Logistics

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  • Sven Bennühr
    Sven Bennühr
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    Wie viel sollten Unternehmen in die Logistikforschung investieren?
    Hallo zusammen,
    auf dem Zukunftskongress Logistik (früher Dortmunder Gespräche) hat Prof. ten Hompel die These aufgestellt, dass die Logistikbranche rund ein Prozent ihres Umsatzes in die Forschung stecken sollte. Wie ist die Meinung dazu hier in diesem Forum? Können oder müssen die Unternehmen (Industrie, Handel, Dienstleistung) das leisten?
    Ich freue mich auf eine spannende Diskussion und interessante Beiträge.
    Herzliche Grüße aus Hamburg,
    Sven Bennühr
  • Guenter Nolte
    Guenter Nolte    Premium Member   Group moderator
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    Re: Wie viel sollten Unternehmen in die Logistikforschung investieren?
    Hallo Herr Bennühr,

    Logistiker sind ja allgemein ziemlich konservativ. D.h., wenn "es läuft", dann ist ja alles gut, also man muss dann keine zusätzlichen Anstrengungen unternehmen.

    Meine Einschätzung dazu ist, dass 1% Ausgaben für Forschung in der Branche eine Steigerung bedeutete.

    Selbstverständlich muss man differenzieren. Das FH IML und andere Forschungsinstitute sind da oft an der vordersten Front und leisten auch exzellente Arbeit. Nur die Umsetzung ins allgemeine Logistikerleben ist eher zögerlich.

    In vielen, wenn nicht den meisten Unternehmen ist die Logistik ja eher noch ein "Kostenfaktor" - sozusagen ein notwendiges Übel, das man nicht besonders schätzt. Oft werden die "Fusskranken", die in der Produktion nicht mehr "taugen", ins Lager gesteckt. Wenn dann was nicht klappt, wird um so mehr geschimpft. Soweit die Verladerseite betroffen ist.

    Auf der Dienstleisterseite herrscht meist ein enormer Kostendruck, da "verschwendet" man auch möglichst kein Geld für Dinge, die nicht in den nächsten 3 Monaten einen ROI bringen. Lediglich die ganz Großen der Branche können sich Renommierprojekte leisten, wobei sie sich dann auch gern damit loben, z.B. dass sie CO2-neutral fahren oder ähnliche, nicht so ganz leicht nachprüfbare Aussagen.

    Die Rationalisierungseffekte, die in der Logistik erzielbar sind, werden zwar von der Forschung und von Berater immer wieder hervorgehoben, aber der Klientel fehlt irgendwie die Einsicht oder der Glaube.

    Deshalb ist da m.E. noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten.

    Beste Grüsse
    Guenter Nolte
  • Sven Bennühr
    Sven Bennühr
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    Re^2: Wie viel sollten Unternehmen in die Logistikforschung investieren?
    Hallo Herr Nolte,

    Die Rationalisierungseffekte, die in der Logistik erzielbar sind, werden zwar von der Forschung und von Berater immer wieder hervorgehoben, aber der Klientel fehlt irgendwie die Einsicht oder der Glaube >
    Könnte es auch sein, dass der Branche über die Möglichkeiten, sich an Forschungsprojekten zu beteiligen und als Praxispartner direkten Nutzen daraus zu ziehen, nicht genug Informationen vorliegen?

    Viele Grüße,
    Sven Bennühr
  • Guenter Nolte
    Guenter Nolte    Premium Member   Group moderator
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    Re^3: Wie viel sollten Unternehmen in die Logistikforschung investieren?
    Hallo Herr Bennühr,
    Sven Bennühr schrieb:
    Könnte es auch sein, dass der Branche über die Möglichkeiten, sich an Forschungsprojekten zu beteiligen und als Praxispartner direkten Nutzen daraus zu ziehen, nicht genug Informationen vorliegen?
    die "Großen" wie z.B. die Automobilindustrie haben diese Informationen und nutzen sie auch. Im Mittelstand sind eher noch Informationslücken vorhanden. Oder man kennt nicht die Formalien, die für so ein Projekt zu erfüllen sind (BMFT-Anträge etc.) Da wäre so eine "Bedienungsanleitung" wahrscheinlich hilfreich.
    Beste Grüsse
    Guenter Nolte
  • Marc Lügger
    Marc Lügger    Premium Member
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    Re^3: Wie viel sollten Unternehmen in die Logistikforschung investieren?
    Hallo Herr Bennühr

    aus meiner Erfahrung (unter anderem bei der Akquise von Unternemen für Forschungsprojekte) komen hier mehrere Faktoren zusammen.
    Zum einen gibt es nur sehr wenige geförderte Forschungsprojekte die für alle Unternehmen offen sind. Hier herrscht leider ein sehr großer Lobbyismus seitens der BVL und der großen Forschungseinrichtungen. Will heißen, dass in sehr vielen Fällen die forschenden Einrichtungen ein Projekt mit den ihnen bekannten Unternehmen bzw. Partnern planen, um dann gezielt bei den zuständigen Gremienen auf eine Förderausschreibung hinzuarbeiten. Diese Ausschreibungen sind dann zumeist rel. eng definiert bzw. so auf das geplante Projekt ausgerichtet, dass nur wenige "externe" Unternehmen überhaupt auf die Idee kommen einen Antrag zu stellen.
    Zudem sind die Ausschreibungen vielfach sehr schwierig zu finden und dann so spät, dass es zumeist gar nicht mehr möglich ist, einen sinnvollen Antrag zu schreiben.

    Zum anderen besteht in dieser branche sicherlich die bereits angesprochene Problematik, dass sie vielfach als notwendiges Übel und nicht als eine für die Wertschöpfung unabdingbare Einrichtung gesehen wird. Wenn gespart wird, dann an der Logistik.

    Ein dritter Punkt ist noch die Technologiegläubigkeit in der deuteschen Politik. Fast alle Forschungs- und Förderprojekte sind extrem auf technologische Aspekte oder neue Produkte ausgelegt.
    Logistik hingegen ist in den meisten Fällen eher Dienstleistungs- oder anwendungsorientiert. Hier klafft eine erhebliche Lücke in der Förderungslandschaft, die nur durch eine langwierige Aufklärungsarbeit geschlossen werden kann.