Business Continuity Forum

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  • Günter Scholz
    Günter Scholz    Premium Member
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    Was wir aus dem Katastrophenjahr 2011 lernen können
    Hallo zusammen,

    zum Jahresanfang hat der größte Rückversicherer Munich Re seine Naturkatastrophen-Bilanz vorgelegt. Folgt man dieser Einschätzung, war 2011 so teuer wie kein anderes Jahr zuvor. Insgesamt wurden die Volkswirtschaften weltweit durch Schäden in Höhe von 380 Mrd. Dollar belastet. Damit wurde das bisherige Rekordjahr 2005 (152 Mrd. Dollar) um rund zwei Drittel übertroffen. Nur aufgrund der geringen Versicherungsdichte in Japan fielen die versicherten Gesamtschäden mit 105 Mrd. Dollar nur geringfügig höher aus als 2005 (101 Mrd. Dollar) – dennoch ist auch dies ein neuer Rekord.

    Die geringe Versicherungsdichte in Japan oder auch in Thailand wird aber wohl bald der Vergangenheit angehören. Zu viele Unternehmen wurden durch die jüngsten Naturkatastrophen aufgeschreckt. Denn für die global vernetzte Wirtschaft hatten die Tragödien auch zur Folge, dass viele Produktionsstätten ausfielen. Dazu müssen noch nicht einmal Anlagen oder ganze Standorte beschädigt werden. Auch wo weiter produziert werden könnte, sorgen sich doch Arbeiter und Angestellte zunächst einmal um die Sicherheit ihrer Familien und um ihr eigenes Hab und Gut, bevor sie im Angesicht von Leid und Verwüstung zur Arbeit erscheinen – die sie je nach Ausmaß der Zerstörungen ohnehin nur schwer erreichen können.

    Doch auch indirekt sind Unternehmen von solchen Ereignissen betroffen – obwohl sie zum Teil gar nicht damit rechnen. Wer Zulieferer in den betroffenen Regionen hat, ist schnell von Betriebsunterbrechungen betroffen. Kann auch nur ein Zulieferer eines Zulieferers ein wichtiges Bauteil nicht liefern, steht schnell die gesamte Produktion still. So geschehen bei vielen Automobil- oder Elektronikherstellern, die auf Komponenten und Festplatten aus Thailand warteten. Zwar existieren auch entsprechende Zulieferer in anderen Ländern. Doch wer in Krisenzeiten nur kurzfristig auf diese ausweichen will, sieht sich bald mit immens gestiegenen Preisen konfrontiert – wobei es nur wenig ökonomische Weitsicht braucht, um vorhersehen zu können, dass in solchen Situationen die Nachfrage die Preise treibt. Eine generelle Diversifikation der Supply Chain kann da hilfreich sein.

    Viele Unternehmen haben erkannt, dass Rückwirkungsschäden, also Schäden, die als Folge von Betriebsunterbrechungen durch Zuliefererausfälle usw. entstehen, ohne die Hilfe von BCM-Experten nur schwer zu minimieren sind. So berichtete jüngst das Handelsblatt, dass in Thailand viele Produktionsstandorte noch immer ohne Strom seien. Einige Produzenten rechnen angeblich mit bis zu zwei Jahren, um alle notwenigen Reparaturen durchführen zu können oder schrottreife Anlagen zu ersetzen. Letztere Option führt zu dem Problem, dass aufgrund der großen Nachfrage die Gerätehersteller nicht mit der Produktion nachkommen. Wann die Produktion wieder reibungslos läuft, steht daher für viele Zulieferer, Abnehmer und ganze Branchen noch in den Sternen.

    Haben Sie ebenfalls 2011 als ein besonders schadenintensives Jahr wahrgenommen? Welche Erfahrungen haben Sie mit Rückwirkungsschäden gemacht?

    Viele Grüße

    Günter Scholz