Business Continuity Forum
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Günter Scholz Premium MemberThe company name is only visible to registered members.Studie 2011 von Logistik Heute und J&M Management Consulting
Hallo zusammen,
die Fachzeitschrift Logistik Heute hat zusammen mit J&M Management Consulting erste Ergebnisse ihrer gemeinsamen Supply Chain Management Studie 2011 veröffentlicht. Demnach setzt sich das Risikomanagement für Lieferketten immer weiter in Industrie und Handel durch – wenn auch nur langsam.
Am meisten fürchten die Entscheider eine Gefährdung der Business Continuity. Zulieferer könnten nicht liefern, so dass es zu Betriebsunterbrechungen kommt und sie selbst ihre eigenen Kunden nicht rechtzeitig oder nicht mit der notwendigen Qualität beliefern könnten. Jeder fünfte der befragten Entscheider sieht deshalb die Herausforderung des Lieferketten-Managements als „bedeutend“ oder sogar „sehr bedeutend“ an. In der Studie von 2010 waren es nur 16% gewesen. Zudem verfügen nur 19 Prozent über gemeinsame Bestandskonzepte mit ihren Lieferanten, mit denen die Versorgungssicherheit gestärkt und somit die Business Continuity gesichert werden könnte.
Laut Studie verfügen zugleich erst 17 Prozent über einen durchgängig integrierten Sales & Operations Planungsprozess. Mehr als ein Drittel der Unternehmen nutzt bislang überhaupt keine Form der integrierten Planung.
Für die Studie wurden über 500 Entscheider aus Industrie und Handel in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und der Schweiz befragt. Die ersten Ergebnisse werden auf der Seite von J&M vorgestellt (
http://www.jnm.de/einzelnews.html?&tx_ttnews[tt_news]=18...). Logistik Heute hat einen ausführlichen Artikel für die Oktober-Ausgabe angekündigt.
Beste Grüße,
Günter Scholz
- 30 Sep 2011, 12:45 pm
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Andreas Kling Premium MemberThe company name is only visible to registered members.Re: Studie 2011 von Logistik Heute und J&M Management Consulting
ein interessanter Artikel zu der Unterbrechung von Lieferketten durch das Erdbeben in Jaban findet sich auch in der Zeit vom 6. Oktober 2011 (
http://www.zeit.de/2011/41/Globale-Lieferketten). Er beschreibt wie Unternehmen weltweit durch den Ausfall einer Fabrikationsstätte betroffen wurden und welche Lehren die Einkaufsabteilungen großer Industriekonzerne daraus ziehen.
- 11 Oct 2011, 12:24 pm
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Günter Scholz Premium MemberThe company name is only visible to registered members.Re^3: Studie 2011 von Logistik Heute und J&M Management Consulting
Hallo Herr K., hallo Herr S.,
zunächst einmal vielen Dank für den in der Tat sehr interessanten Link, Herr K.. „Solange [Lieferketten] funktionieren, will niemand etwas ändern.“ – Ein Verhaltensmuster, das leider auch wir bei vielen Unternehmen immer öfter erkennen. Dabei gibt es genug Gründe, sich intensiver um die Absicherung von Lieferketten und die Risikominimierung zu kümmern. Der Artikel zeigt hier zwei erschreckende Beispiele, die alle BCM-Beauftragten interessieren sollten. Weil nach dem Erdbeben in Japan 90 Prozent der weltweiten Kunstharz-Produktion ausfiel, lag fast die gesamte Handy-Produktion lahm. Dass scheinbar fast alle Kunstharz-Hersteller in Japan sitzen, macht es nicht einfacher, die Business Continuity abzusichern. Das Beispiel mit GM macht es noch deutlicher: Hier musste eine Fabrik geschlossen werden, weil Sensoren zum Preis von 2 Dollar aus Japan fehlten. In Zeiten von Just-in-time und Lean Production sind Lager zwar out, weil sie als kostenintensiv gelten – wir sehen aber zunehmend Fälle, wo sich größere Lagerbestände für die Produzenten mehr als gelohnt hätten.
Ein anderes aktuelles Beispiel ist das Hochwasser in Thailand. Fabriken von Nikon, Honda, Toyota, Isuzu, Ford und Pioneer stehen derzeit still, weil sie entweder überschwemmt sind oder keine Bauteile mehr von ihren Zulieferern erhalten. Zudem ist Thailand führend bei Computerfestplatten. Western Digital hat bereits angekündigt, seine Fertigung nach Malaysia verlagern zu wollen.
Sie haben aber Recht, Herr S., dass Unternehmen einfach zunehmend die Kontrolle über ihre Prozesse verlieren, insbesondere, wenn sie Prozesse an Zulieferer ausgelagert haben. Denn das Risiko bleibt. Und wird sogar größer, wenn die Lieferkette reißt und keine Alternativen bereit stehen. Hier müssen Unternehmen gegensteuern, ihre Prozesse und Lieferketten analysieren und absichern.
Ich hoffe natürlich nicht, dass Sie mit Ihrer These Recht haben, dass Unternehmen nur kurzfristig nach großen Schadenereignissen auf diese Risiken aufmerksam werden. Derzeit ist die Aufmerksamkeit zumindest sehr groß, was teilweise auch auf die breite Medienberichterstattung zurückzuführen ist. Hoffen wir, dass dieses Bewusstsein nicht so schnell wieder abnimmt, und versuchen wir, mit gutem Beispiel voran zu gehen. Denn wenn eines sicher ist, dann die Tatsache, dass die nächste Katastrophe kommt – wir wissen nur noch nicht wann und wo. Ein umfassendes BCM hat deshalb noch keinem Unternehmen geschadet.
Vielen Dank übrigens auch für den Literaturtipp.
Beste Grüße,
Günter Scholz
- 18 Oct 2011, 2:24 pm
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Günter Scholz Premium MemberThe company name is only visible to registered members.Re^5: Studie 2011 von Logistik Heute und J&M Management Consulting
Hallo Herr S.,
sicherlich sorgen nach einer Katastrophe vor allem die Berichte der Medien dafür, dass viele Unternehmen wieder beginnen, über BC nachzudenken. Ein Bewusstsein für die Risiken und ein gesunder Respekt vor ihren Folgen sind dafür die Voraussetzung. Wir sollten es aber vermeiden, in eine allgemeine Angst zu verfallen. Denn das kann die Unternehmenstätigkeit auch hemmen. Es gibt zudem gleich eine ganze Reihe von Maßnahmen, mit denen sich Unternehmen gegen solche Risiken absichern können. Versicherungen gegen Betriebsunterbrechungen und Ausfälle in der Lieferkette sind da nur ein Baustein. Neben diesem Risikotransfer setzen wir beispielsweise gemeinsam mit unseren Kunden auf Risikominimierung, indem Risiken analysiert und bewertet, die geeigneten Schutzmaßnahmen für Produktionsstandorte und Lieferketten identifiziert und diese letztlich umgesetzt bzw. verbessert werden.
Ich stimme Ihnen aber auf jeden Fall zu, dass sich in solchen Unternehmen, in denen BC und Risikomanagement fester Bestandteil der Unternehmenskultur sind, Risiken auch am besten verringern und kontrollieren lassen. Hier werden zumeist auch die eigenen Standards bei der Auswahl von Zulieferern angelegt, was wiederum zu einer höheren Sicherheit der Lieferkette beiträgt.
Freundliche Grüße
Günter Scholz
- 19 Oct 2011, 4:02 pm
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Andreas Kling Premium MemberThe company name is only visible to registered members.Re^6: Studie 2011 von Logistik Heute und J&M Management Consulting
Hallo die Herren,
an dieser Stelle würde ich gerne noch einmal die Diskussion zurück auf die Logistik lenken. Ohne dabei natürlich dem Thema Risikowahrnehmung bzw. Katastrophenvorbeugung die Wichtigkeit absprechen zu wollen.
Folgende Frage stellt sich meines Erachtens bei der Betrachtung der Lieferketten-Steuerung (SCM), um einmal den deutschen Fachbegriff zu benutzen, unter dem Gesichtspunkt der Business Continuity: Reicht es allein die Lieferanten, sprich die Hersteller von Teilen, Komponenten, Hilfsstoffen, bezüglich ihrer Krisenfestigkeit und ihres eigenen BCM zu untersuchen oder muss ich vielmehr die Logistikpartner und Transportrouten selbst in die Betrachtung einbeziehen?
Generell würde ich diese Frage mit ja beantworten, da zum Beispiel Flughäfen, die ja auch Frachtverkehr haben, als Teil der "kritischen Infrastrukturen" angesehen werden. Allerdings habe ich jetzt wenig konkrete Beispiele zur Hand, wo der Wegfall von Transportrouten oder Transpotmitteln unmittelbare Auswirkungen auf die Business Continuity hat.
Beste Grüße
Andreas Kling
- 20 Oct 2011, 10:54 am
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Günter Scholz Premium MemberThe company name is only visible to registered members.Re^8: Studie 2011 von Logistik Heute und J&M Management Consulting
Hallo zusammen,
Sie werfen eine wichtige Frage auf, Herr. K., und ich stimme Ihnen zu, dass es nicht ausreicht, sich im Rahmen des SCM nur mit den Lieferanten selbst zu befassen. Auch unsere Erfahrung zeigt, dass sich jedes Unternehmen mit der gesamten Lieferkette auseinandersetzen sollte, was wiederum nicht nur die Zulieferer der Lieferanten, sondern eben auch Logistikpartner, Transportrouten und politische Stabilität des jeweiligen Landes beinhaltet.
Ich hatte das Beispiel Thailand ja bereits erwähnt. Viele Unternehmen (z.B. aus der Automobil- und Computerbranche) haben bereits Schwierigkeiten, weil die Produktionsstätten der dortigen Zulieferer überflutet sind und diese nicht produzieren können. Doch auch solche Zulieferer, deren Anlagen besser geschützt sind oder auf sicherem Terrain liegen, fallen aus – denn die Infrastruktur ist fast vollständig lahmgelegt, wichtige Flughäfen und Bahnlinien sind ausgefallen. Aber auch die Informationspolitik der thailändischen Regierung scheint ein Problem darzustellen, wie das Handelsblatt berichtet. Dort wird der Präsident der Deutsch-Thailändischen Handelskammer zitiert, der ungenaue und mangelhafte Informationen von Seiten der Behörden und der Politik kritisiert. So habe beispielsweise die Firma Staedler alle Mitarbeiter nach Hause geschickt, weil es hieß, die Betriebsstätte sei bedroht. Das war jedoch eine Fehlinformation. So kann aber wichtige Zeit verloren gehen, die Mitarbeiter dafür nutzen könnten, den Standort auf herannahenden Wassermassen vorzubereiten. Andersherum sollte man aber auch bedenken, dass auch die Mitarbeiter verunsichert sind, ob und wie lange ihre Familie noch in Sicherheit ist. Sie werden kaum zur Sicherung des Betriebs beitragen können, wenn ihre Familie bereits von der Flut betroffen ist.
Oder denken wir einmal an das Risiko von Piratenanagriffen auf Frachtschiffe – hier sollte nicht nur über alternative Transportrouten, sondern auch über Sicherheitsmaßnahmen und ausreichende Lagerbestände nachgedacht werden. Herr S. hat es treffend gesagt: Wer wegen JIT auf Lagerhallen und ein ausreichendes „Polster“ an kritischen Bauteilen etc. verzichtet, kann ganz schnell in Schwierigkeiten geraten, wenn die Lieferkette abreißt – und wie wir sehen, geht das schneller, als man denkt.
Wenn dann wichtige Bauteile oder Produktbestandteile fehlen, sind auch alle folgenden Glieder der Lieferkette betroffen – schlimmstenfalls steht die Produktion komplett still. So wie bei GM, wo kürzlich eine ganze Produktionsstätte ausfiel, weil ein Sensor aus Japan fehlte. Stückpreis: 2 Dollar. Soweit das auch die Abnehmer einsehen, müsste die Botschaft doch lauten: Lieber etwas weniger Just-in-time und weniger Lean Production, und dafür mehr Sicherheit durch größere Lagerbestände.
Ich freue mich auf Ihre Einschätzungen.
Beste Grüße
Günter Scholz
- 27 Oct 2011, 5:04 pm
