Medienpädagogik

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  • Felix Rudolph-von Niebelschütz
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    Sendung „Tatort Internet“ untergräbt medienpädagogische Arbeit
    Sendung „Tatort Internet“ untergräbt medienpädagogische Arbeit

    Über das neue Sendeformat von RTL2 „Tatort Internet – schützt endlich unsere Kinder“ ist seit der Erstausstrahlung am 7. Oktober 2010 viel geschrieben worden. Kritik erhielt die von Stephanie zu Guttenberg und dem ehemaligen Innensenator und Polizeipräsidenten Hamburgs Udo Nagel moderierte bzw. unterstütze Sendung von vielen Seiten. Das ein Sendeformat von RTL2 nicht eben einen hohen Anspruch an journalistischer oder filmischer Qualität erwarten lässt, zeigen schon andere Sendungen wie die „Exklusiv“-Doku »Grenzenlos geil – Deutschlands Sexsüchtigste packen aus« – und ist für uns von LogOut auch keinen Kommentar wert.

    Da sich aber „Tatort Internet“ mit einem sehr wichtigen und brisanten Thema der virtuellen Welten beschäftigt, nämlich den sexuellen virtuellen und realen Übergriffen, betrifft dies unsere medienpädagogische Arbeit.

    In Projekten mit Kindern bzw. Jugendlichen und in der Elternarbeit informieren wir über die Chancen ebenso wie Risiken bzw. Gefahren der virtuellen Welten des Internets. Dazu vermitteln wir Eltern Möglichkeiten des Schutzes ihrer Kinder. Ein entscheidender Faktor für den kompetenten Umgang mit dem neuen Medium ist unserer Ansicht nach das Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und ihren Kindern. Hierfür erklären wir Eltern die Faszination, die Ihre Kinder beispielsweise bei Computerspielen und Internetanwendungen wie SchülerVZ oder Chats erleben. Kindern erklären wir die Sorgen, Bedenken Ihrer Eltern und diesbezügliche reale Risiken der Anwendungen. Über dieses gegenseitige Verständnis und Respekt der Interessen des Anderen kann ein fundiertes Vertrauensverhältnis entstehen bzw. gestärkt werden
    Vielen Problemen und Gefahren im Internet kann etwas entgegen gesetzt werden, wenn das betroffene Kind mit den Eltern darüber redet. Wenn es im Chat von Jemandem mit Fragen, Kommentaren oder Bildern belästigt wird, braucht es eine Vertrauensperson um diese a) zu verarbeiten und b) nötige Schritte einzuleiten.

    Was aber ist das Problem der Sendung „Tatort Internet“? Hier werden mit reißerischen und vorurteilsstärkenden Mitteln emotional überfrachtete Szenarien gezeigt. Diese steigern die Furcht der Eltern vor den neuen Medien und den für sie meist unbekannten virtuellen Welten. Der Drang wird dadurch bestärkt, die eigenen Kinder generell vor dem „gefährlichen“ Internet fernzuhalten. Dies hat zur Folge, dass a) Kinder durch das Verbot des aktiven Gebrauchs den kompetenten Umgang mit dem Medium nicht lernen können b) sie trotzdem bei Freunden oder anderweitig in einer ungeschützten Umgebung das Internet nutzen können und c) sie sich bei einem Problem oder Vorfall vermutlich nicht an die Eltern wenden, da sie ein „ich habe es dir doch verboten!“ und totalen Entzug der Kommunikationswege des Internets fürchten werden. Was bei heutigen Jugendlichen fast einer sozialen Isolation gleichkommt.

    Der medienpädagogischen Arbeit die seit den letzten Jahren an Schulen, an außerschulischen Kinder- und Jugendeinrichtungen und von verschiedenen anderen Initiativen im Bereich für die Förderung eines medienkompetenten Umgangs geleistet wird, erhält durch dieses bewusste Schüren von Ängsten durch ein Sendeformat wie „Tatort Internet“ eine vehemente Bremse.
    Dies zeigt sich auch durch die offizielle Distanzierung der „deutschen Gesellschaft für Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung und -vernachlässigung e.V.“ des „Kinderschutz e.V.“ und des „Dunkelziffer e.V. - Hilfe für sexuell missbrauchte Kinder“ von der Sendung. Auch die für die medienrechtliche Prüfung des Privatsenders RTL2 zuständige „hessische Medienanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien“ nimmt sich derzeit der Sendung an.

    Schade ist, dass es eigentlich sehr wichtig wäre, das Thema bzw. die Problematik der sexuellen Übergriffe im Internet in die Öffentlichkeit zu bringen. Und dies gerade durch einen Sender wie RTL2 mit seinem Zielpublikum mittels einer kurzweiligen Reportage und nicht durch eine ARTE-Dokumentation. Aber eben nicht reißerisch und Ängste schürend, sondern informativ und mit den nötigen Hinweisen, was als Kind, Jugendlicher oder Eltern zu beachten ist.