Metakulinarik
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Christian Rothwangl Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Das optimierte Tier
Noch nie wurde die Industrialisierung eines Lebewesens so weit getrieben wie beim Hähnchen. Es liefert das Massenfleisch für die Welt
Produktionstechnisch ist das Hähnchen nahezu ausgereizt. Erst haben Geflügeldesigner sein Wachstum beschleunigt, dann seine Effizienz gesteigert. Aus 1,6Kilo Futter macht ein modernes Tier ein Kilo Fleisch, so eine Quote schafft kein Schwein oder Rind. Und dann noch das Tempo: 38 Tage nach dem Schlüpfen ist das Hähnchen reif für die Schlachtmaschine. Sein kurzes Leben verbringt es mit Millionen von Artgenossen in großen Hallen, weit draußen auf dem Land. Überwacht von Maschinen, wächst dort ein Nahrungsmittel heran, perfekt abgestimmt auf den modernen Ernährungsstil: fettarm und preiswert. Sehr preiswert sogar.
»Weltweit lässt sich kein Fleisch so billig herstellen wie Hähnchenfleisch«, sagt ein deutscher Mäster, der anonym bleiben möchte. Es ist das Ergebnis der Industrialisierung von Lebewesen. Sie beginnt bei der Gensequenz von Hühnerprototypen und führt über Brutfabriken, Masthallen und Fließband-Schlachthöfe bis zum Chicken-Nugget. Jahrzehntelang hat die Fleischwirtschaft daran gearbeitet, Tiere an ihre Produktionsprozesse anzupassen – aber nirgendwo ist sie so weit vorangekommen wie beim Hähnchen. »Zur Jahrtausendwende kontrollierten Industrieunternehmen 74 Prozent der weltweiten Geflügelproduktion«, berichtet die Welternährungsorganisation FAO. Zum Vergleich: Beim Schweinefleisch ist der Anteil der Industrieware in etwa halb so hoch. Nach Berechnungen des Fachblatts Broiler Economics werden weltweit jährlich knapp 60 Millionen Tonnen Hähnchen gegessen, innerhalb der nächsten zehn Jahre dürfte der Konsum von Geflügel- den von Schweinefleisch erstmals übersteigen.
Quelle: Die Zeit
http://www.zeit.de/2006/27/Haehnchen-Text?page=all
- 18 Nov 2010, 11:39 pm
