Journalismus 2.0
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Anton Simons Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Was dem Blogger sein Feed, ist dem Twitterer sein Tweet
Was dem Blogger sein Feed, ist dem Twitterer sein Tweet. Und Tweet-Abonnenten werden „Follower“ genannt. Rund 1800 solche „Follower" hat beispielsweise der „Welt kompakt“-Tweet (
http://twitter.com/weltkompakt) derzeit. Und die Twitterer bei „Welt Kompakt“, die über Obama genauso schweiben wie über ihre Redaktions-Weihnachtsfeier, seien ihrerseits Follower von etwa 1700 anderen Tweets, schreibt Ulrike Langer (
https://www.xing.com/profile/Ulrike_Langer2) in einem aufschlussreichen Beitrag in der neuesten Ausgabe des ‚Medium Magazins‘ (
http://www.mediummagazin.de/).
Die Gemeinde der Twitterer sei zwar im Vergleich zu Auflagen- und Online-Größen noch winzig, aber sie wachse rasant. Vor allem aber seien die Twitterer „für Medienmacher eine ungewöhnlich interessante Zielgruppe“, meint Langner: „Das sind in der Mehrzahl Leute, die sehr aktiv, vielfältig interessiert und bereit sind, neue Möglichkeiten auszuprobieren", zitiert sie Frank Schmiechen, den stellvertretenden Chefredakteur und Ober-Twitterer von „Welt kompakt“. Die Nutzer bringen die Redaktion täglich auf neue Ideen und weisen sie auf interessante Websites und Themen hin, die für die Zeitung wichtig sind.
„Wenn irgendwo gerade etwas Ungewöhnliches passiert, dann erfährt es die „Welt Kompakt" per Twitter mit etwas Glück innerhalb von Sekunden.“ Das funktioniere allerdings nur, wenn die Welt kompakt-Redaktion selbst etwas für die Twitter-Gemeinde leistet. Dieser Mehrwert sei für die Followers der häufig sehr spontanen „Welt kompakt"-Kurznachrichten „offenbar der ungefilterte Einblick in das Seelenleben einer Zeitungsredaktion.“ Der Mix aus halbprivaten Meldungen und das Gefühl, am Puls der Zeit zu sein, kommt offenbar an", zitiert Langer den turi2-Redakteur Peter Schwierz: „Wenn die Lokalzeitung mich bei Twitter über den Großbrand im Nachbarort informiert, bin ich als Leser doch dankbar."
Auch die Online-Redaktion der „Lübecker Nachrichten" (LN) sei inzwischen unter die Twitterer gegangen „und vermeldet in lockerem Tonfall Lokalpolitisches, Staumeldungen, Sieger von Gewinnspielen, und sie geht auch auf Kommentare von Nutzem ein.“ Andreas Heß, Online-Chef der Lübecker Nachrichten, fasst die ersten Erfahrungen mit dem neuen Dienst, wie Ulrike Langer berichtet, folgendermaßen zusammen: „Wir wurden von Twitterern aus der Region freundlich aufgenommen und versuchen, sie mit interessanten Tweets bei der Stange zu halten." Die anfängliche Skepsis („Looser generated Content“) habe sich als unbegründet erwiesen, „weil wir sehr schnell gemerkt haben, dass sehr viele Menschen twittern, die auch wirklich etwas mitzuteilen haben."
Über Marcus Schwarze, Ressortleiter Online bei der ebenfalls twitternden „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (HAZ), schreibt Langer: Follower des HAZ-Treeds „machen, wenn wir gut sind, wiederum ihre Followers auf unsere Geschichten aufmerksam. Twitter ist damit ein neuer Kanal, über den wir unsere Botschaften und Nachrichten viral bewerben können."
Focus Online nutze Twitter bislang, wie Langer schreibt, lediglich „als mediale Einbahnstraße“, um die eigenen RSS-Feeds zu verbreiten, also „als Nachrichtenticker für Hinweise auf eigene Beiträge mit den entsprechenden Links.“ „Spiegel Online" füttere Twitter seit Mitte Dezember mit Links zu Online-Meldungen „und gewann innerhalb von zwei Wochen 1500 Abonnenten.“ Focus online-Chefredakteur Jochen Wegner habe festgestellt, so Langer: Wenn man den richtigen Leuten folgt, wird man auf Trends und Themen sehr viel schneller aufmerksam" – und man könne mit Twitter und anderen Microblogging-Systemen die Reichweite der eigenen Marke erhöhen, wie DerWesten-Chefredakteurin Katharina Borchert meint.
Wie LN, HAZ und die anderen seien inzwischen rund 30 Zeitungen und Zeitschriften in Deutschland unter die Microblogger gegangen. Manpower-Einsatz dabei: Bis zu eine Stunde täglich. Ulrike Langer schreibt:
„Inzwischen merken immer mehr Verlage, dass Twittern weder ein neues Budget noch einen hohen Aufwand bedeutet - vor allem mit dem zeitlichen Aufwand fürs Bloggen ist Twittern nicht vergleichbar. Es reicht durchaus, wenn ein Web 2.0-affiner Redakteur ein halbes Dutzend Mal am Tag kurze Kommentare abgibt - die auch dazu genutzt werden können, auf Berichte auf der eigenen Homepage zu verlinken. Idealerweise verfolgt dieser Redakteur dann auch, was andere Nutzer aus dem Verbreitungs- oder Themengebiet zu sagen haben und schaltet sich auch mal in Diskussionen ein.“ Darüber hinaus seien Twitterer „überdurchschnittlich junge, gebildete, einkommensstarke Multiplikatoren. Und somit genau die Nutzer, die Verlage an ihre Produkte binden wollen.“
Deshalb gebe es inzwischen Dienstleister - die Indiginox GmbH aus Paderborn und der Hamburger Medienberater Peter Knoll zum Beispiel -, die Medienunternehmen bei der Einführung von Twitter unterstützen. Knolls Dienst „Citywatchr" zum Beispiel verbinde „auf Medienwebsites Twitter-Nachrichten von Usem mit passendem Nachrichtenkontext und ortsbasierten Infor¬mationen.“
Bei alledem dürfe allerdings nicht vergessen werden, dass von der Microblogosphäre als „welt-umspannendem nutzergeneriertem Echtzeit-Medium“ auch Gefahren ausgehen: Falschmeldungen breiten sich rasch aus und „wurden teilweise ungeprüft von etablierten Medien übernommen.“ Die journalistische Handwerksregel bei der Verwertung von Twitter-Inhalten laute deshalb: „Man muss sagen, woher man etwas hat, ob es dafür eine Bestätigung gibt oder ob es nur eine einzelne Stimme ist" (Katharina Borchert). Bei Eilmeldungen sei das aber, bis sich die Faktenlage klärt, ohnehin häufig so.
In einem Ergänzungsinterview zu Ulrike Langers Beitrag rät Social-Web-Expertin Nicole Simon den Medienunternehmen, die noch nicht Twittern wollen, zumindest ihres Claims abzustecken und Twitter-URLs zu reservieren. Und Redaktionen sollten das Twittern, bevor sie ihre Tweeds „scharf“ schalten, in einer geschlossenen Gruppe üben. Den Medienunternehmen eröffne sich mit dem Microblogging ein weites Feld: Zwischen dem bloßen Einstellen von RSS-Feeds und dem extrem dialoglastigen Twitter-Feeds sei vieles möglich: „Es gibt den twitternden Chefredakteur, es gibt die Redaktion hinter dem Twitterfeed oder einzelnen Redakteure, die auf ihrem eigenen Account twittern.
siehe auch:
http://tinyurl.com/7gva8x
This post was modified on 25 Jan 2009 at 11:34 pm.- 25 Jan 2009, 10:46 pm
