Später wurde sie Rudolf-Steiner-Anhängerin, weil meine Schwester eine – vermeintliche - Macke hatte. Mackenkinder schickte man, wenn man viel Geld hatte und die Macken einer ganzheitlich-seelischen Betreuung ohne Ecken bedurften, zur freien Waldorfschule. Dort lernte die junge Seele singen und der Name wurde getanzt , aber nicht geschrieben.
Über dem Bett meiner Schwester hing ein Erzengel namens Michael. Dem hat sie später mal ein Hitlerbärtchen angemalt, just an dem Tag, als die Waldorflehrerin zum nicht angemeldeten Hausbesuch kam. Bei solchen Hausbesuchen wollten die Waldorfpädagogen eruieren, ob die Waldorfschüler Möbel mit Ecken hatten, Comics lasen, einen Fernsehapparat besaßen oder sonstige Dinge, welche durch etwas anderes als durch die Kraft Rudolf Steiners angetrieben wurden. Meiner Schwester bekam das Hitlerbärtchen so schlecht, dass sie nun drei mal in der Woche zur waldörflichen Heileurythmie musste, so lange, bis sie sich mit Bachblüten und einer Überdosis homöopathischer Ringelblumensalbe - oral genossen- umbringen wollte, was aber wegen Unterdosierung scheiterte.
Mehr von sowas findet man auf der neuen HörCD "Promenadenmischung. Auf den Slam gekommen- Lesebühnenliteratur der Extraklasse", periplaneta, Berlin und immer wieder im Satire-Mgazin EULEMSPIIEGEL.
Und natürlich auf der Bühne.
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