Online Marketing Schweiz

Online Marketing Schweiz

Posts 1-1 of 1
  • Gordian Hense
    Gordian Hense    Premium Member   Group moderator
    The company name is only visible to registered members.
    Einfuhrbestimmungen und Transportabwicklungskosten beeinflussen den E-Commerce zunehmend stark
    Alle Online - Marketing - Aktivitäten zielen auf eine Sache hin. Die Förderung des Verkaufs von Waren oder Dienstleistungen über das Internet.

    Bei der Abwicklung von Dienstleistungen über das Internet gibt es kaum Probleme, da die Dienstleistung nicht über Strecken und Grenzen hinweg transportiert werden muss.

    Bei dem Verkauf von Waren, über längere Strecken oder Grenzen, spielen die Faktoren "Transportkosten" und "Abwicklungskosten" eine zunehmende und entscheidende Rolle. Die Welt wächst zusammen und die Globalisierung sorgt dafür das wir überall einkaufen können und sogar müssen. Müssen deshalb, weil unsere Mitbewerber das auch tun und es in einem freien Markt notwendig ist, dass man mit seinen Konkurrenten gleichziehen kann.

    Auf die "Transportkosten" möchte ich hier jetzt nicht detailliert eingehen. Sie werden durch viele Parameter beeinflusst, unter denen alle Marktteilnehmer in ähnlicher Weise zu leiden haben (Personalkosten, Fahrzeugkosten, Treibstoffkosten, Steuern und Abgaben, Staus, Kapazitäten der Transportwege, Bürokratie, etc.).

    Bei den "Abwicklungskosten" gibt es aber nach wie vor riesige Unterschiede. Hier entstehen zunehmend Hindernisse die für grosse Teil der Bevölkerung und Unternehmen zum Nachteil oder Vorteil führen. Auf jeden Fall zu einer Ungleichbehandlung der Marktteilnehmer sowohl was die Grösse und die Lage der Marktteilnehmer angeht.


    Ein Beispiel
    ----------------

    Ein Schweizer entdeckt in einem Online-Shop in Deutschland eine Zitruspresse die ihm in Design, Farbe und Grösse von allen, die er bisher gesehen hat, am besten gefällt.

    Er entschliesst sich die Zitruspresse in dem Online-Shop zu kaufen und bezahlt online per Kreditkarte. In der Rechnung werden Warenwert und Transportkosten in die Schweiz ausgewiesen.

    Warenwert: 41.18 Euro
    Versandkosten: 19.33 Euro

    Bis hierhin liegt alles noch im normalen Bereich den ein Kunde annehmen würde. Ihm ist auch klar, dass über die Grenze hinweg noch MwSt. der Schweiz in Höhe von 7.6 % hinzu kommen und das für die Abwicklung der Zollformalitäten eine Gebühr berechnet wird. Ok, bei einem Warenwert von 41.18 Euro wären das 3.13 Euro oder (x 1.6) = 5.00 CHF MwSt. Die Abwicklungskosten schätzt er mit 10 CHF, zusammen wären also noch ca. 15 CHF an den Postboten zu zahlen, wenn die Ware kommt. Die Gesamte Lieferung hätte dann 112 CHF gekostet. Ok, das wäre ein angemessener Preis.

    Nun hat der Kunde aber die Rechnung ohne die Wirrungen der einzelnen Teilnehmer und Regeln gemacht.

    Der Online-Shop aus Deutschland hat, aus verschiedenen anderen Gründen, ein Unternehmen für den Versand gewählt, dass nicht zur staatlichen Post in Deutschland zählt. Das hat für den Kunden fatale Folgen. Denn es wird bei der Einfuhr in die Schweiz zwischen zwei unterschiedlichen Verfahren unterschieden.

    Der Postverzollung und der Privatverzollung.

    Wird ein Paket durch eine "Postorganisation" zur Schweizer Grenze transportiert gilt die Postverzollung.
    Wird ein Paket durch eine "Nicht-Postorganisation" zur Schweizer Grenze transportiert gilt die Privatverzollung.

    Diese beiden Varianten unterscheiden sich stark in der Durchführung und den entstehenden Kosten, die der Empfänger zu zahlen hat.

    Details dazu sind auf folgender Webseite nachzulesen:

    http://www.poste.ch/de/print/index/uk-medien/uk-medienmittei...

    a.) Im Fall unseres Beispiels hat der Online-Shop das Transportunternehmen GLS in Deutschland verwendet, was keine Postorganisation ist. Folglich wird die Privatverzollung an der schweizer Grenze durchgeführt. Das Unternehmen, welches die Privatverzollung für die Swiss Post International durchführt ist das Unternehmen Rhenus Ag & Co. KG, das dann auch als Exporteur auftritt.

    Sie ahnen es schon. Durch diese Abwicklung entstehen folgende Kosten:

    MwSt. der Schweiz 7.6 % auf den Warenwert & Transportkosten 60.51 = 96.80 -> Tabelle 135 CHF = 10.25 CHF
    Customs Clearance Services = 33.00 CHF
    Import Administration = 10.00 CHF
    Vorlageprovision = 10.00 CHF
    Ausgangssteuer = 0.76 CHF

    Zusammen = 64.00

    Die Zitruspress hat also insgesamt 160.81 CHF gekostet. Abwicklungsanteil rund 34 %.

    b.) Hätte der Online-Shop das Paket mit der Post und dem dafür zuständigen Unternehmen DHL in die Schweiz gesendet, wären folgende Kosten fällig geworden:

    Warenwert: 41.18 Euro
    Versandkosten DHL: 30 Euro

    Summe: 71.18 Euro = 114 CHF

    Abwicklungskosten und MwSt. bei Privatverzollung durch die Schweizer Post.

    Postvorweisungstaxe von 10.00 CHF
    MwSt. der Schweiz 7.6 % auf den Warenwert & Transportkosten 60.51 = 96.80 -> Tabelle 135 CHF = 10.25 CHF
    Zusammen = 20.25 CHF

    Die Zitruspresse hätte in diesem Fall also nur 134.25 CHF gekostet. Eine Ersparnis von 25 CHF (in Prozent 16 %).
    Abwicklungsanteil rund 7.5 %.


    Aus dieser Geschichte lernen ich mehrere Sachen:

    1.) Die Wahl des Transportunternehmens in verschiedene Länder ist entscheidend für die Kosten des Kunden. Darauf hat der Online-Handel Einfluss und kann seinem Kunden entgegen kommen oder nicht.

    2.) Die Abwicklungskosten übersteigen die Margen der Händler um ein vielfaches.

    3.) Abwicklungsdienstleister verdienen am Online-Handel das meiste Geld. Die Schaffung von Konkurrenz würde die Kosten vermutlich dramatisch senken.

    4.) Die Politik muss aktiv werden damit der Online-Handel nicht wegen dieser Kosten ausgebremst wird.

    84 % der zusätzlichen Kosten im Fall a.) sind Kosten, die nur entstehen, weil es überhaupt eine Abwicklung gibt.

    Die EU und Europa ist in ungefähr so gross wie die USA. Und in den USA gibt es mehr unterschiedliche Staaten mit unterschiedlichen Steuern und Abgaben als in Europa. Die Gebühren für die Abwicklung zwischen den einzelnen Staaten gibt es dort aber praktisch nicht. Es wird Zeit, dass sich Politiker darum kümmern, dass die Barrieren die in Europa existieren eingerissen werden, damit wir hier genau die gleiche Chance haben wie in den USA oder anderen Teilen in der Welt.