Journalismus 2.0

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  • Anton Simons
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    Die US-Nachrichtensite "Politico" zieht die Konsequenz aus Chris Andersons Long Tail-Theorie
    Befreit man Chris Anderson Long Tail-These von allem theoretischen Ballast und formuliert sie stattdessen in Form eines Imperativs für Medienunternehmer, dann dürfte ziemlich genau das herauskommen, was Thomas Schulz in einem Beitrag ganz hinten in der Weihnachtsausgabe des SPIEGEL schreibt. „Zukunft in der Nische - Eine US-Nachrichtenseite attackiert erfolgreich die ‚Washington Post‘“ ist sein Beitrag überschrieben, der sich um die Nachrichtensite „Politico" (http://www.politico.com) dreht. Diese 90 Mitarbeiter zählende junge Seite drohe inzwischen der ehrwürdigen ‚Washington Post‘ den Rang abzulaufen, berichtet Schulz.

    „Ich glaube, dass die Zukunft der Medien in Nischen liegt", zitiert er Politico-Gründer John Harris, einen Journalisten alter Schule, 21 Jahre lang Politikredakteur bei der „Post". „Es geht dabei gar nicht so sehr um die Medienplattform, sondern um einen ganz klaren redaktionellen Fokus“, erläutert Harris und formuliert dann die Konsequenz, die Medienunternehmer aus Andersons Diktum ziehen sollten: „Man muss die Zielgruppe deutlicher definieren als früher und gleichzeitig in der Lage sein, den ausgewählten Bereich zu dominieren.“ Chefredakteur Marcus Brauchli ergänzt: „In Zeiten begrenzter Ressourcen und erhöhten Wettbewerbs müssen wir unsere Schlagkraft auf unsere Hauptaufgabe konzentrieren."

    Ihr Erfolg gibt „Politico“-Gründer Harris und seinem Kompagnon Jim VandeHei recht: „Schon im dritten Jahr seiner Existenz macht ‚Politico‘ satte Gewinne“, berichtet Schulz. Und „in kürzester Zeit hat die Internetseite, die sich aus Werbung finanziert, die US-Politikberichterstattung aufgemischt.“ Inzwischen gelte sie als „Pflichtlektüre in politischen Kreisen mit monatlich rund 3,4 Millionen Lesern.“

    Besonders erstaunlich: Die Internetseite wird durch eine mehrmals wöchentlich erscheinende Printausgabe ergänzt. Doch auch damit ist für Harris und VandeHei noch nicht Schluss. Die beiden wollen austesten, ob Long Tail auch im Lokalen funktioniert: Dazu planen sie eine Website mit Lokalnachrichten für Washington, die im neuen Jahr online gehen soll.