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  • Heiko Langanke
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    Spiegel: "Das Tenorsaxofon im Jazz"
    aus dem "Spiegel":

    "Tenorsaxofon im Jazz
    Zieh deine Waffe, ich blas dich um!

    Von Hans Hielscher

    Mal verhaucht und mal traurig, mal kraftvoll, mal ruhig, mal warm - der Klang, den ein Tenorsaxofonist herbeizaubert, ist so einzigartig wie ein Fingerabdruck. Kein Wunder, dass die selbstbewussten Meister des Instruments zu regelrechten Gladiatorenkämpfen gegeneinander antraten.

    "Das Beste, was Schwarze über ihre Seele gesagt haben, haben sie über das Tenorsaxofon gesagt." Der Satz stammt von Ornette Coleman. Der Avantgardist unter den Saxofonisten meinte damit wahrscheinlich seine afroamerikanischen Kollegen Coleman Hawkins, Lester Young, Sonny Rollins und John Coltrane - doch auch Weiße prägten den Klang des Instruments. Stan Getz etwa, dessen verhaucht-trauriger Ton phantastisch mit Bossa-Nova-Beats harmonierte.

    Den US-Vorbildern eiferten Tenorsaxofonisten in aller Welt nach. Der bekannteste Deutsche unter ihnen ist Klaus Doldinger, der am 15. Mai 75 Jahre alt wird: Klaus Doldinger verfügt über einen wunderbar-kraftvollen Tenorton. Er spielt außerdem Sopransaxofon, Klarinette und Tasteninstrumente. Das meiste Geld aber hat er als Komponist verdient: Von Doldinger stammen Dauerbrenner wie die "Tatort"-Melodie und die Filmmusiken zu "Das Boot" und "Die unendliche Geschichte". Diese Kompositionen arrangierte der immer noch jung wirkende Vollblutmusiker jetzt für die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz und seine Jazzrock-Combo Passport. Dieses "Symphonic Project" erscheint zeitgleich mit dem Passport-Album "Inner Blue" zu Doldingers Geburtstag. Gratulation!

    Ein Tenorsaxofonist der jüngeren Generation, der Berliner Ben Kraef, debütiert in der Plattenserie "Young German Jazz" mit dem Pianisten Rainer Böhm und den US-Amerikanern John Patitucci (Bass) und Marcus Gilmore (Drums). Er nennt deshalb seine CD "Berlin - New York". Erfahrungen in der US-Metropole machte Kraef, als er 2007 mit einem DAAD-Stipendium am New Yorker City College studierte und mit Stars wie Lalo Schifrin spielte. Ein wunderbar warmer Ton ist das Markenzeichen des deutschen Aufsteigers.

    Gladiatorenkämpfe zwischen Tenorsaxofonisten

    Der amerikanische Tenorsaxofonist Joshua Redman zählt zu den "jungen Löwen" - Jazzmusikern, die in den neunziger Jahren dem Bebop frisches Leben einhauchten. Nun nennt der britische "Guardian" Redmans aktuelles Quartett eine "postbob supergroup". "James Farm", die neue CD der Gruppe, integriert Soul- und Rockelemente in die Jazzstruktur. Joshua folgt dem Beispiel seines Vaters Dewey Redman, der ebenfalls Tenorsaxofon spielte und ständig neue Wege suchte. Der 2006 verstorbene Musiker hatte noch die Zeit der "tenor battles" erlebt, als Musiker wie Gladiatoren gegeneinander antraten und versuchten, sich mit ekstatischen Soli zu überbieten. "Ich musste eine Menge solcher Schlachten gegen aufkommende Rivalen durchstehen", erinnert sich der Veteran Sonny Rollins.

    Zu den Tenorsaxofonisten, die sich in Deutschland nach ganz oben spielten, gehört Johannes Enders. Der 44-Jährige ist auf rund hundert Platten zu hören - mit Jazzgrößen wie dem US-Schlagzeuger Billy Hart, aber auch mit den Elektro-Poppern vom Tied & Tickled Trio aus seiner bayerischen Heimatstadt Weilheim. Enders' neues Album "Billy Rubin" bringt akustischen Jazz in Quartett-Besetzung. Statt effektvoller Kraftmeierei kennzeichnet zu Herzen gehende Ruhe sein Saxofonspiel.

    Gleich vier Tenorsaxofonisten geben den Ton im Septett des Bassisten Henning Sieverts an. Ihr satter Sound erinnert an den Bläsersatz der legendären Bigband von Woody Herman. Der hatte die höher klingenden Altsaxofone durch tiefere "Tenors" ersetzt und damit den sogenannten "Four Brothers Sound" kreiert. Sieverts nennt sein erfreulich frisches Album "Four Tenors".

    "From Jazz to Funk and Back" (so der Untertitel) führt Pee Wee Ellis die Hörer der Doppel-CD "Tenoration". Das könnte kaum jemand besser tun als der 70-jährige Tenorsaxofonist: Die Funk-Kompetenz erwarb sich Ellis als Solist und musikalischer Direktor bei James Brown. Und wie toll er Jazzstandards interpretieren kann, zeigt er auf der neuen Platte beim Titel "You've Changed". "

    Quelle:
    http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,759545,00.html