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Chris Helmbrecht Premium Member Group moderator AmbassadorThe company name is only visible to registered members.[DE] Wahlen in der Ukraine
Anbei ein Artikel/Beitrag aus der JOE Liste
http://www.joe-list.de, welchen ich ganz interessant fand:
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Anbei finden Sie den Auszug aus einem Interview, aufgezeichnet am 28.11.04 aus dem russischen Fernsehen.
Das Thema des Gesprächs waren die Präsidentenwahlen in der Ukraine und die Haltung Russlands.
Tatjana Montik, Kiew
Auszug aus dem Gespräch mit Gleb Pawlowskij im NTW-Mir
(Anm.: Gleb Pawlowskij ist ein vom Kreml extra für den ukrainischen Wahlkampf eingesetzer Polittechnologe, Spinndoktor und Leiter der Thinktank des Präsidentschaftskandidaten Wiktor Janukowisch).
Zitat_P:: Wenn es der Opposition in der Ukraine gelingen sollte, ihren neu gewählten Präsidenten Janukowitsch zu stürzen, so werden sie (Anm.: die Amerikaner) diese Technologien ganz bestimmt auch in Russland anwenden wollen. Die Ukraine ist jetzt nur ein Versuchsfeld. Russland soll sich nun nicht mehr auf Polittechnologien gefasst machen, sondern auf revolutionäre Technologien.
Zitat_P.: Russland hat im bezug auf die Ukraine zwei große Fehler
begangen: Es hat sich nicht eingeschaltet, als die Kandidaten für die PräWahl gesucht wurden. Wer kandidieren sollte, hat leider nicht Russland, sondern die Kiewer Eliten entschieden, dieselben Eliten, die später Janukowitsch verraten haben. Der zweite Fehler Russlands
war: Wir spielten Schach und wir haben gewonnen, und dann kamen die Jungs mit Baseball-Schlägern in Orange und nahmen uns unseren Sieg...
Wird im Osten doch eine Autonomie entstehen?
P.: Die Bergarbeiter sind kräftige Burschen, aber ob ihre politischen Leader auch so kräftig sind, das wage ich zu bezweifeln. Das Problem der Ukraine sind ihre Hetmans (Anm.: Anführer der Kosaken). Ein Sprichwort bestätigt sich gerade komplett: Dort, wo zwei Ukrainer sind, gibt es drei Hetmans. Jetzt hat die Ukraine drei Hetmans,
sprich: drei Präsidenten.
Wäre eine ähnliche Revolution vielleicht bald auch in Russland möglich?
P.: Solche Dummheiten, wie sie Kutschma gemacht hat, wird Russland nicht gestatten. Die Ukraine heute tut mir leid. In Russland so etwas wie in der Ukraine nicht passieren. Aber das ukrainische Beispiel wird unseren Regionalpolitikern und überhaupt allen staatlichen Entscheidungsträgern jede Dummheit aus den Köpfen schlagen. Denn auch sie hatten mal eine Vorstellung, sie selbst dürften entscheiden, wo, mit wem und wie zu spielen ist. Aber die Politik ist eine harte Nuss. Die Macht soll verteidigt werden (Kontext: von einem starken Präsidenten). Was Souveränität heißt, hat uns Bassajew beigebracht. Er hat uns bestraft und uns gelehrt, ein souveräner (Anm.:
integraler?) Staat zu sein. Wird man uns noch einmal bestrafen wollen, werden wir die Aufgaben einer Konterrevolution verstehen lernen. Dies wäre eine sehr ernsthafte Aufgabe. Man soll sich damit im voraus und sehr gründlich beschäftigen.
Kutschma versuchte, ein ähnliches System wie in Russland aufzubauen, aber es ist ihm nicht gelungen. Kutschma hatte mindestens zwei Gruppen von Oligarchen, zu deren Zusammenprall es bei den letzten Wahlen kam.
P.: Es waren viel mehr Oligarchengruppen als zwei. Aber Kutschma ist ein sehr großen Fehler unterlaufen, welchen Putin vermeiden konnte. Der Ukraine ging es in den letzten Jahren wirtschaftlich immer besser, und die Menschen wurden immer wohlhabender. Folglich wurde die Mittelschicht immer stärker. Jede Mittelschicht neigt dazu, nationalistisch zu denken. Nicht im Sinne eines ethnischen Nationalismus, sondern im Sinne des Stolzes auf sein Land. Weder Kutschma noch Janukowitsch haben darauf rechtzeitig reagiert. Sie haben dieser Anfrage nach einer neuen, starken ukrainischen Nation, die europäisch denkt und lebt, nicht entsprechen können. Und das hat der Feind vollständig ausgenutzt. In den wirtschaftlichen Fragen haben die Beiden den ideologischen Hintergrund vollkommen vergessen. Deshalb wechselten die potentiellen Wähler samt den Studenten und Professoren zum anderen politischen Lager.
Warum freuen sich die progressiven russischen Oligarchen so sehr darüber, was in der Ukraine zur Zeit passiert?
P.: Im Sinne der Psychoanalyse ist es eine Projektion: Das, was du nicht selber tun kannst, macht jemand anderer für dich und vor deinen Augen, und du ergötzt dich daran. Das ist eine Art politischer Voyeurismus.
Wer hat diese Wahl verloren?
P. Der Verlierer ist das ukrainische Volk, und das Projekt einer einheitlichen Ukraine dürfte man als gescheitert betrachten.
- 03 Dec 2004, 07:51 am
