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Andreas (Andy) Artmann Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Rangliste der Pressefreiheit 2009: Vorreiterrolle der europäischen Staaten in Gefahr
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Mit Sorge betrachtet Reporter ohne Grenzen (ROG) die sukzessive
Verschlechterung der Situation von Medien und Journalisten in einigen
europäischen Ländern. Anlässlich der Veröffentlichung der neuen
ROG-Rangliste zur weltweiten Lage der Pressefreiheit am 20. Oktober warnt
die Organisation zur Verteidigung der Presse- und Meinungsfreiheit davor,
dass Europa seine langjährige Vorbildfunktion verlieren könnte.
"Es ist beunruhigend festzustellen, dass demokratische Staaten wie
Frankreich, Italien oder die Slowakei jedes Jahr weitere Plätze in der
Rangliste verlieren", sagte Jean-François Julliard, ROG-Generalsekretär bei
der Vorstellung der Rangliste 2009. "Europa sollte eine Vorreiterrolle bei
der Gewährung von bürgerlichen Freiheiten spielen. Wie können europäische
Staaten Verstöße gegen die Pressefreiheit in der Welt verurteilen, ohne sich
auf dem eigenen Territorium vorbildlich zu verhalten? Pressefreiheit muss
überall in der Welt mit der gleichen Energie und Beharrlichkeit verteidigt
werden", forderte Julliard.
So hat beispielsweise Frankreich (43.) im Vergleich zum vergangenen Jahr
acht Ränge verloren, Italien (49.) ist um fünf Plätze abgestiegen und die
Slowakei (44.) sogar um 37 Plätze abgerutscht. Auch Bulgarien (68.) zeigt
einen Abwärtstrend. Dieses Mal ist das südosteuropäische Land um weitere
neun Ränge gefallen und bleibt damit Schlusslicht unter den EU-Staaten. Der
EU-Beitrittskandidat Türkei sinkt um 20 Plätze im Ranking und steht damit
auf Rang 122.
Damit werden eine Reihe von EU-Staaten in diesem Jahr von Staaten mit
parlamentarischem System in Afrika - Mali (30.), Südafrika (33.) und Ghana
(27.) - sowie in Lateinamerika - Uruguay (29.) und Trinidad und Tobago
(28.) - überholt.
In einigen europäischen Ländern sind Medienmitarbeiter auch vor körperlichen
Angriffen nicht sicher: In Italien sind mafiöse Gruppen und in Spanien (44.,
vorher 36.) die ETA für Gewalt und Drohungen gegen Medienvertreter
verantwortlich. Auch auf dem Balkan dokumentierte ROG Fälle von Gewalt gegen
Journalisten: So wurde beispielsweise in Kroatien (78.) der Eigentümer und
Marketing-Direktor der Wochenzeitschrift "Nacional" bei einem Bombenattentat
getötet.
Trotz bedeutender Abwärtsbewegungen besetzen europäische Staaten weiterhin
die Mehrheit der ersten 20 Plätze. Deutschland steht in diesem Jahr auf
Platz 18 (2008: 20): Als kritisch bewertet wurde unter anderem das im
vergangenen Januar in Kraft getretene BKA-Gesetz, das dem Bundeskriminalamt
die Möglichkeit der Durchführung von Online-Durchsuchungen und Überwachung
der Telekommunikation einräumt. Negativ ins Gewicht fielen auch Tendenzen
der Pressekonzentration, der immer noch unzureichende Zugang zu öffentlichen
Informationen sowie vereinzelte Fälle von körperlichen Übergriffen auf
Journalisten.
Bei der Betrachtung der Entwicklung außereuropäischer Staaten fallen
insbesondere die großen Rangverluste des Irans sowie Israels ins Auge: Der
Iran (172.) gehört zu den Schlusslichtern auf der Liste, hinter ihm folgen
nur noch Turkmenistan (173.), Nordkorea (174.) und Eritrea (175.) - alle
drei Staaten belegten bereits im vergangenen Jahr die hintersten Ränge. In
Eritrea werden immer noch keine unabhängigen Medien zugelassen. Nach neuen
Festnahmen von Journalisten im Februar 2009 hat sich die Lage in dem
ostafrikanischen Land weiter verschärft.
Israel verzeichnet einen Absturz um 47 Positionen und liegt nun auf Platz
93. Dahingegen konnten sich die Vereinigten Staaten (20.) in diesem Jahr um
16 Plätze verbessern.
Iran unter den Schlusslichtern
Repressionen, Drangsalierungen und Schikanen haben sich für iranische
Journalisten und Journalistinnen in diesem Jahr extrem verschärft: Durch die
umstrittene Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad ist das Land in
eine tiefe Krise gestürzt. Gleichzeitig verfestigte sich die Paranoia des
Regimes gegenüber Medienmitarbeitern und Bloggern.
Wachsende Selbstzensur, staatliche Überwachung von Medien, Misshandlungen
sowie illegale Festnahmen und Verhaftungen durch Polizei und
Sicherheitskräfte und eine größer werdende Zahl von Journalisten auf der
Flucht - so stellt sich die Lage der Medienfreiheit zur Zeit im Iran dar.
Die islamische Republik hat deswegen weitere sechs Plätze verloren.
Israel: Nachrichtenkontrolle während des Gaza-Kriegs
Israels Militäroperation "Gegossenes Blei" im Gazastreifen im Dezember 2008
und Januar 2009 beeinträchtigte auch die Lage der Medien und Journalisten in
Israel selbst: Infolgedessen führt das Land nicht länger die Gruppe der
Staaten des Nahen Ostens / Nordafrika an und steht hinter Kuweit (60.) und
den Vereinigten Arabischen Emiraten (86.). Nicht nur bei der
Berichterstattung aus Palästinensischen Gebieten hat Israel scharfe
Restriktionen verhängt. Die Militärzensur bedroht die journalistische
Berichts- und Recherchefreiheit auch im eigenen Land. ROG hat zudem eine
Reihe von Festnahmen dokumentiert - einige von ihnen eindeutig ungesetzlich.
"Obama-Effekt" bringt USA unter die "Top 20"
Die Vereinigten Staaten haben es in diesem Jahr unter die ersten 20 Staaten
auf der Rangliste geschafft. Der neue politische Kurs nach Barack Obamas
Amtsantritt im Januar 2009 ist eine Ursache für diese Entwicklung. So ist
die Zahl der Fälle von Verletzungen des Quellenschutzes im Namen der
nationalen Sicherheit zurückgegangen. Zudem gibt es ernst zu nehmende
Bemühungen, den Zugang zu öffentlichen Informationen zu verbessern.
Ein anderes Bild ergibt sich jedoch in Betrachtung US-amerikanischer
Auslandseinsätze (siehe Position 108 auf der Rangliste "außerhalb der USA").
So ist das Land weiterhin in zwei Kriege involviert: Die Haltung
US-amerikanischer Militär- und Sicherheitsbehörden gegenüber Medien im Irak
und Afghanistan bleibt besorgniserregend. ROG dokumentierte in beiden
Ländern Übergriffe von Journalisten durch das US-Militär sowie mehrere
Festnahmen von Pressevertretern.
Zur Erstellung der Rangliste
Für die Rangliste wurden Verstöße gegen die Pressefreiheit genauso wie
Bemühungen der Staaten, dieses Menschenrecht umzusetzen im Zeitraum von
September 2008 bis Ende August 2009 berücksichtigt.
Anhand eines Fragebogens wurden hierzu unsere Partner-Organisationen, unser
Korrespondenten-Netzwerk sowie Journalisten, Rechercheure, Juristen und
Menschenrechtler in den jeweiligen Ländern befragt.
Detaillierte Informationen zur ROG-Rangliste sowie zu einzelnen Regionen
finden Sie hier:
http://www.reporter-ohne-grenzen.de/ranglisten/rangliste-200...
Pressekontakt:
Anja Viohl
presse@reporter-ohne-grenzen.de
Tel.: 030 615 85 85
- 20 Oct 2009, 11:06 am
