Interaktives Digitales TV

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  • Manfred Auer
    Manfred Auer    Premium Member   Group moderator
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    Refinanzierung von webtv-Inhalten
    Hallo zusammen,

    seit 3 Jahren bin ich auf die Refinanzierung von webtv-Content spezialisiert. Während ich 2006 bestenfalls noch milde belächelt wurde, ist daraus inzwischen ein echter Nachfragemarkt entstanden. Um dies besser zu verstehen, hier noch etwas Hintergrundwissen:

    Ich habe 1985 die erste Product Placement Agentur in Deutschland gegründet. Zu diesem Zeitpunkt war das Fernsehen in Deutschland noch öffentlich-rechtlich dominiert. Die Privatsender waren zwar bereits gegründet, sendeten ihr Programm jedoch noch weitgehend unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Die TV-Sendungen waren üppigst finanziert und für ein einziges Product Placement in "Der Schwarzwaldklinik" wurden noch Summen bezahlt, welche heute allenfalls noch in Hollywood aufgerufen werden können.

    Bereits 10 Jahre später sah alles komplett anders aus. Nachdem ab 1992 mit dem "Bergdoktor" auf das Privatfernsehen in das fiktionale Produktionsgeschäft einstieg, begann in Deutschland ein Produktionsboom ohne Ende. Wurden 1985 noch 35 deutsche TV-Serien produziert, waren es 1995 bereits 150 TV-Serien. Doch leider wurde überhaupt nicht auf die Unterhaltungsqualität der neuen TV-Serien geachtet. Die Zahl der Flops stieg deshalb weitaus schneller als der Produktionsoutput in Deutschland an. Als die "Öfen" richtig glühten kam schließlich noch der NEUE MARKT als Turbolader hinzu, doch bereits 2001 war alles vorbei. Die Zahl der Auftragsproduktionen brach deutlich ein und hat sich bis heute nur unmerklich erholt.

    Normalerweise wäre es spätestens 2001 an der Zeit gewesen, sich einmal tiefschürfende Gedanken über die einheimischen TV-Produktionen zu machen, doch auch dies ist unterblieben. Nur so ist der scharfe Anstieg von deutschen Serienflops ab 2007 zu verstehen, mit der heutigen Konsequenz, dass die deutschen TV-Serien heute nur noch eine mittlere und ältere Zielgruppe ansprechen. Die jüngeren Zielgruppen sehen sich heute vornehmlich amerikanische TV-Serien an oder weichen in das Internet aus.

    2009 brach dann zum zweiten Mal nach 2001 der TV-Werbemarkt deutlich ein und die erste große Umschichtung von Werbegeldern führte dazu, dass sich nun plötzlich alle etablierten TV-Produzenten entweder schon im webtv tummeln oder gerade frisch einsteigen. Doch auch hier wurden in den letzten zwei Jahren etliche Flops produziert, weil man einfach nicht auf die amerikanische Produktionsmethode umsteigen will. Und die besagt nichts weniger, dass jede erfolgreiche US-Serie im Kern ein gutes Marketingkonzept darstellt, auf welche dann die eigentliche fernsehmäßige Umsetzung aufsetzen kann.

    War dieses Nadelöhr im analogen deutschen Fernsehen leicht zu umschiffen, führt im webtv kein einziger Weg mehr daran vorbei. Doch nun fehlen international ausgerichtete und international erfolgreiche große TV-Einheiten und vor allen Dingen das Wissen zur marketingmäßigen Umsetzung diesbezüglicher TV-Konzepte im webtv. Die Refinanzierung der eigenen webtv-Produktion muss der Produzent in Eigenregie durchführen. Das gelingt nur in den allerwenigsten Fällen durch klassische Werbespots. Die meisten webtv-Formate werden sich über Product Placement refinanzieren müssen, ansonsten verkommt das webtv zum reinen Strohfeuer. Und mit normalem Product Placement kommt man hier nicht mehr weiter, weil es um die hohe Kunst der Verknüpfung von Werbung und Unterhaltung geht. Die Zuschauer im Internet sind viel schneller wieder weg, als man sie anlocken kann.

    Beste Grüße
    Manfred Auer