Piano
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Peter Bieringer Premium MemberThe company name is only visible to registered members.Grigory Sokolov
Er dringt bis an die intimste Substanz des Notentextes vor. Seine (makellose) Technik ist immer Werkzeug, nie Kürleistung. Bei ihm höre ich keine "Interpretation", sondern "die" Musik. Schumanns dritte Sonate, oftmals als "Schinken" verschrieen, wurde unter seinen Händen zu einem durchgezeichneten Prachtstück.
Was ich befremdlich finde, ist seine fließbandartige Präsentation im Recital. Um nicht durch Beifallsstürme von der Rolle gebracht zu werden, würde er am liebsten alle Stücke attacca hintereinander spielen. Ich brauche aber etwas Zeit, um gedanklich ein Werk anzunehmen, bevor ein neues beginnt.
Ich freue mich schon auf sein 2011-Programm. Wird Liszt dabei sein?
- 03 Jul 2010, 1:44 pm
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Peter Bieringer Premium MemberThe company name is only visible to registered members.Re^2: Grigory Sokolov
Lieber FB,
meine Erwähnung von Liszt sollte nicht heißen, daß ich mir seine Werke in Sokolovs Programm explizit wünsche. Aber ihm würde es durch seine Feinarbeit gelingen, den Subtext selbst einseitig virtuos dargestellter "Reißer" herauszuholen. "Venezia e Napoli" oder die Legenden stelle ich mir ganz faszinierend vor. Im Liszt-Jahr wird uns sicher manches Fragwürdige von Pianisten geboten werden, die meinen, sie müßten nun auch.
Natürlich würde ich von S. auch immer wieder gern Abende mit Schubert, Beethoven, Chopin und Skrijabin hören. Er kann eben alles ... findet
PB
- 08 Jul 2010, 10:56 am
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Peter Bieringer Premium MemberThe company name is only visible to registered members.Re^4: Grigory Sokolov
Lieber FB,
die Douze Etudes sollte sowieso nur anbieten, wer in der Lage ist, sie doppelt so schnell wie üblich zu nehmen, um sie dann so zu spielen, als seien es Kuhlau-Sonatinen. Anfang des Jahres spielte Berezovsky in Hamburg sechs Stück daraus. Nicht genug, daß man keiner Schweißperle auf seiner Stirn ansichtig wurde, es schien ihn zu langweilen. OK, das geht natürlich zu weit, vielleicht hat er sie etwas zu oft gespielt. Mein Favorit ist da immer noch die Berman-Aufnahme von 1963. Lebt der eigentlich noch?
Jedenfalls ist ein Sokolov-Konzert für mich immer wie eine passive Klavierstunden-Trainingseinheit. So ging es mir als Jugendlicher mit dem Tennispielen, wenn ich ein Weltklasse-Match gesehen hatte; am nächsten Tag spielte ich (zumindest minutenweise) wie ein Profi. S. zeigt uns, was möglich ist, wenn man kompromißlos übt. Trotz aller Schlichtheit seiner Körpersprache ist sein Spiel außerordentlich subjektiv, ja dominant. Er durchdringt den Notentext aufs Genaueste und macht ihn sich damit zu eigen. Und die Musik beginnt zu blühen. Man muß sich nur die leuchtenden Augen der Konzertbesucher ansehen, um zu ahnen: "So und nicht anders."
(Soirée de Vienne mit Lang Lang 2002 war auf seine Weise auch großartig. Aber bitte Hände weg von Schubert!)
Gruß aus dem Backofen von
PB
- 08 Jul 2010, 5:07 pm
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