Kinder- und Jugendreisen
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Dirk Föste Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Party-Randale in Lloret de Mar
Quelle: RP online - 13. August 2011
Im spanischen Lloret de Mar kommt es vermehrt zu Krawallen durch junge Urlauber. Die Stadt an der Costa Brava gilt als Hochburg des Alkohol-Tourismus. Reiseanbieter locken genau damit Jugendliche – auch Minderjährige.
lloret de mar Sie werfen Bierflaschen auf Polizisten, zertrümmern Autoscheiben und setzen Müllcontainer in Brand. Junge Urlauber haben Donnerstagnacht in Lloret de Mar Krawalle ausgelöst, weil ihnen der Besuch in einer überfüllten Disko verwehrt wurde. 20 Randalierer wurden festgenommen, darunter drei Deutsche. Bereits vergangenes Wochenende hatten 400 junge Urlauber in den Straßen des Badeorts an der Costa Brava randaliert – aus Protest gegen die Sperrstunde ab vier Uhr. Bürgermeister Romà Codina ist schockiert und will Konsequenzen ziehen: "Einige Lokale schenken jungen Leuten alkoholische Getränke von miserabler Qualität zu Mini-Preisen aus. Das werden wir nicht mehr zulassen. Die Dinge müssen sich ändern." Das dürfte schwierig werden.
Es sind nicht nur "einige Lokale", die das Image Llorets als Hochburg des Jung- und Partytourismus geprägt haben. Auf dem Markt für Jugendreisen – pro Jahr geben deutsche Jugendliche zwölf Milliarden Euro für Reisen aus, pro Person durchschnittlich 450 Euro – ist Lloret de Mar das beliebteste Ziel. Fünf Millionen Übernachtungen in den Hotels zählte die 40 000-Einwohner-Stadt 2010. Für dieses Jahr rechnet Stadtsprecherin Anna Riera mit bis zu sechs Millionen Übernachtungen. 160 000 Touristen, etwa ein Drittel davon junge Deutsche, belegen im Juli und im August die Hotels. Und dass es weniger werden, ist unwahrscheinlich. Reiseveranstalter buhlen immer aggressiver mit Party und Alkohol zu Spottpreisen um junge Kunden – auch um Minderjährige, obwohl diese in Spanien gar keinen Alkohol trinken dürfen.
"Fun-Reisen" aus Hamburg beispielsweise verspricht seinen Kunden den "Sommer eures Lebens". Der sieht demnach so aus, dass der Teenager im Reisebus an die Costa Brava kutschiert wird und ab der Ankunft im Hotel sieben Tage nonstop Alkohol trinkt und feiert: mit "Spirituosen, Wein, Bier, Cocktails und Softdrinks bis zum Abwinken". Im Katalog wird neben den Standards wie Preis (sieben Nächte im Ein-Sterne-Hotel im August ab 235 Euro), Anreise, Ausstattung, Zimmer auch stets die unmittelbare Nähe zur Partymeile beschrieben. Außerdem gibt es ein Sonderangebot: "Wer möchte, kann die 'Open-Bar' mit Bier, Wein, Sangria, Softdrinks und lokalen Alkoholika von 18 bis 23 Uhr für einen kleinen Zuschlag dazubuchen." Das Angebot richtet sich auch an 16-Jährige. Dass diese in Spanien keinen Alkohol trinken dürfen, " ist nicht unsere Sache", erklärt ein Sprecher des Reiseunternehmens.
Das Alter der Alkoholkonsumenten und Discobesucher müsse vor Ort vom Hotel- oder Gastronomiepersonal kontrolliert werden, sagt er. Der Reiseveranstalter ist dazu nicht verpflichtet. "Fun-Reisen" lässt sich nämlich, wie auch der Anbieter "Rainbow Tours", vom Erziehungsberechtigten der minderjährigen Teilnehmer eine Einverständniserklärung unterschreiben. Auszug aus der Erklärung: "Ich bin darüber informiert, dass Fun-Reisen keine Aufsichtspflicht übernimmt. Die Aufsichtspflicht tragen wir oder eine von uns beauftragte und bevollmächtigte Person. Wir erklären, dass unser Sohn/unsere Tochter in der Lage und berechtigt ist, den Urlaub selbstständig zu verantworten."
Rechtlich ist daran nichts zu beanstanden, sagen Experten. Und immerhin: "Wenn sich da einer abgeschossen hat, dann bringen unsere Begleiter den zurück ins Hotel – so herzlos sind wir nicht", sagt ein Sprecher von "Fun-Reisen". Reisebegleiter seien immer dabei. So auch bei "Rainbow Tours". Vor Ort und in den Bussen würden die Reiseleiter darauf "achten", dass die Minderjährigen keinen harten Alkohol trinken, erklärt ein Sprecher. Aber: "Da Rainbow Tours keine Betreuung anbietet, ist die Selbstverantwortung der Gäste eine entscheidende Grundvoraussetzung."
Wie "Selbstverantwortung" von deutschen Teenagern in Lloret gelebt wird, beschreibt Kenia Bahr, Direktorin des Hotels Castella: Morgens schlafen sie aus, mittags geht es an den Strand in die Sonne, am frühen Abend beginnen die Teenager zu trinken. "Sie versuchen ständig, billigen Schnaps auf die Zimmer zu schmuggeln", meint Bahr. In der Nacht ziehen die Jugendlichen von Disco zu Disco, von Bier zu Wodka-Lemon. Und wie die Krawalle der jüngsten Vergangenheit zeigen, wollen sie sich von Sperrstunden nicht mehr aufhalten lassen.
Bürgermeister Codina hat angekündigt, "unser touristisches Modell in Lloret revidieren" zu müssen. "Es ist genug." Mindestens den Alkoholverkauf an Jugendliche will er jetzt unterbinden, und die Diskotheken will er früher schließen lassen. Die Nachtclub-Betreiber drohen deswegen jetzt mit Streik.
- 13 Aug 2011, 10:22 am
