Lean Thinking
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Michael DänelThe company name is only visible to registered members.17. Juni 1953 - Können wir davon etwas lernen?
Hallo in die Runde,
in den vergangenen Tagen las ich das Buch "5 Tage im Juni" von Stefan Heym.
Die beschriebenen Ereignisse liegen bereits 58 Jahre zurück. Doch können wir daraus noch etwas lernen?
Das Buch (ISBN: 3-371-00844-6) wird mit dem folgenden Zitat eingeleitet:
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Aus dem Statut der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands angenommen auf dem iV. Parteitag im April 1954,
Unterabschnitt "Die Parteimitglieder, ihre Pflichten und Rechte" Absatz 2(h)
"Das Parteimitglied ist verpfilchtet ... die Selbstkritik und Kritik von unten zu entwickeln, furchtlos Mängel in der Arbeit aufzudecken und sich für ihre Beseitigung einzusetzen; gegen Schönfärberei und die Neigung, sich an Erfolgen in der Arbeit zu berauschen, gegen jeden Versuch, die Kritik zu unterdrücken und sie durch Beschönigung und Lobhudelei zu ersetzen, anzukämpfen ..."
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Die Parteitagsdeligierten von damals hatten ganz sicher etwas aus den Ereignissen von 1953 gelernt. Sicher, in späteren Jahren ist dieser Grundsatz wohl wieder ein wenig in Vergessenheit geraten. Doch wenn ich in die jüngere deutsche Geschichte zurückblicke, gab es nur selten Zeiten, in denen wie im Zitat angeführt, gehandelt werden sollte.
So manche heutige Führungskraft wäre mit hieran angelehnten Unternehmensgrundsätzen gelinde gesagt überfordert, denn diese Grundsätze entsprechen nicht den heute gelebten Führungsstrategien und gesamtgesellschaftlichem Verhalten. Ausnahmen soll es jedoch geben.
Oder habe ich da etwas übersehen?
Einen spannenden Meinungsaustausch und einen etwas ruhigeren Freitag wünscht
Michael
- 02 Jun 2011, 6:23 pm
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Gregor ElkeThe company name is only visible to registered members.Re: 17. Juni 1953 - Können wir davon etwas lernen?
Hallo Michael!
Interessant! Vor allem vor dem Hintergrund der späteren Entwickung der DDR und der hier eingesetzten Praktiken um eben diese Kritikkultur zu unterdrücken und zu verhindern.
Daraus mag ich schliessen, dass jegliche Art von offener Kritikkultur als Machtgefährdend angesehen wird. Das ist eine wirklich interessante Lektion, da dies, wie du auch schon angemerkt hast, sicherlich auch heute gilt und danach Veränderungsprozesse hin zu offeneren Gesellschaftssystemen von derzeitigen, aber auch potentiel künfitigen, Machtinhabern und Profiteuren torpediert werden. Auch anschaulich zu sehen in den arabischen Ländern.
Warum ist das so?
Gruß
Gregor
- 03 Jun 2011, 09:34 am
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Ralf Lippold Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^2: 17. Juni 1953 - Können wir davon etwas lernen?
Hallo,
Danke Michael für den Hinweis (ich aus dem Westen stammend hätte dies nicht gefunden).
Ähnliches kann man in Unternehmen immer wieder beobachten. Insbesondere, wenn sie
sich erweitern oder neue Wege beschreiten stimmen Wort (wie in Zitat - natürlich dem Kontext
entsprechend ;-)) und Tat überein.
Doch so nach und nach (unmerklich fast) schleichen sich Abläufe ein, die Mikropolitik (erstmals
1991 in Bamberg gehört den Ausdruck in Vorlesung Personalwesen) ermöglichen, und dann
ist es schnell aus mit der Kritikmöglichkeit (denn wer aufmuckt fliegt, so war es interessanter-
weise schon lange in der Geschichte der Menschheit).
Zu pessimistisch? Muss man es so machen, wie Tracy Huston, Autorin von "Inside Out" es vorschlägt:
komplette Führungsriege (alle (!)) raus und dann von Scratch aufbauen mit den neuen Strukturen.
Gibt es andere Wege, oder ist all unser Tun zum Scheitern verurteilt?
Ich glaube an das Gute, denn erlebt habe ich es mehrfach (natürlich auch die andere Seite :-().
Cheers, Ralf
- 03 Jun 2011, 10:33 am
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Michael DänelThe company name is only visible to registered members.Re^3: 17. Juni 1953 - Können wir davon etwas lernen?
Hallo @ll,
Interessant! Vor allem vor dem Hintergrund der späteren Entwickung der DDR und der hier eingesetzten Praktiken um eben diese Kritikkultur zu unterdrücken und zu verhindern.
Hierzu möchte ich den Blick ein wenig auf die Entwicklungen in anderen Gesellschaften richten. Die "eingesetzten Praktiken" waren keine anderen, als sie heute in Deutschland oder auch schon früher in Europa angewand wurden. Unliebsame Menschen wurden und werden bis heute, wenn man in der Geschichte zurückblickt immer auf meist unschöne Weise aus dem Verkehr gezogen. Das ist kein Phenomen der DDR.
Selbst heute ist es üblich, unbequeme Menschen (Kollegen, Mitarbeiter, Vorgesetzte, Wettbewerber usw.) wirtschaftlich, emotional und/oder gesellschaftlich zu isolieren bzw. zu ruinieren.
Warum ist das so?
Die Wurzel dieses Übels ist die Furcht (oder: schädliche Angst), besonders Verlustängste bezüglich wirtschaftlicher und sozialer Sicherheit erwachsen aus mangelndem Vertrauen.
Angst ist eine Funktion die den Menschen vor schädlichen Handlungen und gefährlichen Situationen schützen soll. (springe nicht vom Dach, berühre nicht die brennenden Kohlen im Schmiedefeuer)
Hiermit hängen dann auch Machtfragen zusammen. Die Herrschaft von Menschen über Menschen ist eine Projektion von Angst.
Die folgenden Beispiele aus zwei völlig unterschiedlichen Kulturkreisen sollen die Rolle der Erziehung unserer Kinder und die Art des zwischenmenschlichen Umganges im Alltag aufzeigen:
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Indianische Geschichte (Quelle unbekannt)
Ein alter weiser Mann erzählt seinem Enkelsohn die Geschichte über die Schlacht, die sich in seinem Innern abspielt. Er sagte:
»Weißt du, es ist ein Kampf zwischen zwei Wölfen. Der eine ist böse und besteht aus Zorn, Neid, Leid, Ablehnung, Gier, Arroganz, Selbstmitleid, Schuld, Ärger, Minderwertigkeit, Lügen, falschen Stolz, Überlegenheit und Ego.
Der andere ist gut und besteht aus Freude, Frieden, Liebe Hoffnung, Heiterkeit, Bescheidenheit, Güte, Wohlwollen, Einführungsvermögen, Großzügigkeit, Wahrheit, Anteilnahme und Vertrauen.«
Der Enkel dachte kurz darüber nach und fragte dann: »Großvater, welcher Wolf gewinnt?«
Der alte weise Mann antwortete schlicht: »Derjenige, den ich füttere.«
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Zitat aus 1. Korinther Kap. 13 Verse 4 bis 8:
4 Die Liebe ist langmütig und gütig. Die Liebe ist nicht eifersüchtig, sie prahlt nicht, bläht sich nicht auf, 5 benimmt sich nicht unanständig, blickt nicht nach ihren eigenen Interessen aus, läßt sich nicht aufreizen. Sie rechnet das Böse nicht an. 6 Sie freut sich nicht über Ungerechtigkeit, sondern freut sich mit der Wahrheit. 7 Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, erduldet alles.
8 Die Liebe versagt nie.
Dieser Teil der Bibel wurde aus dem griechischen übersetzt. Deshalb sind die vier unterschiedlichen Begriffe für "Liebe" in der griechischen Sprache in das Verständnis des Textes einzubeziehen:
1. grundsatztreue Liebe (agápe)
2. die starke familiäre Liebe oder natürliche Zuneigung, die auf Blutsverwandtschaft beruht (storge)
3. Zuneigung unter Freunden, ohne daß dabei das Geschlechtliche mitschwingt (philía)
4. die Bezeichnung für die romantische Liebe, bei der die geschlechtliche Anziehung eine Rolle spielt (éros)
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Das Gegenstück zur Angst (auf zwischenmenschlicher Ebene) ist Emotionale Bindung mit allen positiv wirkenden Atributen.
"Liebe" als Umgangsform im Sinne der humanistischen Philosophie ist ein durchaus lösbarer Weg, die Furcht zwischen den Menschen abzubauen.
Die Führung in der DDR ist an dieser "Erziehungsarbeit" zum Teil gescheitert, denn es blieb u.a. das Gesetz über die kritische Masse unbeachtet.
Zum anderen wandte man Handlungsstrategien für einfach organisiertes, stabiles System auf ein komplexes, instabiles System an und wunderte sich, daß der Musterwechsel in eine andere, als die gewünschte Richtung erfolgte (siehe Tabelle Seite 41, P. Kruse, ISBN: 978-3-89749-439-8), wobei letzteres bis heute dem Handlungsmuster in deutschen Unternehmen entspricht.
Warum ist das so? Ich hoffe einen Teil der Frage beantwortet oder zumindest Anregungen für die Aufzählung weiterer (Lösungs)WEGE gegeben zu haben.
Schlußendlich geht es mir darum, ein neues Denken zu befördern, daß einen Weg aus der ANGSTgesellschaft aufzeigt.
Um diese Abhandlung nicht zu sehr auszuweiten, habe ich auf ein Negativbeispiel (die Entwicklung in Sparta und ihre Kopien im 20./21. Jhd.) verzichtet.
Sollte sich jemand an den aufgezeigten Beispielen stoßen, möge er mich persönlich kontaktieren und mir weitere aussagekräftige und für unseren Kulturkreis verständliche Gleichnisse mitteilen.
Vielen Dank für Ihr/Euer Interesse. Ich freue mich auf konstruktive Kommentare und Meinungen.
Michael
This post was modified on 03 Jun 2011 at 02:57 pm.- 03 Jun 2011, 2:53 pm
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Gregor ElkeThe company name is only visible to registered members.Re^4: 17. Juni 1953 - Können wir davon etwas lernen?
Danke Michael, für deinen Beitrag. Ich bin völlig bei dir, was das angeht. Es ergibt sich natürlich wieder das Problem der Realisierung. An manchen stellen, lassen sich Konzepte wie Liebe udn Vertrauen in der Wirtschaft umsetzen, Microkredite im Grundsatz sind da ein leuchtendes Beispiel.
Andererseits ist es schon schwer Vertrauen auf Win-Win-Grundlage, also rein rationalen Erwägungen, aufzubauen. Da ist einfach ein unheimlich großer Gap entstanden, dadurch das Rationalität übermäßig stark gegenüber Gefühlen gewichtet wurde und das seit hunderten von Jahren. Erst seit kurzem wird Gefühl und Intuition wieder salonfähig, teilrationalität und rückkehr zum humanistischem Menschenbild.
Gruß
Gregor
- 03 Jun 2011, 4:12 pm
