Jazz Forum @ Xing
Posts 1-2 of 2
-
Heiko Langanke Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Jonas Burgwinkel: Source Direct
aus der "Zeit":
"Jazz Swingt wie Hölle
Der 30-jährige Schlagzeuger Jonas Burgwinkel ist der deutsche Jazzmusiker der Stunde
Klapp. Verzögert schlägt das Pedal auf die Bass-Drum. Nachhall, Pause. Ratsch: Leicht hinter dem Beat fällt der Stick auf die Snare-Drum. Vier Takte lang gibt Jonas Burgwinkel einen Groove auf dem Schlagzeug vor: reduziert, einen vor sich hinschlurfenden Swing-Rhythmus andeutend. Dann steigt Niels Klein auf dem Tenorsaxofon ein. Er bläst kurze Motive, die sich nach und nach zu einer Melodie verbinden: Don’t Explain, die bittersüße Ballade aus dem Songbook von Billie Holiday – emotional, ohne banal zu sein, virtuos, ohne den Jazzklassiker technisch zu exekutieren. Die Stimmung wendet sich ins Helle, die Dynamik wird breiter, um am Schluss erneut beim Thema zu landen, das Niels Klein und der Trompeter Claus Stötter aber nur noch als Skizze umreißen. »Don’t Explain ist eines meiner Lieblingsstücke«, bekennt der 30-jährige Schlagzeuger.
Jonas Burgwinkel ist der deutsche Jazzmusiker der Stunde, Absolvent der Kölner Musikhochschule, vielfach preisgekrönt und unaufhaltsam unterwegs auf seinem Weg durch das Feld des aktuellen Jazz. Ein Schlagzeuger für alle Fälle, der überall dort gefragt ist, wo es darum geht, die rhythmische Grundlage selbst unter Spannung zu setzen, statt nur einen Groove abzuspulen. Für die lukrativen Jobs auf der großen Bühne oder im Popstudio kommt Burgwinkel eher nicht infrage.
Er arbeitet lieber mit Musikern, deren Spiel ihm seit Langem vertraut ist – mit dem Bassisten Robert Landfermann, dem Pianisten Pablo Held oder Niels Klein. Wie Burgwinkel sind auch sie Musiker der Kölner Szene und Alumni der Musikhochschule. »Wenn ich im Ausland spiele, werde ich oft als Berliner angekündigt«, sagt Burgwinkel. »Deshalb hat er vor zwei Jahren das Jazzkollektiv KLAENG gegründet, um den Fokus auf die Szene in Köln zu richten und auf die große Jazzgeschichte der Stadt zu verweisen, in deren Tradition sich auch Burgwinkel und Co. sehen. KLAENG hat sich zum Ziel gesetzt, die Zirkel der Eingeweihten aufzubrechen, in der eigenen Stadt eine Plattform zu schaffen, um sich in einem weiteren Schritt mit Kollektiven anderer europäischer Metropolen zu vernetzen.
Vier der sechs Musiker, mit denen Burgwinkel seine Debüt-CD Source Direct einspielte, gehören zum KLAENG-Kreis. Hinzugekommen sind der Trompeter Claus Stötter und der englische Saxofonist Julian Argüelles, um sich neuen Einflüssen zu öffnen. In den zehn Stücken des Albums stellt Burgwinkel eine Improvisationsmusik vor, die zeitgenössisch, variabel und variantenreich ist. Oft gräbt er sich in die amerikanische Jazzgeschichte, ohne jedoch die Perspektive eines jungen europäischen Musikers zu verlassen. Sein Jazz swingt wie Hölle, ohne die Moderne aus dem Blick zu verlieren. Und wenn am Ende der CD Björks Cocoon in der Version des Sextetts zur Hymne wird, öffnet Burgwinkel ein weiteres Fenster – hinein in einen wahrlich schillernden Kosmos aus Klang und Rhythmus.
Jonas Burgwinkel: Source Direct (Traumton/Indigo)"
Quelle:
http://www.zeit.de/2011/41/M-Burgwinkel
kaufbar bei
http://www.amazon.de/Source-Direct-Jonas-Burgwinkel/dp/B005K...
- 31 Oct 2011, 09:18 am
-
Post visible to registered members
