PMI - Project Management Institute
Posts 21-22 of 22
- Back
- Next
-
Oliver Lehmann Premium Member Group moderatorThe company name is only visible to registered members.Re^13: GANTT vs. PSP (WBS)
Hallo Herr Schober,
bitte nicht falsch verstehen, ich will das Lebenswerk von Herrn Gareis nicht schmälern.
Projektmanagement ist die einzige (meines Wissens) Management-Disziplin, die keine Gurus hat.
Aber es gibt schon eine Reihe von guten Contributoren, und gerne stimme ich zu, dass Ihr Professor zu diesen zählt. Da gibt es keinen Widerspruch zwischen uns.
Ich bin aber immer auch ein bisserl der Methodiker, und der geht an Ihre Frage so ran:
Man kann ja sehr viel messen in Projekten, für drei Metriken lässt sich aber leicht ein Standard definieren:
1. Kosten: Misst man in Geldeinheiten.
2. Zeit (=Dauer): Misst man in Zeiteinheiten und/oder Terminen.
3. Arbeit (=Aufwand): Misst man in Personentagen, Maschinenstunden oder ähnlichen Einheiten.
NB: Manntage sind - weil diskrimierend - abgeschafft worden. Diese waren eine Erfindung von Frauen, damit die Männer die ganze Arbeit erledigen müssen :)
Natürlich kann man noch viel mehr messen, aber erst, nachdem wir uns auf Metriken geeinigt haben. Bei Kosten, Zeit und Arbeit ist das nicht nötig.
Nun stellen wir uns vor, wir haben Detailinformation, also z.B. Schätz- oder Istinfos auf Aktivitätsebene, und wollen daraus Gesamtkosten verdichten. Wie machen wir das?
Kosten: Über die WBS aufaddieren - die Summe der Einzelkosten sind die Gesamtkosten.
Arbeit: Dito - die Summe der Einzelaufwände ist der Gesamtaufwand.
So einfach, so trivial. Was ist aber mit der Zeit? Ist die Summe der Einzeldauern die Gesamtdauer? Eben nicht.
Für die Zeit brauchen wir mehrere Dokumente: Netzplan, Verfügbarkeitsplan, Terminplan.
Diese drei Inhalte vereinheitlicht Microsoft Project in seiner etwas irreführend als Ganttchart bezeichneten Darstellung.
Bei der WBS ist diese Software dagegen eher rudimentär, kennt nicht mal Control Accounts (Projektkostenstellen), ein WBS-Dictionary oder eine Baumdarstellung.
Aber da stehen Sie ja dem Projektmanager hilfreich zur Seite.
WBS (=PSP) und "Ganttchart" (besser: Über Zeitachse gezeichneten Netz- und Terminplan) stehen nicht in Konkurrenz miteinander, sie sind komplementär.
Viele Projektmanager ignorieren das Wissen, das zu diesen Techniken in Jahrzehnten gesammelt worden ist. Auf meiner Liste der Zehn Gründe, warum Projekte in die Krise geraten, steht dieser übrigens mit ganz oben.
Wenn Sie Ihre Software noch etwas mehr PMBOK-Guide-konform machen (v.a. Kap. 5.3 und 6.1), werden Sie weltweit einen Bestsseller haben!
Liebe Grüße,
Oliver F. Lehmann, PMP
http://www.oliverlehmann.com
- 21 Dec 2009, 11:27 pm
-
Thomas Kaspar Premium MemberThe company name is only visible to registered members.Re^14: GANTT vs. PSP (WBS)
Sehr verehrte Kollegen,
aus meiner Sicht gibt es bzgl.der gesamten Disussion kaum ein richtig oder falsch.
Das eine schließt doch das andere gar nicht aus....im Gegenteil, meistens baut doch das eine auf das andere auf. Es ist aber doch auch ein Unterschied, ob ich die Prozesse durchlaufe mit Schwerpunkt Planung, Controlling oder Managen.
Wenn ich als Ergebnis des Scope-Prozesses eine WBS erhalte, so habe ich mir angewöhnt, die Kosten- und Aufwandsaspekte über die WBS zu managen.
Wenn ich jetzt noch sicherstelle, dass sich die WBS - Elemente in die GANTT-SW integriere, befinde ich mich in einem belastbaren Bereich, in dem alle o.g. Aspekte Berücksichtigung finden.
Außerdem gint es ja auch andere Parameter wie Kunde, Projektgröße, Kultur, pol. Umfeld usw., die die Wahl der Mittel beeinflusst.
Vielleicht noch ein Hinweis an die PM, die meinen, man könnte jedes Projekt stur nach einem Standard abwickeln und sich hierbei auf das PMBok beziehen: Hört auf damit....dann erhöht ihr die Chancen des Erfolges.
Übrigend fand ich die Historie der WBS höchstinteressant.
Und auf Produktwerbung verzichte ich :-)
Allen ein schönes Weihnachtsfest,
Thomas Kaspar, PMP
- 24 Dec 2009, 12:36 pm
