Location Based Services - Wirtschaftlichkeit und Sicherheit (M-Commerce & Wirtschaftsinformatik)

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  • Hans-Peter Caesar
    Hans-Peter Caesar    Premium Member   Group moderator
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    Maut: Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?
    Wir stehen nun kurz vor dem zweiten Anlauf der Maut-Einführung. Tolle Sache, die Ortung mit Satelliten und der Abgleich mit automatischen Kameras. Etwas umständlich für die Fahrer ohne OBU, aber vielleicht ist das ja nicht mal unbeabsichtigt.

    Und die Add-ons: die Speditionen können zusätzliche Services buchen, z.B. wo ihr LKW gerade ist, wann er wo ankommt etc.

    Nur würde ich manchmal gerne wissen, ob es nicht auch einfacher, schneller und billiger gegangen wäre.

    Z.B. mit einfachen GSM-fähigen Endgeräten, verplompt, die sich beim Anlassen der Maschine automatisch in das GSM-Netz anmelden und über die jeweilige Funkzelle relativ einfach zu lokalisieren sind. Mit einfachen Tastaturen, mit denen per SMS der Zielort eingegeben werden könnte (wozu eigentlich, das System weiß ja, wo sich der LKW befindet) und einem kleinen Display, über das per SMS Anweisungen aus der zentralen Disposition kommen könnten.

    Ach ja, und telefonieren könnte man auch damit.

    Die technischen Lösungen dazu existieren auch. Ich möchte jetzt keine Werbung für meine alte Firma LogicaCMG machen, über deren SMS-Switches 100 % aller in Deutschland versendeten SMS-Nachrichten laufen (und die trotzdem keiner kennt), aber in den Niederlanden existiert eine Referenzanwendung für die Provinz Noord Brabant, mit der statt über Induktion an bestimmten Autobahnabschnitten die Verkehrsinformationen per anonymisierten Funkzellen-Informationen der GSM-Endgeräte in Fahrzeugen gewonnen werden (http://www.mts-live.com). Natürlich nicht nur für Autobahnen sondern über das komplette Straßennetz.

    Was also benötige ich, um Akzeptanz zu erzielen? Einfachheit, schnelle Umsetzung und niedrige Kosten? Oder erfolgreiche Lobby-Arbeit und politischen Zwang?
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  • Hans-Peter Caesar
    Hans-Peter Caesar    Premium Member   Group moderator
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    Re^2: Maut: Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?
    Es sieht so aus, als überholt uns gerade die Realität:

    "Mit der Einführung der LKW-Maut hat allerdings auch der Schwerverkehr auf einigen Bundesstraßen zugenommen. So vermeldete die Märkische Allgemeine aus Brandenburg, dass Spediteure, die den Großraum Berlin beliefern, die Stadt über Bundesstraßen anfahren. Gegen Mautvermeidungsstrategien dieser Art forderte Bayerns Innenminister Günther Beckstein heute eine schnelle Ausweitung der Maut auf die Bundesstraßen, die als Ausweichrouten genutzt werden. Er verwies dabei auf ein Gutachten, das eine Zunahme des Schwerlastverkehrs auf Bundesstraßen um zwei bis vier Prozent prognostiziert. Sein Ministerium kontrolliere darum die möglichen Ausweichstrecken mit Verkehrszählern, um den Umfang der "Mautflucht" belegen zu können, erklärte Beckstein.

    Eine Ausweitung der Maut auf Bundesstraßen ist von Autobahnmautgesetz her möglich, wobei jedoch nicht einfach alle Bundesstraßen vermautet werden dürfen. Technisch ist die Ausweitung mit der derzeit eingesetzten abgespeckten OBU-Software nicht möglich. Erst ein Upgrade der OBU-Software versetzt Toll Collect in die Lage, den bislang fest gespeicherten Netzplan der Mautstrecken via GSM zu erweitern. Auch juristisch ist noch nicht geklärt, wie ein Straftatbestand der "Mautflucht" definiert werden kann."
    *** Presse vom 5.1.05 ***

    Dass LKWs Landstraßen stärker nutzen werden, war eigentlich abzusehen. Jetzt würde ich gerne wissen, wie der Netzplan per GSM erweitert werden kann. Und dann würde ich gerne wissen, warum man überhaupt ein Satellitensystem braucht, wenn zum Schluss doch GSM genutzt wird ;-)

    Das von Ihnen, Herr Fritsch, angesprochene Problem der Abgrenzung Autobahn / Nicht-Autobahn hätte ich umgangen mit einer Entfernungsmaut von A nach B, unabhängig von der genutzten Verbindung.
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  • Guenter Nolte
    Guenter Nolte    Premium Member   Group moderator
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    Re^4: Maut: Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?
    Hallo, allerseits

    das Thema Toll Collect hat mich in dieses Forum geführt. Im Logistik-Forum https://www.openbc.com/net/logistik/ gab es schon Beiträge zu dem Thema:
    https://www.openbc.com/cgi-bin/forum.fpl?op=showarticles&...
    https://www.openbc.com/cgi-bin/forum.fpl?op=showarticles&...

    Die hier begonnene Diskussion geht m.E. ein wenig salopp mit den Voraussetzungen um: unter der Bedingung, dass die Maut nur auf Autobahnen erhoben wird, muss feststellbar sein, ob sich ein Fahrzeug nun auf der Autobahn befindet oder vielleicht auf einer nicht mautpflichtigen Bundesstrasse, die 20m daneben verläuft. Oder gar auf einer Strasse, die per Unterführung unter der Autobahn durch geht. Das kann GSM nicht leisten.

    Deshalb ist dann auch die weitere Argumentation ein wenig "fadenscheinig", wenn gesagt wird: "Erheben wir eben eine Maut für jegliche Fahrstrecke von A nach B". Ist zwar eine interessante Anregung, Herr Stolpe und Herr Eichel werden vielleicht froh darüber sein, aber das ist nicht die gesetzliche Lage. Es wären auch Modelle ohne jegliche Systeme möglich: erheben wir doch einfach eine pauschale Maut von z.B. 5.000 € im Jahr. Sozusagen als erweiterte KFZ-Steuer. Auch für Ausländer (Vignette). Problem ist vielleicht der EU-Gerichtshof, der das dann wieder abbügelt, wegen Wettbewerbsverzerrung.

    RFID wäre vielleicht eine Alternative, dann muss aber an jeder Auf- und Abfahrt eine Schreib-Lesestation stehen, die das jeweilige Fahrzeug ein- und ausbucht. Von der Wartung her evtl. nicht unproblematisch, und die Kosten für alle Schreib-Lesestationen? Wäre ein Rechenexempel. Das käme auch ohne GSM aus. Hier wieder sicherzustellen, dass das RFID-Tag nicht gefälscht werden kann und sozusagen der Konkurrent die Maut für das eigene Fahrzeug zahlen muss.

    Andere Frage, ist die Diskussion jetzt noch relevant?

    Ich denke, man wollte auch ein zukunftsträchtiges und -fähiges System entwickeln, das sich noch mehrfach in anderen Ländern verkaufen lässt und damit einen besseren ROI ermöglicht (für TC). Ähnlich wie mit der Magnetschwebebahn, die ja nun leider in China doch nicht zum Zuge kam.

    Gruss
    Guenter Nolte
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  • Guenter Nolte
    Guenter Nolte    Premium Member   Group moderator
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    Re^6: Maut: Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?
    Hallo, Herr Fritsch

    RFID ist eine schöne Vision, allerdings könnte es in der Praxis ein paar Schwierigkeiten damit geben. Zunächst einmal macht RFID ja kein Challenge-Response-Protokoll, sondern sendet einen Produktcode nach aussen (wie ein Barcode). Es ist also technisch ohne Probleme möglich, diese Codes abzuhören und die RFIDs zu replizieren. Deshalb nutzt man RFIDs bislang nicht am Geldautomaten.
    Zweitens ist die Speditionsbranche ja durchaus für rauhe Sitten bekannt. So ein RFID-Aufkleber o.Ä. lässt sich leicht stehlen und aufs eigene Fahrzeug kleben, ganz ohne dass ein elektronisch begabter RFID-Fälscher ans Werk muß. das sind gute Gründe. Wie aber sähe es dann mit der vorgeschlagenen GSM-Lösung aus? Ein Mobiltelefon lässt sich auch leicht klauen. Nicht umsonst werden die OBUs unbrauchbar, wenn Sie versuchen, sie zu öffnen. Und aus dem Grund gibt es auch die zentrale Personalisierung, d.h eindeutige Zuordnung des Fahrzeugs zum Gerät, was logistisch gesehen eine nicht ganz einfache Aufgabe ist. An den Kontrollbrücken werden die Fahrzeuge fotografiert und die Daten mit dem zentralen System abgeglichen. Wenn Sie eine geklaute OBU in ein anderes Fahrzeug einbauen, werden Sie ziemlich schnell auffallen.

    Gruss
    Guenter Nolte