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Heiko Langanke Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Hamburgs SPD stellt große Bürgerschaftsanfrage zum "Jazz in Hamburg"
Keine einfache Frage, sonder gleich eine "große Anfrage" ...
Hamburgs Jazz kommt in die Pötte!
aus dem Portal
http://www.kultur-port.de:
"Große Anfrage: Zur Situation der Jazzmusik in Hamburg
Die SPD-Fraktion hat eine 'Große Anfrage' zur Situation der Jazzmusik in Hamburg an die Hamburgische Bürgerschaft am 21.01.10 eingereicht:
"In Hamburg geht es neben der Förderung einzelner Leuchtturmprojekte in erster Linie darum, möglichst positive Rahmenbedingungen für Kunst und Kultur zu schaffen. Die soziale Absicherung für Kultur- und Medienschaffende muss verbessert, das geistige Eigentum geschützt und angemessen vergütet und die Bedingungen für bürgerschaftliches Engagement und ehrenamtliche Arbeit gestärkt werden. Jazz und improvisierte Musik spielen bei diesem Engagement eine wichtige Rolle. Macht man eine aktuelle Bestands-aufnahme des deutschen Musikmarktes, so erreicht die Musikrichtung Jazz nur einen Marktanteil von circa 1,9 Prozent. Dennoch ist Jazz in all seinen Ausrichtungen eine essenzielle Zutat in dem musikalischen Spektrum einer Musikmetropole wie Hamburg.
Noch vor 15 Jahren war Hamburg für eine innovative und kreative Jazzszene nicht sonderlich bekannt, die Szene bewegte sich vorwiegend im Bereich Mainstream und Oldtime-Jazz. Seit fünf bis zehn Jahren lässt sich jedoch beobachten, dass die Szene im Aufbruch begriffen ist und es viele neue, moderne, experimentierfreudige Entwicklungen gibt. Dieser musikalische Aufbruch findet allerdings trotz schwieriger Rahmenbedingungen statt.
Schätzungen von Fachleuten beziffern die Zahl der Jazzveranstaltungen in Hamburg auf 1.200 pro Jahr. Die Hamburger Jazzszene hat zwar einige Räume für Konzerte, jedoch wird fast immer auf Eintritt gespielt. Das heißt, die Musikerinnen und Musiker bekommen circa 70 Prozent der Eintrittsein-nahmen und da kommen auch bei gutem Besuch kaum mehr als 40 Euro am Abend pro Musiker zusammen. Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) setzt auf Bewährtes und Bekanntes, die Hamburger Jazzszene wird von ihm weitgehend ignoriert. Viele Jazzmusikerinnen und -musiker haben Hamburg daher verlassen oder sind außerhalb Hamburgs bekannter. Dazu kommt, dass das, was für andere Bereiche populärer Musik gilt, für Jazzmusik ganz besonders zutrifft: Die Hürden für Jazzmusikerinnen und -musiker sind sehr hoch, wenn sie ihre Musik zum Beruf machen wollen. Eine hohe Qualität von künstlerischer Leistung allein reicht kaum aus, um dieses auch professionell betrei-ben zu können. Verschiedene grundlegende Probleme erschweren die Möglichkeit, von Jazzmusik leben zu können, einzelne Bedingungen haben sich in den letzten Jahren sogar verschlechtert.
So wichtig Förderung ist: Komponisten und Musiker können nicht allein von Preisen und Stipendien leben. Sie müssen mit ihrer Arbeit auch ihre Existenz bestreiten können. Gerade die Kleinen und Kreativen in der Branche haben oft keine Informationen über kulturrelevante europäische Förderfonds und andere Förderprogramme. Deswegen ist es wichtig, durch Kommunikation
und Kooperation zwischen Kulturschaffenden und den Kulturverantwortlichen die vorhandenen Kräfte und Ressourcen zu bündeln und zu vernetzen.
Blickt man jedoch nach Skandinavien, so stellt man fest, dass die dortige Jazzszene eine einzigartige Förderung erfährt, bis hin zu der Tatsache, dass skandinavische Jazzmusiker regelrecht „exportiert“ und so auf eine internationale Karriere vorbereitet werden. Da hat Hamburg noch eine Menge Nachholbedarf.
In allen Belangen optimal stellt sich die Situation in Norwegen dar, wo von schulischer und außerschulischer Bildung über die Förderung der Musikerinnen und Musiker durch die vielfältige Schaffung von Auftrittsmöglichkeiten alle wichtigen Faktoren bedacht wurden. Die staatlich finanzierten „Rikskonsertene“ unterstützen darüber hinaus Auslandstourneen und finanzieren CD-Veröffentlichungen. Das Ergebnis: Norwegische Musikerinnen und Musiker sind auf fast allen bedeutenden internationalen Festivals zu Gast und stellen nicht selten die künstlerisch herausragenden Beiträge."
Vor diesem Hintergrund ist ein Katalog von 62 Fragen an den Senat gestellt worden.
Quelle: Drucksache 19/5141, Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg."
Quelle:
http://www.kultur-port.com/index.php/kunst-kultur-news/1309-...
- 02 Feb 2010, 09:36 am
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Heiko Langanke Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re: Hamburgs SPD stellt große Bürgerschaftsanfrage zum "Jazz in Hamburg"
aus dem Newsletter von "Jazz Thing":
"Das Rathaus in Hamburg Am 21. Januar hat die SPD-Fraktion der Bürgerschaft der freien und Hansestadt Hamburg eine „Große Anfrage“ an den Senat eingebracht – zum Thema „Situation der Jazzmusik in Hamburg“. In ihrer Einleitung beklagen die Autoren vor allem die schwierigen materiellen Rahmenbedingungen, mit denen Hamburger Jazzmusiker zu kämpfen haben – wie zum Beispiel, dass sie ihre Konzerte auf Eintritt spielen müssen, oder Hamburg wegen der schlechten Arbeitsbedinungen „verlassen oder außerhalb Hamburgs bekannter“ sind. Zu unrecht wird jedoch die NDR-Jazzredaktion gescholten: „Der Norddeutsche Rundfunk setzt auf Bewährtes und Bekanntes, die Hamburger Jazzszene wird von ihm weitgehend ignoriert.“ Zu unrecht, weil mit dem Wechsel der Redaktionsleitung von Michael Naura zu Wolfgang Kunert bzw. zu Axel Dürr und Stefan Gerdes vor zehn Jahren sich auch das Engagement der Jazzredaktion für die lokale Szene verändert hat – wie es die Beispiele Hamburger Jazztage und JazzOpen Hamburg zeigen, die das Jazzbüro Hamurg in Kooperation mit dem NDR-Jazzradio austrägt. Durch 62 Fragen muss sich jetzt der Hamburger Senat aus CDU und Grüne arbeiten und mit Themen wie etwa „Rahmenbedingungen der Jazzszene in Hamburg“, „Nachwuchsförderung und Ausbildungssituation“ und „Perspektiven der Jazzmusik in Hamburg“ auseinander setzen. Dafür hat man vier Wochen lang Zeit."
- 19 Feb 2010, 08:33 am
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Heiko Langanke Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^2: Hamburgs SPD stellt große Bürgerschaftsanfrage zum "Jazz in Hamburg"
aus dem Portal "JazzcityNetEdition" von Michael Rüsenberg aus Köln:
"SPD löchert HH-Senat
Ausgerechnet aus Hamburg, das nicht gerade tief in die deutsche Jazz-Landschaft strahlt, ausgerechnet aus der Freien und Hansestadt kommt jetzt eine Initiative, die leicht zur Blaupause werden könnte für vergleichbare Aktivitäten in anderen Städten.
Die SPD-Fraktion der Bürgerschaft hat eine Große Anfrage an den Senat gestellt:
„Betreff: Situation der Jazzmusik in Hamburg“.
Die Anfrage umfasst sage und schreibe 62 Fragen von
01. Wie sieht aus Sicht des Senats das Profil der Hansestadt im Bereich Jazzmusik aus?
über
30. Sieht der Senat die bestehenden Instrumente der Förderung der Jazzmusik als ausreichend an? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht?
bis
62. Plant der Senat, einen Spielstättenpreis für herausragende Spielstätten im Bereich der Jazzmusik aufzulegen; wenn ja, wann, wenn nein, warum nicht?
Mit anderen Worten: „Da ist Musik drin“, nämlich alles, wirklich alles, was derzeit in der kulturpolitischen Debatte zum Jazz aktuell ist."
Quelle:
http://www.jazzcity-net-edition.de/index.php?option=com_cont...
- 26 Feb 2010, 5:56 pm
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Heiko Langanke Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Bürgerschaftsanfrage zum "Jazz in Hamburg" - die Antwort
und prompt flattert die Antwort ein.
da sie hier aufgrund mangelnder Kursiv-Schreibung und anderen Trennmöglichkeiten schlecht darstellbar ist:
hier ein Link zum Abruf:
http://www.jazzcity-net-edition.de/images/stories/news/hh-se...
oder bei mir als pdf abrufbar und
kontakt@langanke-partner.de
Betreff. "Große Anfrage Jazz in HH"
Ich kann im Moment nur sagen: interessant.
Den Rest werde ich mal nach "innerer Verarbeitung" kommentieren ...
LG
Heiko
- 26 Feb 2010, 5:57 pm
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Heiko Langanke Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re: Bürgerschaftsanfrage zum "Jazz in Hamburg" - die Antwort
jetzt auch als pdf abrufbar unter:
http://buergerschaft-hh.de/Parldok/Cache/C620BAB8B8B447A022F...
- 01 Mar 2010, 12:36 pm
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Heiko Langanke Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^2: Bürgerschaftsanfrage zum "Jazz in Hamburg" - die Antwort
So. Nun habe ich mich mal rangemacht und die Antwort des Senats auf die "Große Anfrage" der SPD zum Thema "Jazz in Hamburg" seziert:
Die„Große Anfrage“ der oppositionellen SPD-Bürgerschaftsfraktion hatte im Grunde schon eine recht klare Struktur hinsichtlich seiner Fragestellung
Gefragt wurde nach:
Rahmenbedingungen - Übersicht über die Akteure, Berufsbild, Einkommen etc.pp. –
Fördersituation – Publikum Clubs, Musiker, Studium, Vergleiche
Perspektiven – Schwerpunkte, konkrete Ziele, Förder- & Haushaltsziele
Und auch in den einleitenden Sätzen der "Großen Anfrage" finden sich recht eindeutige Fragestellungen.
„Betr.: Situation der Jazzmusik in Hamburg
„Ziel … möglichst positive Rahmenbedingungen für Kunst und Kultur zu schaffen.
Die Hamburger Jazzszene hat zwar einige Räume für Konzerte, jedoch wird fast immer auf Eintritt gespielt (…) die Hamburger Jazzszene wird vom NDR nahezu komplett ignoriert (... ) viele Jazzmusiker haben Hamburg daher verlassen, oder sind außerhalb Ham-burgs bekannter. (…) Die Hürden für Jazzmusiker im Bereich sind sehr hoch, wenn sie ihre Musik zum Beruf machen wollen.
Komponisten und Autoren können nicht allein von Preisen und Stipendien leben. Sie müssen mit ihrer Arbeit auch ihre Existenz bestreiten können. Gerade die Kleinen und Kreativen in der Branche sind oft ohne Erstinformationen über kulturrelevante europäi-sche Förderfonds und über die Förderprogramme. Deswegen ist es ganz wichtig durch Kommunikation und Kooperation zwischen Kulturschaffenden und den Kulturverantwort-lichen die vorhandenen Kräfte und Ressourcen zu bündeln und zu vernetzen.
Hamburg (hat) noch eine Menge Nachholbedarf.“
Die Antworten hingegen sind mehr als ernüchternd und zeigen eine Haltung, die Hamburg auch in den nächsten Jahren weit von den Jazzmetropolen Europas fern halten wird.
Oft wird in den Antworten lapidar auf die Drucksache 19/3697 verwiesen (Musikstadt Hamburg bzw. dort konkret 5.1.1. „Fokus Jazz“). Der „Fokus Jazz“ wird dort als zukünftiges Ziel beschrieben, der en detail jedoch unklar bleibt. Lediglich drei Säulen der Förderung werden dort konkret benannt:
• Infrastruktur durch bessere Vernetzung
• Jazz-Vermittlung (Musikvermittlung auf „leicht zugängliche Weise“)
• gezielte und punktuelle Unterstützung z.B. für Konzertreihen oder Events mit gro-ßer Außenwirkung
Konkretes zu diesen Punkten findet sich aber später nicht wieder.
Denn es gibt wenig Faktisches zur Jazz-Szene der Musiker: etwa wie viele Jazzer gab oder gibt es in Hamburg eigentlich? Entsprechend gibt es natürlich auch keine Erhebungen zur möglichen Ab- oder auch Zuwanderung selbiger. Wovon leben die hier wohnhaften Jazzer eigentlich – sowohl inhaltlich als auch finanziell? Wie kann die Entwicklung oder Nicht-Entwicklung des Jazzstudienganges beurteilt werden – auch insbesondere hinsichtlich der Berufschancen der Jazzer?
Geläufigste Antwort: damit hat sich Senat nicht befasst!
Bzgl. der Clubs wird zwar angenommen, dass offenbar immer mehr Clubs auch Jazz anböten. Andererseits lägen keine Zahlen vor und überhaupt sei „die Begeisterung für Jazz auf ein kleines Publikum beschränkt“, um überhaupt regelmäßige Jazzkonzerte erfolgreich veranstalten zu können.
Dass keine Zahlen vorlägen, sei auch darauf zurück zuführen, dass „die zur Darstellung der wirtschaftlichen Situation benötigten Daten wie Besucherzahlen oder sonstige betriebswirtschaftliche Kennzahlen für Clubs und Veranstalter vertrauliche Geschäftsdaten (sind), die der zuständigen Behörde nicht vorliegen.“
Die vermeintlich geheimen Geschäftszahlen sind nicht geheim – sie wurden gar nicht erst erfragt. Gegenüber der GEMA oder KSK dürfen die Clubs diese „Geheimnisse“ ja auch nicht haben.
Es gibt sogar eine Bachelor-Arbeit des in Hamburg ansässigen KMM-(Kultur- & Medienma-nagement-)Studienganges zur Wirtschaftlichkeit kleiner Live-Musikclubs, die im Übrigen sehr nachvollziehbar das Dilemma zwischen Clubgröße, Eintritt, Fixkosten und Rentabilität und unter besonderer Berücksichtigung von Jazzclubs aufzeigt.
Zum Thema Nachwuchs:
Nachwuchs und auch den Jazzstudiengang gibt es und er ist seit den 80er Jahren gleich groß geblieben (32 bzw. 34, wenn man 2 Masterstudienplätze hinzurechnet). Die Zahl der Bewerber sei leicht gestiegen.
Was aus den Studierenden wird, welche Chancen sie auf dem Berufsfeld haben oder ob sie überhaupt in Hamburg bleiben: damit hat sich der Senat nicht befasst!
Falsch ist der Vergleich mit den Jazzstudiengängen in Hannover und Bremen in vermeintlich „vergleichbarer Größe“. Hamburg hat 34 Jazzstudien–Plätze von insgesamt 700 (= 4,86%). Bremen hat 35 Jazzstudienplätze bei 470 Musikstudierenden (7,45 %) und Hannover hat gar 90 Jazzstudierende bei insgesamt 1.200 Musikstudienplätzen (7,5%).
Ebenso hinkt folgender Vergleich:
„Im Hinblick auf die Aktuelle oder Neue Musik, die sich ebenfalls an spezielle Publika wendet und damit am ehesten vergleichbar scheint, ist der Jazz besser aufgestellt:“ .
Wie sieht es mit Fördermodellen aus? Hier wurde seitens der SPD nach nationalen und internationalen Vergleichsmöglichkeiten gefragt. Hamburg hat den Vergleich aber weder gemacht, noch offenbar nötig (siehe z.B. Antworten zu den Fragen 2-7, 28, 40).
Wie steht es mit dem Zukunftsmodell „Fokus Jazz“?
Die erste Säule (s.o.) der Förderung der Infrastruktur wird recht genau beantwortet.
Frage 58. Welche Schwerpunkte müssen nach Auffassung des Senats bei einer solchen Förderung gelegt werden und welche Akzente wird er setzen?
Der Senat hat sich hiermit nicht befasst.
Fragen 56. und 57: Wie will der Senat zukünftig seine Verantwortung für die Förderung von Jazz und improvi-sierter Musik in Hamburg wahrnehmen?
Inwiefern sieht der Senat eine zukünftige Notwendigkeit für eine verstärkte Förderung im Bereich des Jazz und der improvisierten Musik?
"Siehe dazu Drs. 19/3697 (Anm. d.A.: eben der bereits angeführte „Fokus Jazz“ mit den drei Fördersäulen). Im Übrigen ist die Aufnahme konkreter Planungen und die Umsetzung erster Maßnahmen abhängig von der Entscheidung über den Haushalt 2011/12."
Es ist anzunehmen, dass wenn schon nichts konkret geplant ist, man wohl auch im Etat 2011/2012 keine Berücksichtigung finden wird.
Hier zeigt sich auch ein unausgegorenes Verständnis für den Jazz, demnach Jazz ja quasi überall anzutreffen ist – man sieht es zuweilen vielleicht nur nicht.
Beispiele:
„Die Musikrichtung Ethno-Jazz/Weltmusik wird in der Behörde für Kultur, Sport und Medien im Referat für interkulturelle Projekte gefördert. „Ethnojazz“ ist ein Begriff zur Bezeichnung von Bereichen des Jazz, die entweder Elemente ethnischer Musiken verarbeiten oder aber durch die Zusammenarbeit von Jazzmusikern mit Vertretern anderer Musikkulturen gekennzeichnet sind.“ Woraufhin die Förderung eines Wettbewerbs „Creole“, eines Klezmerfestivals und eines Gipsyfestivals als Jazzförderung angeführt werden.
Ebenso die Reihe „Black History Month“ „mit familiärem schwarzen / afrikanischen Hintergrund“, das Stadtteilfest „Bühne der Kulturen“ oder auch das „Festival der eigenarten“ - „ebenfalls ein Forum für Weltmusik“.
Dubios zudem:
„In den Bezirken können Jazzmusikprojekte grundsätzlich aus Mitteln der Stadtteilkultur in Form einzelner Projektförderungen unterstützt werden, sofern sie den Förderkriterien der Globalrichtlinie Stadtteilkultur 2009–2013 entsprechen.“
Konkret angeführt werden:
„Im Bezirk Bergedorf finden geförderte Konzerte zum Beispiel in den Stadtteilkulturzentren LOLA und KulturA statt. Das Bezirksamt Eimsbüttel hat 2009 u.a. eine Jazz-Matinee im Theatersaal der Kursana Residenz sowie die Veranstaltung „the choricals“ mit Swing und Jazz im „Bürgerhaus für Niendorf e.V.“ gefördert. Im Eidelstedter Bürgerhaus probt wöchentlich die Gruppe „Eidelstedter Windkanal“ ihren Big Band Jazz. Balkan-Jazz und Klezmer gehören zum Spektrum des Osteuropäischen Kulturforums, das dort ebenfall,s an 5 Tagen in der Woche probt. Im Freizeitzentrum Schnelsen finden monatlich Konzerte der „Schnelsen Stompers“ statt.
In Bergedorf werden Jazzveranstaltungen auch in Publikationen kostenfrei beworben, die durch das Bezirksamt gefördert werden (Kulturblatt für Bergedorf und die Umgebung)“
Jazz wird hier also zur Bezirksangelegenheit gemacht, oder?
Wenn man die genannten Projektförderungen addiert kommt im Übrigen folgende Übersicht heraus (sogar noch ohne Bezirksförderungen):
Projekt: Förderungshöhe:
„Förderung der Popularmusik“ 120.000,00
„Live Concert Account“ 150.000,00
Jazzbüro Hamburg e.V 49.000,00
Landesmusikrat Hamburg e.V 42.000,00
extra Projektmittel für „Hamburger
Jazztage“ & „Jazz Open Air“ 21.000,00
Landesmusikrat Hamburg e.V Zu-schuss
für „Jazzessence“ 7.000,00
Personal HfMT Jazz 363.000,00
Beteiligung der BKSM am „Jazztrain“ 2.000,00
„Creole für Weltmusik“ 5.000,00
Klezmerfest 4.000,00
Gipsyfestival 5.000,00
Black History Month 3.700,00
„Bühne der Kulturen“ 3.000,00
Alafia-Afrikafestival 7.000,00
„eigenarten“ 47.000,00
RockCity Hamburg e.V. 125.000,00
„Elbjazz“ 20.000,00
Dubai-Jazzexport 37.800,00
Gesamt 1.011.500,00
Was ist für die Zukunft geplant?
• Z.B. der Ausbau des Jazzexports nach Dubai.
• Oder die Entsendung von Hamburger Jazzern nach Shanghai im Rahmen der Ex-po2010.
Keine Idee aber zu den von Haus aus Jazz affineren Partnerstädten wie Chicago, Prag, Marseille oder St. Petersburg.
Zum Thema Jazzvermittlung:
„Die Erfahrung der zuständigen Behörde bestätigt, dass Veranstaltungen mit hoher Medienpräsenz öffentliche Aufmerksamkeit und damit auch Publikumsresonanz erzielen, die eine kleinteilig organisierte lokale Szene nicht erreichen kann. Die auf diese Weise neu geschaffene Aufmerksamkeit kommt der Szene insgesamt zugute.“
Heißt das nicht schlicht weg: Festivals?!?
„Die zuständige Behörde wird auch weiter auf erfolgreiche Maßnahmen der Musikvermittlung setzen, die zum Beispiel das Publikum dort „abholen“, wo es sich bereits aufhält: Sei es mit dem Jazztrain in der U-Bahn, sei es in Planten un Blomen, wo das Jazz Open Air die Spaziergänger am Wochenende anlockt. Mit dem Festival Elbjazz wird in diesem Jahr der von Touristen und Einheimischen gern besuchte Hafen erstmalig zum Ausflugsziel auch für Jazz-Interessierte.“
Sehe ich als Widerspruch zu:
Es ist „anzunehmen, dass in vielen Clubs, die auf den ersten Blick nicht als Jazzclub wahrgenommen werden, mittlerweile Programmschienen für Jazz vorhanden sind“.
Entweder ist niemand in den Clubs oder es sind Leute in den Clubs, wo man dann doch abwägen könnte/ müsste, warum man dort hingehen sollte, wo das Publikum sich bereits aufhält.
Zur Info:
Allein die drei definitiven - weil namentlich Jazzclubs heißenden - Spielstätten „Cotton-Club“, „Jazzclub Birdland“ und „Jazzclub im Stellwerk“ haben in 2008 zusammen 661 reine Jazz-veranstaltungen durchgeführt – im Übrigen ohne eine Geheimnis daraus zu machen, denn es war in ihren Programmen zu lesen.
Abzgl. eintrittsfreier Sessions waren es gar 580 kostenpflichtige Jazzkonzerte. An Eintritt wurden zusammen ziemlich genau 283.587,- € gemacht, was statistisch einem abendlichen Durchschnitt von 489,- € oder - nähme man mal einen recht hohen Durchschnittseintritt von 9 Euro an – ca. 55 Besuchern je Konzert entspräche.
Reine Privatkonzerte sind es also nicht.
Diese Clubs holen das Publikum nicht ab. Es kommt sogar zu ihnen. Das mediale Problem wiederum ist ein anderes.
Die genannten Clubzahlen könnten sich ja fast schon positiv lesen mögen. Man muss aller-dings festhalten: in diesem Zeitraum haben allein die drei Clubs an Musikerzahlungen (ohne GEMA und KSK) ca. 277.000 € an „Gagen“ oder Entgelten weiter gegeben, was einem Anteil von fast 98 % der Abendkasseneinahmen entspricht. Da bleibt auf gut Deutsch nichts über.
Genau diese Zusammenhänge werden nicht ansatzweise thematisiert und scheinen nicht bewusst zu sein (andererseits sind sie genau eine der Grundlagen der öfter aufgeführten Clubförderung (LiveConcertAccount / Clubstiftungsmodell).
Statt dessen:
„Auftrittsmöglichkeiten für Jazzmusik auf höchstem Niveau und, damit einhergehend, die Förderung von Künstlerinnen und Künstler von internationalem Rang beruhen auch in Ham-burg auf dem Engagement risikofreudiger privater und städtischer Konzertveranstalter.“
Daran soll auch nichts geändert werden:
„Eine spezifische Förderung von Jazz-Spielstätten ist in nächster Zeit nicht geplant.“
Ebenso dubios:
„Der zuständigen Behörde liegen keine Erkenntnisse darüber vor, ob aufgrund des bundes-gesetzlich geregelten Steuerabzugs (sog. Ausländersteuer) die Tourneen großer internationaler Musikerinnen und Musiker zunehmend an Deutschland vorbeigehen.“
Korrekt wäre: keine Erkenntnisse und kein Interesse!
Resümee:
Alles in allem also nicht neues im Jazz und in Hamburg. Besonders bedauerlich – und man muss es so benennen – ist die Rolle des Hamburger Jazzbüros dabei. Ihr hattet lediglich eine Frage mit dem Jazzbüro verbunden, bekommt aber der Antworten reichlich.
So teilt der Senat mit:
„Vor allem versteht sich das Jazzbüro aber als Netzwerk: Im Zentrum aller Aktivitäten steht die Förderung des lokalen, nationalen und internationalen Austauschs zwischen Musikern und die Kontaktpflege zu anderen Institutionen. Neben der täglichen PR-Arbeit reprä-sentiert das Jazzbüro Jazz aus Hamburg auf internationalen Plattformen wie beispielsweise der Jazzahead, dem Dutch-Jazz-Meeting oder den Fachtagungen des Radio Jazz Research.“
oder
„Perspektivisch will das Jazzbüro den Jazz in und aus Hamburg räumlich und zeitlich noch stärker ausdehnen. Bereits 2009 startete die enge Zusammenarbeit mit Schweden über die Institution „Musik i Syd“ und dem Posaunisten Nils Landgren. Langfristig soll dieser internati-onale Bandaustausch in eine breit angelegte Reihe unter dem Logo „Hansejazz“ münden. Ferner arbeitet der Verein aktiv daran, andere Kultursparten verstärkt einzubinden. Im Herbst 2010 startet u.a. eine Reihe im Deutschen Schauspielhaus, in der Jazz, Theater und Hör-spiel den Schwerpunkt bilden. In Kooperation mit dem NDR und dem Schauspielhaus wird es im Februar 2011 außerdem ein mehrtägiges Festival unter diesem Motto geben. Um eine größere Lobby für den Jazz zu generieren, wird der 2009 gegründete Freundeskreis „JazzCity Hamburg“ weiter vom Jazzbüro gepflegt.“
oder
„Das 1996 gegründete Jazzbüro Hamburg, dem Journalisten, Veranstalter, Musiker und Jazzliebhaber angehören, steht für den zeitgenössischen Jazz in und aus Hamburg. Das übergeordnete Ziel des gemeinnützigen Vereins ist, den Stellenwert Hamburgs als kulturellen Standort für Jazz zu heben und zu stärken. Für seine Arbeit hat der Verein eine Geschäftsführung engagiert, die auf 18-Stunden-Basis freiberuflich das Büro und den Verein leitet.“
Nun gibt es also bald 15 Jahre das städtisch geförderte Hamburger Jazzbüro und im Grunde ist alles nach wie vor schwammig, unklar und eben gar nicht vernetzt. Und zugleich zeigt es: die wirkliche Schwachstelle liegt in der Hamburger Jazz-Szene selbst. Das ist eine der traurigen Wahrheiten.
Denn wenn nicht hier, wo sonst hätten die Besonderheiten des Genres Jazz aufgezeigt werden können und müssen?
Kurzum: alle Antworten sind weit von einem ernstzunehmenden „Fokus Jazz“ entfernt.
Grüße,
Heiko Langanke
- 09 Mar 2010, 09:32 am
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Heiko Langanke Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^3: Bürgerschaftsanfrage zum "Jazz in Hamburg" - die Antwort
Der Jazz-Musiker-Verband "JazzHaus Hamburg e.V." hat nun einen offenen Brief an den Senat mit einer Stellungnahme zum "Jazz in Hamburg" abgegeben:
"Offener Brief an den Senat der freien und Hansestadt Hamburg
Sehr geehrte Damen und Herren,
Ihre offiziellen Antwort auf die große Anfrage zur Situation der Jazzmusik in Hamburg kann vom Verband
Hamburger Jazzmusiker »JazzHaus Hamburg« nicht unkommentiert hingenommen werden. Deshalb folgt in
Kürze unsere Darstellung der Situation, die durchaus als Kritik an Ihrer sehr einseitigen und beschönigenden
Beschreibung des Themas »Jazz in Hamburg« und Ihrer offensichtlichen partiellen Unkenntnis (»Der Senat
hat sich hiermit nicht befasst.«) verstanden werden darf. In einer Studie von Roland Berger in 2007 zur
Talentstadt Hamburg heißt es: »Die Politik ist für die Bedeutung von kreativer Vielfalt und Kreativwirtschaft
bei der Umsetzung von politischen Entscheidungen stärker zu sensibilisieren.« Das möchten wir hiermit versuchen.
Scheut Hamburg seit der Roland Berger Studie in 2007 ein wenig das Benchmarking mit anderen Städten
und geht deshalb auf den Vergleich mit Städten wie Paris, London, Kopenhagen und Amsterdam und auch
deutschen Städten wie Berlin, Köln und München erst gar nicht mehr ein? (bezieht sich auf Antwort 2: »Die
Jazzmusikszene Hamburgs weist Ausprägungen auf, die denen anderer großer deutscher Städte vergleichbar
sind. Im übrigen hat sich der Senat hiermit nicht befasst.«) Ein ernsthafter Vergleich hierbei wäre auch sofort
verloren, weil alle der genannten europäischen Städte eine florierende Jazz- und Popularmusikszene von
Weltruhm und eine exzellente Ausbildung an den jeweiligen Musikhochschulen und Konservatorien haben.
Aber wozu nach den Sternen greifen. . . Ganz im Gegenteil vergleicht sich Hamburg bei der Rechtfertigung
der geringen Größe des Jazzstudiengangs an der HfMT (ca. 34 Studenten) lieber mit Bremen und Hannover
(nicht mit Berlin und Köln, was der Einwohnerzahl nach angemessener wäre). Allerdings geht hierbei
die Rechnung auch nicht wirklich auf, da Hamburg von 700 gesamten Studienplätzen mit 34 Jazzstudenten
lediglich einen Anteil von 4,86% Jazz- und Popularmusikstudenten hat. Bremen liegt hier bei 7,45% (35 von
470) und Hannover bei 7,5% (90 von 1.200) [Quelle: Jazzinstitut Darmstadt].
In Antwort 4 wird die Bedeutung des Jazz in Hamburg auf die 1,7% am bundesweiten Gesamtumsatz der
Phonoindustrie beschränkt. Jazz ist allerdings eine Live Musik und seine Szene ein musikalischer Kreativpool.
Die Kennzahl “Umsatzanteil am Phonomarkt” ist deshalb wenig aussagekräftig für die Bedeutung innerhalb
der Stadt. Das Umwegrentabilitäten in allen Kulturbereichen und auch beim Jazz eine sehr große Rolle
spielen, muss hier erwähnt werden. Aber Hamburg fördert doch Live-Clubs. Der »Live Concert Account«
wird erfreulicherweise mit 150.000 € ausgestattet. Lediglich die drei Jazzclubs (Cotton Club, Birdland und
Stellwerk) profitieren allerdings von diesem Fonds, aber auch nur zu einem sehr geringen Teil, da die Clubs sehr
klein sind und die GEMA Abgaben in Relation zu Knust, Übel & Gefährlich und Molotow kaum nennenswert
sind. Ein Interesse und eine wirklich nachhaltige Förderung der Kunstform Jazz ist dadurch nicht einmal
annäherungsweise abzusehen. Zumal sich Jazz diesem Fall wieder einmal mit Popularmusik konkurrieren
muss, die inhaltlich und wirtschaftlich ganz andere Ansprüche verfolgt.
Selbstverständlich sind die Grenzen zwischen Jazz und Pop fließend und nicht genau abzugrenzen. Das heißt
aber nicht, dass man ein Genre einfach übergehen darf. Jazz ist eine eigenständige Kunstform, die eines
gewissen Respekts und einer Wertschätzung bedarf und nicht als 1,7% am Gesamtumsatz abgetan werden
kann. Städte wie Köln, Dortmund und München machen hierbei einen sehr guten Anfang mit der Förderung
von Stadtgarten, Domicil und der Unterfahrt. Demgegenüber wird ein ebenso bundesweit und international
renommierter Hamburger Club wie das Birdland keine Chance haben, wenn der ehrenamtliche Betreiber
Dieter Reichert eines Tages in den »Club-Ruhestand« geht. Kleine Clubs, wie es die meisten Jazzclubs
sind, funktionieren finanziell leider vollständig anders und eine Gewinnabsicht kann ihnen eigentlich niemals
unterstellt werden, solange sie nicht die Musik als Kunstform vernachlässigen wollen. Genau hier muss eine
Förderung ansetzen und nachhaltig die schon seit Jahrzehnten geleistete Arbeit wertschätzen und unterstützen.
Dabei ist der »Live Concert Account« für Jazzclubs nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.
Jazz ist vor allem um eine Musik, die mit und vom Publikum lebt. Und das Publikum interessiert sich zahlreich
für diese Musik und all seine vielfältigen Verzweigungen, das zeigen die 580 Veranstaltungen, die die
drei Hamburger Clubs (Cotton Club, Birdland, Stellwerk) schon allein im letzten Jahr präsentiert haben. Die
schwierige wirtschaftliche Lage der Jazzclubs ist kein Zeichen für eine zu geringe Auslastung oder ein mangelndes Interesse des Publikums, sondern Resultat einer Vielzahl struktureller Veränderungen in den letzten
Jahren [vgl. (Über-)lebenkunst Live-Club (Michael Langkamp)/ Grin 2010]. Dem Publikum ist es nach wie
vor ein gesellschaftliches Bedürfnis ist, sich mit inhalts- und anspruchsvoller Musik auseinanderzusetzen.
»Die zuständige Behörde hat die allgemeine Förderung von Übungsräumen für die Pop- und
Jazzszene 2003 eingestellt, unter anderem weil die Nachfrage nach Mitteln zum Ausbau und zur
Herrichtung in den vorangegangenen Jahren stetig abgenommen hatte. [...] Mit Wirkung vom 1.
März 2010 wird auch die Kreativagentur bei der Vermittlung von Übungsräumen unterstützend
tätig sein können.«
Die bedauerliche Tatsache, dass die Nachfrage abgenommen hat, liegt allerdings ganz sicher nicht daran,
dass es keinen Bedarf gibt, denn der ist nachweislich größer denn je; vor allem in Stadtteilen wie Eimsbüttel/
Sternschanze / St. Pauli sind unzählige dort wohnende Musiker auf der Suche nach geeigneten Proberäumen
und Studios ebenso wie Künstler auf der Suche nach Ateliers sind. Aber das Leerstandsproblem wurde von den
Initiativen um das Gängeviertel und NIONHH bereits ausgiebig diskutiert. Es bleibt jedenfalls zu anzumerken:
Bei den vielen Proberäumen und Studios ergeben sich ähnliche Kostenprobleme aufgrund von Wärmedämmung, Immissionsbestimmungen (Lautstärke), etc. wie bei Live Clubs, so dass es ganz sicher keine positive Entwicklung für die gesamte Hamburger Musikszene ist, dass jegliche Übungsraumförderung eingestellt wurde.
Ein Übungsraum für einen Musiker ist wie ein Atelier für einen Künstler. Es ist ein Arbeitsraum in dem
sich viele Musiker täglich mehrere Stunden aufhalten. Übungsräume in stinkigen Kellern oder verschimmelten
unbeheizten Bunkern teilweise zu horrenden Mietpreisen (10€ pro m2 und mehr) oder gar hohen Stundenmieten
stellen eine unwürdige, unangemessene und verbesserungswürdige Arbeitssituation dar.
Aktueller Jazz ist weit entfernt von reiner Unterhaltungs- und Tanzmusik und hat sich in den letzten Jahrzehnten
zu einer Kunstform entwickelt, in denen Musiker technisch und musikalisch höchste Ansprüche verwirklichen.
Aufgrund dieser höchsten Ansprüche sind all diese Musiker eben genau so exzellent ausgebildet,
dass sie darüber hinaus in den verschiedensten Popular- und Kunstmusikgenres agieren können und das auch
tun. Jazzmusiker von der HfMT und aus der Hamburger Szene sind bei allen großen Hamburger Musicalproduktionen zahlreich zu finden, sowie in Projekten der »Neuen Musik« und ebenso in Popbands wie Jan Delay, Fettes Brot, Rosenstolz, etc. Prof. Kerschek, Leiter der Fachgruppe Jazz an der HfMT, arrangiert für
Barbara Schöneberger, Annette Louisan, Roger Cicero, uva. Nicht zuletzt deswegen ist es unmöglich Jazzmusiker
von anderen Musikern klar abzugrenzen. Eine solche Grenze kann und darf es gar nicht geben, weder bei
der KSK noch sonst irgendwo. Ein Jazz-Artist finanziert sich in der Regel durch einen Einkommensmix aus
musikpädagogischen Tätigkeiten, Orchesterarbeit bei Shows, Bigbands u.ä., Projektverträgen für verschiedene
Produktionen und Touren und Konzerten eigener und fremder Bandprojekte. [vgl. “Selbstmanagement für
Jazzmusiker” (Roman Schuler)/ KMM 2008].
Die Bezeichnung einer »musikalischen Instrumentalelite« wäre gegenüber den zahlreichen großartigen im Popund Rockbereich ausgebildeten Musikern aus Hamburg vermessen, aber man kann mit Sicherheit sagen, dass Jazzmusiker ein technisches und musikalisches Niveau haben, dass es ihnen ermöglicht Akteure in verschiedensten Genres zu sein weil sie ein enormes kreatives Potential bündeln. Auch für die musikpädagogische Arbeit und den musikalischen Nachwuchs ist es sehr wichtig Instrumentallehrer auszubilden, die Popularmusik kompetent und stilsicher unterrichten können, denn das beste JeKi Projekt nützt nichts, wenn die Instrumentallehrer ihre Instrumente nur auf Amateurniveau beherrschen. Musiker, die aktiv ihre Kunst ausüben und gelebte Erfahrung weitergeben können, sind letztendlich immer die besseren Lehrer. Darum ist es für eine “Musikmetropole” unerlässlich grade in diesem Bereich eine ausgezeichnete Ausbildung und Förderung der Szene zu garantieren um auch weiterhin im gesamten Popularmusikbereich ein hohes qualitatives und vor allem innovatives Niveau mit ausgezeichneten Musikern halten zu können. Deshalb ist es bitter nötig die Kunstform Jazz an sich stärker zu unterstützen um die Szene kreativ und inhaltlich zu stärken.
Die Veränderungen der Musikindustrie im letzten Jahrzehnt gehen vor allem zu Lasten der kleinen Labels.
Zahlreiche Jazzlabels fallen hierunter. Die Promotion- und Marketingfunktionen, die ein Label mit Hilfe seiner
Netzwerke für einen Jazzmusiker hierbei übernommen hat, fallen somit also bis auf wenige Ausnahmen weg.
Produktionen und Veröffentlichungen an sich sind im Jazz um einiges kostengünstiger und unkomplizierter
als in der übrigen Popmusik und werden ohnehin schon in der Regel von den Musikern selbst übernommen.
Aber um Auftritte zu aquirieren müssen immer wieder neue Veröffentlichungen publik gemacht werden und
kompetent beworben werden um bei den Veranstaltern wahrgenommen zu werden: eine Aufgabe, die mit
der notwendigen Professionalität kein Musiker selbst übernehmen kann. Ein professionelles nationales und
internationales “Exportbüro”, zur Promotion und Vermarktung für Jazz aus Hamburg, würde nicht nur den
Musikern helfen ihre Veröffentlichungen besser publik zu machen und dadurch auch noch Auftritte zu generieren,
sondern würde auch die Aussendarstellung der Stadt Hamburg für einen wichtigen Teilbereich der
“Musikmetropole” verbessern. Das Herr Langners guter Markenname an dieser Stelle ausreicht ist wohl eher
Wunschdenken. Auch eine bessere Vernetzung der eigentlichen Szene mit dem NDR könnte hier schon wichtiger
Faktor sein. Die für derartige Aufgaben geförderte Hamburger Institution wird allerdings voraussichtlich
für solche Aufgaben nicht geeignet sein.
An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Unterstützung des neuen »Elbjazz« Festivals besonders begrüßt wird
und sich das Festival hoffentlich als feste Institution in der Hamburger Kulturlandschaft etablieren kann.
Einzel- und Leuchtturmprojekte, wie der Austausch mit Dubai und Shanghai, sind allerdings unserer Meinung
nach bestenfalls »nett« und haben mehr mit Stadtmarketing als mit Kulturförderung zu tun. Das Geld hätte
wesentlich nachhaltiger investiert werden können.
Auf die Antworten bezüglich Fragen zum Jazzbüro und zur HfMT soll an dieser Stelle nicht weiter eingegangen
werden, da die Antworten z.T. von den Institutionen selbst geschrieben wurden, stark subjektiv und
voller Worthülsen sind (»Perspektivisch will das Jazzbüro den Jazz in und aus Hamburg räumlich und zeitlich
noch stärker ausdehnen.«). Die Institution Jazzbüro, eine an sich gute Idee, hat sich strukturell sehr weit
von seiner ursprünglichen Konzeption entfernt und ist leider, allem Engagement in Ehren, kein Sprachrohr
der Hamburger Jazzszene (auch wenn das in den Selbstdarstellungen gerne so dargestellt wird), sondern
lobbyistisch schwach aufgestellt und szenefern, was schon allein an der Anzahl und Zusammensetzung der
Vereinsmitglieder auszumachen ist.
Handlungsbedarf für den Hamburger Jazz gibt es also konkret bei der Instrumentalausbildung (HfMT), in
der Wertschätzung und Förderung von etablierten Spielstätten (Birdland, Cotton Club, Stellwerk) und bei
der Unterstützung der Musiker sich zu vermarkten und Konzerte zu aquirieren, sowie der Verbesserung der
Proberaumsituation. Es fehlt also an Infrastrukturförderung an der richtigen Stelle, die nicht einmal teuer sein
muss. Sie muss aber zuerst einmal überhaupt gewollt werden. Will die Stadt Hamburg eine angemessene,
florierende und kreative Jazzszene?
Alles in allem läuft es offenbar darauf hinaus, dass der Senat dem Thema Jazz offenbar keinerlei Bedeutung
abgewinnen kann und deshalb auch kein Interesse hat sich damit zu beschäftigen. (»Hiermit hat sich der Senat
nicht befasst.«) Jazz wird als eine Art Nischengenre für Randgruppen und Individualisten angesehen. Das es
ein integraler Bestandteil in der Musiklandschaft an der Schnittstelle zwischen Pop, neuer Musik und sogar
Klassik ist und eigentlich eine instrumentaltechnische, musikalische (harmonische) und kreative Grundlage
bildet für fast jegliche Popularmusik des 20. Jahrhunderts, wird hierbei übersehen. Da eine weiterführende
nachhaltige Förderung aber offensichtlich nicht einmal in Ansätzen geplant ist, wird sich auch durch den oft
angeführten Haushalt 11/12 nichts ändern mit fatalen Folgen für die Szene der Stadt Hamburg - die weiterhin
kämpfen wird um ihre Musik spielen zu können, aber aus der die guten Musiker vielleicht doch lieber nach
Berlin ziehen (?) - und mit fatalen Folgen für die “Musikmetropole”, denn die muss das Potential des Jazz
erst noch hinter den Glasfassaden der Elbphilharmonie suchen und für sich entdecken und wir hoffen, dass es
dann nicht bereits zu spät ist, denn gehandelt werden muss jetzt.
Mit freundlichen Grüssen
Dirk Achim Dhonau / Michael Langkamp
Vorstand JazzHaus Hamburg e.V."
Quelle:
http://www.kultur-port.de/index.php/kunst-kultur-news/1637-o...
- 14 Apr 2010, 09:26 am
-
Heiko Langanke Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^4: Bürgerschaftsanfrage zum "Jazz in Hamburg" - die Antwort
und hier Stellungnahme des Fördervereins Jazzclub im Stellwerk e.V.:
"Zur Senatsantwort zum Thema „Jazz in Hamburg“ von Ende Februar 2010:
Der Hamburger Jazz ist keine Privatsache!
eine Stellungnahme aus Sicht eines Jazzclubs
Hamburg, den 14.4.2010
Die offizielle Antwort des Senats zur „Großen Anfrage“ der Bürgerschaftsfraktion der SPD zum Thema „Jazz in Hamburg“ veranlasst uns, eine Stellungnahme aus Sicht eines der drei definitiven - weil namentlich so benannten - Jazzclubs dieser Stadt abzugeben.
Denn ein wesentlicher Satz der Senatsantwort lautet:
„Auftrittsmöglichkeiten für Jazzmusik auf höchstem Niveau und, damit einhergehend, die Förderung von Künstlerinnen und Künstler von internationalem Rang beruhen auch in Hamburg auf dem Engagement risikofreudiger privater und städtischer Konzertveranstalter.“
Dem widersprechen wir unsererseits entschieden.
Weder sind wir „risikofreudig“ noch halten wir uns für „private Veranstalter“.
Andererseits: was bleibt einem anderes als privates Risiko, wenn man es mit dem Jazz in Hamburg ernst meint?
Wir – der Förderverein Jazzclub Stellwerk e.V. – haben im Herbst 2005 eben diesen Jazzclub eröffnet - und dann noch auf der „falschen Seite“ des Flusses - mit klar definierten Zielen:
- einen Raum zu schaffen, der Jazzer und Jazzinteressierte zusammenführt
- dem Nachwuchs und außergewöhnlichen Projekten einen Raum und Publikum
gibt, sich darzustellen
- einen Raum zu schaffen, der neugierig macht und den Jazz in Hamburg angemessener
vertritt
Dafür war der Raum „Stellwerk“ als alter Saal bestens geeignet, da er von BigBandbis Jazz&Tanz, Jazz&Malerei, Jazz&Film oder simpel „typisches“ Jazzkonzert viele Möglichkeiten eröffnet, eine für den Jazz wichtige Eigenakustik mitbringt (da Jazz ja in weiten Teilen eine akustische Musik ist) und zudem bezahlbar war. Nördlich der Elbe hätten wir im Konkurrieren mit gewerblichen Bietern nicht mithalten können. Zudem konnten wir vergleichsweise unkompliziert Auflagen des Brandschutzes, der typisch Hamburgischen Stellplatzabgabe oder des Lärmschutzes erfüllen, die wesentliche Hürden darstellen.
Mittlerweile gehören dem Verein neben etlichen fördernden Mitgliedern auch gut 25 ehrenamtliche aktive Helfer an, die gut 3.500 bis 4.000 Arbeitstunden im Jahr völlig unentgeltlich leisten, aber auf professionellem Niveau arbeiten.
Insgesamt veranstalten wir als steuerlich gemeinnützig anerkannter Verein gut 120-140 reine Jazzkonzerte im Jahr – bei 2 Monaten Sommerpause. Um das finanzielle Risiko begrenzt zu halten, ist die Risikoteilung zu Lasten auftretender Jazzer bedauerlich fester Bestandteil unseres Konzeptes. Man bekommt 60 bis 70% der Eintrittseinnahmen.
Läuft es gut, können schon mal 600-700 Euro an die Band gezahlt werden. Läuft es schlecht, sind gerade mal die realen Spritkosten von vielleicht 70-80 Euro zu erstatten. Nichts desto trotz spielen viele Jazzer in Selbstausbeutung bei uns, weil man in Metropolen wie Hamburg eben spielen will und weil viele auch unsere
Idee unterstützen und ein aufgeschlossenes Publikum suchen.
Daher sehen wir weder unsere Arbeit noch die der Jazzmusiker als eine „reine Privatsache“.
Die Kosten unserer Arbeit sind trotz ehrenamtlicher Arbeit kein Pappenstiel, denn - die GEMA veranschlagt Ihre Berechnungen nach Raumgröße und selten nach realen Einnahmen.
- Hotel und Werbekosten fallen ebenso an wenn es mal leer ist und
- Miete will auch in der Sommerpause gezahlt werden
- weitere Fixkosten von rund 3.500 Euro im Monat entstehen durch nötige Arbeiten wie Flügelstimmung, Instrumentwartung, Websitegestaltung, Flyer- und Plakatdruckkosten, kostenintensive Plakathängung, Buchhaltung, Finanzamtserklärungen etc.pp.
Der gastronomische Teil trägt zwar einen Teil zur Refinanzierung bei, macht aber ebenso gesetzlich wie fiskalisch viel Arbeit und ist nie das Hauptbestreben des Jazzvereins gewesen. Unser inhaltliches Ziel war und ist es ein Club zu sein, der inhaltlich – also musikalisch - überzeugt und damit zwangsläufig auch irgendwann gut besucht sein sollte.
Realistisch müsste eine Eintrittskarte aber gut 25,- € kosten. Real kostet sie bei uns selten und maximal 15,- €, gerade weil wir ein breites Publikum interessieren wollen und dies bei höheren Eintrittspreisen kaum ansprechen könnten.
Die Anmerkung des Senats aber, dass dies reine Privatsache sei, wirft zwangsläufig die Frage auf, ob man dieses Ziel dann überhaupt weiter verfolgen sollte oder kann. Denn reale Musikvermittlung wird hier offenbar nicht gewürdigt oder gar gesehen. Ebenso ist es eines unserer Ziele, regionalen oder jungen nachwachsenden Jazzern einen Raum für Experimente oder neue Projekte bieten zu können, die von Haus aus weniger Publikum ansprechen (können), da sie ja oft noch gar keinen höheren Bekanntheitsgrad haben. Oft bekommen wir zudem Anfragen, ob man im Stellwerk nicht auch proben könnte. Beides ist wirtschaftlich nicht darstellbar und nur und ausschließlich ehrenamtlich leistbar. Der Bedarf aber z.B. an Proberäumen besteht in weitaus größerem Ausmaße als dem Senat offenbar bekannt ist.
Angesichts der Senatsantwort stellen wir uns durchaus die Frage, ob die selbst eingeleitete ehrenamtliche Arbeit nicht früher oder später zu einer Art Kultur-Dumping führt. Denn die kulturelle Arbeit (Booking, Werbung, kulturelle Impulse zu setzen) wird in anderen Genres durchaus bezahlt – nur im Jazz quasi völlig umsonst geleistet.
Es scheint offenbar dazu zu führen, dass man es als selbstverständlich und eben als Privatsache hin nimmt, dass im Jazz alles für kleines Geld und auf privater Ebene möglich ist. Uns hingegen scheint es nicht normal, ohne Entgelt Abendkassen, Buchhaltung, Gastronomie zu führen, während andernorts hoch qualifizierte Kräfte beschäftigt werden. Die gesetzlichen Anforderungen sind im Übrigen die gleichen.
Die Fakten zum Jazz in Hamburg sprechen nicht gerade für eine positive Entwicklung. Hamburg ist die zweitgrößte Stadt der Republik, mit über 1,7 Millionen Einwohnern, einem mindestens noch mal so großem Einzugsgebiet und Tausenden von Tagestouristen, die wohl am ehesten in großen Metropolen ein angemessenes Angebot an Jazz als einer durch und durch urbanen Musik erwarten dürften. Erfahren können sie
von all dem wenig. Es gibt einen Jazzstudiengang, der in den 80er Jahren und nach Köln überhaupt das Studium des Jazz in Deutschland ermöglichte. Er ist nie gewachsen und heute das Schlusslicht deutscher Jazzstudiengänge. Selbst der vom Senat gestellte Vergleich mit Städten wie Hannover und Bremen ist völlig indiskutabel. Nur mit Dinkelsbühl scheint er uns möglich – Kreisstadt versus Musikmetropole …
Clubs gab es immer wieder in Hamburg – klein, stickig und ein wenig improvisiert im Mobiliar – das „Tube“ nach dem 2. Weltkrieg, die Riverkasematten, den Cotton-Club, das legendäre „Onkel Pö“ – auch dies trotz Legendenbildung aufgrund schlechter Finanzen letztlich geschlossen worden - , das Circle und das Birdland. Heute gibt es noch drei Jazzclubs und der ein oder andere Club lässt auch mal Jazz spielen. Tendenz
abnehmend, Aussichten trüber denn je. Denn 50 Jahre Cotton-Club und 25 Jahre Birdland sind engstens verbunden mit den Initiatoren – eben Menschen, die mit privater Arbeit, private Engagement und Geld das Bild vom Hamburger Jazz über weite Teile hin geprägt haben.
Es gab ein großes Jazzport-Festival, direkt am Hafen und mit Stars wie dem damals gerade aufstrebenden Jamiroquai oder Billy Cobham. Es gab ein eigenes Jazzradio und es gab einen Arbeitskreis Jazz der damals noch in Hamburg ansässigen Musikindustrie. Sie alle hatten ihr Publikum aber nicht ihr Auskommen.
All das findet sich in der Senatsantwort zum Themas „Jazz in Hamburg“ nicht und wie es scheint, hat diese Stadt weder ein Geschichtsbewusstsein für den Hamburger Jazz noch misst sie ihm einen eigenen Stellenwert zu.
Jazz wird hier nicht nur zur Privatsache erklärt, sondern auch zur Luxusangelegenheit einiger Jazzfans, denen vermutlich nicht zu helfen ist. Doch sollte die Stadt / der Senat ernsthafte Überlegungen anstellen, sich mit Musikvermittlung oder der Frage nach der Musikmetropole stellen zu wollen, können wir nur Folgendes empfehlen:
- es braucht gerade die kleinen Clubs für die kleinen Bands, um groß werden zu
können
- es braucht ein Verständnis für die non-kommerziellen Eigenarten des Jazzgenres
- es braucht an Wissen über Hintergründe und Motivationen der Jazzaktiven – sowohl auf Musiker als auch auf Clubseite.
Es ist wahr: all das soll/sollte über das seit bald 15 Jahren von der Kulturbehörde geförderte Jazzbüro gewährleistet sein. Ist es aber nicht, denn es fehlt selbigem an Anbindung sowohl an die Musiker als erst recht an die Clubs. Kein Grund und auch keine Entschuldigung aber für den Senat, sich selbst gar nicht mit dem Thema zu beschäftigen. Zumindest ist der angeführte „Fokus Jazz“ vor dem Hintergrund der Senatsantwort mehr als fragwürdig und es ist wohl nicht davon auszugehen, dass in den nächsten Haushaltsplanungen der Jazz eine andere Rolle spielen wird.
Der Vorstand und Fördervereins Jazzclub im Stellwerk e.V.
Heiko Langanke , Thomas Bernhold, Uwe Warneke"
- 14 Apr 2010, 12:02 pm
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Heiko Langanke Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Hamburger Abendblatt: Senat verärgert die Jazz-Szene
das "Hamburger Abendblatt":
"Hamburger Senat verärgert die Szene
Improvisierte Musik: Hamburgs Jazz hat den Blues
Von Tom R. Schulz
Ärger in der Kulturszene: Der Verein Jazzhaus Hamburg und der Jazzclub Stellwerk fühlen sich vom Hamburger Senat nicht ernst genommen.
Hamburg. Über 22 Seiten erstreckt sich die Antwort, die der Senat am 19. Februar auf eine Große Anfrage der SPD-Fraktion in der Bürgerschaft zur "Situation der Jazzmusik in Hamburg" gab (Drucksache 19/5141). Vertreter der Szene haben das Papier inzwischen studiert - und für höchst unbefriedigend befunden. Am Dienstag veröffentlichte der Verein Jazzhaus Hamburg einen offenen Brief an die Kulturbehörde, gestern legte der Jazzclub im Stellwerk mit einer Stellungnahme nach.
Der seit 1994 existierende Verein Jazzhaus, dem überwiegend Musiker angehören, bewertet die Lern-, Lebens- und Arbeitsbedingungen der Ausübenden dieser Kunstform weit weniger rosig als der Senat, der selbstgenügsam konstatierte: "Die Jazzmusikszene Hamburgs weist Ausprägungen auf, die denen anderer großer deutscher Städte vergleichbar sind." Tatsächlich ist das akademische Ausbildungsangebot seit Gründung des Studiengangs Jazz 1982 gleichbleibend gering - 34 Studenten -, die finanzielle Förderung von Klubs und Institutionen höchst überschaubar. Dankbar verlässt sich der Senat seit einigen Jahren auf private Förderer, vorrangig die Langner-Stiftung, die den Jazz in Hamburg durch Stipendien, den Hamburger Jazzpreis und ein starkes Engagement an der Hochschule unterstützt. "Bisher war es nötig, Musikerinnen und Musiker aus den USA oder inzwischen auch aus Skandinavien 'einzukaufen', um für Jazzklubs interessant zu sein. Inzwischen ist ein Stipendium der Dr.- E.A.-Langner-Stiftung zu einem solchen Qualitätsmerkmal geworden", heißt es in der Senatsdrucksache. Abgesehen davon, dass die behauptete Korrelation zwischen der Qualität eines Künstlers und seinen Auftrittschancen reichlich blauäugig anmutet: Auch für Stipendiaten bleiben die Möglichkeiten für Live-Jazz rar gesät und funktionieren überwiegend nach dem bewährten Prinzip der Selbstausbeutung - auf Eintritt spielen und ehrenamtlich Karten abreißen.
Auf diesen Umstand weist Heiko Langanke vom Jazzclub Stellwerk hin. Der als Verein organisierte Jazzklub auf dem Bahnhof Harburg bietet jährlich zwischen 120 und 140 Jazzkonzerte. Sein Hauptproblem aus Hamburger Sicht: die Lage. Aber "nördlich der Elbe hätten wir mit gewerblichen Bietern nicht mithalten können". Langanke und seine Mitstreiter stellen sich die Frage, "ob die selbst eingeleitete ehrenamtliche Arbeit nicht früher oder später zu einer Art Kultur-Dumping führt".
Dass die staatliche Förderung von Überäumen vor sieben Jahren eingestellt wurde, deutet der Senat als Reaktion auf mangelnden Bedarf seitens der Musiker. Das sehen die Jazzhäusler ganz anders. "Ein Übungsraum ist für einen Musiker wie ein Atelier für einen Künstler. Es ist ein Arbeitsraum, in dem sich viele Musiker täglich mehrere Stunden aufhalten. Übungsräume in schimmligen Kellern oder unbeheizten Bunkern - teilweise zu horrenden Mieten oder hohen Stundenmieten - stellen eine unwürdige, unangemessene und verbesserungswürdige Arbeitssituation dar."
Aus dem Brief der Musiker von Jazzhaus Hamburg e. V. spricht vor allem Verbitterung darüber, dass der Senat ihre Kunstform weder einzuordnen weiß noch angemessen wertschätzt: "Es läuft darauf hinaus, dass der Senat dem Thema Jazz offenbar keinerlei Bedeutung abgewinnen kann und deshalb auch kein Interesse hat, sich damit zu beschäftigen. Jazz wird als eine Art Nischengenre für Randgruppen und Individualisten angesehen." Den vom Staat mitfinanzierten Auftritt von sieben Hamburger Jazzbands beim Festival in Dubai im Februar findet der Verein "bestenfalls nett". Er moniert, das Geld hätte "wesentlich nachhaltiger investiert werden können". Die Senats-Unterstützung für das Elbjazz-Festival, das Ende Mai unter der Schirmherrschaft des Ersten Bürgermeisters vom Stapel läuft, wird vom Verein dagegen "besonders begrüßt".
Dafür stellt Jazzhaus e. V. das Existenzrecht des einst von ihm mit begründeten Jazzbüros Hamburg infrage, das von der Stadt jährlich mit 49 000 Euro unterstützt wird. "Es hat sich von seiner ursprünglichen Konzeption entfernt und ist kein Sprachrohr der Hamburger Jazzszene, sondern lobbyistisch schwach aufgestellt und szenefern." Teile und herrsche? Fürs Teilen der Szene braucht die Politik nicht zu sorgen. Das tut sie schon ganz allein."
Quelle:
http://www.abendblatt.de/kultur-live/article1458496/Improvis...
- 15 Apr 2010, 09:04 am
