Journalismus 2.0

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  • Anton Simons
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    Christian Lindner: „Twitter und Journalismus - ein Traumpaar“
    Ein Tweet, das sei „die quirlige Nichte von Tante Überschrift“, definiert Christian Lindner, Chefredakteur der Koblenzer Rhein-Zeitung (RZ), im ‚medium magazin‘ 7+8/2009 (S. 51). Und: „Twitter und Journalismus - das ist ein Traumpaar.“ Dank ihrer Ausbildung und ihres Berufs seien Journalisten ideale Twitterer: „Wir Journalisten haben eine spannende Arbeit, erleben viel, sind Entwicklungen nah. Wir haben Informationen früher, wir beobachten gut, bewerten klar. Und wir sind darin geschult, in Kürze viel sagen zu können.“

    Keine Frage deshalb für den RZ-Chefredakteur, der unter @RZChefredakteur selbst intensiv twittert: „Twittern lohnt!“ Jeder Tag mit Tweets „liefert den Twitter-Pionieren an deutschen Desks digitale Belege für den Zweck ihrer Zwitscherei.“ Auch für die ‚Rhein-Zeitung‘, die seit Februar 2009 twittert, habe sich Twitter „zu einer multifunktionalen Wunderwaffe entwickelt.“ Die Mikroblogger bei der Rhein-Zeitung machen mit Tweets ihre Planungen, Stände und Entwicklungen, Umbauten, Neuigkeiten, Optiken, Debatten und Konzepte transparent – „gerne Gelungenes, auch Misslungenes.“

    Wegen der Twitterei „interessieren sich plötzlich Dutzende jüngerer Menschen aus dem RZ-Land für uns, denen wir vorher offenbar keinen Andockpunkt boten“, schreibt Lindner, „typische Vertreter der ‚Generation C 64‘ folgen uns, lesen unsere Tweets, antworten darauf, entdecken unseren Online-Auftritt für sich - und kaufen bisweilen sogar Print.“ Dank Twitter würden auch „Digital Natives" merken, „dass auch die Leute vom Analog-Medium Zeitung kreativ sind“ und dass auch deren Produkte „schnell und nützlich, frisch und frech sein können.“

    Weil die RZ via Twitter Links zu Internet-affinen, stark diskutierten oder regional relevanten Inhalten auf rhein-zeitung.de verbreitet, würde die Zahl der Klicks dort häufig sprunghaft in die Höhe schnellen. „Teils verzehnfacht sich so die Lesequote eigener Internet-Texte - weil ‚gute‘ Tweets zu ‚guten‘ Inhalten von Dutzenden Twitterern anderen Follower weitergeleitet werden“, hat Lindner beobachtet. Und: „Wer Twitter an der richtigen Stelle von den richtigen Redakteuren scannen lässt, der bekommt gratis Anregungen für Themen, schöpft leicht ein pralles Meinungsbild etwa zu ‚DSDS‘ ab, kann Umfragen mit minimalem Aufwand umsetzen, stößt auf echte Storys.“

    „Effizienter als mit Twitter können Medienmacher das Internet heute nicht beobachten, begreifen und benutzen“, gibt sich Lindner überzeugt - und schreibt dann beinahe schon schwärmerisch: „Twitter offenbart uns das Internet. Wechselweise können wir damit das Netz aus einer Raumkapsel-Perspektive sondieren - und uns im nächsten Moment mitten ins Getümmel der Schwarmintelligenz werfen. Wir sehen Tiefe und Breite des Internets, sein Tempo und Treiben, seine Klugheit und Grobheit, seine Risiken und Chancen, seine Kraft und Macht, seine Autarkie von Medien wie seine Affinität zu Medien. Kurzum also: „Wer als Medienmensch nicht twittert, der wird die Zeichen der Zeit nicht verstehen. Und das Internet fliegt ihm davon."