Location Based Services - Wirtschaftlichkeit und Sicherheit (M-Commerce & Wirtschaftsinformatik)

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  • Anton Brucker
    Anton Brucker    Premium Member
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    LBS - Content und Mehrwertdienste
    Damit LBS überhaupt vom Verbraucher angenommen werden, bedarf es sinnvoller Dienste sowie gepflegter Contents, damit der User auch bereit ist, diesen Mehrwert über Premiumgebühren etwa zu bezahlen. Doch wo findet man ortsbezogene Daten und wie bestiimt man überhaupt die Qualitätsmerkmale?

    Ich sehe vor allem folgende Schwerpunkte, zu denen mich auch die Meinung anderer sehr interessiert:

    - POI-Daten (Points of Interest) mit Informationen, die über den "Yellow Pages"-Ansatz hinausgehen. Es gibt hervorragende Quellen hierfür, aber auch sehr zweifelhafte. Für mich als Content-Aggregator und -Produzent stets sehr spannend.

    - Geokodierung: Wie genau muss ich die Adressen der POI auf den digitalen Karten verorten, um den User optimal zu bedienen? Und wie gelange ich an diese Koordinaten, wenn ich wirtschaftlich arbeiten möchte?

    - ortsbezogene Dienste an sich: Wir finden auf den deutschen Mobilportalen sowie von diversen herstellern alle denkbaren Location Based Services wie Friendsfinder, Geldautomatenfinder, Storage-Finder, Wetterinformationen, Navigationslösungen jeglicher Art und Güte, Taxidienste uvm. Wie muss ein Dienst aussehen, um Aussicht auf Erfolg zu haben? Und welche Anwendungen haben jetzt oder künftig das Potential, echte Dauerbrenner zu werden?

    Zum Hintergrund: Unser Unternehmen fokussiert auf das Thema LBS. Ich selbst verantworte dabei das Ressort "Content und Entertainment" und kenne seit Jahren die Herausforderungen, Tücken, Chancen und Quellen für eine erfolgreiche Vermarktung bei uns im Hause.

    Ich freue mich auf rege Beiträge.

    Anton Brucker
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  • Anton Brucker
    Anton Brucker    Premium Member
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    Re^2: LBS - Content und Mehrwertdienste
    Hallo Herr Fritsch,

    erstmal vielen Dank für dieses ausführliche Statement. Sie haben auch recht, wenn Sie zwischen den verschiedenen Contents unterscheiden.
    Da wir ja selbst LBS-Dating und LBS-Premiumdienste anbieten bzw. betreiben, sind uns die einzelnen Bestandteile sehr vertraut. Doch konkret zu Ihren Punkten:

    - LBS-Dating: Die User und ihre Profile machen den wesentlichen Content aus, die Hinzunahme von POI kommt sehr viel später. Erst mit dem entsprechenden Volumen sowie der Flächendeckung über das gesamte Land machen POI erst wirklich Sinn, da diese dann auch über LBS-Marketing-Aktionen einbinden kann. So könnte dann ein McDonald´s später sagen: Trefft Euch doch in meinen Locations, da erhaltet Ihr auch noch Gutscheine etc. Doch bis die kritische Masse aufgebaut ist, wird ne ganze Zeit vergehen.

    - LBS-Gaming: Das Spielszenario sowie die Interaktion des Users bilden einen sehr dynamischen Content, der durchaus sehr komplex werden kann. Zwar kenne ich noch kein wirklich durchschlagendes Konzept für ein erfolgreiches Spiel als LBS - die Schatzsuche allein mit der GPS-Koordinate hat jetzt auch nicht den erwarteten Boom ausgelöst -, doch können wir hier sicher noch sehr gespannt sein.

    - Kneipen-Happy-Hour-Finder: Den Content kenne ich noch nicht, wo ich all diese Daten zuverlässig und gepflegt auffinden kann. Es gibt wenige umfangreiche Gastro-Datenbanken, die allesamt mit der sehr hohen Fluktuation der Pächterwechsel etc. zu kämpfen haben. Zudem sehe ich hier kein wirkliches Geschäftsmodell für einen standalone-Dienst. Aber als Teil eines Gesamtangebots könnte ich mir dies sicher vorstellen. Dann wüßte ich auch Projekte, wo dies hineinpassen würde - sehr gut sogar.

    - die Premiumdienste wie Wetter etc.: Die Daten stammen zwar direkt von den Wetterdienstleistern, doch verwendbar für mobile Dienste sind sie nicht unbedingt. Hier ist die technische Aufbereitung notwendig sowie evtl. auch die Verknüpfung mit Satellitenbildern, Navigationslösungen etc.

    Was Sie jedoch als statische Contentdaten bezeichnen, ist nur selten wirklich statisch. Und auch die Einsatzgebiete sind mannigfaltig. Wir sehen das selbst an verschiedenen Projekten, nicht nur an mehreren Anbietern. Denke ich etwa an Flottenmanagement-Tools, Geo- und Direktmarketing, Navigationssysteme, webbasierte Filialfinder, Roaming-Dienste in diversen Sprachen uvm., so entwickeln sich die Vermarktungsmöglichkeiten für POI sehr spannend.

    Und auch die Anmerkung bzgl. "Kopien der Gelben Seiten" ist - bitte verzeihen Sie - sehr veraltet. Sie finden solche Daten, die von reinen Adressdienstleustern stammen, wo sie millionenfach vorliegen, in keinem Premiumdienst mehr. Selbst unsere Mitbewerber im Lösungsbereich kaufen bei uns POI-Daten ein, da sich diese absolut von Yellow Pages unterscheiden. Worin? In folgenden wichtigen Punkten:
    - Tiefeninformationen: Den eigentlichen Mehrwert zahlen die User nicht für die Adressangaben, sondern für die Informationen, die nicht überall frei erhältlich sind, also Öffnungszeiten, Notdienstzeiten, Preise, Servicveleistungen, Bilder, Videos, redaktionelle Texte uvm.
    - Aktualität: Die Daten müssen laufend nachrecherchiert werden in verschiedenen Zyklen, je nach Thema. Wer zahlt schon für für die Information über eine Notdienstapotheke, die gar keinen Dienst hat. Niemand. Ganz im Gegenteil: diesen User vergraule ich mir noch mehr.
    - Qualität: Die Daten selbst müssen auch in der Darstellung stimmen. Ob redaktionelle Texte, die richtigen Grafiken zu den Wetterinfos uvm. Hier steckt sehr viel Arbeit drin, um einen sinnvollen Dienst zu betreiben.
    - Flächendeckung: Nur wenn ein Dienst für ein komplettes Land bereitsteht bzw. für die Regionen, die vom Endkunden gewünscht werden, kann ein Dienst auch damit rechnen, genutzt zu werden.

    All diese Kriterien finden Sie bei Yellow Pages kaum realisiert. Sie haben hohe Ausschussquoten, die Sie noch nicht einmal rückerstattet bekommen. Yellow Pages machen an ganz anderer Stelle viel mehr Sinn, aber nicht bei LBS. Und daher auch mein initiiertes Brett hier.

    Zur Geokodierung: Dies ist ein eigenes Thema, das eine wichtige Rolle spielt, aber vor allem in der Wirtschaftlichkeit an seine Grenzen stößt. Viele interpollieren und sagen dann, ihre Daten seien hausnummerngenau. Das ist ein Trugschluss und gegenüber dem User nicht vertretbar. Andererseits auf die Daten der Ämter zu warten, die ja auch erst technisch einheitlich aufbereitet werden müssen, um für einen Geokodierungsdienst nutzbar zu sein, könnte sehr lange dauern. Sehr lange. Aber auch hier gibt es Alternativen. Firmen, die auf Basis von Satellitenbildern Geokodierungen vornehmen etwa. Sehr genau und von der EU gefördert. Da sind wir selbst auch dran, also an deren Daten.

    Die sog. POI haben also mit Yellow Pages nicht viel gemeinsam und bedürfen der näheren Betrachtung in Sachen Qualität und Quellen etc. Und alle weiteren Contents haben es ebenfalls in sich.

    Mit besten Grüßen
    Anton Brucker
  • Dirk Robert Kuhlmann
    Dirk Robert Kuhlmann    Premium Member
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    Re^3: LBS - Content und Mehrwertdienste
    Also die Gretchenfrage: Hat LBS eine Vermarktungschance für Konsumenten und wenn ja, wie muss der Content strukturiert sein?

    - Dating ok, als Add-On zu einer existenten Datingplattform.

    - Gaming kann ich mir in Japan vorstellen, viele dieser Ansätze der Handyspiele haben aber den Jump nach EU oder US nicht geschafft.

    - Yellow Pages oder POI-Push sehe ich höchstens als Nocost-Betrieb.
    Fast jedes Handy kann heute googeln. Der Mehrwert muss klar erkennbar
    sein und bleiben, sonst stirbt der Dienst nach der Neugierphase.

    - Der Content muss meiner Meinung nach (Gespräche mit Handel und Industrie haben diese geprägt) sehr zielgruppen- und situationorientiert aufbereitet werden. Vorteil dort, wo Mobilkommunikation der einzige Kanal
    ist - z.B. bei der Radtour, Kanutour etc. Sehenswürdigkeiten. Bitte nicht aus jedem Schild in der City eine Message kreieren.

    - Der Content wird in hoher Qualität und gern audiovisuell aufgenommen.
    Wenig (oder keine) Interaktion ist oft mehr !

    - Premiumdienste müssen garnicht selbsttragend sein, wenn man den werbungsfinanzierten Weg nutzt. Bei POS TV haben wir gelernt, dass man ein Konzept sorgfällig validieren muss, um bei der Contentfrage erfolgreich zu sein. Auch hier führt man keine Technik sondern ein Medium ein.

    VG DRK