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  • Astrid Radtke
    Astrid Radtke    Premium Member   Group moderator
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    Re: Der Geburtsfehler des Internets
    Christine Reimann schrieb:
    "Den Geburtsfehler des Internets - kostenlose Inhalte - zu beseitigen ist aber schwierig und langwierig.", so die ARD Vorsitzende in einem Interview:
     
    http://www.tagesspiegel.de/medien/die-ard-steht-fuer-eine-al...
     
    Was ist das bloß für eine Moral, wenn jede Leistung geldwert gemessen werden muss...gaga das, total gaga....

    In einem Beitrag zum Geburtstag von Wikipedia stellte der Redakteur im SWR fest, dass es überwiegend linksliberale Autoren sind, die ihr Wissen kostenlos zur Verfügung stellen.

    Wikipedia in Deutschland zeichnet sich durch eine hohe Qualität der Beiträge aus - auch wenn gern anderes kolportiert wird.
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  • Christine Reimann
    Christine Reimann    Premium Member   Group moderator
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    Re^4: Der Geburtsfehler des Internets
    T.K. schrieb:
    Ich gebe zu, ich schaue mir gerne Sendungen auf Arte, 3Sat und Phoenix an. Und textlastige Sendungen des öffentlich-rechtlichen Radios. Dafür hab ich dann gerne auch meine Gebühren bezahlt.
    Verräter!;) Nee, Spaß, ich ja auch (außer beim Abwasch - da muss es schon Musik sein;)

    Aber die ÖR wollen ja immer auch gern mit den Großen pinkeln und Geld für Großereignisse im Sport und sonstwo verschleudern.
    Das allerdings halte ich für einen spannenden Satz, denn er suggeriert (mir zumindest;) eine Wertung, die Großereignisse (Sport, "sonstwo") ÜBER gehaltvollere Sendungen stellt. Ich kann mir vorstellen, Sie meinen das so nicht, aber Sie haben ja recht, mit ihrer Empfindung, dass "Großereignisse" auch Einschaltquoten bringen...

    ICH zumindest - und Sie wohl auch - zahlen ja nicht, um "Mainstream-TV" zu gucken, welches sich durch Einschaltquoten hervorhebt, sondern auch und gerade um informationslastigere Reportagen und ggf. Filme zu sehen, bei denen das eigene Hirn noch nicht ganz die Funktion verloren haben muss;)

    Deshalb scheint sich irgendwann irgendwo bei den ÖRF-Verantwortlichen ein Denkfehler im Qualitätsmanagement bei der Zielsetzung eingeschlichen zu haben.

    Halten wir doch noch einmal fest:

    § 11 RStV besagt:

    "1) Auftrag der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ist, durch die Herstellung und Verbreitung ihrer Angebote als Medium und Faktor des Prozesses freier individueller und öffentlicher Meinungsbildung zu wirken und dadurch die demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Gesellschaft zu erfüllen.

    Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben in ihren Angeboten einen umfassenden Überblick über das internationale, europäische, nationale und regionale Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben.
    Sie sollen hierdurch die internationale Verständigung, die europäische Integration und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Bund und Ländern fördern.

    Ihre Angebote haben der Bildung, Information, Beratung und Unterhaltung zu dienen. Sie haben Beiträge insbesondere zur Kultur anzubieten. Auch Unterhaltung soll einem öffentlich-rechtlichen Angebotsprofil entsprechen.

    (2) Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben bei der Erfüllung ihres Auftrags die Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung, die Meinungsvielfalt sowie die Ausgewogenheit ihrer Angebote zu berücksichtigen."

    Dies aufrecht zu erhalten, dafür zahlen wir primär eine Gebühr - und das finde ich ja nicht verkehrt. Auch interessant:

    §_13 RundfStV

    Finanzierung
    (1) Der öffentlich-rechtliche Rundfunk finanziert sich durch Rundfunkgebühren, Einnahmen aus Rundfunkwerbung und sonstigen Einnahmen; vorrangige Finanzierungsquelle ist die Rundfunkgebühr. Programme und Angebote im Rahmen seines Auftrags gegen besonderes Entgelt sind unzulässig;
    http://www.sadaba.de/GSLT_RundfStV_11_19.html

    Wo ist eigentlich das Problem dieser Dame mit dem kostenfreien Internet? Sollte sie sich nicht eher freuen, dass sie öffentlich-rechtliche Infos (die WIR ja schon bezahlt haben!) dort kostenfrei plazieren darf??

    Sehr interessant auch diese Kurzstudie:
    "Der Programmauftrag als Prozess seiner Begründung - Vorschläge zu Verfahren und Organisation des »Drei-Stufen-Tests« zur Selbstkonkretisierung des Funktionsauftrags öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten" von Wolfgang Schulz (für "Tieferkonsumenten";): http://library.fes.de/pdf-files/stabsabteilung/05240.pdf

    Auszug:
    "Dass kommerzieller Rundfunk strukturelle Schwächen hat, liegt in der ökonomischen Natur von Informationsgütern begründet. Das Bundesverfassungsgericht hat in seiner letzten Entscheidung noch einmal auf diese so genannten »Marktmängel« Bezug genommen und damit die Notwendigkeit einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkversorgung begründet. Zu diesen strukturellen Besonderheiten gehören so genannte
    Informationsasymmetrien, also der Umstand, dass man bestimmte Produkteigenschaften erst beim Konsum – oder nicht einmal dann – wirklich beurteilen kann, etwa die Verlässlichkeit von Nachrichten. Auch ist dem Kommunikationssektor eine strukturelle Neigung zur Konzentration eigen. Schließlich ist unklar, ob sich alle Präferenzen der Konsumenten tatsächlich in der Rezeptionsentscheidung niederschlagen.

    Hier können sich etwa kurz- oder mittelfristige Präferenzen widersprechen (augenblickliches Unterhaltungsbedürfnis vs. mittelfristige Informationsinteressen). Dieser Punkt ist deswegen besonders umstritten, da die Beurteilung eine normative Setzung impliziert, welche Präferenzen relevant sind; geht
    man davon aus, dass die Bedürfnisse des Zuschauers in seiner Bürger-Rolle bedeutsam sind, auch wenn sie in der aktuellen Programmwahl nicht in entsprechendem Ausmaß relevant werden, führt dies unter reinen Marktbedingungen zu einer »Unterversorgung« mit Programmen, die dieses Bedürfnis befriedigen. Es kann also das Interesse des Bürgers sein, Informationsangebote verfügbar zu haben, auch wenn er sie nur selten nutzt."

    Ja! Während diese Studie von 2008 mir sehr besonnen und vernünftig erscheint, kamen 2001 die Gremienvorsitzenden der ARD u.a. zu folgendem Schluss:

    In einem dualen System muss der öffentlich-rechtliche Rundfunk funktionstüchtig und wettbewerbsfähig sein. http://www.wdr.de/unternehmen/senderprofil/pdf/gremien/rundf...

    Das "wettbewerbsfähig" ist imho der springende Punkt, denn dadurch verzerrt sich der öffentliche Auftrag, weil dies dann nur noch in Einschaltquoten gemessen werden könnte. Finanzwirtschaftlich kann es nicht gemeint sein, und qualitativ über Einschaltquoten ja eigentlich auch nicht, denn dann müssten wir ja Dschungel- und Erziehungscamps auch im ÖRF laufen lassen;)

    Schulz schreibt dazu:

    Die Umwegfinanzierung über Werbung kann die Strukturen ebenfalls beeinflussen; ein attraktives Werbeumfeld
    zu schaffen setzt Anreize, die es beispielsweise unattraktiv erscheinen lassen, bestimmte Minderheitsinteressen zu
    berücksichtigen. Insgesamt führen diese Marktdefizite zu Programmstruktureffekten, die privaten Rundfunk nicht optimal im Hinblick auf die kommunikativen Ziele erscheinen lassen, die Art. 5 Abs. 1 S. 2 GG mit der Rundfunkfreiheit schützen will. Journalistisch-professionelle Angebote können der Kommerzialisierung zum
    Opfer fallen, riskante Formate zugunsten bekannter Schemata und Darsteller verdrängt werden."

    Auch interessant:
    "RICHTLINIE 2007/65/EG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 11. Dezember 2007 zur Änderung der Richtlinie 89/552/EWG des Rates zur Koordinierung bestimmter Rechts- und
    Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Ausübung der Fernsehtätigkeit"
    http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2...
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  • Christine Reimann
    Christine Reimann    Premium Member   Group moderator
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    Re^6: Der Geburtsfehler des Internets
    T.K. schrieb:

    in dem gleichen Dokument ist ja umschrieben, was unter Wettbewerbsfähigkeit verstanden wird:
    Wow, Sie haben es echt gelesen? - You made my day:-)))
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  • Brigitte Jobst
    Brigitte Jobst
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    Re: Der Geburtsfehler des Internets
    Christine Reimann schrieb:
    "Den Geburtsfehler des Internets - kostenlose Inhalte - zu beseitigen ist aber schwierig und langwierig.", so die ARD Vorsitzende in einem Interview:
    Was ist das bloß für eine Moral, wenn jede Leistung geldwert gemessen werden muss...gaga das, total gaga....
    Ich sehe die Morgenröte allmählich heraufdämmern.... Dinge passieren jetzt, die noch kürzlich als unvorstellbar erschienen. Frau Reimann, es ist umwerfend, was ich da zu lesen bekomme :-).
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