Knowledge Management

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  • Dirk Liesch
    Dirk Liesch    Premium Member
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    #gkc11 Effizientere Wissensarbeit + Gesundheit gefährdende soziale Medien
    Ich wurde gebeten die Ergebnisse meiner Diskussions-Sessions auf dem KnowledgeCamp 2011 zusammengefasst zur Verfügung zu stellen. Als effizienteste Lösung soll dies hier im xingKM Forum geschehen, weil das zusätzlich die Chance bietet, dass noch weitere Erfahrungen und Meinungen ergänzt werden können. Da die beiden Themen der Sessions:

    => Mehr Wissensarbeit oder effizientere Wissensarbeit?
    => Gefährden soziale Medien unsere Gesundheit?

    einige Überschneidungen aufwiesen, fasse ich beide hier in einem Diskussionsstrang zusammen. Zuerst stelle ich die beiden ursprünglichen Themen und Thesen als Ausgangspunkt der Sessions vor. Dann versuche ich die Ergebnisse der beiden Sessions in den ersten beiden „Antworten“ zusammen zu fassen. Die Teilnehmer der Sessions sind eingeladen, diese Zusammenfassungen zu ergänzen.

    Es wäre schön, wenn alle, die diese Themen bewegen, noch weitere konstruktive Hinweise und Meinungen ergänzen könnten ;-).

    Session 1: #######################
    Mehr Wissensarbeit oder effizientere Wissensarbeit?

    Das Zitat:

    „Der wichtigste und tatsächlich einzigartige Beitrag des Managements im 20. Jahrhundert ist die fünfzigfache Steigerung der Produktivität der Industriearbeiter. Die Produktivität der Wissensarbeit und der Wissensarbeiter auf ähnliche Weise zu steigern, ist derjenige Beitrag, den das Management im Laufe des 21. Jahrhunderts zu leisten hat.“ ~Peter Drucker

    hat diesen Themenvorschlag inspiriert.

    Kümmern wir uns derzeit nicht scheinbar eher darum die Wissensarbeit zu verfünfzigfachen, statt sie 50x effizienter zu machen ;-) ?

    Läuft derzeit etwas falsch? Was läuft falsch? Wie erreichen wir es in den nächsten Jahren die Produktivität der Wissensarbeit zu verfünfzigfachen? Was sind derzeit die Produktivitätskiller der Wissensarbeit in Unternehmen, Organisationen und Verwaltungen?

    Session 2: #######################

    Gefährden soziale Medien unsere Gesundheit?

    Die Keynote von Gloria Mark „Multi-tasking in the information Age: Tasks, Information, and Interaction Contexts“ auf der i-KNOW letzte Woche, sowie einige aktuelle neue Trends zu „Computerfernen“ Kreativitätsmethoden, haben mich zusammen mit der immer akuteren Burnout – Thematik, Beispiele:

    http://www.spiegel.de/thema/burnout_syndrom/
    http://www.zeit.de/2010/28/Arbeitswelt-Burnout
    http://www.faz.net/artikel/C30565/diagnose-burnout-das-zehrt...
    http://www.taz.de/!51032/

    zu diesem Session – Vorschlag gebracht, den ich als Diskussions-Session für sinnvoll halte.

    Hat die Frage „Gefährden soziale Medien unsere Gesundheit?“ ihre Berechtigung? Wie können die Vorteile sozialer Medien möglichst Nebenwirkungsarm genutzt werden? Welche Nutzung sozialer Medien und Netzwerke könnte Burnout heilend sein?

    Liebe Grüße
    Dirk Liesch
    This post was modified on 21 Sep 2011 at 09:47 am.
  • Dirk Liesch
    Dirk Liesch    Premium Member
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    #gkc11 Mehr Wissensarbeit oder effizientere Wissensarbeit?
    Die Zusammenfassung der Ergebnisse dieser Session aus meiner Sicht ist:

    Erreichtes:
    Wir finden und nutzen heute mit Google, Wikipedia, social Media & Co. das zur Verfügung stehende Wissen schon schneller und effizienter als vor WWW-Zeiten. Gleiches gilt für die Vernetzung mit Experten und beim Finden der richtigen Kontakte. Die Effizienz ist, bzw. war bereits gestiegen.

    Probleme:
    Wir setzen uns zu stark dem Wissens- und Tool-Druck aus. Die Zersplitterung der Wissensquellen, Communities, sozialen Netzwerke und der selbstaufgebaute Zwang, möglichst vielen Quellen zu folgen, macht diese Effizienzgewinne derzeit immer stärker weg und führt dazu, dass der zeitliche Aufwand der Wissensarbeit stark angestiegen und die Effizienz stark gesunken ist/war.

    Ursachen der Probleme:
    Wir sind im Inneren noch Wissenshamster, aus der historischen Erfahrung, dass es schwierig ist, zeitnah das richtige Wissen/Information und die richtigen Kontakte zu erhalten, wenn der Bedarf besteht. Deshalb tendieren wir auch heute noch zur Wissensvorratshaltung bzw. Kontaktvorratshaltung und konzentrieren/spezialisieren uns nicht auf den Erwerb des Wissens/der Kontakte, das/die wir für unseren konkreten Arbeitsbereich/Projekte brauchen.
    Die theoretische und auch praktische Verfügbarkeit jeder Detailinformation, unterstützt die Angst eine falsche Entscheidung zu treffen, weil nicht ALLE Informationen berücksichtigt wurden. Dazu zählt auch die Angst, dass das Unternehmen erwartet, dass alle verfügbare Information berücksichtigt wurde, um DIE RICHTIGE Entscheidung zu treffen.
    Außerdem fühlen wir uns durch eMail, Instant Messaging, Microblogging etc. unter Druck gesetzt, jederzeit, überall und immer direkt zu reagieren und kurzfristig zu antworten, was unsere eigentliche Arbeit immer öfter unterbricht.
    Die explosionsartige Vermehrung von Communities, Tools und Plattformen (Quellen) trägt wesentlich zur Verschärfung der Probleme bei.

    Lösungswege zurück zu höherer Effizienz bei der Wissensarbeit:
    Sowohl die Rahmenbedingungen im Unternehmen, als auch die persönliche individuelle Kompetenz im Umgang mit den neuen Wissens-Angeboten werden als Hauptwege zur Effizienzerhöhung der Wissensarbeit gesehen.
    Seitens des Unternehmens ist es wichtig, die Erwartungshaltung des Unternehmens entsprechend anzupassen und dies glaubwürdig an die Mitarbeiter zu kommunizieren. Fehler müssen nicht nur erlaubt sein, sondern jeder Mitarbeiter muss wissen, dass das Unternehmen selbstverständlich davon ausgeht, dass er nicht alle verfügbaren Informationen berücksichtigen kann und dass Fehler normal und richtig sind, auch wenn sich im nachhinein herausstellt, dass die Information zur Vermeidung des Fehlers bereits zuvor zur Verfügung stand. (Fehler erlauben, unvollständige Information erlauben, „einfach machen – einfach machen“ Philosophie und Unternehmenskultur)
    Der zweite wichtige Ansatzpunkt der Unternehmenskultur ist die Erinnerung an die Bedeutung der Begriffe „asynchrone Kommunikation“ und Entschleunigung (Sieg über die „sofort“- Mentalität). Dazu wurde aber in der zweiten Session ebenfalls intensiv diskutiert => deshalb möchte ich dazu auf die zweite Antwort verweisen.
    Sehr wichtig ist der Kompetenzaufbau der Mitarbeiter im Umgang mit der Informationsflut. Dazu gehören nicht nur der richtige Umgang mit den Informationsquellen (richtige Suche, Selektion, Informationsquellen, soziale Netzwerke, Activity Streams) sondern vor allem Kompetenzen, wie „Nichtwissen gestatten“, „Komplexität vereinfachen“, „Störungen ignorieren“, „Mails liegen lassen, Nachrichten NICHTöffnen“, „Streams ausblenden, Anrufe wegdrücken“. Sehr wichtig ist dabei auch die Entwicklung eines neuen Vertrauens, dass das Wissen nicht verloren geht, wenn man es nicht sofort erwirbt, sondern es reicht, es zu erwerben, wenn es tatsächlich gebraucht wird. Wir sollten uns an eine frühere Erfahrung erinnern, dass sich 80-90% der Probleme/Anfragen von selbst lösen, wenn sie eine zeitlan liegen bleiben.

    Fazit:
    Wir müssen ruhiger und relaxter beim Umgang mit Informationen/Wissen werden, sowohl persönlich als auch auf Seiten des Unternehmens.

    Nebenschauplätze:
    In beiden Session wurde das Pomodoro - Zeitmanagement (Sanduhr-Methode) erwähnt, was auch ein Zeichen dafür ist, dass wir uns derzeit zu sehr extern treiben lassen. In Zusammenhang mit Crowdsourcing stellt sich die Frage, ob es tatsächlich effizient ist, wenn teilweise die x-fache Menge an Leuten das gleiche Problem bearbeiten, um am Ende vielleicht eine leicht bessere Lösung zu finden.

    Folgende Background Informationen waren mein persönlicher Hintergrund für die Moderation der Diskussion zu diesem Session-Thema:

    Information Overload: http://www.open-academy.com/de/3_1_information_overload_info...
    Experten-Netzwerk: http://www.open-academy.com/de/3_5_experten_netzwerk_aufbaue...

    Liebe Grüße
    Dirk Liesch
    This post was modified on 21 Sep 2011 at 09:50 am.
  • Dirk Liesch
    Dirk Liesch    Premium Member
    The company name is only visible to registered members.
    #gkc11 Gefährden soziale Medien unsere Gesundheit?
    Oder besser:
    Wie können die Vorteile sozialer Medien möglichst Nebenwirkungsarm genutzt werden?

    Die Ergebnis-MindMap zur Session habe ich auf der KnowledgeCamp – Plattform eingestellt:
    http://knowledgecamp.mixxt.org/networks/files/folder.10675

    Die Zusammenfassung der Ergebnisse dieser Session aus meiner Sicht ist:

    Das „Getriebenen“- Gefühl und das Arbeiten in immer kürzeren Zeitscheiben (lt. der I-Know Keynote von Gloria Mark nur noch durchschnittlich ca. 3 min) konnten die Teilnehmer ebenso bestätigen, wie die fast genauso häufigen Selbstunterbrechungen, wenn plötzlich mal Ruhe ist und keiner „stört“. Daraus resultierender viel höherer Stress und geringere Qualität der Arbeit waren ebenfalls Konsens.

    Hier kann die Lösung nur bei jedem selbst liegen, sich selber zu managen und einen sinnvollen angemessenen Umgang mit Social Media zu finden. Die Kompentenz der Mitarbeiter muss dazu unbedingt entwickelt werden. Jeder Session - Teilnehmer hat dann eigene Erfahrungen im Umgang mit dem Problem beigesteuert.
    Die sozialen Medien (insbesondere Activity Streams, Instant Messaging, eMail) zeitweise abzuschalten (3-4h pro Arbeitstag) wird als keine sinnvolle Lösung angesehen. Die Selbstverantwortung und das Selbstmanagement der Mitarbeiter diesbezüglich sollte angestrebt und durch das Management und die Unternehmenskultur unterstützt werden. Auch Ruheräume (Arbeitsräume ohne Telefon und Social Media – Protokolle) haben sich wohl nicht bewährt und werden kaum genutzt. Das kann aber auch daran liegen, dass keiner als „Weichei“ oder „nicht belastbar“ gelten will, weil er/sie in dem Raum gesehen wird. Evtl. kann hier eine veränderte Unternehmenskultur helfen.

    Konkrete Lösungsansätze:
    => Das Geräusch der e-Mail Benachrichtigung (wenn eine neue eMail eingegangen ist) sollte unbedingt abgestellt werden
    => Die eMail Lesebestätigung sollte unbedingt abgestellt werden. Es geht keinen etwas an, wann jemand die eMail liest.
    => eMails sollten ruhig eine Zeitlang ungelesen im Postfach liegen bleiben, auch wenn die Zahl der ungelesenen Mails zweistellig wird
    => Falls es schon ein eMail - freies Unternehmen ist, gilt gleiches natürlich für den Microblogging oder anderen Aufgaben/Anfragen -Verteilungsersatz.
    => 80-90% der Aufgaben und Anfragen erledigen sich durch liegen lassen nach 1-2 Tagen von selbst. Sich dies auch in SM-Zeiten vor Augen zu halten und danach zu verhalten, hilft sehr.
    => Klingelt das Telefon unpassend, sollte es ebenfalls ok sein, den Anruf wegzudrücken. Ggf. Kann die Nachricht später von der Mailbox abgehört und zurückgerufen werden.
    => Ein unternehmensweiter „silent Thursday“ an dem „nur“ gearbeitet wird, ohne Telefon, Mail und Social Media ist eine gute Idee.
    => Entwicklung der Selbstbeherrschung unterstützt durch kleine IT-Tools zur „Sendepause“ die es gestatten alle Social Media Kommunikation für einen selbstbestimmten Zeitraum „abzuschalten“ (z.B. 20 min.)
    => Activity Streams lesen, „nur wenn ICH möchte“
    => Activity Streams auf einem separaten „virtuellen Bildschirm“ parken, zu dem extra und bewusst umgeschaltet werden muss.
    => Kleines IT-Tool, welches es gestattet, die gerade verwendete Anwendung/Application vollständig auf den gesamten Bildschirm auszuweiten, so dass nichts anderes (kein Activity Stream, kein Messenger, nicht einmal die Uhrzeit) mehr zu sehen ist. (Die Sounds sind ja sowieso schon aus!)
    => „Private Favouriten“ und „unterschiedliche Listen“ für Activity Streams müssen es gestatten interessant erscheinende Beiträge für das „später lesen“ zu kennzeichnen. Zusätzlich hat das den Nebeneffekt, dass selbst von den gekennzeichneten Beiträgen vieles letztendlich nicht gelesen werden muss.
    => Das Pomodoro Zeitmanagement (Sanduhr Methode) kann ebenfalls ein Lösungsansatz für das „Switching“- Problem sein, zumindest in vereinfachter Form, wenn mit der Sanduhr gearbeitet wird. (Für die Dauer der Sanduhr wird nicht unterbrochen => zum Beispiel Anrufe weggedrückt usw.)
    => Es wurde außerdem noch recht ausführlich über „Simplenote“ als tolles Tool für das persönliche Wissensmanagement und zum Informationsaustausch in der Gruppe gesprochen.

    => Seitens des Managements muss unterstützt werden, dass weder eMail noch zahlreiche andere Benachrichtigungen über die Social Media-Kanäle sofort beantwortet werden müssen. Nicht sofort zu reagieren muss als positives Verhalten in der Unternehmenskultur verankert und entsprechend gelebt werden.

    Hallo Hannes und Ralph,
    könnt Ihr, wenn Ihr dies zufällig lest, noch die Tools ergänzen, die Ihr für die „Fullscreen-Umschaltung“ und die „Sendepause“ verwendet?

    Ich hoffe, das war’s im Wesentlichen.
    Liebe Grüße
    Dirk
    This post was modified on 21 Sep 2011 at 09:56 am.
  • Erich Feldmeier
    Erich Feldmeier    Group moderator
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    Re: #gkc11 Gefährden soziale Medien unsere Gesundheit?
    Hallo!

    Wir sollten uns an eine frühere Erfahrung erinnern, dass sich
    80-90% der Probleme/Anfragen von selbst lösen, wenn sie eine zeitlang liegen bleiben.

    'Das Gefühl des Getrieben Sein'
    sehr interessant;
    ich glaube allerdings nicht, dass sich Klimawandel, Rohstoff- und Energiekrise etc, von selbst lösen, auch das muss uns 'berühren'
    (das was Ban Ki Moon als Globalen Selbstmordpakt bezeichnet:
    http://ed.iiQii.de/gallery/Die-iiQii-Philosophie/BanKiMoon_u... )

    ich möchte jenseits des Burnout-Themas einige elementare Aspekte der Evolution speziell der Gehirn-Evolution beisteuern.
    Leider wird Schirrmacher immer der Populismus vorgeworfen, dabei sind einige überzeugende Argumente z.B. in Payback enthalten, und wenn es 'NUR' diese paar Zitate sind:
    http://ed.iiQii.de/gallery/Die-iiQii-Philosophie/Payback_ble...

    Die Rolle des Zuckerstoffwechsels wird z.B. NIRGENDWO thematisiert, dabei ist dies die zentrale Herausforderung
    unter dem Gesichtspunkt Energieverbrauch des Gehirns (ca. 30-70 %! des Gesamt-Körpers)
    vgl. Auffüllung der E-Reserven:
    http://ed.iiQii.de/gallery/Science-TheOnlyNews/RadhikaBashee...

    Unbestechliche Argumente:
    http://ed.iiQii.de/gallery/Science-TheOnlyNews/JonathanLevav...

    Autopilot-Modus des Verhaltens:
    http://ed.iiQii.de/gallery/Science-TheOnlyNews/JoshuaDGreene...

    Fazit: Wir !sparen! also an der Detailtiefe der Wahrnehmung, ohne dass es uns bewusst wird.
    Stichwort: kognitiver Geiz und kortikale Entlastung:
    http://ed.iiQii.de/gallery/Science-TheOnlyNews/ChristianSche...
    etc. etc.

    Innovative Grüße,
    EF
    This post was changed on 21 Sep 2011 at 08:17 am by Boris Jäger .
  • Dirk Liesch
    Dirk Liesch    Premium Member
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    80-90% der Anfragen erledigen sich selbst
    Hallo Herr Feldmeier,
    ich hatte in der zweiten Antwort den Zeitraum des "liegen lassen" etwas konkreter mit 1-2 Tagen angegeben.
    Für mich wäre es völlig ok gewesen, wenn die Themen "Klimawandel, Rohstoff- und Energiekrise ..." erst nach diesem Puffer-Zeitraum gelöst worden wären ;-).
    LG Dirk