Er wurde als Michel Francois Boland am 6. November 1929 im wallonischen Namur geboren und starb am 13. August 2005 in Genf an einem Krebsleiden.
Zudem wurde die wohl wichtigste Big Band auf europäischen Boden, die Clarke Boland Big Band wurde vor 50 Jahren von Gigi Campi begründet. Und vor 25 Jahren wurde eine Platte mit Texten des Papstes Johannes Paul des II mit Sarah Vaughan und einem Orchester unter der Leitung Lalo Schifrins veröffentlicht.
Es ist also Zeit etwas über Francy Boland, die Clarke-Boland Big Band und auch über Gigi Campi zu schreiben.
Francy Boland war ein begnadeter Arrangeur, von Jazzgrößen geschätzter Pianist und was wenige wissen, er spielte hervorragend Klarinette und wohl auch Trompete.
Nach seinem Studium am Konservatorium in Liege (Lüttich) arbeitete er in den 50er Jahre zunächst als Arrangeur in Paris für Musiker wie Fats Sadi. 1955 dann der Durchbruch. Chet Baker holte ihn als Pianist in sein Quintett und in New York arbeitete er als Arrangeur unter anderem für Count Basie.
Auch für den WDR in Köln war Boland tätig. Er schrieb Arrnagements für die Kurt-Edelhagen Big Band und kam dann auf der Hohe Straße mit Gigi Campi zusammen. Dieser erkannte Bolands Talent sofort und schlug ihm vor eigens eine Bigband für ihn zu gründen. Er nannte Namen wie Kenny Clarke, Sahib Shihab, Jimmy Woode oder Derek Humble. Alles Giganten, nicht nur zu dieser Zeit, sondern für alle Zeiten.
Francy Boland war nach Aussagen Campi's zunächst skeptisch, doch Campi war mit den richtigen Beziehungen und vorallem mit einer konkreten Vision ausgestattet und so wurde von Campi 1959 die Kenny Clarke / Francy Boland Bigband gegründet.
So blieb Francy in Köln und um ihn gruppierte Campi die besten Musiker aus Europa und den USA. Johnny Griffin, Eddie "Lockjaw" Davis, die traumhafte Saxophonsection um Derek Humble und Ronnie Scott (die Beste aller Zeiten?), Carl Drewo, Herb Geller, den unvergleichbaren Posaunisten Åke Persson , Jimmy Deuchar, Nat Peck an der Posaune, Eric van Lier, Dusko Goykovic ... Die Kaderschmiede des Bigband Jazz in den 60er Jahren war in Fahrt gekommen.
Zunächst war die Band eine "recording band" im Jahre 1961 erfolgte die erste Aufnahme
(„Kenny Clarke, Francy Boland and Company- The Golden 8“, Blue Note, mit Jimmy Woode, Carl Drewo, Dusko Goykovich, Derek Humble u. a.), erst 5 Jahre später im Jahre 1966 der erste Live Auftritt in Mainz bei der "SWF Jazz Session".
Der fulminante Auftritt im Ronnie Scott's in London 1969 wurde legendär. Die Band war auf Ihrem Höhepunkt und zugleich dem Höhepunkt des Bigband Jazz der 60er Jahre angekommen.
Die LP Aufnahmen "Jazz is Universal" (Atlantic records u.a. mit Zoot Sims und Benny Bailey), "At her Majesty's pleasure" (Black Lion 1969 u.a. mit Idriess Sulieman, Johnny Griffin und Kenny Wheeler) und die legendäre "Sax No End" (1967 auf SABA mit Eddie "Lockjaw" Davis) setzen bis heute die Standards in der klassischen Big Band Musik. Das Stück "sax no end" hat vielleicht den genialsten Saxophon Satz aller Zeiten.
Die Rhythmusgruppe Kenny Clarke, Jimmy Woode und Francy Boland war stets das Rückrat der Band und der Saxophonsatz mit dem genialen Satzführer Derek Humble Aushängeschild und zugleich dann die Archillesferse der Band. Denn als Derek Humble Anfang 1971 verstarb, war es um die Band geschehen. Es gabe zwar noch Aufnahmen wie "Change of Scenes" im Sommer 1971mit dem Gaststar Stan Getz, doch die Moral der Band war durch das frühe Ableben Derek Humble's gebrochen.
Nach 15 Plattenaufnahmen und vielen unvergesslichen Konzerten (Livemitschnitte aus dem Ronnie Scott's, aus Prag etc.) wurde sie 1973 aufgelöst.
Was war es was diese hervorragende Musiker aus aller Welt über Jahre immer wieder zusammen brachte?
Einerseits Campi's Organisationstalent, sein Gespür für das Richtige zur richtigen Zeit, sein Spirit, der sich auch auf die Band übertrug und andererseits die besonderen Arrangements von Francy Boland, die den Musikern auf den Leib geschrieben wurden. Hier konnte Boland nur für die Band und die Ewigkeit komponieren und arrangieren und nicht für kommerzielle Auftraggeber, Rundfunkorchester oder Schlagerstars.
So ist dieses epochemachende Phänomen CBBB ohne den Einen (Boland), wie den Anderen (Campi) nicht zu denken. Für den Jazz am Standort Europa sollte dies für Jahre das wichtigste Großereignis bleiben. Noch heute bekommen Zeitzeugen einen Glanz in den Augen, wenn sie von der Band berichten.
Was bleibt?
Viele Aufnahmen die z.T. auf dem sagenumwobenen Label MPS herauskamen und heute gesuchte Sammlerobjekte sind. Es gibt Re-Issues auf Vinyl und CD von Schema records (Edition "rearward"). Campi's Freund Luciano Cantone gibt zusammen mit ihm Neuauflagen in hoher Qualität heraus.
Es gibt auch Videos auf Youtube (s.u.) und noch einige Zeitzeugen, die man vielleicht im Campi am Dom trifft, wo Gigi Campi - auch als Gastronom eine Legende - bis vor einigen Jahren noch täglich präsent war. Vielleicht trifft man dort Wolgang Hirschmann, der für die Aufnahmen zuständig war oder Professor Heinz Bär, der die Platten-Cover gestaltete. Einige Memorabilia sind auch im Campi ausgestellt (hinten rechts im Schrank), wie auch die großartigen Fotografien von Chargesheimer, einem anderen von der Stadt Köln nicht wirklich gewürdigtem großen Sohn.
Und Gigi Campi ist noch da und wird am 6.11.2009 an Francy Boland denken und all die andern ...
Diskographie:
Im Fernsehen:
Platten:
This article was modified on 06 Nov 2009 at 08:04 pm.


