Während sich - wie oben geschrieben - viele türkische Kommentare mit der gescheiterten Integrationspolitik und einer Bewertung des (statistischen) Wahrheitsgehaltes auseinandersetzen, kommentieren im Deutsch-Israelischen XING-Forum viele über die Sprache Sarrazins und deren Bezug zum (nationalsozialitischen) Rassismus. Hier sind ein paar ausgewählte Fundstücke:
„„Sarrazins Äußerungen sind rassistisch und zielen auf niedrigste Instinkte\"
Stellungnahme von Stephan J. Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland zu seinem Hitlervergleich im Zusammenhang mit den migrantenfeindlichen Äußerungen über in Berlin lebende Türken und Araber des früheren Berliner Finanzsenators Thilo Sarrazin (SPD), der damit einen Sturm der Entrüstung ausgelöst hat.“
„Ich bin eigentlich anderer Meinung. Ich denke, die Ausführungen Sarrazins waren zwar grob und nicht sehr höflich formuliert, aber in grundsätzlichen Fragen war es absolut nicht unberechtigt, was er sagte. Im Unterschied zu Kramer kennt er die Realitäten hier in Berlin ganz gut.
Den Hitler-Vergleich Kramers hingegen empfand ich als schrill und sonderbar am Thema vorbei. Broder hat es für mich mit "deformation professionelle" ganz gut umschrieben.“
„Was Ähnlichkeiten und Unterschiede vom Islamismus und Nazi-Ideologie angeht, hier eine kleine Liste mit Schlagwörtern, die natürlich als solche noch nicht den Anspruch erheben, sehr in die Tiefe zu gehen.
A) Ähnlichkeiten:
- eine absolut Individualitäts-feindliche Massen-Ideologie totalitärer Ausrichtung
- geradezu eschatologische Radikalität bei der Formulierung der Ziele
- extremer Antisemitismus
- menschliche Freiheit gilt nichts
- oftmals Allianz mit einer Art von Pan-Islamischer Blut-und - Boden- Ideologie
- offen formulierter Weltberherrschungsanspruch
- die gesellschaftliche Situation, in der sich die Ideologie verbreitet: es sind im Islam sozusagen zumeist unterprivilegierte, entwurzelte Unter- und vielleicht Mittelschichtler. Wo es einen gefestigten gesellschaftlichen Konservatismus gibt, tritt der Islamismus weniger auf (so ähnlich, wie der ländliche Katholizismus weniger der Nazi-Ideologie verfallen ist als andere Kontexte)
- wenn man sich Foltergefängnisse im Iran und anderswo in der islamischen Welt ansieht, wird der totalitarismus deutlich.
B) Unterschiede:
- die historische Situation ist natürlich anders
- natürlich haben die Ideologien eine andere Grundausrichtung: das Nazitum war rassisctisch-"völkisch" (aufgrund von hanebüchenen Rasse-Theorien), der Islamismus totalitär-religiös.
- u.v.m..
(natürlich fallen mir noch weitere Unterschiede ein, aber für Juden ist heute der radikale Islamismus weiß Gott gefährlicher als das meiste andere. )“
„Einen leidenschaftlichen Querulanten, der aber (glaube ich) durchaus von einer konstruktiven Triebfeder geleitet ist, könnte man ihn vielleicht nennen. Oder von mir aus einfach einen, der gern provoziert und oft eine ranzige Art dabei hat. Aber Rassismus...? Schmarrn, sage ich da.“
„Von Michael Wolffsohn
" Der „Fall Sarrazin“: Ich schäme mich – für meine Mit-Juden. Alle? Mitnichten. Für „den“ Zentralrat der Juden in Deutschland? Für dessen Generalsekretär, Stephan Kramer. Der verkündete: „Ich habe den Eindruck, dass Herr Sarrazin mit seinen Äußerungen, mit seinem Gedankengut Göring, Goebbels und Hitler wirklich eine große Ehre macht.“
Unabhängig von der Bewertung der jüngsten Bemerkungen Thilo Sarrazins fragt man sich: „Hat der Mann noch alle Tassen im Schrank?“ Kennt ausgerechnet der Generalsekretär „der“ deutschen Juden nicht das Gedankengut jener Mega-Verbrecher, Hitler & Co? Will er einen bewährten Politiker der deutschen Demokratie, selbst wenn dieser sprachlich oder gedanklich ausgerutscht sein sollte, mit den Hauptakteuren des Holocaust gleichsetzen oder auch nur vergleichen?
Glaubt der jüdische Zentralratssekretär wirklich, dass extreme Muslime (wohlgemerkt „extreme Muslime“, nicht „die“ Muslime) Schicksalsgenossen der Juden sind? Weiß er nicht, dass sich Juden nicht mehr in bestimmte Bezirke deutscher Städte trauen können, weil und wenn sie, zum Beispiel mit einer Kippa-Kopfbedeckung, als Juden zu erkennen sind? Diese Gefahr droht den Juden dort nicht von Anhängern Sarrazins, sondern von denjenigen, über die Sarrazin sprach: Nicht „die“ Muslime, sondern bestimmte Gruppen von Muslimen. So verdammenswert deren Untaten oder die neonazistischer deutscher Extremisten sind, in Deutschland gibt es keine Holocaust-Gefahr.
Wenn der Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland spricht, heißt es automatisch: „Der Zentralrat der Juden in Deutschland sagt“ – und damit sind es „die“ Juden. Gerade als deutscher Jude fühle ich mich durch Äußerungen dieser Art nicht vertreten. Gerade als Jude protestiere ich gegen die Gleichsetzung demokratischer, deutscher Politiker mit Hitler & Co. Wer Hitler & Co bei allem und jedem gegen alle und jeden inflationär gebraucht, verharmlost Hitler & Co! Will das ausgerechnet der Sprecher des deutschjüdischen Zentralrates?
Jüdisch-muslimische Gemeinsamkeiten sind unbedingt zu begrüßen, aber bitte ohne „Nazifizierung“ demokratischer Deutscher – auch wenn sie verbal ausrutschen.
Heute diffamiert Kramer Sarrazin, im Januar diffamierte er den Präsidenten des Bundestages, Norbert Lammert. Wer wird der Nächste sein? Will der Konvertit Kramer uns geborenen „Alt- Juden“ beweisen, dass er der bessere Jude ist? 100 Prozent reichen, 150 sind zu viel. Charlotte Knobloch ist gefordert, die Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland, die eigentliche Repräsentantin der Juden Deutschlands. Mit wegsehen, weghören und schweigen ist es nicht mehr getan, Frau Knobloch! "
Der Autor ist Professor an der Bundeswehr-Uni in München.“
http://www.tagesspiegel.de/meinung/kommentare/Sarrazin-Steph...