INDIA - Prospects in Central Europe

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  • Michael Rajiv Shah
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    Gottloser Pazifismus - Rezension
    Humanistisches Denken bei Gandhi

    „Humanistisches Denken bei Mahatma Gandhi" behandelt Mark Lindley. Ohne in Gandhi-Philologie einzusteigen, ist mein Eindruck, dass Lindley manche ironische Wendung Gandhis zu ernst nimmt und auch Eigenheiten hinduistischer und Jaina-„Religiosität" verkennt. Diese sind weniger abgrenzend als man es von den monotheistischen Religionen gewohnt ist. So kann Gandhi etwa folgendes sagen: „Den größten Trost spendet mir die Lektüre des Ramayana von Tulsidas, aber auch das Neue Testament und der Koran sind tröstlich für mich. Ich nähere mich ihnen nicht kritisch. Für mich sind sie ebenso wichtig wie die Bhagavadgita, auch wenn nicht alles in der letzteren mich anspricht, ebenso wie nicht alles in den Paulusbriefen, zum Beispiel, oder bei Tulsidas ..." Der Text aus Harijan (5.12.1936) wird dann so weitergeführt, dass „Mr. Mathews" Gandhi als Protestanten bezeichnet, worauf dieser antwortet: „Ich weiß nicht, was ich bin oder nicht bin. Herr Hodge nennt mich einen Presbyterianer! Mr. Mathews: Wo liegt für Sie die Autorität? Gandhi: Sie liegt hier (zeigt auf seine Brust)..." Deshalb kann Gandhi sich auch als Atheist bezeichnen, er weist im Wesentlichen nur Zuschreibungen zurück und beharrt auf der eigenen Suche. Aber das macht ihn keineswegs zum säkularen Humanisten; er weist auch die Ansicht zurück, der Buddhismus oder Jainismus seien atheistisch, weil sie keinen persönlichen Gott und keine Götter kennen. In diesem Zusammenhang definiert er in Young India 1925: „The sum total of Karma is God. That which impels man to do the right is God. The total sum of all that lives is God ..." (MGCW 26, S. 571). Und die Frage, wie man Atheisten überzeugen kann, beantwortet er 1940 ganz ernsthaft: Nur durch das gute Beispiel. „Innumerable books have been written to prove the existence of God, and if arguments could have prevailed, there would not be a single atheist in the world today. But the opposite is the case ..." (MGCW 72, S. 418). Im September 1941 schreibt er an Ramachandra Rao: „Atheism is a denial of self." (MGCW 74, S.311)

    Einen zunehmenden Humanismus Gandhis erkennt man, wenn man bestimmte Aussagen und Praktiken nur in einem humanistischen Kontext für möglich hält, etwa die Heirat zwischen Kasten. Hier liegt aber offensichtlich eine religiöse Überzeugung vor, die starre Regeln überwindet und mit dem „Eigentlichen" der Religion für soziale Reformen oder den Abbau von Herrschaft argumentiert.

    Interessant sind die Informationen über den indischen Atheisten Gora. Die Arbeiten von Mark Lindley über ihn und das „Atheist Center" in Vijayawada sollten vielleicht auf deutsch erscheinen? Der Atheismus hat natürlich in Indien auch eine reiche Tradition, aber Gandhi ist gerade nicht Teil dieses Diskurses. Dies wird im Interview von Wolfram Beyer mit Helga Weber und Wolfgang Zucht im gleichen Band auch selbstverständlich vorausgesetzt.

    Wolfram Beyer (Hrsg.): Kriegsdienste verweigern - Pazifismus aktuell: humanistische und libertäre Positionen, Oppo-Verlag, Berlin 2007, 155 S., 16,- Euro

    Quelle: hpd-online
    http://hpd-online.de/node/3598
    This post was changed on 25 Jan 2008 at 01:07 am by Dr. Claudia Preckel .