Leipziger Köpfe

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  • Katharina Novoselov
    Katharina Novoselov    Group moderator
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    Nude Visions: 150 Jahre Körperbilder in der Fotografie
    Die Ausstellung "Nude Visions" widmet sich seit Sonntag der langen Historie der Aktfotografie. Das Museum der bildenden Künste Leipzig zeigt über 300 Fotografien sowie zahlreiche Zeitschriften und Bücher zum Thema "150 Jahre Körperbilder in der Fotografie". Die Ausstellung hinterfragt unser Körperbild, das sich den letzten 150 Jahren mehrfach gewandelt hat. Zu sehen ist sie bis zum 7. November 2010.


    Privater Blick ins Schmuck-Etui

    Daguerreotypien, die seit den 1840er-Jahren in Paris entstanden, bilden den Anfang der Aktfotografie. Es sind kostbare Unikate, die in Schmuck-Etuis aufbewahrt, den privaten Blick auf einen weiblichen Körper erlauben. Um das Seherlebnis zu steigern, waren die Daguerreotypien oft in Farbe. Stereo-Daguerreotypien, die auch in der Ausstellung zu sehen sind, vermittelten eine skulpturale Körperlichkeit und steigerten das Seherlebnis.

    Die Aktfotografie verfolgte nicht nur erotische, sondern auch akademische Ziele. Sogenannte "Akademien", die ein Modell von unterschiedlichen Seiten in verschiedenen Positionen wiedergaben, waren für viele Künstler ab der Mitte des 19. Jahrhunderts eine preiswerte Studienvorlage. Das Aktstudium war wesentlicher Bestandteil des offiziellen Lehrplans und der Akt – vor allem der weibliche Akt – war im 19. Jahrhundert ein wichtiges Thema der Hochkunst für die Darstellung historischer, mythologischer und allegorischer Inhalte. Während der Akt in Malerei und Skulptur dem allgemeinen Schönheitskanon entsprach und den menschlichen Körper idealisierte, zeigte die Fotografie den ungeschönten Körper.

    Die Analyse des entblößten Körpers

    Bis 1880 entstanden Aktfotografien im Atelier. Jedoch suchten Fotografen vermehrt Akte im Freien und in einer exotischen Umgebung zu inszenieren. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der entblößte Körper verfremdet, entmaterialisiert, durchleuchtet, fragmentiert und auf seine prinzipielle Darstellbarkeit hin analysiert. Neue Verfahren zur Farbfotografie entwickelte beispielsweise Paul Outerbridge Jr. Seine neue Farbästhetik ließ Körperlichkeit sinnlich erfahrbar machen.

    In den 1950er- und 1960er-Jahren entstanden Körperbilder von größerer Natürlichkeit und Klarheit, in den 1970er-Jahren im Kontext von Body Art und Performance. Die Künstler erhoben die Unmittelbarkeit der eigenen körperlichen Erfahrung dabei oft zur politischen Frage.

    Die digitale Fotografie eröffnete schließlich neue Dimensionen. Mit den Möglichkeiten der Manipulierbarkeit veränderten sich die Körperbilder. Privat und öffentlich werden in Internet und Fernsehen die Darstellungsmöglichkeiten neu ausgelotet.


    Bildtradition des männlichen Aktes

    Aktfotografie wird im allgemeinen Verständnis oft mit dem Bild des weiblichen Aktes gleichgesetzt, dabei gibt es eine eigene Bildtradition des männlichen Aktes. In Deutschland beschäftigte sich Herlinde Koelbl als eine der ersten intensiv mit dem Männerakt. Ihre Bilder zeigen ein besonderes Interesse an der Individualität des Porträtierten.

    Ein weiterer Aspekt richtet sich auf die Fotografie der sogenannten Glamourwelt. Revuetänzerinnen von T. W. Salomon, die Marilyn Monroe Bilder von Bert Stern, die kurz vor ihrem Tod entstanden, aber auch Fotografien von Stripperinnen und Tänzerinnen in St. Pauli von André Gelpke oder Prostituierte von Antoine d'Agata sind zu sehen. Außerdem ausgestellt sind zwei Werke von Marilyn Minter, die die dunkle Kehrseite des Glamourösen zeigen.

    Den Originalartikel und einen Videobeitrag finden Sie auf: http://www.mdr.de/sachsen/leipzig/7530858.html