INDIA - Prospects in Central Europe

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  • Alexander Hartmann
    Alexander Hartmann    Premium Member   Group moderator
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    Lebt die Botschaft von Mahatma Gandhi in uns weiter?
    Es sind jetzt sechzig Jahre vergangen, seid der indische Menschenrechts- und Unabhängigkeitskämpfer Mahatma Gandhi von einem nationalistischen Hindu, am 30. Januar 1948, ermordet wurde. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen gedenkt dem Mann der Liebe und des Friedens in der Weise, dass sie den 2. Oktober (Mahatma Gandhis Geburtstag) zum „Internationalen Tag der Gewaltfreiheit“ erklärte. Auch unzählige andere offizielle Organisationen zollen dem „Vater der Nation“ nach wie vor ihren Respekt.

    Doch was bedeutet das Tun und Streben Mahatma Gandhis heutzutage? Was ist aus unserer Sicht die Botschaft seines Martyriums? Dieser Frage gehen Gandhi Smriti und Darshan Samiti aus New Delhi Indien nach und hoffen, dass möglichst viele Menschen ihrem Aufruf folgen mögen, und Ihnen ein kurzes Statement mit Foto (oder Video-Clip) zusenden. Die gesammelten Botschaften sollen dann auf der ganzen Welt präsentiert und später ihn einem Buch zusammengefasst und veröffentlicht werden.

    Die Indien Aktuell-Redaktion unterstützt diese globale Aktion von Deutschland aus und hofft auf eine rege Anteilnahme. Die E-Mail mit ihrem Statement und Foto senden Sie bitte direkt an mahatma@indienaktuell.de oder antworten Sie auf diesen Beitrag. Wir leiten diese dann entsprechend weiter und informieren Sie beizeiten über die Veröffentlichungsorte bzw. die Medien, wo die gesammelten Werke erscheinen werden.

    Kurzinfo:
    Gandhi Smriti und Darshan Samitis eigenständige Organisation wird von der Abteilung für Kultur, dem Ministerium für Kultur und Tourismus und der indischen Regierung finanziell unterstützt und beraten. Der Premierminister von Indien als Vorsitzender und ein Gremium aus alten Anhängern Ghandhis und Vertretern verschiedener Ministerien verfolgen das gemeinsame Ziel, das Leben, die Mission und die Gedanken Mahatma Ghandis auf verschiedenen Wegen publik zu machen. Weitere Informationen liefert folgender Weblink: http://www.gandhismriti.nic.in/
  • Dr. Claudia Preckel
    Dr. Claudia Preckel    Premium Member   Group moderator
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    Re: Lebt die Botschaft von Mahatma Gandhi in uns weiter?
    Eine durchaus interessante Frage, schaut man auf gesellschaftliche Probleme und religiöse Spannungen im heutigen Indien.
    Die Aktion ist in der Tat sehr interessant.

    Ich möchte nur kurz auf die GandhiServe Foundation hinweisen, zu weiteren Infos:
    http://www.gandhiserve.org/

    Sowie zwei indische Filme, die Gandhi und seine Botschaft thematisieren:

    1: Gandhi, my father, wo es um das durchaus problematische Verhältnis zwischen Gandhi und seinem Sohn Harilal geht:
    http://www.gandhimyfather.erosentertainment.com/

    2. Hey Ram auf den ich bereits einmal hingewiesen hatte:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Hey_Ram


    Interessant finde ich auch, dass beide Filme von muslimischen Regisseuren stammen. ein Beweis dafür, dass Gandhis Botschaft doch angekommen ist???

    CP
  • Michael Rajiv Shah
    Michael Rajiv Shah    Premium Member   Group moderator
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    Der Religionskonflikt im weltlichen Riesenreich
    Der Religionskonflikt im weltlichen Riesenreich
    Von Hildegard Stausberg http://www.xing.com/profile/Hildegard_Stausberg

    29. November 2008, 03:22 Uhr
    http://www.welt.de/welt_print/article2801475/Der-Religionsko...

    Der Konflikt zwischen Hindus und Muslimen prägt den Subkontinent seit Jahrhunderten

    Schwierige Beziehungen zwischen Muslimen und Hindus ziehen sich wie ein roter Faden durch Indiens Geschichte. Epochen friedlichen Zusammenlebens wechselten mit Zeiten des Hasses, der Vertreibung und blutiger Gemetzel. Das Verhältnis beider Gruppen bleibt die Schicksalsfrage des Landes: Muslimische Terroristen versuchen dies für sich zu nutzen - viele Hindunationalisten stehen ihnen in puncto Radikalität in nichts nach.

    Als die Engländer Anfang des 17. Jahrhunderts in Indien Fuß fassten, herrschten die muslimischen Mogulkaiser über mehr als die Hälfte des Subkontinents. Sie verfügten über eine funktionierende Verwaltung und förderten die Künste. Stetig festigten die Engländer ihre Macht, setzten sich durch gegen Portugiesen, Niederländer und vor allem Franzosen: Der Siebenjährige Krieg (1756 bis 1763) wurde auch auf dem indischen Subkontinent ausgefochten - zugunsten Londons. Die Britische Ostindien-Kompanie spielte dabei eine wichtige Rolle. Gegen sie erhoben sich 1857/58 Teile der Bevölkerung Nordindiens in einem Aufstand, der die Macht der Engländer schwer erschütterte. Erst danach wurde Indien der englischen Krone direkt unterstellt - bis 1947 trugen die englischen Monarchen den Titel "Kaiser von Indien".

    Die Unabhängigkeitsbewegung wurde zu Anfang getragen von einer Oberschicht aus Hindus und Parsen, die in Bombay 1885 den Indian National Congress gründeten, den Vorläufer der bis heute das politische Leben beherrschenden Kongresspartei. Die indischen Muslime standen lange Zeit abseits: Sie fürchteten, dass sie, als größte Minderheit, bei Einführung des Mehrheitsprinzips aus der Verwaltung gedrängt würden, in der sie gut vertreten waren. Erst 1906 wurde in Dhaka die All-India Muslim League gegründet, zehn Jahre später wurde der Rechtsanwalt Muhammad Ali Jinnah ihr Vorsitzender. Damals glaubte Jinnah noch an eine gemeinsame politische Zukunft zwischen Moslems und Hindus. Das änderte sich, als Mahatma Gandhi in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts im Indischen Nationalkongress immer stärker wurde und den gewaltfreien zivilen Ungehorsam als Methode mit dem größten Erfolg für die Unabhängigkeit propagierte. Für Jinnah hingegen führte nur ein Kampf im Rahmen eines verfassungsmäßig gestalteten Regelwerkes zum Ziel: "Ziviler Ungehorsam ist für Analphabeten", verkündigte er trotzig. Auch kleidete sich Jinnah immer westlich - vorzugsweise in maßgeschneiderten weißen Leinenanzügen.

    Gandhi hingegen "indisierte" seinen Kleidungsstil, was gerade bei einem großen Teil der Hindubevölkerung gut ankam. Es war Jinnah, der als Erster davor warnte, dass Gandhis politischer Führungsstil zu einer Spaltung zwischen Hindus und Muslimen führen könnte, was dann auch eintrat. Spätestens seit den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts war diese Blockbildung vollzogen. Auf der einen Seite gab es die von Hindus dominierte Kongresspartei, auf der anderen stand die sogenannte Muslimliga. Schon 1930 sprach der berühmte muslimische Schriftsteller Muhammad Iqbal von der Notwendigkeit, im Nordwesten Indiens einen unabhängigen Staat für Muslime zu errichten, 1933 prägte der Muslimpolitiker Rahmat Ali dafür den Begriff "Pakistan". Damit war die Debatte über die Teilung Britisch-Indiens eröffnet. Im Zweiten Weltkrieg stand Jinnah England zur Seite und lehnte die populäre antienglische Nationalistenbewegung von Subhash Chandra Bose ab.

    In der verfassunggebenden Versammlung gewann 1946 die Kongresspartei die meisten Sitze, vor allem in den Hindu-Gebieten, die Muslimliga errang die Mehrheit der muslimischen Sitze. Die Engländer stimmten kurze Zeit später der Teilung zu. Dann folgte mit der "Säuberung" der Gebiete nach Religionszugehörigkeit die größte Vertreibungsaktion in der Geschichte des indischen Subkontinents: Zehn Millionen Hindus und Sikhs wurden aus dem damals noch aus zwei Teilen bestehenden Pakistan vertrieben, sieben Millionen Muslime aus Indien. Fast eine Million Menschen kamen ums Leben. Die Wunde dieser Vertreibung schwärt weiter.

    Quelle: http://www.welt.de/welt_print/article2801475/Der-Religionsko...
  • Michael Rajiv Shah
    Michael Rajiv Shah    Premium Member   Group moderator
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    „Das war alles eine große Inszenierung“
    Gestern Abend noch hab ich mich daran erinnert, wie ich mit 11 Jahren im TAJ meine erste eigene Schallplatte gekauft habe. Es läuft mir ein Schauder über den Rücken, wenn ich an all das denke, was ich im Fernsehen gesehen habe was in den letzten Tagen geschehen ist. Doch muss ich gestehen, dass ich seit dem Einmarsch der Russen in Afghanistan (ich war zu diesem Zeitpunkt auch in Indien) aber spätestens seit der Erschütterung von 9/11 sehr sehr skeptisch geworden bin, was die Rolle der MEDIEN bei solchen Geschehnissen angeht.

    Was ist neben dem ENTSETZEN Wirklichkeit ...?
    Ist es wirklich so wie man es uns glauben machen will ...?
    Oder sind Medien nicht ein TEil einer möglichen Inszenierung ...?

    Fragen über Fragen, die mich nicht ruhen lassen ...

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    „Das war alles eine große Inszenierung“
    http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc...
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    Von Jochen Buchsteiner, Delhi

    30. November 2008 Die Hauptstadt wählt ein neues Parlament, und Wachtmeister Chand soll für einen reibungslosen Ablauf sorgen. Mit drei Kollegen steht er vor dem Wahllokal im Muslim-Viertel Nizamuddin, beobachtet, wie sich die weißgewandeten Männer mit ihren verschleierten Frauen in die Warteschlange stellen. Am Straßenrand haben die beiden größten Parteien des Landes - der Kongress und die Indische Volkspartei (BJP) - wie immer an Wahltagen ihre Stände aufgeschlagen, und auch Wachtmeister Chand bestätigt, dass alles seinen gewohnten Gang geht: „Keine besonderen Vorkommnisse, Sir.“

    Wer wählen geht, der glaubt an seinen Staat, weshalb die Politiker am nächsten Morgen wohl wieder sagen werden, dass man sich um Indiens Muslime keine Sorgen machen muss. Doch in den Gassen Nizamuddins liegt eine sonderbare Stimmung. Aus einem offenen Fenster flimmert ein Fernseher, der gestern noch Bilder von Mord und Terror gezeigt hat. Viele standen in den vergangenen Tagen vor dem Gerät und verfolgten die dramatischen Ereignisse im fernen Bombay. Aber sprechen möchte niemand darüber: „Was da passiert ist, ist schlimm, aber es hat nicht das Geringste mit uns hier zu tun“, sagt ein Mann entschieden.

    Die Normalität zerbröselt

    Rasch bildet sich eine Menschentraube um ihn, und mit jedem Satz, der nun fällt, zerbröselt die scheinbare Normalität Nizamuddins. „Immer werden wir Muslime beschuldigt“, stößt einer hervor. „Was auch passiert, unsere Gemeinschaft muss leiden - wir leben in ständiger Angst“, sagt ein anderer und erhält sogleich Beistand: „Früher haben wir alle friedlich zusammengelebt, jetzt greift man uns Muslime an.“ Ein Mann mit weißer Gebetskappe und rotem Bart zeigt auf die schäbigen Kioske auf der anderen Straßenseite und sagt: „Wir haben keine Chancen im Berufsleben, wir enden bestenfalls als kleine Händler, und dann verjagt uns auch noch die Polizei.“
    Zum Thema

    Die Stimmung ist gereizt unter Indiens Muslimen, und der Terrorangriff auf Bombay droht sie weiter zu verschlechtern. Noch als die Gefechte in den beiden Luxushotels andauerten, wies die indische Regierung mit dem Finger auf Pakistan. In der Öffentlichkeit herrscht kein Zweifel mehr, dass die Terroristen aus dem Nachbarland mit indischen Gesinnungsgenossen zusammengearbeitet haben. Untersucht wird nun, ob die „Indischen Mudschahedine“ oder die „Islamische Studentenbewegung Indiens“ beteiligt gewesen sind. Ermittelt wird auch gegen den muslimischen Mafia-Boss Dawood Ibrahim.

    Irreführung der Weltöffentlichkeit?

    Niemand in Nizamuddin heißt die Terrorangriffe auf Bombay gut. Aber ebenso schwer ist jemand zu finden, der islamische Terroristen für die Schuldigen hält. „Wo ist der Beweis?“, fragt ein Mann vor der Moschee, der zuvor andere Passanten beiseitegeschoben hat. „Wir werden doch immer als Verräter und Terroristen bezeichnet!“ Der Mann - auch er will seinen Namen nicht nennen - glaubt an eine Irreführung der Weltöffentlichkeit durch die indische Polizei, und seine Zuhörer nicken heftig.
    Wieder unter Kontrolle: das Hotel Taj Mahal in Bombay

    Wieder unter Kontrolle: das Hotel Taj Mahal in Bombay

    Wie viele Muslime in diesen Tagen weist der Mann auf den Tod des Polizeioffiziers Hermant Karkare hin, der während des Einsatzes in Bombay erschossen wurde. Karkare war Chefermittler des Bombenanschlags von Malegaon, bei dem im September 37 Menschen starben. Das Blutbad vor einer Moschee wurde im ganzen Land diskutiert, weil die Polizei zunächst Islamisten beschuldigt hatte, dann aber mehrere Hindus verhaftete, unter ihnen eine Nonne und Männer mit Verbindungen ins Militär. Das hässliche Wort vom „Hindu-Terrorismus“ kam plötzlich auf. Weil Karkare unangenehme Wahrheiten zutage gefördert habe und zu viel wisse, habe er sterben müssen, meint der Mann vor der Moschee: „Bombay war nichts als eine große Inszenierung.“

    „Gerichtsurteile bedeuten gar nichts“

    Verschwörungstheorien haben in Nizamuddin Konjunktur. Die indischen Terrororganisationen, die sich im Namen des Islams zu mehreren Bombenanschlägen in diesem Jahr bekannt haben, seien eine „Erfindung“, heißt es. Nicht einmal Usama Bin Ladin wird in Nizamuddin die Urheberschaft an den Terrorangriffen des 11. Septembers 2001 zugestanden. Dass überall auf der Welt islamische Terroristen - oft nach Geständnissen - rechtskräftig verurteilt worden sind, hält der Mann vor der Moschee für ein naives Argument: „Gerichtsurteile bedeuten gar nichts, sie sind alle falsch.“
    Kritik nach Ende der Kämpfe am Sonntag in Bombay: Protest gegen Vorgehen von ...

    Kritik nach Ende der Kämpfe am Sonntag in Bombay: Protest gegen Vorgehen von Regierung und Sicherheitskräften

    Die Verbitterung ist gewaltig, und einigen ihrer Facetten ist man in Nizamuddin sehr nah. Nur ein paar hundert Meter von hier, im Osten des Viertels, lässt sich bestaunen, von wo der lange Weg der Muslime in die Marginalisierung begann. Hinter den Häusern erhebt sich das majestätische Grabmal von Humayun, dem zweiten Mogul-Herrscher über den Subkontinent. Im 16. Jahrhundert befanden sich große Teile des heutigen Indiens in islamischer Hand, und so blieb es für weitere 250 Jahre. Die wichtigsten Bauten des Landes stammen aus dieser Epoche, die bis heute Erhabenheit und Souveränität ausstrahlen.

    In der Gesellschaft unterrepräsentiert

    Heute blicken Indiens Muslime auf eine andere Wirklichkeit. Gleich jenseits der Hauptstraße thront das Luxushotel „Oberoi“, wo die neuen Oberschichten und wohlhabende Ausländer im Restaurant „Threesixty“ für ein Glas Bordeaux so viel ausgeben, wie ein Zigarettenhändler in Nizamuddin in einer ganzen Woche verdient. Nizamuddins Gassen sind von Müll gesäumt, es riecht streng. Kabul erscheint näher als die Hauptstadt der neuen Wirtschaftsmacht, in deren Mitte das Viertel liegt.
    „Manifester Versuch, indische Muslime zu rekrutieren”: Die Minderheit fühlt s...

    „Manifester Versuch, indische Muslime zu rekrutieren”: Die Minderheit fühlt sich in Indien marginalisiert; Erinnerungen an Pogrome werden wach

    Obwohl 14 Prozent, manche schätzen sogar mehr als 20 Prozent der Inder dem Islam anhängen, ist ihre Sichtbarkeit in der Gesellschaft gering. Gelegentlich schaffen sie es in höchste Positionen - bis hin ins Amt des Staatspräsidenten -, aber in den Parlamenten, in den Universitäten, in den Behörden sowie bei Polizei und Militär sind Muslime deutlich unterrepräsentiert. In einem Regierungsbericht wurde vor zwei Jahren nachgewiesen, dass Muslime gesundheitlich schlechter versorgt sind, über weniger Einkommen verfügen, seltener lesen und schreiben können.

    Rückfall in nackte Barbarei

    Die Klage über mangelnde Chancengleichheit hat sich in den vergangenen Jahren mit dem Gefühl verbunden, von der Hindu-Mehrheit gewaltsam an den Rand gedrängt zu werden. Die Wunden, die sich beide Religionsgemeinschaften während der „Partition“ geschlagen haben, waren kaum verheilt, als in den späten achtziger Jahren der Hindu-Nationalismus wiedererstarkte. Mit der Zerstörung der historischen Babri-Moschee im nordindischen Ayodhya machten im Dezember 1992 Zehntausende Fanatiker klar, dass sie auch vor nackter Barbarei nicht zurückschrecken.

    In den Jahren danach verschärften sich Spannungen zwischen den Religionsgruppen. Nachdem Muslime einen Zug mit Hindu-Pilgern in Brand gesteckt hatten, erlebte das Land seine schlimmsten Pogrome seit 1947. Im Frühjahr 2002 wurden im Bundesstaat Gujarat über Monate hinweg Muslime niedergemetzelt. Die Sicherheitskräfte und die hindunationalistische Regierung in Gujarat schauten weg, manche sagen sogar: stachelten an. Dass Ministerpräsident Narendra Modi noch immer im Amt ist, wird von vielen Muslimen als Beleg für die Einseitigkeit der indischen Justiz und Politik betrachtet. „Unser erster Kampf galt der Unabhängigkeit“, sagt der Mann vor der Moschee, „jetzt beginnt der Kampf für unsere Rechte.“ Lange Zeit galten Indiens Muslime als immun gegenüber den Verführungen internationaler Terrorgruppen. Aber dies hat sich geändert. Der Nationale Sicherheitsberater der indischen Regierung, Narayan, sprach schon vor zwei Jahren von einem „sehr, sehr manifesten Versuch, indische Muslime zu rekrutieren“. Köder der Anwerber sei der Satz: „Ihr wisst ja, was in Gujarat passiert ist.“

    „Brüder auf Abwegen“

    Zwischen den großen indischen Parteien sind die Muslime, die eine wichtige Wählerschaft ausmachen, zu einem Spielball geworden. Die BJP, die im Frühjahr wieder an die Macht will, gibt sich nicht offen islamfeindlich; auch in ihren Reihen befinden sich Muslime. Aber sie sieht tatenlos und nicht gänzlich sympathiefrei zu, wie extremistische Hindu-Organisationen zündeln. Der Kongress wiederum, der seit viereinhalb Jahren die Regierungskoalition in Delhi führt, treibt seine Umarmungsstrategie zuweilen so weit, dass selbst Muslime sich die Augen reiben - etwa wenn Innenminister Shivraj Patil Terroristen mit Sprengstoffwesten als „auf Abwege geratene Brüder“ bezeichnet.

    In Nizamuddin ist man auf Politiker nicht gut zu sprechen. Nicht einmal muslimische Abgeordnete würden etwas für sie tun, beklagt der Mann vor der Moschee. Und doch finden sich im verdrießlichen Stimmengewirr des Viertels Spuren nationaler Loyalität. „Wir haben uns 1947 bewusst entschieden, hier zu bleiben und nicht nach Pakistan zu gehen“, sagt ein Bewohner Nizamuddins feierlich. Bedauert habe er dies nicht, im Gegenteil: „Solange Indien existiert, können wir erhobenen Hauptes gehen.“ Und einer, der mit den Männern vor der Moschee nichts zu tun hat, ist sogar bereit, gegen Pakistan in den Krieg zu ziehen: „Wir werden den Terrorismus bekämpfen, und wenn Pakistan nicht mit uns zusammenarbeitet, greifen wir es an.“ Der Muslim hatte am Morgen sein Kreuz bei der hindunationalistischen BJP gemacht.

    Text: F.A.S.
    Bildmaterial: dpa
    Quelle: http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc...
  • Michael Rajiv Shah
    Michael Rajiv Shah    Premium Member   Group moderator
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    Gandhis Indien starb mit den Terroranschlägen
    Die Anschläge von Bombay zeigen, dass die Vorstellung von der pazifistischen Nation ein Trugbild ist

    Von Ulrich Baron 1. Dezember 2008, 01:52 Uhr

    http://www.welt.de/politik/article2809564/Gandhis-Indien-sta...

    Durch das westliche Indienbild wandert noch immer ein magerer kleiner Mann mit runder Drahtbrille, der in den Falten seines Wickelgewandes zu verschwinden scheint. Im Hintergrund folgen Millionen Menschen seiner Asketengestalt zum gewaltlosen Widerstand gegen das britische Kolonialsystem, das angesichts dieses geballten Pazifismus' bald in den Staub sinkt. Daraus erhebt sich schließlich ein Land, das beansprucht, die größte Demokratie der Welt zu sein.

    Dieser Mann wurde zur mythischen Gestalt, die auch den Europäern den Weg aus ihrer kolonialen Verstrickung wies und sich unbefleckt aus einem Jahrhundert der Katastrophen und Massenmorde erhob. Jeder halbwegs gebildete Westler wusste, dass er Mohandas Karamchand Gandhi hieß und sein Ehrenname "Mahatma" ihn als "große Seele" feierte. In Indien aber könnte jedes kinobegeisterte Kind einem sagen, dass es sich dabei um den britischen Schauspieler Ben Kingsley handelte, der die Vatergestalt der indischen Unabhängigkeit 1982 in Richard Attenboroughs Film verkörpert hat.

    Doch egal, um welche Inkarnation es sich handelt - dieser magere Mann ist nun im blutigen Chaos der Anschläge von Bombay verschwunden. Ob von innen oder von außen kommend, zielen solche Angriffe auf das ebenso sensible wie konfliktträchtige Gefüge der horizontal wie vertikal höchst differenzierten Gesellschaft der Atommacht Indien. Dass dabei nun auch westliche Ausländer ins Visier gerieten, führt uns drastisch vor Augen, was viele Inder seit Jahren erdulden.

    Gandhis Nimbus ist heute so unzeitgemäß wie die verblassten Träume vom spirituellen Selbstbedienungsladen Indien. Was waren das noch für Zeiten, als die Beatles nach Rishikesh pilgerten, um sich bei Maharishi Mahesh Yogi die Erleuchtung für ihr "Weißes Album" zu holen. Als die Hippies in VW-Bussen zu Morgenlandfahrten aufbrachen und Hermann Hesses "Siddharta" den Weg wies.

    Dass es dabei oft um Humbug ging, wurde spätestens offenbar, als die Sannyasins einen Bhagwan Shree Rajneesh zum Filmstar und Großverdiener machten. Geblieben sind eine florierende Esoterik-Szene und die Ayurveda-Kost, während die alten Erleuchtungshoffnungen in den letzten Jahren den Fantasien vom Hightech-Wunderland Indien gewichen sind. Aber auch die verblassen. Mit der Finanzmetropole Bombay haben die Terroristen den Ort ausgewählt, wo vor allen anderen die große Synthese aus indischer Kulturvielfalt und der Technik des 21. Jahrhunderts gelingen sollte.

    Die Fülle von Antagonismen, die dabei unter einen Hut gebracht werden müsste, ist westlicherseits stets unterschätzt worden. Die asketische Gestalt eines Gandhi stand sinnbildhaft für einen pazifistischen, einfachen Nenner, auf den man Indien gerne gebracht hätte. Besser wäre es gewesen, man hätte dem großen Skeptiker V. S. Naipaul geglaubt, der Indien 1990 mit "India: A Million Mutinies Now" als Land der Rebellionen charakterisiert hat.

    Kasten- und Religionskonflikte, politischer Extremismus, Korruption, Aberglaube, Kriminalität und eine wachsende Kluft zwischen Stadt und Land aber zählten zu den Problemen, die man im Westen eher unter Folklore abtat. Dabei begann die Geschichte des modernen Indien 1947 mit der blutigen Trennung von muslimisch und hinduistisch bestimmten Landesteilen, bei der Millionen von Menschen vertrieben und eine Million ermordet wurden. Das Wettrüsten der Atommächte Indien und Pakistan, der Konfliktherd Kaschmir, die Anschlagsserien der letzten Jahre und Tage zählen zur Folge dieses Traumas. Und zu dessen frühen Opfern zählte ausgerechnet das vermeintliche Sinnbild der Gewaltlosigkeit, Gandhi selbst, der 1948 ausgerechnet von einem fanatischen Hindu ermordet wurde.

    Das westliche Privileg, sich aus Indiens atemberaubendem Fundus nach Belieben zu bedienen, genießen Inder in Indien nämlich nicht. "In Indien", schrieb der indische Schriftsteller Khushwant Singh in seinem Roman "Der Zug nach Pakistan" 1956, "gab es jede Menge Humbug". Humbug sei zum Beispiel, was man aus der Religion gemacht habe, nämlich ein Mittel der Abgrenzung und Diskriminierung: "Für den Hindu bedeutet sie außer Kaste und heiligen Kühen nur wenig. Für den Muslim bedeutet sie Beschneidung und koscheres Fleisch. Für den Sikh langes Haar und Hass auf Muslime." Jegliche Ethik aber, "die der Kern eines religiösen Kodex sein sollte, war sorgfältig entfernt worden".

    Singh beschreibt eine gesellschaftliche Differenzierung, die jeden Inder für seine andersgläubigen Nachbarn zum Provokateur, zur potenziellen Bedrohung, aber auch zum potenziellen Opfer machte. Die Katastrophe von 1947 und die zahllosen Blutbäder zwischen Hindus, Sikhs und Muslimen haben ihm bis heute leider Recht gegeben. Und die Probleme Indiens bei der Terrorismusverfolgung beruhen wohl nicht zuletzt darauf, dass es zu jedem Terroristen eine Minderheit gibt, die sich im Zweifelsfall mitverfolgt fühlt.

    Jene friedliche Masse, die man sich hinter Gandhi friedlich vereint vorstellte, war und ist weder so friedlich noch so vereint, wie man sie gern sehen würde. Sie wird durch die Attentate der letzten Jahre in einem Zustand gehalten, der von äußerster Nervosität jederzeit in Hysterie umschlagen könnte.

    Mag es in Indien einige Heilige und Gurus geben, die über alles Irdische erhaben sind, so geht es den meisten Indern doch wie den Europäern, die ihren Lebensunterhalt verdienen, bei der Fahrt zur Arbeit nicht von Bomben zerrissen und in ihrem Zuhause nicht von fanatisierten Nachbarn verbrannt werden wollen.

    Vergessen wir also die trügerische Lichtgestalt Gandhi, machen wir uns ein realistischeres Bild. Auf einem Foto zur Abschlagsserie in Bombay liegt ein Sicherheitsbeamter mit seinem Sturmgewehr inmitten von Tauben. Ratlos schaut er auf diesen Schwarm von Friedenssymbolen, die ihn wie eine Verhöhnung seiner eigenen Machtlosigkeit umgeben.

    Quelle: http://www.welt.de/politik/article2809564/Gandhis-Indien-sta...

    Nachträgliche Änderung des Titels durch die Welt
    Der Tag, an dem Gandhi starb
    This post was modified on 02 Dec 2008 at 06:36 am.