Journalismus 2.0

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  • Anton Simons
    Anton Simons    Premium Member   Group moderator
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    Regionalverlage suchen ihre Zukunft im Hyperlokalen
    Wie können sich regionale Zeitungshäuser für die Zukunft rüsten? Mit der Beantwortung dieser Frage beschäftigten sich kürzlich die 70 Teilnehmer der BDZV-Fachtag „Total lokal”. Das hyperlokale Geschäftsfeld berge Chancen, die bislang wenig genutzt würden. Websites mit hyperlokalen Inhalten seien in Deutschland bislang ein junges Phänomen, heißt es in einem Veranstaltungsbericht auf der BDZV-Homepage. Als „hyperlokal“ werden dabei Internetangebote bezeichnet, die „lokale Nachrichten und Services aus einem engen geographischen Gebiet abdecken.“ Also: „Nachrichten aus meiner Straße, Tipps für den Einkauf um die Ecke und Veranstaltungsinformationen.“ Bei Nutzern wie Werbekunden fänden sie eine immer größere Resonanz.

    Trotzdem gebe es im Hyperlokalen einen „intensiven Wettbewerb“, sagte Frank Meik. Die Kombination von Print und Online biete den Regionalverlagen dabei jedoch echte Wettbewerbsvorteile gegenüber Mitbewerbern. Wer sich dort behaupten will, müsse allerdings darauf achten, dass Preisgestaltung und Verkaufsaufwand stimmen. Auf zwei Probleme wies der Referent, Geschäftsführer der MW-Verlagsgesellschaft, hin:

    1. Nutzer seien nach wie vor nicht bereit, für Online-Inhalte zu zahlen.
    2. Überregionale Bannerwerbung könne im Lokalen nicht greifen.

    Aus diesen Gründen seien innovative Werbekonzepte gefragt. Darüber hinaus müssten hyperlokale Onlineangebote innovative Funktionen bieten. Besondes wichtig sei „eine systematische Aufbereitung der lokalen Geschäftswelt“, wie es auf der BDZV-Homepage heißt. Hinzu kämen „eine entsprechende Visualisierung und sehr gute Suchfunktionen.“ Meik empfahl unter anderem den Aufbau verlagsübergreifender Plattformen.

    Katja Riefler ( https://www.xing.com/profile/Katja_Riefler ), Geschäftsführerin von RiSolutions (http://www.risolutions.de), präsentierte internationale Fallbeispiele für hyperlokale Online-Angebote. Dazu gehörten etablierte Verlage wie die Schweizer „Jungfrauzeitung“ (http://www.jungfrauzeitung.ch ) ebenso wie Neugründungen, etwa „Bluffton Today“ (http://www.blufftontoday.com ) in North Carolina. Als interessantes Beispiel für die Umsetzung eines hyperlokalen Konzepts in deutschen Landen darf sicherlich das von der der Augsburger Allgemeinen zu Jahresanfang gestartete „Servus“-Projekt ( http://tinyurl.com/cqjd57 ) gelten. Servus und das ebenfalls in Augsburg entwickelte myheimat-Konzept ( http://www.myheimat.de ) machen im deutschen Sprachraum derzeit vor, welche Möglichkeiten Regionalverlage zu Gebote stehen, das von Chris Anderson in die Diskussion gebrachte „Long Tail“ („Viel Kleinvieh macht auch eine ganze Menge Mist!“) zu bedienen ( http://tinyurl.com/cdt4jw ).

    Community-to-Print-Produkte seien - entsprechende Qualität vorausgesetzt - eine kostengünstige Möglichkeit, Inhalte zu generieren, die Anzeigenkunden als Werbeumfeld angeboten werden können. Ein Beispiel für ein solches Konzept, das nutzergenerierte Online-Inhalte für Printprodukte nutzt, ist myheimat.de. Daneben gebe es inzwischen eine ganze Reihe hyperlokaler Internetangebote, die fremde Inhalte aggregieren – beispielsweise Pressemitteilungen von öffentlichen Verwaltungen, Parteien, Vereinen, Verbänden und Kammern. Mit Vorliebe würden dabei auch Polizeiberichte eingebunden.

    „Nutzer suchen konkrete Antworten und sauber strukturierte Informationen“, lautete die These von Helmut Hoffer von Ankershoffen, Vorstand der WeFind AG. Dieses Bedürfnis zu befriedigen, sei Ziel der Web 2.0-Suchmaschine WeFind (http://www.wefind.de ). Interessant an diesem Online-Angebot sind unter anderem die Möglichkeiten der standortbezogenen Geo-Suche per iPhone und die Umkreissuche.

    Das Web 2.0 hat der Aufarbeitung von großer wie von regionaler und lokaler Geschichte mächtige neue Möglichkeiten eröffnet. Beispiele dafür sind die Stadt- und Regionalwikis, die es inzwischen in vielen Bereichen Deutschlands gibt, aber auch das ‚Spiegel‘-Projekt „einestages“ (http://einestages.spiegel.de), das ZeitZeugen-Projekt des Trierischen Volksfreunds (http://wiki.volksfreund.de/Kategorie:Zeitzeugen) sowie die regionale Geschichtswerkstatt „Von Zeit zu Zeit“, die im September 2008 von der „Stuttgarter Zeitung“ (SZ) gemeinsam mit dem Stadtarchiv Stuttgart gestartet wurde. Leser haben dort die Möglichkeit, Bilder, Erlebnisberichte und Videos aus dem 20. Jahrhundert auf einer eigenen Website zu veröffentlichen. Bilder und Texte werden über Themenseiten, Karten und Zeitleisten erschlossen.

    Ziel dieses Projekts sei, „das kollektive Gedächtnis der Stadt zu vergrößern“, wie Dr. Thomas Faltin (https://www.xing.com/profile/Thomas_Faltin5 ) berichtet habe. Im Lauf der Zeit solle eine „Geschichte von unten“ entstehen. Die Plattforum lade zu einem „Bummel durch die Geschichte der Stadt“, wie es im Bericht auf der BDZV-Site heißt - „vom Einblick ins bürgerliche Wohnzimmer um 1900 bis zur Sonnenfinsternishysterie im Jahr 1999.“ Die Geschichtswerkstatt bereichere auch die „Stuttgarter Zeitung“: Auf zehn Print-Doppelseiten sei das Jahrhundert dargestellt worden; und täglich werde ein von Lesern zur Verfügung gestelltes "Bild des Tages" gedruckt.

    Jochen Herrlich, General Manager Online beim „Hamburger Abendblatt“, erklärte, warum das „Hamburger Abendblatt“ in ein crossmediales Online-Branchenbuch eingestiegen ist. Dieser Markt, der in Deutschland ein Volumen von etwa einer Milliarde Euro umfasse, zeichnet sich dadurch aus, dass auf ihm bislang nur wenig Wettbewerb herrscht.

    Mit dem neuen Produkt wolle das Abendblatt kleine und mittelständische Kunden für Onlineprodukte gewinnen, aber auch für Anzeigen in der gedruckten Zeitung. Die Kunden würden dabei ganzjährig in einem lokalen Umfeld eingetragen. Hinzu kämen eine Zeitungsanzeige im thematischen Umfeld der Branche sowie eine Google-Optimierung. Auf der BDZV-Homepage heißt es:

    „Dem Werbekunden werden drei crossmediale Pakete angeboten, die sich durch ihre Anzeigengröße unterscheiden. Die Preise bewegen sich dabei zwischen 198 und 798 Euro. Das Produkt besteht aus einem Top-Listing auf der Website sowie einer einmaligen Print-Anzeige im redaktionellen Branchenumfeld. Zum Verkauf der Einträge werden eigene Online-Handelsvertreter sowie ein Call Center eingesetzt. Perspektivisch sollen auch Print-Verkäufer Branchenbuch-Einträge verkaufen.“

    Die Branchenbuch-Software sei von Stadtbranchenbuch.com exklusiv erworben und für die eigenen Anforderungen weiterentwickelt worden. Die Branchendaten würden von 11880.de bezogen und regelmäßig aktualisiert.

    Quelle: http://tinyurl.com/dzqcw8
    This post was modified on 21 Apr 2009 at 07:06 am.
  • Hans Bayartz
    Hans Bayartz    Premium Member
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    Re: Regionalverlage suchen ihre Zukunft im Hyperlokalen
    Hallo Herr Simons,

    ist es nicht genau das, was wir schon lange besprechen und fordern?

    Neue und alte Zielgruppen für die Tageszeitung kann man nur dann aktivieren, wenn sich die Zeitung wieder auf ihren USP konzentriert: Lokales und Regionales.

    Vor allen Dingen junge Leser sind nur dann zu überzeugen und zu halten, wenn LocalNews + Networking (Web2.0) online zusammengebracht werden. Nur so hat man auch die Chance (und die hat eine Tageszeitungsverlag), auch lokale/regionale Werbung zu generieren.

    Aber zusätzlich müssen die Lokalzeitungen sich national zusammen schließen, um eine Community-Größe zu bekommen, die überregionale Werbung anzieht und die neue Ausrichtung bezahlbar macht. Denn Online-Produkte werden in absehbarer Zeit im Wesentlichen kostenlos sein müssen.

    Wie war denn die Resonanz beim BDZV-Seminar? Sind die Verlage denn überhaupt bereit, soweit zu gehen? Oder kommen doch eher wieder die Zauderer zu Wort? Was verändert sich denn Ihrer Meinung nach tatsächlich in der Wahrnehmung und in der Umsetzung?

    Besten Gruss
    Hans Bayartz
  • Anton Simons
    Anton Simons    Premium Member   Group moderator
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    Re^2: Regionalverlage suchen ihre Zukunft im Hyperlokalen
    Hallo Herr Bayartz,

    das war mir klar, dass wir beide bei diesem Thema wieder miteinander ins Gespräch kommen! Und einmal mehr wird deutlich, dass wir mit unseren Einschätzungen dicht beisammen liegen. Was das BDZV-Seminar betrifft, muss ich Sie leider enttäuschen: Ich bin nicht selbst dort gewesen, sondern habe für meinen Beitrag lediglich einen Bericht von der BDZV-Homepage verwurstet.

    Sobald erkennbar wird, dass die Konzepte von "Servus"/Augsburger Allgemeine und myheimat/Madsack tatsächlich greifen, also schwarze Zahlen schreiben und junge Leser binden, werden andere Verlage auf diesen Zug aufspringen. Was das bundesweite Portal betrifft: myheimat hat diesen Weg ja bereits eingeschlagen. Ich vermute allerdings, dass ein hybrider Ansatz wie der von "Servus" dem rein auf Bürgerjournalismus setzenden Konzept von myheimat überlegen ist und sich deshalb mittelfristig durchsetzen wird. D.h.: Profi-Journalisten sorgen für die journalistische Grundversorgung, Bürgerjournalisten sorgen für Bereicherung, Erdung und geben Impulse.

    Interessant finde ich auch, was gerade auf der BDZV-Site gerade über unsere eidgenössischen Nachbarn zu lesen ist: http://www.bdzv.de/information_multimed+M575dfc9d581.html

    Viele Grüße,


    Anton Simons
    This post was modified on 18 Apr 2009 at 09:49 pm.
  • Hans Bayartz
    Hans Bayartz    Premium Member
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    Re^3: Regionalverlage suchen ihre Zukunft im Hyperlokalen
    Es bleibt dabei, nur Wenige trauen sich aus der Deckung, müssen den ganzen Invest leisten, die Rückschläge hinnehmen und wenn's dann klappt, hat der Erfolg wieder viele Väter.

    Nur diesmal kann es eng für die Verlage werden.

    Was halten Sie von den Vorschlägen von Robert Basic? Liegt nahe an meinem Konzept und könnte bei dem, wie er es anpackt, eine neue Form offener Kommunikation bieten. Kommentieren Sie doch bitte mal meinen neuen Blogbeitrag dazu: "LocalNews plus Networking..." unter http://www.blog.bayartz.de