Medienpolitik
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Johannes Soares Lago Goertz Premium MemberThe company name is only visible to registered members.RTL-Gruppe und Pro7Sat1 werden zu Pay-TV?
Astra hat heute bekanntgegeben, demnächst (vermutlich ab 2007) auch Free-TV-Sender auf ihrem Satellitensystem zu verschlüsseln. Man verkauft dies als Möglichkeit, Digital-TV mit Zusatzdiensten und Mehrwert anbieten zu können und gibt verklausuliert (mit dem Ausdruck "Kodierung der Sendesignale") bekannt, dass diese bisherigen Free-TV-Sender verschlüsselt werden.
Angeblich bleiben diese Sender auch weiterhin "free" (=kostenfrei zu empfangen), aber für die Bereitstelltung von Technik wird vom Zuschauer eine Gebühr (vermutlich 5 Euro/Monat) erhoben. Ferner wird dazu ein Receiver nötig sein, der die Smartcard (mit welcher Verschlüsselung auch immer) aufnehmen kann - was heißt, dass Millionen Receiver nicht mehr funktionieren werden, jedenfalls nicht, wer RTL oder Sat1 und dgl. sehen möchte.
Nun, dass bei einer Zahlung von 5 Euro/Monat nicht von Free-TV gesprochen werden kann, sondern von Pay-TV gesprochen werden muss, ist klar... dabei spielt es keine Rolle, an wen der Zuschauer sein Geld zahlen darf.
Weiterhin unklar dagegen ist die Frage, wie in einem zusammenwachsenden Europa der grenzüberschreitende Fernsehkonsum auf legaler Weise ermöglicht werden wird. Bisher werden ja immer höhere, der Idee eines gemeinsamen Europas widersprechend, nationale Schranken errichtet. Darauf haben bisher weder die privaten TV-Sender noch der Astra-Satellitenbetreiber geantwortet.
Mal sehen, was noch wird
- 01 Mar 2006, 11:45 pm
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Jens-Daniel AwisusThe company name is only visible to registered members.Re: RTL-Gruppe und Pro7Sat1 werden zu Pay-TV?
Ja nun. Vielleicht ist diese Entwicklung bedenklich. Vielleicht ist es aber auch ein Vorteil. So könnte die zusätzliche Abgabe dazu führen, dass man sich eher für hochwertigere (vor allem kulturell) Programme entscheidet. Quasi eine forcierte Polarisierung der Zuseherschaft.
All meine Hoffnungen sind vermutlich wie Luft, solange die dvb-t Programme noch ohne Zusatzkosten zu empfangen sind.
- 02 Mar 2006, 10:16 am
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Johannes Soares Lago Goertz Premium MemberThe company name is only visible to registered members.Re^2: RTL-Gruppe und Pro7Sat1 werden zu Pay-TV?
Das kann ich mir, ehrlich gesagt, nicht vorstellen. Eher eine noch stärkere Zweiteilung, die das qualitativ gute TV in den Hochpreis-Bereich verschiebt.
Aber das ist ohnehin nur ein Aspekt. Zur Zeit wird durch die Verschlüsselung nur der freie Wettbewerb behindert, sei es bei den Empfangsgeräten, sei es - mindestens ebenso wichtig - beim grenzüberschreitenden Fernsehen. Es wird eher immer schwieriger, legal z.B. ORF oder niederländiesches Fernsehen in Deutschland zu empfangen. Oder z.B. deutsches Fernsehen wie z.B eben Pro7 und RTL oder meinetwegen dieses Premiere in Italien.
Wenn natürlich die Spekulation dahingeht, dass die Zuschauer dann mehr öffentlich-rechrtliches Fernsehen schauen und die Annahme besteht, dass dort besseres TV ist, dann wird DVB-T kein Problem sein: RTL-Gruppe und Pro7Sat1 werden dann sicherlich über kurz oder lang da aussteigen, wenn sie sich zu Pay-TV wandeln sollten. Aber ganz so einfach teil ich die Annahme ohnehin nicht.
Wer übrigens sich den Text bei Astra genau durchliest, findet KEINEN einzigen Mehrwert im Digital-TV, im Vergleich zu jetzt.
Schönen Abend noch, Johannes Goertz
- 02 Mar 2006, 9:54 pm
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Jörg PistoriusThe company name is only visible to registered members.Re^3: RTL-Gruppe und Pro7Sat1 werden zu Pay-TV?
Mit einer qualitativen Verbesserung hat diese Geschichte nichts zu tun, eher mit optimaler Abschöpfung der möglichen Gewinne. Der ländliche Raum, in dem kein Kabelanschluss existiert, wird gar keine andere Wahl haben, als zähneknirschend zu zahlen. Meine Zeitung hat gester über die Sachlage berichtet, hier der komplette Artikel:
Bald kommt die zweite Fernsehgebühr
Satelliten-Programme sollen verschlüsselt werden
LUXEMBURG. (wie) Bald kommt eine zweite Fernsehgebühr: Neben den monatlichen Rundfunkgebühren für ARD und ZDF sollen Zuschauer der werbefinanzierten Privaten bald auch zur Kasse gebeten werden. Der europaweite Satellitenbetreiber SES aus Luxemburg will Ende des Jahres bislang frei empfangbare Sender verschlüsseln und dafür kassieren.
Keine Gebühren für Privatfernsehen – das war einmal. Satellitenfernsehen der Zukunft könne es nicht mehr zum Nulltarif geben, sagt der Chef des im luxemburgischen Betzdorf beheimateten Unternehmens SES, Ferdinand Kayser. Dahinter verbirgt sich Zündstoff – der sogar bereits das Bundeskartellamt beschäftigt. Das luxemburgische Unternehmen, das nach eigenen Angaben über 100 Millionen Satelliten- und Kabel-Haushalte mit 1500 analogen und digitalen Fernseh- und Radiosendern versorgt, will bis Ende des Jahres alle bislang frei über Satellit empfangbaren privaten Digitalsender verschlüsseln. Das Unternehmen führt bereits Gespräche mit RTL und ProSieben/Sat 1. Bislang werden fast alle Programme noch analog gesendet, spätestens ab 2010 werden sie jedoch ausschließlich digital zu empfangen sein.
Von derzeit 16 Millionen Schüsselbesitzern in Deutschland können knapp sechs Millionen digitales Fernsehen empfangen. Geht es nach den Plänen von SES, brauche diese zum Schauen der Privaten einen neuen Empfänger (Receiver) und eine passende Zugangskarte. Außerdem wird eine monatliche Gebühr fällig, laut SES soll sie „deutlich unter fünf Euro“ liegen. Besonders ärgerlich: Alle bisherigen Digital-Receiver, die der Renner im Weihnachtsgeschäft waren, müssten dann auf den Müll. In unserer Region, in der Satellitenschüsseln oft die einzige Möglichkeit sind, Privat-Fernsehen zu empfangen, wären von der neuen Gebühr ein Großteil der Haushalte betroffen. Gerade mal einem Viertel steht als Alternative Kabelemfpang zur Verfügung (der TV berichtete). Neben der monatlichen GEZ-Gebühr (17,03 Euro) kämen auf Schüsselbesitzer erstmals weitere Gebühren zu.
Verbraucherschützer laufen Sturm: Zuschauer der werbefinanzierten Privaten zahlten doppelt. Zum einen müssten sie die Werbung über die Produktpreise zahlen, zusätzlich sollen sie künftig dafür bezahlen, „dass sie sich die Werbung im Fernsehen ansehen“, kritisiert der Bundesverband der Verbraucherzentrale. Auch das Bundeskartellamt ist argwöhnisch. Wegen Verdachts marktbeherrschender Stellung ermittelt die Behörde bereits gegen RTL, ProSieben/Sat. 1 und eine Astra-Tochter.
- 03 Mar 2006, 11:07 am
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Jens-Daniel AwisusThe company name is only visible to registered members.Re^4: RTL-Gruppe und Pro7Sat1 werden zu Pay-TV?
Richtig. Mit qualitativer Verbesserung hat das nichts zu tun. Aber der Weg des geringsten Widerstandes führt möglicherweise an jeder Form höherer Gebühren vorbei. Das kann tatsächlich bedeuten, dass die höher wertigen Programme der öffentlich-rechtlichen Sender wieder mehr gesehen werden.
Ich unterstelle mal, dass die Turbo-Fernsehseher sich eher dem Pay-TV zuwenden, wo sie für ihr Geld auch einen Mehrwert erhalten.
Die freien privaten Sender könnten erkennen, dass der Konsument nicht wirklich auf sie angewiesen ist. Es gibt noch viel zu entdecken in der Medienlandschaft. (angefangen beim Internetstream)
- 03 Mar 2006, 11:15 am
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Jörg PistoriusThe company name is only visible to registered members.Re^5: RTL-Gruppe und Pro7Sat1 werden zu Pay-TV?
Die Frage ist nur, ob der Verbraucher diese Sichtweise zu akzeptieren bereit ist. Eine Verweigerungshaltung gegenüber den werbefinanzierten Privatsendern kann allenfalls unfreiwillig dazu führen, dass die Öffentlich-Rechtlichen wieder mehr gesehen werden. Mit einer höherwertigen Qualität hat das dann nichts zu tun, allenfalls mit einem Mangel an Alternativen. Die Öffentlich-Rechtlichen haben halt den Vorteil, dass man für sie zahlen muss, ob man sie sieht oder nicht. Und deshalb kann man sie auch nicht kündigen.
- 03 Mar 2006, 11:37 am
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Johannes Soares Lago Goertz Premium MemberThe company name is only visible to registered members.Re^6: RTL-Gruppe und Pro7Sat1 werden zu Pay-TV?
Man könnte noch ergänzen, dass Astra ja von den Fernsehsendern einiges an Geld bekommt für die Transponder.
Was die Verschlüsselung betrifft, da ist ja noch nicht raus, ob sich der Schritt für die privaten überhaupt lohnt. Denn immerhin hängen die Fernseheinnahmen von den Reichweiten ab, und andererseits wird dem verehrten Publikum erklärt werden müssen, wieso es denn nun für werbefinanzierte Sender nun extra zahlen soll. Denn im Gegensatz zum Kabel-TV, wo man ja die Kabelgebühr zahlen muss - auch für den Empfang der öffentlich-rechtlichen - ist dies beim Satellit nicht der Fall. Es ist eh spannend, denn: werden RTL, Sat1 etc. auf Eutelsat auch verschlüsselt? Wenn nicht, dann könnte man ja auf die Idee kommen, die Schüssel zu drehen (wer nicht ohnehin schon beides empfängt).
Nun kann man über das Recht diskutieren, die jeder Sender hat, ob er nun verschlüsselt senden möchte oder nicht. Nur was hier - wieder mal, speziell im Digital-TV - völlig unter dem Tisch fällt, sind die zuschauer- und verbraucherfeindlichen Entscheidungen und Einschränkungen.
Von mir aus sollen doch RTL und SAT1 und Co. verschlüsseln, kann ich locker drauf verzichten. Aber ich möchte das Recht haben, z.B. ORF zu abonnieren. Das aber darf ich nicht. Das sind alles Dinge, die geklärt werden müssen, eh man das Wort Verschlüsselung in den Mund nimmt.
Weiter: der Investitionsschutz für mich als Verbraucher wird permanent mit Füssen getreten, ganz besonders von den TV-Sendern und den Anbietern der Sende-Infrastruktur (Satellit und Kabel); nur mal die Stichworte:
F.U.N./OpenTV: eine Initiative, die vor einigen Jahren das interaktive TV förderte und entsprechende Receiver empfahl. Tja, ich war ja so blöd und kaufte einen. Hat auch funktioniert, nur haben die einfach ihre interaktiven Kram abgeschaltet.
CiCam: Superidee, um ein offenes System für Receiver zu haben, um eben verschiedene Verschlüsselungssysteme zu haben; nur: Premiere sch...t drauf und macht mit seinem proprietären System "premiere zertifiziert" Kohle und hemmt den Markt. Wer einen normalen Cicam-Receiver gekauft hat, kann vielleicht ausländische Pornos empfangen, aber Premiere darf er nicht empfangen, ORF auch nicht, italieniesches oder englisches Pay-TV auch nicht etc.
d-box 2: der Versuch von Premiere, ein Boxen-Monopol zu etablieren. Zum Glück ging dieser extreme Versuch schief, aber: wer heute die d-box hat, bekommt keinen Patch oder dergleichen mehr, keine Weiterentwicklung. Die neueste Version, Betanova 3, ist nie aufgespielt worden, obwohl sie weitestgehend fertig wahr. Der Dumme ist - natürlich - der Kunde. Wenn er sich selbst behilft - ein sehr gutes Betriebsystem auf Linux-Basis aufspielt - darf er zwar machen und TV schauen, aber kein Premiere. Und ein anderes Pay-TV darf er auch nicht (s.o.), hier geht noch nicht mal ein ausländischer Porno, da die d-box nur das Premiere-proprietäre Verschlüsselungszeugs beherrscht.
Nun sollte man meinen, das wäre schon genug. Aber mitnichten, es geht noch weiter:
MHP: sozusagen als "höher, weiter, besser"-Nachfolger der F.U.N/OpenTV-Initiative bzgl. interaktivem Fernsehen, wird von einigen Sendern unterstützt. Eigentlich von allen großen in Deutschland, haben sie sich doch in der Mainzer Erklärung 2001 dazu verpflichtet. Aber außer die öffentlich-rechtlichen hält sich niemand an diese Vereinbarung. Premiere verhinderte die neue d-box2-Version und zertifiziert einfach keine MHP-Boxen und macht obendrein keine MHP-Dienste, sondern einen proprietären Kram (obendrein auch noch recht schlecht), RTL zieht sich jetzt zurück, und von SAT1 und Co. war da noch nie was zu sehen. Ebenfalls schlimm: Kabel-TV-Anbieter boykottieren diese Initiative, verhindern sogar einen freien Receivermarkt, der hier vielleicht eine Chance hätte bieten können.
Man könnte ja jetzt noch dieses DSR-Radio hinzufügen, welches vor zwei, drei Jahren verschwunden ist. Aber das war ja wenigsten viele Jahre in Betrieb, weitaus mehr als die oben genannten Dinge.
Um diese Auswüchse in den Griff zu kriegen und den Sendern die Freiheit einer Verschlüsselung zu lassen, sind m.E. - so auf die Schnelle - folgende Rahmenbedingungen nötig:
a) keine proprietären Systeme; Systeme, die unterstützt werden, müssen dem DVB-Standard entsprechen. Somit würde "premiere-zertifiziert" nicht mehr möglich sein. Eine Verschlüsselung ist ohne Probleme mit DVB-Standards möglich, eine Geldschneiderei wie "premiere-zertifiziert" nicht nötig.
b) jeder Sender kann, wenn er mag, verschlüsseln; aber: es muss ein System dabei sein, welches im Cam-Modul in jedem handelsüblichen CiCam-Receiver läuft; und: alle Verschlüsselungssysteme, die nur als embedded-System vertrieben werden, müssen unterstützt werden. D.h., jeder Sender muss multicrypt ausstrahlen, also mehrere Verschlüsselungssysteme (nämlich mindestens eins, welches Cam-Module nutzt, sowie alle Verschlüsselungssysteme, die nur als embedded zu haben sind).
c) die Gültigkeit des europäischen Warenverkehrs muss auch für TV gelten. D.h., in der EU darf jeder EU-Bürger sich jeden TV-Sender-Empfang zu legen, den er möchte. Ob in Italien wohnend und Premiere, oder hier wohnend und Sky Italia etc., das EU-Recht des freien Warenverkehrs muss auch hier gelten.
d) eine Zwangsabnahme von Kabel-TV darf es nicht mehr geben. Es ist sicherlich richtig, dass die Installation von Sat-Schüsseln nicht freigestellt werden kann, aber eine Zwangsabnahme, wie es teilweise Mietern zugemutet wird (über Nebenkostenabrechnung), darf es nicht geben.
So, jetzt hab ich mal meine Meinung recht ausführlich runtergeschrieben. Ich werde jetzt den Text bzgl. Sprache etc. nicht mehr korrigieren, d.h, einiges ist wohl recht holprig formuliert.
In diesem Sinne hoff ich, dass alle "Verschlüsselungsideen" baden gehen und/oder sich endlich diese Monopolstrukturen aufbrechen lassen. Viel Spaß noch beim Fernsehen, Johannes Goertz
http://www.johannes-goertz.de
P.S.: der Artikel im "Trierischen Volksfreund" hat mir soweit gut gefallen...
This post was modified on 03 Mar 2006 at 07:18 pm.- 03 Mar 2006, 7:16 pm
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Johannes Soares Lago Goertz Premium MemberThe company name is only visible to registered members.Re^7: RTL-Gruppe und Pro7Sat1 werden zu Pay-TV?
Ein Link mit einem kurzen Artikel, so als Ergänzung zu dem Thread hier:
http://www.digitalfernsehen.de/news/news_78247.html
http://www.digitalfernsehen.de/news/news_78235.html
Interessant ist der Satz: Richtung Pay-TV OHNE Mehrwert. Ich denke, es ist wichtig, diese Information deutlich hervorzuheben. Im Grunde genommen könnte ein geschickter privater Free-TV-Sender (Tele 5? Das Vierte?) versuchen, aus den Verschlüsselungsplänen- und Pay-TV-Plänen der Privaten einen Vorteil zu ziehen und in den nächsten zwei, drei Jahren - in der Phase des Umbruchs - sich steigende Marktanteile bzgl. Reichweite im Digital-TV zu erreichen.
This post was modified on 03 Mar 2006 at 08:27 pm.- 03 Mar 2006, 8:02 pm
