IT-Connection

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  • Norbert Keil
    Norbert Keil    Premium Member   Group moderator   Xpert Ambassador
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    Hallo IT Connection,

    Facebook baut sein Europäisches Rechenzentrum im Norden von Schweden - so ist es aktuell in der Presse zu lesen:
    bei Netzwertig: http://netzwertig.com/2011/10/28/facebook-manager-tom-furlon...
    bei DRS: http://www.drs.ch/www/de/drs/nachrichten/wirtschaft/302203.f...
    bei Heise: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Facebook-baut-Rechenz...

    Die Gründe sind eindeutig:
    - niedrige Außentemperaturen ermöglichen kostengünstige Kühlung der Server
    - Energie aus Wasserkraft ist günstig und verbessert das Image des Unternehmens -> go Green
    - ein robustes Stromnetz mit ausreichender Kapazität zu geringen Kosten
    - die steigende Zahl Europäischer Facebook - Nutzer erfordert einen Performance-Gewinn
    - Förderung des Projektes mit gut 10 Millionen Euro aus EU-Töpfen
    - Verfügbarkeit eines entsprechenden Baugrundstücks
    - das allgemeine Geschäftsklima, regulatorische, administrative und steuerliche Aspekte
    - Verfügbarkeit von gut ausgebildetem Personal

    Normalerweise müssten alle Rechenzentren ohne Kunden-Verkehr in diese oder vergleichbare Regionen verlegt werden, oder was spricht dagegen?

    Mit besten Grüßen
    Norbert Keil
  • Dirk Kroewe
    Dirk Kroewe
    (not a XING member)
    Hallo,

    nun ja - betrachtet man die Infrastruktur, dann hat das so seine Vorteile.
    In der Vergangenheit habe ich gerne mit Wasserkühlungen und Kompressorkühlungen gearbeitet. Bei diesen Umgebungen hat man keine Problem mit überhitzen Serverräumen.

    Ich sehe hier trotzdem Probleme:

    Ohne Personal vor Ort geht es nicht. Irgend jemand muß verkabeln, Racks aufbauen, Systeme aufstellen. Wie sieht da das Rekruting aus? Fachkräftemangel am Polarkreis? Oder attraktive Tätigkeit in ungewöhnlicher Umgebung zu vergeben? Zwingend erforderlich: Sie mögen die Farbe weiß. Ruhige Umgebung sucht naturverbundene Mitarbeiter?

    Egal welche Hardware dort genutzt wird. Nehmen wir einmal den Fall an: ein Mainboard fällt aus.
    Die "üblichen" Lieferwege liegen bei 50 bis 200 Kilometern mit einem PKW. Entweder werden hier viele Ersatzteile gebunkert (also mehr Personal für Wartungsarbeiten) oder es wird einfach per Flugzeug angeliefert. Inwiefern verschlechtert sich die Energieeffiizienz durch diese Parameter?

    Die Anlieferung der Baumaterialien erfolgt (green it) über: hiergeschieteinwunderpunktde.

    Kantine, Essen. Auch wenn dort nur 10 bis 30 Mitarbeiter vor Ort sind, diese haben auch mal Hunger. Alle Resourcen müssen angeliefert werden oder?

    Das wird wohl nicht per W-Lan funktionieren. Verlegung von Kabel im Meer. Das stört ja keinen (Menschen).

    Urlaub der Mitarbeiter - Reisekosten / Emissionen vom Polarkries nach x?

    Müll jeglicher Art - wie sieht dort die Entsorgung aus? Sammeln und per Schiff / Flugzeug abtransportieren. Was kostet das an Diesel / Kerosin?

    Bei Serverpreisen von > 5 000 Euro liegt eine Wasserkühlung bei 75 bis 200 Euro im günstigen Bereich.

    Rechnet sich das im Detail? Oder eher Danke für den Fisch / 42.

    Alternative Meinungen - gerne.
    This post was modified on 29 Oct 2011 at 01:32 am.
  • Norbert Keil
    Norbert Keil    Premium Member   Group moderator   Xpert Ambassador
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    Guten Morgen Herr Kroewe,

    Dirk Kroewe schrieb:
    In der Vergangenheit habe ich gerne mit Wasserkühlungen und Kompressorkühlungen gearbeitet. Bei diesen Umgebungen hat man keine Problem mit überhitzen Serverräumen. Mit wassergekühlten Systemen oder mit Kompressor-Kühlung wird man vermutlich eher nicht arbeiten. Das muss man auch nicht, wenn die Luft schon das ganze Jahr über kalt genug ist. Vermutlich wird einfach über einen Luft/Luft-Wärmetauscher die Rechenzentrums-Luft gekühlt. Solche Geräte sind einfach aufgebaut, nahezu wartungsfrei und in der Klimatechnik bewährt.

    Ich sehe hier trotzdem Probleme:
    Ohne Personal vor Ort geht es nicht. Irgend jemand muß verkabeln, Racks aufbauen, Systeme aufstellen. Wie sieht da das Rekruting aus?
    Auch wenn der Polarkreis weit weg ist - dort gibt es schon Zivilisation. Im nordschwedischen Luleå leben ca. 45.000 Menschen. Dort wird man sich sicher freuen, wenn ein paar mehr Arbeitsplätze geschaffen werden. Üblicherweise kann die Mehrzahl der Stellen mit angelernten Helfern besetzt werden. Die Arbeit ist in derartig großen Rechenzentren schon sehr standardisiert, sodass nur wenige Spezialisten benötigt werden, um den Betrieb sicherzustellen.

    Egal welche Hardware dort genutzt wird. Nehmen wir einmal den Fall an: ein Mainboard fällt aus. Die "üblichen" Lieferwege liegen bei 50 bis 200 Kilometern mit einem PKW. Entweder werden hier viele Ersatzteile gebunkert (also mehr Personal für Wartungsarbeiten) oder es wird einfach per Flugzeug angeliefert. Inwiefern verschlechtert sich die Energieeffiizienz durch diese Parameter? Welche Hardware zum Einsatz kommt hat Facebook in seinem OpenCompute-Projekt http://opencompute.org/ beschrieben. Es sind meist Standardkomponenten - speziell kombiniert. Ein großer Betreiber, wie Facebook kann es sich bequem leisten, ein eigenes Konzept zu entwickeln. Die Kosten werden hierdurch sicher erheblich gesenkt.
    Mainboards werden vermutlich täglich mehrere ausfallen, sodass man hier - wie auch für alle anderen Komponenten - einen entsprechenden Vorrat vorhält. Die Anlieferung ist kein Problem, da im Ort aufgrund des Bergbaus sehr gute Infrastruktur vorhanden ist.

    Kantine, Essen. Auch wenn dort nur 10 bis 30 Mitarbeiter vor Ort sind, diese haben auch mal Hunger. Alle Resourcen müssen angeliefert werden oder?
    ...
    Müll jeglicher Art - wie sieht dort die Entsorgung aus? Sammeln und per Schiff / Flugzeug abtransportieren. Was kostet das an Diesel / Kerosin?
    Auch hier gilt das oben gesagte - Luleå liegt nicht am Ende der Welt.

    Bei Serverpreisen von > 5 000 Euro liegt eine Wasserkühlung bei 75 bis 200 Euro im günstigen Bereich. Wasserkühlung kommt sicher nicht zum Einsatz, siehe http://opencompute.org/ .

    Alternative Meinungen - gerne. Facebook geht diesen Schritt sehr bewusst. Man spart hierdurch erhebliche Stromkosten für die Klimatisierung & erwirbt gleichzeitig ein grüneres Image. Auch die restlichen Kosten sind niedriger, zudem kommt noch das EU-Fördergeld.

    Mit herzlichen Grüßen
    Norbert Keil
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  • Kerstin Höpfner
    Kerstin Höpfner
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    Hallo,

    die Gründe bzw. Vorteile für Facebook sind eindeutig. Wobei mir noch nicht ganz klar ist, worin hier der Bezug zu Green IT besteht. Bei dem Bau von drei Serverhallen mit einer Fläche von zusammen 28.000 Quadratmetern ist nicht nur der Energieverbrauch zu betrachten sondern auch beispielsweise die dadurch enstehende Wärmeentwicklung. Welche Auswirkungen hat dies auf die umgebende Natur und das Klimagefüge in einer Region am Polarkreis? Die Wärme muss ja irgendwo hin. Deshalb auch die wichtige Komponente der Kühlung. Diese sollte energiesparend und ressourcenschonend sein. Allerdings, wäre hier nicht eher der Ansatz: Entwicklung von stromsparenden Baugruppen, welche auch eine deutlich geringe Wärmeentwicklung haben?

    "Kantine, Essen. Auch wenn dort nur 10 bis 30 Mitarbeiter vor Ort sind, diese haben auch mal Hunger. Alle Resourcen müssen angeliefert werden oder?
    ...
    Müll jeglicher Art - wie sieht dort die Entsorgung aus? Sammeln und per Schiff / Flugzeug abtransportieren. Was kostet das an Diesel / Kerosin? Auch hier gilt das oben gesagte - Luleå liegt nicht am Ende der Welt."
    Das heißt, es gibt eine sehr gute Infrastruktur/Verkehrsanbindung, allerdings sind die Transportwegen erheblich und dies verursacht wiederum eine negative CO2 Bilanz.

    Ob letztendlich das gewünschte grüne Image erreicht wird?

    Viele Grüße