Hallo,
Ich denke nicht, dass das Semantic Web aka Web 3.0 bereits tot ist. Unter der Oberflaeche wird weiter fleissig gebastelt. Noch beherrschen jedoch die sozialen Technologien aka Web 2.0 die Diskussion. Um es ueberspitzt zu formulieren, werden durch Web 2.0 Technologien soviele Inhalte (Texte, Photos, Videos, Rezensionen, Status Updates etc.) erstellt, dass wir Web 3.0 Technologie brauchen, um aus diesen ganzen Artefakten Sinn zu machen.
Es gibt sehr interessante Anwendungsmoeglichkeiten fuer semantic technology.
Drei Beispiele, die ich spannend finde:
1) Thomson Reuters Open Calais Initiative
Analysiert unstrukturierte, natuerlichsprachliche Texte, extrahiert Metadaten ueber die in den Texten vorkommenden Personen, Orten, Ereignissen und stellt Beziehungen zwischen diesen Entitaeten her. Viele grosse Verlage katalogisieren so ihre eigenen Inhalte.
Beispiel: Ein Redakteur bei der New York Times schreibt einen Artikel. Waehrend er einen Artikel schreibt, bekommt er weitere Informationen, Links, Photos etc. vorgeschlagen, mit denen er seinen Text anreichern kann. Somit spart die NYT viel Zeit/Geld fuer Recherche und kann eigene Inhalte wiederverwenden.
2) Zemanta
Aehnlich wie Open Calais, aber eher fuer den einzelnen Anwender. Zum Beispiel verwende ich es, um Email zu schreiben oder zu bloggen.
Apture ist ebenfalls ein tolles Beispiel fuer die Verwendung von semantischen Technologien.
3) Adaptive Blue
Eroeffnet dem Benutzer die Moeglichkeit, Rezensionen von Freunden zu bekommen, wenn er sie braucht.
Use Case: Ein Nutzer moechte ein Buch bei Amazon kaufen. Die Reviews sind jedoch sehr unterschiedlich und vor allem von Leuten, die der Benutzer nicht kennt/vertraut. Jedoch kann es sein, dass Freunde das Buch vielleicht woanders im Internet rezensiert haben. Obwohl wir ueber dasselbe Buch hier reden, gab es bis jetzt keine Moeglichkeit, diese zwei Informationen miteinander zu verbinden. Adaptive Blue will dies aendern.
Bis jetzt ist es nur ein Browser Plugin, so dass es schwierig sein duerfte eine kritische Masse von Anwendern zu erreichen.
Ich finde es wichtig, dass man nicht nur die Technologien im Auge behaelt, sondern sich vor allem fragt, welchen Nutzen sie dem Anwender bringen koennen. Die tollsten Technologien werden sterben, wenn man aus ihnen keinen Nutzen ziehen kann.




