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  • Wie hälst Du es mit Sarrazin? 19 Oct 2009, 4:23 pm

    Liebe Freunde,

    unmittelbar nach den Worten des Bundesbankvorstandes Sarrazin kam es zu einer öffentlichen Verurteilung, die bis zu Gleichsetzung mit Göbels reichten. Eine weitere Woche später scheint die Meinung zu kippen. Viele Mißstände türkischer Migranten in Deutschland werden nun diskutiert. Dabei wird allerdings nicht immer offen gesagt, wer hierfür die Verantwortung trägt.

    Auch wenn unser Forum verspätet zu diesem Thema Stellung bezieht, möchte ich dennoch gerne darüber diskutieren?
    Was darf eine Gesellschaft und seine (Ur)einwohner von Migranten fordern?
    Wo irrt sich Herr Sarrazin, wo nicht?
    Was ist zu dem Tonfall des Herrn Sarrazin zusagen? Inakzeptabel oder ein notwendiger Weckruf?

    Ich freue mich auf eine spannende Diskussion. Da zu diesem Thema jeder eine Meinung haben sollte, habe ich es in diesem Forenbereich positioniert.

    Viele Grüße
    Ihr Markus Lempa
  • Re: Wie hälst Du es mit Sarrazin? 20 Oct 2009, 12:43 pm

    Liebe Freunde,

    um die verspätete Diskussion etwas zu beschleunigen, möchte ich ein paar Zitate aus der XING-Türkei-Community widergeben. Dies sind natürlich nur Einzelbeispiele, die aber gut aufzeigen, in welche Richtungen diskutiert wird:

    „Auf jeden Fall wird es deutlich was nunmehr die Strategie ist. Deutschland soll für Türken und Araber unbewohnbar werden, damit diese Randgruppen wieder auswandern. Somit ist Deutschland und Zentral-Europa wieder Islamfrei! Österreich und die Schweiz von Frankreich ganz zu schweigen ziehen am selben Strang. Dänemark und NL werden folgen. Belgien muss ohnehin das tun was Frankreich und D fordern.“

    Wir werden in den kommenden 5-10 Jahren eine Auswanderungswelle erleben. Davon gehe ich aus. Der Zug ist abgefahren. Integration hat nie statt gefunden, weil beide Seiten dass nie wollten.

    "Ganz falsch ist die Aussage nicht. Ich kann Euch genug KURDİSCH stämmige Familien vorstellen die diese Eigenschaften besitzen bzw. leben.“


    „vorallem die Wortwahl "Kinder produzieren" finde ich Menschenunwürdig.“

    „Sazarrin mag in seiner Wortwahl sehr nach Stimmtisch klingen. Aber was in D inzwischen unübersehbar ist, sogar die Mehrheit der türkischen Unternehmer offen zugeben ist. Die Mehrzahl unserer Landsleute in D ist leider oder nur bedingt tauglich!!

    Bitte nicht hinter den Begriffen Pauschalisierung und Verallgemeinerung sich verstecken. Wir können es uns schlichtweg nciht mehr leisten Probleme nur noch schönzureden oder wegzuerklären. Davon wird es nicht besser.

    Die Zahlen und Statistiken lügen nicht.“

    „Er ist eher auf Herrenrasse Ideologie. Das zeigt sich besonders bei seiner Aussage, dass Türken nur zum Zeugen von Mädchen mit Topftüchern fähig sind. Das ist eines seiner Kernaussagen und kein Versprecher.

    Es ist Kern NSdAP Ideologie, die er ausdrückt. Allein deshalb verdient er verurteilung in aller Öffenlichkeit.“

    „Die Gründe sind viel mehr, dass Türken sehr stark in der untersten sozialen Klasse der Gesellschaft sich festgesessen haben. Und da kommen sie nicht raus. Mit Deniz Feneri, Milli Görüs, etc werden sie noch tiefer in den Sumpf gezogen. Weiter in die Tiefen der Parallelgeselschaft und bloß nicht die Sprache der "Gavur" lernen. Auf der anderen Seite stehen die Nationalisten mit Sprüchen wie "nur Türken sind freunde der Türken".
    "Du kommst nicht raus"!!!“

    „ch nehme mal unseren Obst- und Gemüsehändler an der Ecke, der Besitzer ist eine älterer Mann und spricht wirklich gut deutsch, sein Schwiegersohn dagegen spricht kaum deutsch, sitzt aber zu 99 % im Laden. Da frag ich mich halt echt, wann er mal anfängt die deutsche Sprache zu lernen. Hey, ich lebe in D, bin mit einer Türkin verheiratet und selbst ich lerne die Türkische Sprache, nur damit ich mich in der Türkei verständigen kann, was wenn ich dort nun leben oder arbeiten wöllte, und das ganz ohne Sprachkenntnisse. Dann gute Nacht.
    Sarazzin hat m. E. ein paar Punkte die richtig sind, er hat sie nur falsch rausgelassen was sehr sehr "braun" rüberkam.“

    „"Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate. Das würde mir gefallen, wenn es osteuropäische Juden wären mit einem um 15 Prozent höheren IQ als dem der deutschen Bevölkerung." Da sie aber nicht intelligent seien, gefällt Sarrazin das nicht. "Man muss davon ausgehen, dass menschliche Begabung zu einem Teil sozial bedingt ist, zu einem anderen Teil jedoch erblich." Derzeit falle "der Anteil der intelligenten Leistungsträger aus demographischen Gründen kontinuierlich".

    Was ist wahr an diesen Sätzen? Es ist der pure Rassismus, Feindseligkeit und ethnische Diskriminierung.“

    „Ich gratuliere Herr Sarrazin für seinen Beitrag zur Spaltung der Gesellschaft.“

    „ch habe es oftmals geschrieben,...fast gebetsmühlen artig. Das Hauptproblem ist der ISLAM... nicht die menschen.

    Früher als es noch keine Moscheen gab zu Zeiten als mein Vater hier eingewandert ist, musste er unter die Leute gehen, In Kneipen auf Jahrmärkte etc. Er lernte schnell ein paar Brocken deutsch. Kleidete sich entsprechend. Meine Tante ging zur Arbeit und hatte kein Kopftuch auf.

    Dann kamen die 80'er plötzlich wie aus heiterem Himmel, die ISLAMCI's!!! Allen voran die MilliGörüs, Süleymanci's.. Kaplanci's usw. Gruppenbildung, Ghetto's und so weiter. Das Ergebnis ist eine furchtbare Entfremdung und zwar aus beiden Kulturen ... NIe in D angekommen und richtig wie DU es sagst aus der TR weg.

    Nun.... so hart es klingt,... das wird sich auflösen müssen. MilliGörüs steht schon seid 2 Jahrzehnten unter Beobachtung des Verfassungsschutzes!“

    „Das Ausländersein in anderen Ländern ist aber genauso schwer. Man muss sich nur anpassen.
    Ich kann nicht in die TR gehen und erwarten, daß alles nach meiner Pfeife tanzt und dazu gehört, daß man auch die Sprach lernt, etc.. Und ich hehaupte, der Deutsche Staat hat gepennt weil er jeden mit offenen Armen ohne das die Leute irgendwelche Gegenleistung (wie Sprachkurs, Kinder in die Schule schicken, etc) empfangen hat.“

    „Wenn Huntington vom „Kampf der Kulturen“ spricht, verschleiert er genau wie Herr Sarrazin die hauptsächlichen sozialen Probleme.“

    „Wenn deine Aussagen von einem Deutschen kämen, würde ich sagen, daß er die Lage nicht kennt,
    du als Ausländer solltest die Lage kennen, warum wir so sind, wie wir sind. Da sind folgende
    Punkte aufzuführen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

    1) Es wurden ungebildete Arbeitskräfte nach Deutschland geholt.
    2) Sie haben Ghettos gebildet, weil sie sich nur so gegen die "feindliche" Umgebung
    durchsetzen konnten. Ghettoisierung war auch eine Art soziale Unterstütze, die durch
    Selbstorganisation geschaffen wurde. Nachbarskinder haben den Älteren geholfen.
    3) Die Kinder dieser Generation folgen beruflich den Beispielen ihrer Eltern, denn
    der Apfel fällt nicht weit vom Baum. Die wenigsten schaffen den Durchbruch.
    4) Zu guter Letzt, viele Leute haben Existenzangst, weil sie sich zunehmend isoliert wissen,
    in einer Gesellschaft, die sich auf den Einzelnen baut. Sie fühlen, daß das ihnen nicht guttut.
    5) Religiöse Einrichtungen geben lediglich eine Möglichkeit zur Begegnung zur Gleichgesinnten,
    wodurch sie einen Sinn fürs Leben erhalten. Sie wehren sich gegen das Unmenschliche dieser
    Gesellschaft, wo jeder nur eine Nummer ist. Nicht weil die Leute mehr glauben, ist die Anzahl
    der Moscheen gestiegen, sondern weil sie ihren Sehnsucht nach Brüderlichkeit/Gemeinschaft
    stillt. Moscheen dienen lediglich dafür, um die Leute gesund zu halten.“

    „Lösungsvorschläge bitte? Wie schafft man es, die menschen in das wirtschaftssystem zu integrieren, die wettbewerbsfähigkeit deutschlands zu steigern, die menschen mental zu stärken, eine starke und gerechte nation zu formen, auch ein sozialstaat zu sein, damit auch diejeniegen, die auf der strecke bleiben nicht verhungern müssen?

    Mir fällt erstens nur bildung und forschung ein. Und zweitens aufhören mit dem wahnsinn des grenzenlosen privatisierens (es muss klare regeln geben, TV, medien, die nur noch müll produzieren), kommerziellen ausschlachtung des menschen (getrieben von den finanzmärkten), grenzenlosen konsum. Der mensch muss wieder zum mittelpunkt des lebens stehen. Menschliche werte und kultur muss gepflegt und gefördert werden. Die beste versicherung ist nicht der staat, sondern die familie! Damit sich deutschland wieder reproduzieren kann. Sonst noch was?“
  • Re^2: Wie hälst Du es mit Sarrazin? 20 Oct 2009, 12:56 pm

    Während sich - wie oben geschrieben - viele türkische Kommentare mit der gescheiterten Integrationspolitik und einer Bewertung des (statistischen) Wahrheitsgehaltes auseinandersetzen, kommentieren im Deutsch-Israelischen XING-Forum viele über die Sprache Sarrazins und deren Bezug zum (nationalsozialitischen) Rassismus. Hier sind ein paar ausgewählte Fundstücke:

    „„Sarrazins Äußerungen sind rassistisch und zielen auf niedrigste Instinkte\"

    Stellungnahme von Stephan J. Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland zu seinem Hitlervergleich im Zusammenhang mit den migrantenfeindlichen Äußerungen über in Berlin lebende Türken und Araber des früheren Berliner Finanzsenators Thilo Sarrazin (SPD), der damit einen Sturm der Entrüstung ausgelöst hat.“

    „Ich bin eigentlich anderer Meinung. Ich denke, die Ausführungen Sarrazins waren zwar grob und nicht sehr höflich formuliert, aber in grundsätzlichen Fragen war es absolut nicht unberechtigt, was er sagte. Im Unterschied zu Kramer kennt er die Realitäten hier in Berlin ganz gut.

    Den Hitler-Vergleich Kramers hingegen empfand ich als schrill und sonderbar am Thema vorbei. Broder hat es für mich mit "deformation professionelle" ganz gut umschrieben.“

    „Was Ähnlichkeiten und Unterschiede vom Islamismus und Nazi-Ideologie angeht, hier eine kleine Liste mit Schlagwörtern, die natürlich als solche noch nicht den Anspruch erheben, sehr in die Tiefe zu gehen.

    A) Ähnlichkeiten:

    - eine absolut Individualitäts-feindliche Massen-Ideologie totalitärer Ausrichtung
    - geradezu eschatologische Radikalität bei der Formulierung der Ziele
    - extremer Antisemitismus
    - menschliche Freiheit gilt nichts
    - oftmals Allianz mit einer Art von Pan-Islamischer Blut-und - Boden- Ideologie
    - offen formulierter Weltberherrschungsanspruch
    - die gesellschaftliche Situation, in der sich die Ideologie verbreitet: es sind im Islam sozusagen zumeist unterprivilegierte, entwurzelte Unter- und vielleicht Mittelschichtler. Wo es einen gefestigten gesellschaftlichen Konservatismus gibt, tritt der Islamismus weniger auf (so ähnlich, wie der ländliche Katholizismus weniger der Nazi-Ideologie verfallen ist als andere Kontexte)
    - wenn man sich Foltergefängnisse im Iran und anderswo in der islamischen Welt ansieht, wird der totalitarismus deutlich.

    B) Unterschiede:

    - die historische Situation ist natürlich anders
    - natürlich haben die Ideologien eine andere Grundausrichtung: das Nazitum war rassisctisch-"völkisch" (aufgrund von hanebüchenen Rasse-Theorien), der Islamismus totalitär-religiös.
    - u.v.m..

    (natürlich fallen mir noch weitere Unterschiede ein, aber für Juden ist heute der radikale Islamismus weiß Gott gefährlicher als das meiste andere. )“

    „Einen leidenschaftlichen Querulanten, der aber (glaube ich) durchaus von einer konstruktiven Triebfeder geleitet ist, könnte man ihn vielleicht nennen. Oder von mir aus einfach einen, der gern provoziert und oft eine ranzige Art dabei hat. Aber Rassismus...? Schmarrn, sage ich da.“

    „Von Michael Wolffsohn

    " Der „Fall Sarrazin“: Ich schäme mich – für meine Mit-Juden. Alle? Mitnichten. Für „den“ Zentralrat der Juden in Deutschland? Für dessen Generalsekretär, Stephan Kramer. Der verkündete: „Ich habe den Eindruck, dass Herr Sarrazin mit seinen Äußerungen, mit seinem Gedankengut Göring, Goebbels und Hitler wirklich eine große Ehre macht.“

    Unabhängig von der Bewertung der jüngsten Bemerkungen Thilo Sarrazins fragt man sich: „Hat der Mann noch alle Tassen im Schrank?“ Kennt ausgerechnet der Generalsekretär „der“ deutschen Juden nicht das Gedankengut jener Mega-Verbrecher, Hitler & Co? Will er einen bewährten Politiker der deutschen Demokratie, selbst wenn dieser sprachlich oder gedanklich ausgerutscht sein sollte, mit den Hauptakteuren des Holocaust gleichsetzen oder auch nur vergleichen?

    Glaubt der jüdische Zentralratssekretär wirklich, dass extreme Muslime (wohlgemerkt „extreme Muslime“, nicht „die“ Muslime) Schicksalsgenossen der Juden sind? Weiß er nicht, dass sich Juden nicht mehr in bestimmte Bezirke deutscher Städte trauen können, weil und wenn sie, zum Beispiel mit einer Kippa-Kopfbedeckung, als Juden zu erkennen sind? Diese Gefahr droht den Juden dort nicht von Anhängern Sarrazins, sondern von denjenigen, über die Sarrazin sprach: Nicht „die“ Muslime, sondern bestimmte Gruppen von Muslimen. So verdammenswert deren Untaten oder die neonazistischer deutscher Extremisten sind, in Deutschland gibt es keine Holocaust-Gefahr.

    Wenn der Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland spricht, heißt es automatisch: „Der Zentralrat der Juden in Deutschland sagt“ – und damit sind es „die“ Juden. Gerade als deutscher Jude fühle ich mich durch Äußerungen dieser Art nicht vertreten. Gerade als Jude protestiere ich gegen die Gleichsetzung demokratischer, deutscher Politiker mit Hitler & Co. Wer Hitler & Co bei allem und jedem gegen alle und jeden inflationär gebraucht, verharmlost Hitler & Co! Will das ausgerechnet der Sprecher des deutschjüdischen Zentralrates?

    Jüdisch-muslimische Gemeinsamkeiten sind unbedingt zu begrüßen, aber bitte ohne „Nazifizierung“ demokratischer Deutscher – auch wenn sie verbal ausrutschen.

    Heute diffamiert Kramer Sarrazin, im Januar diffamierte er den Präsidenten des Bundestages, Norbert Lammert. Wer wird der Nächste sein? Will der Konvertit Kramer uns geborenen „Alt- Juden“ beweisen, dass er der bessere Jude ist? 100 Prozent reichen, 150 sind zu viel. Charlotte Knobloch ist gefordert, die Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland, die eigentliche Repräsentantin der Juden Deutschlands. Mit wegsehen, weghören und schweigen ist es nicht mehr getan, Frau Knobloch! "

    Der Autor ist Professor an der Bundeswehr-Uni in München.“

    http://www.tagesspiegel.de/meinung/kommentare/Sarrazin-Steph...
  • Re^3: Wie hälst Du es mit Sarrazin? 21 Oct 2009, 1:26 pm

    Guten Tag,

    Sarrazin ist ein überaus fähiger Demagoge. Er vermengt rassistische Äusserungen gegen Migranten mit Feststellungen über die Probleme der Integration. So sichert er sich zum einen die Zustimmung von Rechtsradikalen und Faschisten. Aber er verführt er auch Bürger, die nicht zu diesem politischen Spektrum gehören, mit seinen scheinbar richtigen oder zumindest bedenkenswerten Feststellungen zum Stand der Integration. Diese neigen dann dazu, die rassistischen Äusserungen auszuklammern, zu verniedlichen als Stilfragen. Aber beide Komponenten der Sarrazin'schen Demagogie gehören zusammen.

    In der deutsch-israelischen Gruppe wurde dieses Thema heftig diskutiert, es wurde keine Einigung darüber erzielt, ob Sarrazins Äusserungen rassistisch seien oder nicht. Schliesslich ging die Debatte zu Ende wie das Homberger Schiessen. Zuerst wurden zwei Fragen miteinander verknüpft, die eben, ob Sarrazin sich rassistisch geäussert hatte oder nicht und die, wie die Kritik an Sarrazin durch den Vorsitzenden des Zentralrates der deutschen Juden zu bewerten sei. Es wäre besser gewesen, nur die erste Frage zu behandeln, man hätte vielleicht die Chance gehabt, sie zu Ende zu diskutieren.

    Ich finde, dass der Vorsitzende des Zentralrates viele richtige Dinge gesagt hat über Sarrazin, dass Sarrazin sich eindeutig rassistisch geäussert hat. Dass es sich bei seinem später zurückgezogenen Göbbels/Hitler-Vergleich um einen Fehler handelt, der aber wenig Bedeutung hat im Vergleich zum Inhalt seiner Kritik. Hier handelt es sich um eine Stilfrage, die in der deutschen Öffentlichkeit als etwas Schwerwiegendes beurteilt wurde. Während es sich bei den Äusserungen von Sarrazin um etwas Schwerwiegendes handelt, dass in der deutschen Öffentlichkeit als Problem des Stils angesehen wurde!

    Eine sehr gute Idee finde ich es, hier Meinungsäusserungen aus den Foren Türkei und deutsch-israelisches Netzwerk zusammenzustellen, diese Gruppe verdient so ihren Namen der interkulturellen Kommunikation - Orient.
    Hoffe auf eine gute Diskussion,

    mit herzlichem Gruss aus Frankreich

    Reiner Schleicher
  • Re^4: Wie hälst Du es mit Sarrazin? 21 Oct 2009, 1:38 pm

    Nachtrag
    ------------

    In der deutschen Debatte um Sarrazin schien der Gedanke, wie man das Ganze im Ausland sieht, kaum eine Rolle gespielt zu haben. Das finde ich sehr merkwürdig, denn sonst ist der Imageverlust, der so im Ausland entstehen kann durch Äusserungen, die als rassistisch beurteilt werden, etwas, was "den Deutschen" Sorgen macht.

    Für meine Wahlheimat sehe ich das so:

    In Frankreich ist im übrigen niemand auf den Gedanken gekommen, die Äusserungen von Sarrazin anders als fremdenfeindlich zu qualifizieren, obwohl es in den Pariser Vorstädten Probleme mit der Integration von Moslems gibt, die denen mancher Berliner Viertel um nichts nachstehen.


    http://www.lemonde.fr/europe/article/2009/10/12/allemagne-po...

    Reiner Schleicher
  • Re: Wie hälst Du es mit Sarrazin? 21 Oct 2009, 6:08 pm

    Hallo,

    bedenklich ist, dass die Aussage von Politikern wie Sarrazin den Parolendreschern zusätzliche "Lufthoheit" bietet über den Ladentheken hinweg, in Straßenbahnen, an Gartenzäunen, Kantinen und Stammtischen.

    Und die Migranten, davon viele mittlerweile mit deutschem Pass? Können sie durch solche Aussagen ein "Wir-Deutsche-Gefühl" entwickeln?
    Wer seine Migranten meist als bedrohliche Fremde behandelt, muss sich nicht wundern, wenn deren Herz weiter an einem anderen Fleck schlägt. Politiker sollten um Loyalität werben und nicht mit rassistischen Aussagen abschrecken.


    Beste Grüße
    Monika A.
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  • Re^3: Wie hälst Du es mit Sarrazin? 05 Nov 2009, 11:12 am

    Zu diesem Thema paßt ein Interview mit dem Kulturanthropologen Schiffauer anläßlich des El-Sherbini Prozesses, in dem er zum Ausdruck bringt, dass die Islamophobie mittlerweile bis in die Mitte der Gesellschaft reicht.


    "Islamophobie ist weit verbreitet" (Interview der Frankfurter Rundschau vom 05.11.2009)

    Was lehrt uns der Mord an der Ägypterin Marwa El-Sherbini über gesellschaftliche Konflikte in Deutschland, genauer über kulturelle Konflikte zwischen einander fremden Gruppen wie Russlanddeutsche und Moslems?

    Es gibt natürlich Spannungen zwischen diesen Gruppen. Aber es wäre eine Ausfluchtstrategie, auf die man übrigens gerne zurückgreift, wenn man jetzt ausschließlich auf Auseindersetzungen zwischen ethnischen Gruppen schaute. Denn das Problem beschränkt sich nicht auf Russlanddeutsche, sondern der Mord wirft ein Schlaglicht auf einen bisher wenig beschriebenen Rassismus in der deutschen Gesellschaft. Dafür spricht auch, dass es seit dem 11. September 2001 vermehrt Pöbeleien gegenüber Frauen mit Kopftüchern gibt.

    Gerade die Islamophobie reicht bis in die Mitte der Gesellschaft. Diese ist in den 2000er Jahren deutlich nach rechts gerückt . Die bürgerliche Mitte verurteilt zwar Hass und Gewalt rechter Randgruppen gegen Ausländer, aber es gibt zunehmend Äußerungen aus dieser Mitte, die noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wären. Machte jemand solche Äußerungen über Juden, würde das einen Skandal auslösen.

    Denken Sie in diesem Zusammenhang auch an die Äußerungen von Thilo Sarrazin über Kopftuchmädchen und türkische Wärmestuben?

    Ja. Herr Sarrazin ist ja kein Rechter. Seine Worte sind Äußerungen aus der Mitte der Gesellschaft, die in der Bevölkerung auf große Zustimmung stoßen. Das ist das Schlimme.


    Zur Person

    Professor Werner Schiffauer ist Kulturanthropologe an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder und Mitglied des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration. Alex W. hat im Gerichtssaal zu Marwa El Sherbiny gesagt: "Sie haben in Deutschland nichts zu suchen."

    Das ist auch die Haltung, die aus dem Interview von Herrn Sarrazin spricht. Und sie ist weit verbreitet. Gemeint ist: Ein sichtbarer Islam, ein Islam mit Kopftuch, hat in Deutschland nichts zu suchen. Die Mitte der Gesellschaft stellt eine Minderheit an den Pranger.

    In welchem Maße trägt das zu Gewalt gegen Ausländer bei?

    Es gibt eine Grundstimmung in der Gesellschaft, die einem Täter das Gefühl geben kann, in Übereinstimmung mit der Mehrheit zu handeln. Der Mord an El-Sherbini war auch die Tat eines Außenseiters. Der Russlanddeutsche Alex W. ist in Deutschland nie angekommen. Der Frust darüber war wohl auch ein Motiv. Rassismus gedeiht dort, wo sich jemand ausgegrenzt fühlt.

    Die Russlanddeutschen kamen tatsächlich mit der Illusion des Versprechens nach Deutschland, Teil der Gesellschaft zu sein, und hier erleben sie Diskriminierung und Ausgrenzung. Gleichwohl gilt: Ausländerfeindlichkeit ist nicht nur ein Phänomen bei Russlanddeutschen. Nehmen Sie die sogenannten "ausländerfreien Zonen" in Ostdeutschland. Hier sind es die Sitzengebliebenen, die den Hass auf Ausländer schüren. Und es gibt die Ausgeschlossen in Westdeutschland, das ganze rechte Spektrum.

    Wie müsste die Politik darauf reagieren?

    Sie müsste wesentlich stärker ein Bewusstsein dafür schaffen, dass es Rassismus in Deutschland gibt. Und dass es ihn nicht nur Randgruppen gibt. Sie müsste eine Kultur der Auseinandersetzung mit allen Einwanderergruppen und Minderheiten schaffen.

    Wir haben erfolgreich Standards im Umgang mit den Juden oder auch mit den Homosexuellen etabliert, auf die die deutsche Gesellschaft stolz sein kann. Das ist keine Garantie gegen Gewalt, aber Voraussetzung dafür, Gewalt zu bekämpfen. So könnten wir den Opfern das Gefühl geben, Teil dieser Gesellschaft zu sein. Das Katastrophale an dem Mordfall war auch, dass Muslime den Eindruck gewinnen mussten: Es ist gefährlich, sich wie Marwa El-Sherbini zu wehren. Und die verzögerte politische Reaktion war mehr als skandalös: Letzlich hat die deutsche Politik erst reagiert, als sie merkte, wie es in Ägypten brodelte.
  • Re: Wie hälst Du es mit Sarrazin? 10 Nov 2009, 11:57 am

    Ich finde es amüsant, dass Herrn S.´s Name auf einen - wenn auch lange zurückliegenden - "Migrationshintergrund" schließen läßt:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Sarrazin

    Aber er ist wohl gut integriert.
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