Jazz Forum @ Xing

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  • Heiko Langanke
    Heiko Langanke    Group moderator
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    der Jazz ist tot - es lebe der Jazz! - ein Diskussionsbeitrag
    Das ist doch mal ein Beitrag - aus der "Welt":
    Was haltet Ihr von den Thesen? Mit Bitte um Diksussion ...

    "Jazz und Demokratie sind Geschwister
    Von Josef Engels

    Eine Musikrichtung leidet: Fachzeitschriften sterben, Festivals werden abgesagt. Aber tot ist der Jazz noch lange nicht

    Schon 1973 war der Jazz anscheinend einen schlimmen Tod gestorben. Man weiß das deshalb so genau, weil der Rockmusiker Frank Zappa bei einem auf der Platte "Roxy & Elsewhere" dokumentierten Live-Konzert unverschämt das Gegenteil behauptete: "Jazz is not dead. It just smells funny".

    36 Jahre später mehren sich jetzt allerdings die Zeichen, dass es doch Leichengeruch sein könnte, der uns aus verschiedenen Meldungen entgegenschlägt. Das anerkannte amerikanische Magazin JazzTimes stellt bis auf Weiteres sein Erscheinen ein, so lange, wie es heißt, bis sich ein Kaufinteressent für das immerhin in einer 100 000er-Auflage erschienene Heft gefunden habe. Ehrlicher ist da das österreichische Zeitschriften-Pendant Jazzzeit. Das hat gerade offiziell sein unwiderrufliches Ende verkündet.

    Die schlechten Nachrichten hören nicht auf. Das seit über 30 Jahren bestehende JVC-Festival in New York wird nicht mehr stattfinden, weil sich der Hauptsponsor von seinen Jazz-Aktivitäten zurückziehen will. Und dann hat auch noch Vorzeige-Trompeter Wynton Marsalis verkündet, dass er sich von dem Traditions-Label Blue Note trennt. Wahrscheinlich, so wird gemutmaßt, weil sich der Konzern hinter Blue Note peu à peu aus dem unlukrativen Jazz-Geschäft verabschieden möchte.

    Man muss nicht noch eigens die vielen prominenten Jazz-Toten der vergangenen zwei Jahre anführen - von Altgedienten wie Max Roach, Joe Zawinul und Charlie Mariano bis hin zu viel zu früh Gegangenen wie Michael Brecker und Esbjörn Svensson -, um die große Erschütterung unter Jazz-Freunden zu verstehen. Das Totenglöcklein erklingt so laut wie nie. Mancher fürchtet nun, dass der Jazz unwiderruflich in Vergessenheit geraten werde.

    Das ist natürlich zunächst einmal Unsinn. Denn die oben beschriebenen, durchaus unheilvollen Entwicklungen finden zu einer Zeit statt, in der es dem Jazz in der Breite der Publikumswahrnehmung so gut geht wie schon seit den Siebzigerjahren nicht mehr (als er, siehe Zappa, zum unzähligsten Mal tot gesagt worden war).

    Dass erstaunlich viele Menschen Platten von Diana Krall kaufen, Roger Cicero und seine Big Band goutieren oder sich Coffee-Table-Books mit Jazzfotografien zulegen, mag bis zu einem gewissen Grad bloß eine Modeerscheinung sein. Die Gefahr der Verwässerung hin oder her: Es zeigt, dass die improvisierte Musik immer noch genügend Anziehungskraft besitzt. Für eine weitere Popularisierung dürfte zudem das amerikanische Präsidentenpaar sorgen. Nicht völlig zufällig startete Michelle Obama ihre Musikreihe im Weißen Haus mit einem Konzert und Workshop von Ellis und Wynton Marsalis. Was möglicherweise dem Jazz dienlicher gewesen sein könnte als Bill Clintons Saxofonspiel.

    Dennoch gibt es nicht wenige Mahner, die offensichtlich glauben, dass der Jazz einen ähnlichen Weg gehen könnte wie beispielsweise die SPD - dass man für den schnellen Erfolg bei der Masse seine Seele verkauft hat und bald, wenn der Boom vorüber ist, jegliches Vertrauen bei der Stammkundschaft verloren haben wird.

    Dazu sollte man sich aber vor Augen halten, dass der wahre, schöne und gute Jazz aufgrund seiner Komplexität, seiner Radikalität und seiner Flüchtigkeit eigentlich schon immer Minderheitenmusik war - aber als Labor für die Entwicklung neuer, in den Mainstream fließender Musik-Phänomene unverzichtbar wurde. Ohne Jazz und Blues kein Rock, kein HipHop, kein Techno, keine Weltmusik.

    Dass die eingefleischten Fans des Jazz trotzdem immer sehr schnell dazu bereit sind, das Ableben ihrer geliebten Kunstform auszurufen, hat gewiss auch mit der psychosozialen Geschichte dieser Musik zu tun. Der Tod war schon immer ein treuer Gefährte des Jazz. Sei es als Anlass bei den klangvollen Begräbnismärschen in New Orleans, sei es als stete Bedrohung, der sich die schwarzen Erfinder ausgesetzt sahen, sei es als Resultat der Drogen, die man nahm, um zu funktionieren oder zu vergessen.

    Und es ist auch so: In keiner Musik kommt es derart auf den Augenblick und dessen gelungene Ausgestaltung an wie im Jazz. Und in keiner Musik ist man sich der Endlichkeit so bewusst wie hier. Es ist eine eigentlich erschütternde Erkenntnis, die der Jazz-Solist spielerisch, gleichsam als Twitter in Noten vermittelt - und dadurch erträglich macht. Worin, als Urgrund, der Reiz dieser Lebensbewältigungsmusik liegt. Andererseits ist es aber auch immer wieder erstaunlich, dass der echte Fan seine Jazzmusiker am liebsten tot hat. Weshalb er der Gegenwart, den Moden und dem Populären latent misstraut.

    Wenn man regelmäßig Jazz-Konzerte und -Festivals besucht, kann man je nach Widerborstigkeitsgrad des Künstlers zweifellos eine gewisse Überalterung des Publikums feststellen. Gleichzeitig gilt aber auch: Noch nie zuvor hat es so viele derart gut ausgebildete junge Jazzmusiker gegeben wie heute. Und es gibt einige, die auf dem besten Weg sind, einen ähnlich frischen und unversnobten Zugang zu einer ebenfalls jüngeren Zuhörerschaft zu finden, wie es etwa dem so tragisch dezimierten Esbjörn Svensson Trio gelungen war. Ausnahmsweise taugt hier auch das Internet nicht als Bedenkenträger-Keule. Im Gegenteil: Viele Improvisations-Musiker benutzen es inzwischen als alleiniges Veröffentlichungs-Medium. Weil die Plattenfirmen müde und die Konzerte wichtiger sind.

    Vielleicht ist aber alles auch nur eine Definitionsfrage. Wenn man den Jazz als abgeschlossenes System mit klar festgelegten Merkmalen bezeichnet, wie es Wynton Marsalis tut, dann wird die Improvisationsmusik zu einer Art Klassik und kann so eine staatstragend-anerkannte Rolle einnehmen. Wogegen nichts einzuwenden wäre nach beinahe einem Jahrhundert der mehr oder minder großen Verachtung. Für Marsalis' These spricht ohnehin, dass sich der Jazz seit dem Bebop und seinen Modifikationen bis in die frühen Sechzigerjahre als Idiom nicht mehr grundlegend verändert hat.

    Wenn man aber den Jazz als ein Modul betrachtet, das aufgrund seiner Flexibilität die Eigenschaft hat, sich mit völlig anders gearteten Bausteinen zu beliebig neuen Systemen zusammentun zu können, dann dürfte er nahezu unsterblich sein. Oder zumindest solange gefragt sein, wie seine Schwester im Geiste - die Demokratie - in Mode ist. Die improvisierte Musik sichert sich ihr Fortbestehen, indem sie beständig neue Allianzen eingeht. Mit dem Pop, mit den Klängen anderer Kulturen und auch mit der modernen Klassik, die sich oft kaum noch von ihrem avantgardistischen Jazz-Gegenüber unterscheiden lässt. Keine Frage: Jazz riecht nicht. Er lebt nur ein bisschen komisch."

    Quelle:
    http://www.welt.de/die-welt/article3978204/Jazz-und-Demokrat...
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  • Dietmar Hagen Horn
    Dietmar Hagen Horn    Premium Member   Group moderator
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    Re: Der Jazz ist tot, es lebe der Jazz!
    Der Jazz ist seit seinen Anfängen in einer stetigen Tradition und wurde auch schon vor 40 Jahren totgesagt, als die Rockmusik die Plattenverkäufe und Konzertveranstaltungen zu dominieren begann.

    In New York gibt es ca. 200 Jazzclubs, die fast täglich jeweils 1 - 3 Konzerte spielen, dazu ein halbes dutzend Jazz-Gazetten, die meisten kostenlos und von überragender inhaltlicher Qualität, wie z.B. AllaboutJazz. Sicherlich ist aber auch in New York Jazz nicht die Poulärmusik mit größtem Verbreitungsanteil. Das ist mit Sicherheit, Hiphop, gefolgt von Rock, danach kommt bestimmt noch ne ganze Menge anderer Genres (Singer/Songwriter, Pop etc.).

    Ok, das ist die Championsleague. In Köln gibt es so knapp 10 Spielstätten, die regelmäßig Jazz veranstalten. Da sind in den letzten Jahren wichtige Clubs (wie z.B. das Alte Pfandhaus) dazu gekommen. Hier ist sicher mehr Jazz als noch vor 20 Jahren. Auch die Qualität der Szene hat über die Jahre deutlich zugelegt.

    Auch auf MySpace finde ich jede Menge gute neue Jazzbands, von Stagnation kann m.E. keine Rede sein. Es kommt viel Neues aus anderen Bereichen dazu, aber netto gibt es mehr Jazz auf die Ohren als noch vor Jahren.

    Festivals der "alten Schule" braucht heute kein Mensch mehr. Das JVC Jazzfestival war IMHO nicht sonderlich spannend, dafür gab es zur gleichen Zeit immer noch das innovative Visions Festivals, dass von keinem Großsponsor, sondern von sehr viel ehrenamtlichem Engagement getragen wird. Wenn das bessere Festival und das musiknahere Konzept überlebt, dann ein Hoch auf die Selektion.

    Viele Gazetten, Festivals und Jazzkonzepte sind so angestaubt, dass die pfeiferauchende Kundschaft mittlerweile weggebrochen sein sollte. Die neuen Hörer haben da zu Recht kein Interesse mehr. Um einzelne Verluste, wie z.B. die Jazzzeit in Österreich oder natürlich die verstorbenen Musiker müssen wir trauern, nicht jedoch ohne die spannenden neuen Erscheinungen auf den Bühnen, im Netz oder um die Ecke im Club (bitte dort Hingehen!) zu begrüßen.

    Der Jazz lebt - nicht überall - aber immer öfter!
    Dietmar
    This post was modified on 24 Jun 2009 at 04:27 pm.
  • Marcel Postert
    Marcel Postert    Group moderator
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    Re^2: der Jazz ist tot - es lebe der Jazz! - ein Diskussionsbeitrag
    Hallo Stephan, eine interesante Combi am Sontag gehört beim feel good Festival in Gelsenkirchen auf Schoß Horst.

    15.00 Uhr, Meike Rath, Konzertharfe groß
    http://www.zauber-musik.de
    16.00 Uhr, Günter Müller, Digiradoo
    http://www.weltmusikmueller.de

    war irre, Meike hat Meditationsmusik solo gespielt und weil sie gerade zwischen alten und neuem Programm im Prozess ist - ja halt improvisiert. Da klang schon mal Paco Lucio durch, auf Harfe, und die Meditationskönige wurden dann halt mal wach und Meike hat sich entschuldigt, wei die Äuglein aufgingen. Dann kam der Günter, die beiden waren sich nie begegnet - aber Günter hatte in einer E-Mail 1 Tag vorher den dringenden Wunsch geäußerst einmal mit einer Harfinistin eine Gig zu Machen. Irre - eines den einfachsten und der schierigsten Instrumente gemeinsam auf der Bühne im Rittersaal wo die Akustik in Ordnung war, meil Freund Ulrich hat Fotos gemacht, ich leider den MD Recorder nicht dabei, ich schicke Links
    VG
    Marcel
  • Heiko Langanke
    Heiko Langanke    Group moderator
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    Re^2: Der Jazz ist tot, es lebe der Jazz!
    Dietmar Hagen Horn schrieb:
    Der Jazz ist seit seinen Anfängen in einer stetigen Tradition und wurde auch schon vor 40 Jahren totgesagt, als die Rockmusik die Plattenverkäufe und Konzertveranstaltungen zu dominieren begann. Und mir scheint, diesmal ist es ähnlich. Die Plattenindustrie wird als Indikator des Geschmacks genommen. Barer Unsinn. Die waren immer so girig, dass sie nicht merkten,. wie gut sie am Jazz verdient hatten.

    Ok, das ist die Championsleague. In Köln gibt es so knapp 10 Spielstätten, die regelmäßig Jazz veranstalten. Da sind in den letzten Jahren wichtige Clubs (wie z.B. das Alte Pfandhaus) dazu gekommen. Hier ist sicher mehr Jazz als noch vor 20 Jahren. Auch die Qualität der Szene hat über die Jahre deutlich zugelegt. Yes! Auch wenn ich ähnliches nicht gerade aus meiner Wahl-Heimat Hamburg sagen kann. Aber sonst: Jazz boomt!

    Festivals der "alten Schule" braucht heute kein Mensch mehr. Das JVC Jazzfestival war IMHO nicht sonderlich spannend, dafür gab es zur gleichen Zeit immer noch das innovative Visions Festivals, dass von keinem Großsponsor, sondern von sehr viel ehrenamtlichem Engagement getragen wird. Wenn das bessere Festival und das musiknahere Konzept überlebt, dann ein Hoch auf die Selektion. dito: YES!

    Viele Gazetten, Festivals und Jazzkonzepte sind so angestaubt, dass die pfeiferauchende Kundschaft mittlerweile weggebrochen sein sollte. Die neuen Hörer haben da zu Recht kein Interesse mehr. Um einzelne Verluste, wie z.B. die Jazzzeit in Österreich oder natürlich die verstorbenen Musiker müssen wir trauern, nicht jedoch ohne die spannenden neuen Erscheinungen auf den Bühnen, im Netz oder um die Ecke im Club (bitte dort Hingehen!) zu begrüßen.
     
    Der Jazz lebt - nicht überall - aber immer öfter!
    Dietmar
    Keine weiteren Fragen. Der Jazz-Zeitzeuge wird meinerseits entlassen.
    ;-))
    Grüße,
    Heiko
  • Dietmar Hagen Horn
    Dietmar Hagen Horn    Premium Member   Group moderator
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    Re^3: Der Jazz ist tot, es lebe der Jazz!
    Hallo Heiko,

    was ich an der ganzen Entwicklung nur schade finde ist, dass Jazz immer mehr eine "elitäre Kulturveranstaltung" wird. Insofern müsste die GEMA die Aufführung von Jazz mit der von "E-Musik" finanziell gleich stellen.

    Nicht alle Teile der Bevölkerung werden vom Jazz erreicht, dass ist tragisch, denn:

    Jazz ist eine Musikform, die zum aktiven Zuhören und Mitdenken auffordert, generell wird aktives Mitmachen, geistige und musische Entwicklung gefördert. Ich glaube, dass Kinder die früh mit Jazzmusik konfrontiert werden und ein Instrument erlernen können, sich ganz anders entwickeln, als die, welche mit dem akustischen, gezuckerten Schnuller (der mit den Kopfhörern) "ruhig gestellt" werden.

    Da, wo viel Jazz gespielt wird, sammeln sich die intellektuellen Eliten und vice versa (warum auch immer). In New York hatte George Busch wahltechnisch keine Chance.

    Der Jazzmusiker, Journalist und Festivalmacher Ali Haurand bringt Jazz auf seinen Konzerten immer noch in Verbindung mit aktiver Politik, für die einen ein Artefakt der Endsechziger, für mich eine Erinnerung daran, dass Jazz neben der musikalischen Erbauung, immer auch spirituelle, politische, befreiende Züge hatte. Es ist der Soundtrack der politischen Befreiuung der Afroamerikaner und zugleich die Systhese afrkanischer und europäischer Musik mit Einflüßen der Sinti Musik in Europa (Django Reinhard), der indischen Musik im Fusion Jazz (Shakti, Mahavishnu), der nordischen Musik im aktuellen skandinavischen Jazz etc.

    Jazz ist eine große zivilisatorische Kraft mit befreienden und völkervereinenden Zügen, eine Sprache, die man unabhängige von Hautfarbe, Religion und Parteibuch sofort überall spielen kann. Instant communication.

    Insofern sollte jede kulturrelevante Institution in Deutschland es als staatsbürgerliche Pflicht empfinden, den Jazz und die musikalische Bildung in Deutschland und überall auf der Welt zu fördern. Das Goethe Institut ist da als besonders vorbildlich zu erwähnen, da über Jahre junge Jazzmusiker in alle Teile der Welt gebracht wurden, um die Idee des Jazz und der individullen musikalischen Entfaltung zu verbreiten.

    Der Jazz lebt aber auch von seinem Publikum, deswegen kann man ihn am besten unterstützen, wenn man noch in dieser Woche in einen kleinen Club, auf ein Festival oder sonstwo auf ein Jazzkonzert geht.

    Viele Grüße
    Dietmar
    This post was modified on 25 Jun 2009 at 09:55 am.
  • Heiko Langanke
    Heiko Langanke    Group moderator
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    Re^4: Der Jazz ist tot, es lebe der Jazz!
    Ich glaube nicht, dass ausgerechnet Jazz nun eine elitäre Veranstaltung wird. Dafür sind viele junge Jazzer viel zu cool und aufgeschlossen - auch dem Publikum gegenüber.
    Außer Du verstehst es so, dass überhaupt Live-Musik, zum Zuhören elitär wird. Da könnte was dran sein.
    Das mit der GEMA klingt zwar reizvoll - ist es aber nicht unebdingt, denn dann können die Clubs gleich dicht machen, weil die Beiträge für E-Musik noch viel höher sind.
    Es muß was Neues her - ganz einfach.

    Aber die einstigen Verbände (Deutsche Jazzunion und wie sie alle mal hießen) sagen ja nichts. Stille und Resignantion, wie mir scheint.
    Ich denke, da wäre ein Ansatz: Klappe aufmachen und aktiv diskutieren. Dann wird es auch nicht elitär.
    Oder?
    Grüße,
    Heiko
  • Dietmar Hagen Horn
    Dietmar Hagen Horn    Premium Member   Group moderator
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    Re^5: Der Jazz ist tot, es lebe der Jazz!
    Hallo Heiko,

    ich glaube, meine Aussage war mißverständlich.

    Ich war letztes jahr bei einem Konzert im Stadtgarten, als der Pianist so lapidar sagte "Den Titel muss ich nicht erklären, wir haben ja alle Abitur hier". Bei meinen Konzertbesuchen treffe ich immer wieder die gleichen Leute, alles Akademiker, mehr oder minder erfolgreich, aber alle dem akademischen "Bildungsbürgertum" zugehörig.

    Daran ist nichts Schlechtes, Gott bewahre. Ich glaube nur, dass auch Kinder der sogenannten "bildungsfernen Schichten" Ohren für den Jazz und Talent zum Musikmachen haben, das nur nicht entwickelt wird.

    Viele Menschen meinen, dass man "unheimlich viel Ahnung von Jazz und Musiktheorie haben muss" um Jazz zu hören, geschweige denn zu spielen. Was für ein Quatsch!

    Deswegen finde ich Veranstaltungen wie die "Düsseldorfer Jazzrally" gut, wo Jazz und verwandte Spielformen in eine Art Volksfest, zugänglich für alle eingebunden ist.

    Ich bin sehr dafür, dass an Kinder einkommensschwacher Gruppen Gutscheine für Musikunterricht und Leihinstrumente verteilt werden, damit auch die Zugang zur musikalischen Bildung haben.

    Wieviele Musiker der aktuellen Jazzszene hatten die Möglichkeit, zu studieren, vorher aufs Gymnasium zu gehen und wurden von Ihren Eltern früh gefördert?

    Wieviele Kinder haben Talent und offene Ohren und werden nicht gefördert?

    Mir geht es allgemein darum, den Jazz und das aktive Musikmachen an weitere Teile der Bevölkerung heran zu tragen. Es gibt schon einige Projekte in diese Richtung z.B. Jazz for Pänz (kölsche ugs. für Kinder) in Köln.

    Aber auch ein weites Publikum muss angesprochen werden. Deswegen ist es so wichtig, dass das öffentlich rechtliche Radio Jazz so präsent hält. So ist selbst die Hintergrundmusik bei Wortsender WDR5 zu 70 - 80% Jazz oder verwandte Musik.

    Das ist aber nicht überall im Lande so und jede Initiative, die Jazz, Improvisation und musikalische Bildung fördert, ist "staatstragend" in dem Sinne, dass aktive, mündige und kreative Bürger gefördert werden. Hierfür sollte es noch mehr Mittel und politische Unterstützung geben.

    Dietmar
  • Heiko Langanke
    Heiko Langanke    Group moderator
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    Re^6: Der Jazz ist tot, es lebe der Jazz!
    ach so. Das Ding: Von wegen "ich bin Kpnstler - und Ihr habt mich zu verstehen" oder so.
    Das wird sich nie ändern. Aber wie gesagt: es gibt viele junge Jazzer, die da nix drauf geben. halten wir uns diese.
    Die deutsch-holländische Band "Allophonic" z.B.: http://www.myspace.com/allophonic
    spielten nun wieder in Hamburg - echter Knaller, locker rüber gebracht und zieht.
    Ähnlich Boriana Dimitrova:
    http://www.borianadimitrova.com/
    Kein einfaches Zeug für die Musikerpolizei - aber es versteht auch so jeder - und sie bringt es auch so rüber.
    Macth Spaß!
    Und das sinds letztlich die Leute, die auch dann Erfolg haben, weil sie sich eben um ihr Publikum kümmern.
    Es muß kein seichtes Zeug sein. Es muß aber egal was auch gut rüber gebracht werden.
    Und leider wird - trotz aller Jazstudiengänge - eben das Marketing kaum gelehrt. Offenbar gibt es da auch zu viele Jazzprofessoren, die denken: "mach mal - wird schon jemand kommen und sagen: toll!"
    Kann man als Jazprof vielleicht auch machen, denn man lebt ja dann schon von was anderem.

    Und damit bin ich wieder bei Sonny Rollins: Selbstgefälligkeit ist das Ende jeder Kreativität.

    Ein Artikel zum ähnlichem Thema hier übrigens:
    http://www.kultur-port.de/index.php/blog/25-blogclausfriede/...