Journalismus 2.0

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  • Anton Simons
    Anton Simons    Premium Member   Group moderator
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    Gehört die Zukunft der individualisierten Zeitung?
    „Der Blätterwald wird abgeholzt“ – unter dieser Überschrift liefert Vin Crosbie in der neuesten Ausgabe der ‚message‘ eine aufschlussreiche Analyse der Krise, in der sich die US-amerikanischen Zeitungen befinden. Die Leser würden „durch das Fernsehen, das Radio und erst recht durch das Internet viel schneller mit internationalen, nationalen und auch regionalen Nachrichten versorgt als durch eine Zeitung“, die bereits Stunden alt ist, bevor sie im Briefkasten steckt oder am Kiosk erhältlich ist, schreibt Crosbie, Adjunct Professor an der Syracuse University (New York State). Aus diesem Grund sei es „nicht verwunderlich, dass sich die Leser von einem langsamen General-Interest-Medium wie der Tageszeitung mit ihrem Standardpaket an Nachrichten für jedermann abwenden.“

    Früher sei die Produktion von Tageszeitungen „ein sicheres und profitables Geschäft“ gewesen, schreibt Crosbie, „der Leser musste aus Mangel an Alternativen auf das zurückgreifen, was Journalisten als wichtig für alle ansahen.“ Das habe sich inzwischen grundlegend gewandelt:

    „Heute können die Amerikaner viel direkter nicht nur ihren wenigen gemeinsamen Interessen nachgehen. Sie können diese vor allem auch mit ihren Individualinteressen mixen. Die Zeitung kann das nicht – deswegen kollabiert das Printgeschäft. Es ist geradezu töricht, einen Wirtschaftszweig auf der Annahme zu gründen, dass ein allgemeines Nachrichtenpaket alle zufriedenstellen wird, wenn doch alternativ aus einer Fülle von Information viel präziser Interessen befriedigt werden können.“

    Die Tageszeitungen und ihre Internetausgaben würden deshalb „heute zumeist nur noch für Lokalnachrichten genutzt, die die Leser anderswo nicht bekommen können.“

    Ähnlich hart könne es bald auch den deutschen Printmarkt treffen, meint Crosbie: „Mit dem Zugang zu immer mehr themenspezifischen Magazinen, Fernsehprogramm oder Sendern … sowie Millionen von themenbezogenen Webseiten … werden auch die Menschen in den deutschsprachigen Ländern immer mehr Zeit mit themenspezifischen Medien verbringen, die ihrer individuellen Interessenmischung entsprechen,“ meint Crobie, „weniger Zeit werden sie allerdings in die Lektüre von General Interest-Medien wie die traditionellen Tageszeitungen investieren.“

    Sind die Tageszeitungen also am Ende? „Nicht zwangsläufig“, meint Crosbie. Die Zukunft gehöre möglicherweise der individualisierten Zeitung: „Denn bereits heute gibt es digitale Druckmaschinen und Software, die verschiedene Layoutvorlagen und eine Datenbank mit den Interessen der verschiedenen Leser enthält.“ Dadurch werde „die Produktion einer maßgeschneiderten Zeitung für jeden einzelnen Kunden möglich.“

    Crosbie zweifelt nicht daran, dass eine „Ära des individualisierten Contents“ angebrochen ist: „Die Zeitung der Zukunft muss zwar weiterhin die Gruppeninteressen der Leser befriedigen – aber zusätzlich erwarten die Leser, dass die übrigen Nachrichten ihre ganz individuellen Interessen bedienen.“
    This post was modified on 30 Oct 2008 at 10:30 am.