute zu berühren, wenn sie sich selbst wiedererkennen weil wir ihnen nichts vorspielen. möglich, das ich mit der meinung alleine stehe.
    und jetzt zu thomas und der frage nach den basics: ich persönlich finde, dass starke charaktäre sehr wichtig sind (hat man ja gemerkt:). mit stark meine ich aber nicht den status, sondern, dass man weiß wer man ist. natürlich muss man sich auch verändern lassen können, sonst wirds langweilig. so bekommen die mitspieler inspiration und du selbst auch. ich breche an der stelle jetzt mal ab sonst bekomme ich noch eine schlechte note wegen thema verfehlt:)
    This post was modified on 14 Mar 2007 at 04:37 pm.
  • Axel Tüting
    Axel Tüting    Premium Member
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    Re^12: Was sind die Improbasics???
    Ich will versuchen mich dem ganzen mit zwei Beispielen zu nähern ;)

    1. Beispiel
    Betroffene einer "Randgruppe" versuchen Theater zu spielen. Irgendwann merken sie, dass die angesprochenen Thematiken etwas mit ihnen zu tun haben. Ein Teil ihres Lebens, ihrer Gefühlswelt, ihren Problemen, Ängsten, Träumen, etc. zu tun haben. Diese Feststellung ist so stark, dass sie urplötzlich in ihrer eigenen Betroffenheit verharren und nicht mehr in der Lage sind, eine Rolle zu spielen - letztlich nicht mehr in der Lage sind, auf die Bühne zu gehen.

    Darauf habe ich das "sie", "er" und "ich" bezogen. Wenn ich obiges zu meinem "ich" mache, verliere ich die Distanz und bin unter Umständen nicht mehr spielfähig.


    2. Beispiel
    Meine schwerste Rolle war es, dass ich mal einen Nazi spielen mußte. Ist viele Jahre her und damals saßen im Zuschauerraum noch einige, die im KZ gesessen haben. Laut deren Aussage war ich sehr glaubwürdig.
    Um diese Rolle spielen zu können, mußte ich natürlich meine eigenen Erfahrungen bemühen, um überhaupt einen Zugang zu dieser Rolle zu finde. Und natürlich ist es auch nicht möglich, eigene Betroffenheit, eigene Emotionalität, eigene Persönlichkeit aus der Rolle fernzuhalten. Zumindest nicht, wenn Du was transportieren willst. Da gebe ich Dir voll und ganz recht. Jedoch gilt auch hier: Wenn Du keinen Abstand zur Rolle herstellen kannst ...
    Was wäre dann aus mir geworden? Ein Nazi? Ein kranker Schizophrener?
    Es war so sauschwer, weil ich wußte was Nazis sind und weil ich viel von ihnen in mir während des Spiels zulassen mußte. Weil ich ein Schwein sein mußte, um glaubwürdig zu sein, weil ich menschenverachtend spielen mußte, um die Message rüber zu bringen.

    Danach war es für mich extrem wichtig die nötige Distanz zur Rolle zu gewinnen. Und das hat auch etwas gedauert. Ich habe mich erst gar nicht in den Zuschauerraum nach dem Stück getraut ....



    Ich hoffe, das jetzt etwas klarer wird, was ich meine.

    Wir Theatermenschen müssen oft diese Gratwanderung gehen - zwischen: in der Rolle aufgehen und gleichzeitige Distanz wahren.


    Axel
    This post was modified on 14 Mar 2007 at 05:17 pm.
  • Manuel Wolff
    Manuel Wolff    Group moderator
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    Re^13: Was sind die Improbasics???
    Im Grunde genommen gebe ich Dir Recht, Antje, mit allem was Du sagst, ausser, dass gerade die Ein-Wort-Geschichte mit "ich" besser funktioniert, als mit "er".
  • Maja Mommert
    Maja Mommert    Premium Member   Group moderator
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    Re^14: Was sind die Improbasics???
    Antje: 2+ Setzen. :-)

    Manuel: Du bist auch nie zufrieden! Da stimmt Dir schon mal jemand halbwegs zu... ;-)

    Ich finde auch, dass bei 1-Wort-Geschichten "er" oder "sie" besser funktioniert.

    Axel: Deine Gedanken finde ich total wichtig, hab auch ähnliche Dinge schon erlebt... in einem Stück über den Ersten Weltkrieg, gemeinsam mit Franzosen entwickelt auf Grundlage von Zeugenaussagen (die damals alle über 90 waren) & darauf basierenden Improvisationen. Hart!
    Das wäre fast einen neuen Beitrag wert, weil es so gar nicht mehr zu den Impro-Basics gehört...

    Auf jeden Fall danke für die spannenden Beiträge! Freu mich auf mehr.

    Maja
  • Axel Tüting
    Axel Tüting    Premium Member
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    Re^15: Was sind die Improbasics???
    Ich glaube, dass Manuel, dass ausschließlich auf die grammatikalische Form bezieht - ich jedoch auf den psychologischen Zugang und Umgang mit der Rolle. Ich glaube, deswegen haben wir ein Mißverständnis miteinander ;)



    Gruß
    Axel
  • Lars Metze
    Lars Metze    Premium Member   Group moderator
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    Re^16: Was sind die Improbasics???
    Ich glaube, dass hier ein wenig aneinander vorbei geredet wird... ;)

    Ich habe in meinem Schauspielstudium vorrangig eins gelernt:
    DU bist DU und Deine Rolle ist DEINE ROLLE.
    Das heisst:
    Wenn ich schauspiele, schlüpfe ICH in eine ROLLE, die dann MEINE Rolle ist.
    Beispiel:
    Ich spiele den Romeo in einem relativ bekannten Stück eines lange verstorbenen Engländers.
    Dann lerne ich Text, trainiere Ausdruck und Verhalten.
    Denn:
    Auf der Bühne stehen nachher drei Personen als Romeo
    1. Lars Metze, der Schauspieler (darstellende Person)
    2. Romeo als literarische Figur, wie sie im Text steht (Vorgaben für Text und Bewegung etc.) (Rolle)
    3. Die Synthese aus beiden, die vom Zuschauer wahrgenommen wird (Bühnenpräsenz)

    Gäbe es diese Dreiteilung nicht, wäre entweder jede Aufführung von Romeo und Julia KOMPLETT gleich (weil alle Schauspieler die Rolle, Punkt 2. bedienen) oder sie würden sich nicht im entferntesten ähneln (weil alle ihre Persönlichkeit durchsetzen, Punkt 1.). Um aber das Stück IN SICH immer gleich zu lassen, und trotzdem immer wieder neue Interpretationen zu finden, ist es nötig, dass Schauspieler sich auf Punkt 3. einlassen, eine durch ihre Persönlichkeit gefärbte Interpretation einer Rollenvorgabe.
    Und ich glaube, dass ist, was ihr alle meint: Der Abstand ist gegeben (sowohl beim "normalen" Theater als auch beim Impro) indem ich mir klar werde, dass ICH Person 1. bin, dass ich Person 2. als Vorlage habe, aber nicht BIN und dass dadurch eine Person 3. entsteht, mit der ich mich KÜNSTLERISCH identifiziere, weil meine Persönlichkeit EINFLIESST, die ich aber ebenfalls nicht bin.

    Ich würde mal behaupten, dass das "method acting" der Versuch ist, die Person 1. mit möglichst vielen Impulsen auszustatten, dass ihr Anteil an der Figur 3. besonders groß ist... Aber das ist Philosophie.

    Zum Thema zurück: Wenn ich also jetzt als Improkünstler auf der Bühne stehe, habe ich ja eigentlich keine Person 2. Diese entsteht eben erst durch Vorgaben der Zuschauer, Aussagen von evtl. Mitspielern und so weiter. Also ist hier - in meinen Augen- der Prozess umgekehrt:
    Ich lasse von mir Persönlichkeit in de Bühnenpräsenz einfliessen, bis ich genug Vorgaben über die Rolle habe um das ganze zusammenzuführen.

    SOWOHL grammatikalisch ALS AUCH spielerisch benutze ich also die ICH-Form. Bis die Bühnenpräsenz genug Rahmenbedingungen hat, um die Rolle "abzunabeln". Trotzdem ist mir permanent klar, dass nicht ICH etwas von mir preisgebe, sondern meine Bühnenpräsenz (eine ähnliche Differenzierung wie bei Romanautoren: Sicher fliesst IMMER was von ihrer Persönlichkeit in Romane ein und trotzdem sind das nicht SIE SELBER die sie durch den Roman beschreiben!). So SOLLTE es mit - als professioneller Schauspieler- auch nicht passieren, dass ich blockiere, weil ein Teil des Geschehens auf der Bühne auch einen -theoretischen- Bezug zu meinem echten Leben hat. Wenn ich das nicht trennen kann, ist es offensichtlich eine traumatische Erfahrung, die ich vor dem nächsten Bühnenauftritt vielleicht therapieren lassen sollte. Oder ich bin nicht zum Schauspielern geeignet, weil ich das Schauspielern nicht von meinem echten Leben trennen kann.

    Ich hoffe, ich habe mich halbwegs verständlich ausgedrückt und es wird klar was ich versuche zu sagen? Falls nicht, einfach nachfragen... ;)

    lg
    Lars