Japan – Land der aufgehenden Sonne
Posts 11-15 of 15
- Back
- Next
-
Post visible to registered members
-
Michèle ミシェル Stocco ストッコ Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^10: Frage an Japan-Kenner
Arigato Jo-San
- 24 May 2011, 10:28 pm
-
Makoto MakabeThe company name is only visible to registered members.Re: Frage an Japan-Kenner
Ich bin mir nicht sicher, ob ich als "Japankenner" qualifiziert bin, möchte aber kurz zu den Fragen antworten, da ich diese in meinem beruflichen Kontext einige Male gehört habe.
Frage: " inwiefern "Auslandserfahrung" (beruflich, nicht Studium) von Japanern in Deutschland oder der Schweiz bspw. als gewinnbringend/vorteilhaft/erstrebenswert angesehen wird?"
Einfache Antwort: Nur in einem nicht nennenswerten Umfang. Es wird Japaner geben, die zunächst im Ausland Erfahrung sammeln, bevor sie in Japan in eine Firma eintreten, aber das Gros der Japaner ist es nicht.
Hintergrund:
Der Einstieg in eine japanische Firma und die Karriere dort ist anders als bei uns im Westen. Üblicherweise fangen die Universitätsabsolventen zum 1. April im Unternehmen an. Der Arbeitsvertrag wird nicht selten bereits im Herbst des Vorjahres geschlossen. Aufgrund der wirtschaftlichen Lage finden nicht alle Absolventen eine Anstellung, d.h. sie haben das Problem ein Jahr überbrücken zu müssen, bevor sie sich dann in den Wettbewerb mit den Absolventen des nächsten Jahres um Einstellung begeben. Der ein oder andere mag für sich entscheiden in der Zwischenzeit ins Ausland zu gehen, um dort Erfahrung zu sammeln, aber die Mehrheit ist es sicherlich nicht (es stellt sich z.B. die Frage der Finanzierung).
Das Universitätsstudium in Japan ist auch anders strukturiert als bei uns und vereinfacht gesagt gehen nur die (graduierten) Studenten ins Ausland, die eine Karriere an der Uni anstreben. Die anderen, die in Japan in eine Firma eintreten wollen betätigen sich intensiv in den Clubaktivitäten der Uni, wo das Netzwerk mit den älteren Komilitonen geknüpft wird, die einem ggf. Hilfestellung geben, wenn man selbst auf Jobsuche geht.
Mit Stereotypen muß man vorsichtig sein, sie werden schnell zu Vorurteilen (wenn sie es nicht schon sind). Um es aber vereinfacht und ganz plakativ darzustellen: Ein japanisches Unternehmen fühlt sich dafür verantwortlich den Mitarbeitern beizubringen, was sie in dem Unternehmen brauchen. Egal was sie vor dem Eintritt in die Firma gemacht haben, es ist die Verantwortung des Unternehmens die Mitarbeiter so auszubilden, dass sie in der Lage sind so mit Kunden, Kollegen und Zulieferanten umzugehen, wie es in dieser Firma üblich ist.
Die meisten Uniabsolventen in Japan gehen davon aus, dass das Unternehmen ihnen das notwendige knohow beibringen wird. D.h. wenn ich in ein soldis Unternehmen eintrete, dann kann ich erwarten, dass dort Ältere um mich sind, die sich (wohlwollend) um mich kümmern und mich fordern und fördern. Wenn ich dann fleißig arbeite kann ich davon ausgehen, dass ich den Rest meines Lebens mir um meine (wirtschaftliche) Existenz keine Sorgen machen muss.
Angenommen es gibt einen Kandidaten, der erste berufliche Erfahrung im Ausland gemacht hat und jetzt in eine japanische Firma eintreten möchte. Dann stellt sich für das Unternehmen die Frage, wie ist der neue Mitarbeiter einzugliedern? Er gehört zu einem Jahrgang, der bereits z.B. vier, fünf oder mehr Jahre im Unternehmen ist. Er (oder sie) mag Auslandserfahrung haben, aber dafür kein Wissen über das Arbeiten im Japanischen Unternehmen. Keine Kenntnis von den Kunden und Produkten, geschweige denn von der Produktion. Nützt die im Ausland gemachte Erfahrung so viel, dass es möglich ist ihn so einzustufen wie die Mitarbeiter, die bereits seit ein paar Jahren im Unternehmen sind, oder muss er mit den Uniabsolventen eingestuft werden, die in diesem Jahr ins Unternehmen kommen (was für den Kandidaten vll. nicht akkzeptabel ist).
Sehr wahrscheinlich wird ein solcher Kandidat eher den Weg in ein ausländisches Unternehmen in Japan wählen (z.B. die japanische Niederlassung eines deutschen Automobilzulieferanten).
@DB: wie Sie in Ihrer Frage schon vermutet haben sind die kulturellen Unterschiede sehr groß und genau das macht es schwierig die Frage zu beantworten, ohne tief in die kulturellen Unterschiede einzutauchen.
Grüße
Makoto Makabe
- 30 May 2011, 12:15 pm
-
Karin 華鈴 Sander サンダー Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^2: Frage an Japan-Kenner
Diesen Ausführungen ist wohl nichts hinzu zu fügen. Uns Europäern fällt es eben doch manchmal schwer zu akzeptieren, dass wir nicht für jede Region dieser Welt das Zentrum sind.
Ich wünsche allen, mit und ohne Auslandserfahrung, eine schöne Woche!
Karin Sander
- 30 May 2011, 12:33 pm
-
Post visible to registered members
- Back
- Next
