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  • Heiko Langanke
    Heiko Langanke    Group moderator
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    João Gilberto wird 80
    aus der "Welt":

    "Leicht wie die Sehnsucht
    João Gilberto, der Erfinder des Bossa Nova, wird 80 Jahre alt

    Es dürfte nur wenige Badezimmer geben, die für das Weltkulturerbe in Frage kommen. Dieses aber ganz bestimmt: Den gekachelten Geburtsort des Bossa Nova im brasilianischen Diamantina, wo die barocke Altstadt praktischerweise bereits Unesco-Schutz genießt. Dort, in der erbarmungslosen Akustik eines kleinen Bades, hat João Gilberto das entwickelt, was der gerade verstorbene Autor Marc Fischer in "Hobalala - Auf der Suche nach João Gilberto" "die Formel" genannt hat: "Eine Gleichung zwischen Gesang und Gitarre, Atem und Akkorden, mit der Gilberto aus jedem Lied einen Bossa Nova machen kann." Mitte der 50er war Gilberto zu seiner Schwester und ihrem Mann nach Diamantina gezogen - ein hochtalentierter Herumtreiber, der drauf und dran war, sein Genie mit zu viel Marijuana in die Luft zu blasen, auf der Flucht vor Depression und Erfolglosigkeit. Und auf der Suche nach einem Sound, den die Welt bald als Bossa Nova lieben lernen sollte.

    Tage- und monatelang soll Gilberto in diesem Bad Gitarre gespielt und gesungen haben. Als er wieder herauskam, brachte er dreierlei nach Rio zurück: Eine neue Art zu singen, einen neuen Gitarren-Rhythmus und zwei Songs als Vorführmodelle für den neuen Sound: "Ho-bá-lá-lá" und "Bim-Bom".

    Und noch etwas war neu, als Gilberto 1958 mit "Chega de Saudade", seiner ersten Single die leiseste Revolution der Musikgeschichte auslöste: Bossa Nova hatte einen Pop-Appeal, der das Lebensgefühl der brasilianischen Stadtjugend traf. Nach drei Alben, die bis heute in unerreichter Schönheit den Kanon des Bossa Nova abstecken, tat Gilberto 1962 das, was damals die meisten seiner Kollegen taten: Er reiste dem Welterfolg seiner Musik hinterher, trat beim berühmten Bossa-Nova-Konzert in der Carnegie Hall auf, blieb in den USA und nahm zusammen mit Stan Getz und Ehefrau Astrud "The Girl from Ipanema" auf. Spätestens nach "Girl from Ipanema" wollte auf einmal alles und jeder Bossa Nova sein, und vieles davon war bald nur noch Easy-Listening, ein gefälliger Hintergrund für Cocktail-Partys und das Warten im Fahrstuhl. Gilberto hat weder an der Verluschung dieser Musik Anteil gehabt, noch daran, wie die Musik in Brasilien sich entwickelte. Der Samba-Jazz einer jüngeren, um Klaviertrios kreisenden Generation brasilianischer Musiker kam bei Gilberto nicht gut an: "Ihr solltet lieber Rock'n'Roll spielen als diesen zurückgebliebenen Jazz." Und auch von einer Politisierung der Musik vor dem Hintergrund der in Brasilien aufziehenden Militärdiktatur (ab 1964) hielt er nichts: Protestsongs waren für ihn "demagogischer Quatsch".

    Gilberto blieb seiner Bossa-Nova-Formel treu. Er nahm weiter Musik auf, die so klang, als ob es so etwas wie Wut gar nicht geben könne. Ab den 80ern wurden die Abstände zwischen seinen Alben und den Konzerten immer größer, seine Musik von Mal zu Mal leiser. Beinahe so, als wollte er ausloten, wie still Bossa Nova noch geht. Hand in Hand damit wurde es um Gilberto immer einsamer und schräger. Wenn nur die Hälfte aller Geschichten stimmt, die um sein Eremitendasein in Rio kreisen, dann hat sich Gilberto seit gut zwei Jahrzehnten wieder freiwillig-unfreiwillig in eine Art ewiges Badezimmer begeben. Er soll Tag und Nacht Gitarre spielen. Die immer gleichen Songs, aber nur für sich selbst und die Wände seines Appartements."

    Quelle:
    http://www.welt.de/print/welt_kompakt/kultur/article13422711...
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  • Dietmar Hagen Horn
    Dietmar Hagen Horn    Premium Member   Group moderator
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    Re: João Gilberto wird 80
    Ein Mann eine Gitarre, hier die perfekte Version von Estate:
    http://www.youtube.com/watch?v=ZC19UZcqQwY

    Weltkulturerbe!